Insgesamt schwierig bei diesem Thema war, dass einem das Schlüsselerlebnis häufig mit dem Zaunpfahl serviert wurde.
Engelsgesicht: Gehört zu dieser Kategorie. Der Wandel von den äußeren Werten zu den inneren, vom Model zur Studentin. Vermittelt durch eine gute Tat, die diese inneren Werte erst so richtig in Szene setzt. Ist mir zu plakativ.
Coming in: Sehr simpel gestrickt und hart an der Grenze zum Zaunpfahl. Immerhin gelang es mir, die mantrisch wiederholte Formel "Ich bin nicht schwul" ironisch zu lesen. Und so entschied ich mich, dass da am Ende ein kleiner Mehrwert drinsteckt, eine eckige kleine Unsicherheit der Hauptfigur. Das kann man gewiss anders sehen, aber von mir gab es einen Punkt.
Schlüsselerlebnis: An diesem Text habe ich nichts verstanden. Warum werden die Pronomina in der dritten Singular immer in Großbuchstaben geschrieben? Was ist das für eine Sprache? Was sind das für permanente Umbrüche? Warum wird mir das alles überhaupt erzählt?
Von Männern und Schafen: War mir eigentlich auch etwas zu platt, weil mir hier doch ein sehr roter Teppich ausgelegt wird, der eine logische Folge zwischen dem Erlebnis des Schafe vögelnden Vaters und der Homosexualität der Tochter insinuiert. Ich habe mich dafür entschieden, das zu überlesen und nur Idee und flüssige Sprache zu bewerten. Das kann man mit Fug und Recht anders sehen, aber von mir gab es dafür 2 Punkte.
Konstruktive Kritik: Der Kritiker ist die Schlange? Die Dinge nicht einfach nur hinzunehmen, ist der Auslöser für die Vertreibung aus dem Paradies? Das stimmt zwar gewissermaßen, ich konnte in diesem Text aber beim besten Willen nicht die meines Erachtens nötige Ironie und Differenzierung entdecken.
Die Gabe: Sprachlich wenig geschmeidig, thematisch sehr geradeaus und brachial: Die magische Gabe funktioniert nur bei anderen. Nicht weiter interessant.
Geflüster: Der besondere Moment im Leben einer fiktiven Bestsellerautorin ist beschrieben als sei er völlig langweilig gewesen. Platitüden wie die "glühenden Wangen", das Runterschreiben "überschüssiger Gedanken" und Sätze wie: "Aus irgendeiner unerschöpflichen Quelle floss es nach." will ich in diesem Zusammenhang eigentlich nicht lesen.
Du und ich: Toll! Bis auf einen rhythmischen Holperer bei "eindringt", schön im Versmaß, inhaltlich interessant, mir wird Raum zum Denken gelassen und der Blick am Ende ist von schlauer und pointenhafter Intensität. 3 Punkte, mit Abstand.
Dazugehören: Kategorie Zaunpfahl. Es ist charakterschwach, wenn auch für einen pubertierenden Jungen verständlich, dazugehören zu wollen. Und es kann böse Folgen haben. Lieber man selbst bleiben. Gewiss, gewiss.
Was ist ein "Humdi-Dumbi-Schnitt"?
Der Fotograf: Flüssig geschrieben, aber tausendmal gelesen. Entweder es geht um die wahre Liebe oder um die Mutlosigkeit, eine notwendige Veränderung herbeizuführen. Beides finde ich abgedroschen und zudem unterkomplex.
Der Schlüssel: Eigentlich ganz witzig und nimmt mit der Moral von der Geschicht auch den Zaunpfahl auf die Schippe. Dennoch, ich kann mit solcher Bierzeltdichtung irgendwie nichts anfangen. Knapp Platz vier.
Herr Streiber: Sprachlich schlecht, inhaltlich schlicht, am Ende mit einem larmoyanten Zaunpfahl garniert: "Leider konnte Herr Streiber niemals selber die richtige Sache miterleben." An dieses Thema muss man meines Erachtens anders ran.