Beiträge von Bartlebooth

    Mir hat das Buch auch recht gut gefallen, kurzweilig, dabei nicht läppisch oder albern, das Ende nicht uninteressant mit dieser klugen Enthüllung der ungewöhnlichen Erzählinstanz, die dem ganzen Roman nachträglich noch einmal sehr viel mehr Prägnanz verleiht. Hat mir gut gefallen.


    Was mir nicht so gut gefallen hat, war, dass ich ja gehofft hatte, hier ein Buch über die deutsche Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit in den Händen zu halten. Da wurde ich enttäuscht, von Zeitkolorit und Darstellung dieses in meiner Vorstellung erstickenden Hintergrundes war nicht viel zu spüren, was sicher nicht zuletzt daran liegt, das etwa die Hälfte der erzählten Familiengeschichtchen nicht aus der erzählten Gegenwart stammen.


    Das macht das Buch nicht schlecht, enttäuscht aber natürlich meine Leseerwartung. Den instruktiven Roman über die Nachkriegszeit (sowas wie John Knittel und Konsorten in Kritisch :grin) suche ich also noch.

    Hallo bartimaeus,


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    Original von bartimaeus
    Meiner Meinung nach ist es dem Autor anzulasten, wenn Wirkung und Aussageabsicht so stark voneinander abweichen, da es ihm ja nicht gelungen ist, die Aussage durch den Text zu transportieren.


    Da kann und will ich dir nicht widersprechen. :-)
    Ich meinte aber - ich denke, du hast es verstanden, aber nur noch mal zur Sicherheit -, dass ich Textinhalte, wie sie bei mir ankommen, nicht eins zu eins in die Psyche des Autors sublimiere. :grin


    Herzlich: Bartlebooth.

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    Original von Tom
    Europa nach dem Regen: Ein Text, der gewisse Kenntnisse beim Leser voraussetzt, jedenfalls bei der Art von Lesern, die er zu erreichen versucht. Für meinen Geschmack fast ein bisschen zu ambitioniert für den Eulen-Wettbewerb. Allerdings tut sich der Text mit seinem Aufbau (und den Auslassungen) keinen Gefallen; einiges musste zumindest ich mehrfach lesen, um die Zusammenhänge zu verstehen – und den Handlungsablauf.


    Ganz allgemein gesprochen finde ich es ja nicht so schlimm, dass man bei den lesenden etwas voraussetzt, ich habe, glaube ich, auch einen etwas anderen Unterhaltungsbegriff als du, Tom. Insofern stört es mich auch nicht, dass du den Text mehrfach lesen musstest. :grin
    Grundsätzlich freut es mich natürlich, wenn einigen der Text gefallen hat, aber man merkt mit Sicherheit, dass ich in meinem Leben (Pubertät und unmittelbare Postpubertät mal außen vor) nur Sachtexte im weitesten Sinn geschrieben habe. Die Idee des Textes gefällt mir übrigens nach wie vor sehr gut, die Umsetzung mag ein bisschen verkopft daherkommen... :hau :grin

    Hallo bartimaeus,


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    Original von bartimaeus
    Dass er aber so missverstanden wurde, wundert mich sehr.


    Ich wollte die Problematik der Ausländerfeindlichkeit ansprechen und keinesfalls Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit irgendwie veralbern oder gar Ausländerfeindlichkeit propagieren und hoffte, dass das (auch durch den letzten Absatz) deutlich würde. :-(


    Ich kann nur für mich sprechen, aber: nein, das ist mir nicht deutlich geworden. Was sollte mir denn aus dem letzten Absatz deutlich werden? Der Proll grinst selbstgefällig und seine Schwester sülzt mit Tränen in den Augen etwas über die Sprache der Liebe... Insofern kommt die ganze Veranstaltung, die du da skizzierst extrem albern rüber.
    Natürlich laste ich das nicht automatisch dir an, denke natürlich nicht, du wollest Ausländerfeindlichkeit propagieren oder ähnliches. Ich weiß schon, was es heißt, über Texte zu sprechen.
    Was du dir bei dem Text gedacht hast, das kann ich nur immer wieder wiederholen, ist nicht zwingend das, was bei einem beliebigen Leser ankommt. Würde man so hart produktionsästhetisch argumentieren, dann wäre absolut jeder Text gelungen, denn irgendwas hat sich ein Autor beim Schreiben meist gedacht ;-).


    Herzlich: Bartlebooth.

    Hallo Doc,


    ganz interessant. Was ich nicht verstehe, ist deine Begründung für dein wortreiches Schweigen:


    Zitat

    Einzelne Kommentare spare ich mir und vor allem den Verfassern an dieser Stelle, da ich dieses Mal kaum etwas wirklich Positives zu sagen hätte.


    Ich möchte zu bedenken geben, dass alles, was danach kam, für empfindliche Schreibende - zu denen ich glücklicherweise nicht gehöre - sicherlich viel schlimmer war als der härteste Kommentar. :grin


    Das nur nebenbei. Ich war diesmal auch nicht so zufrieden, verstehe also durchaus, was du meinst.


    Herzlich: Bartlebooth.

    Europa nach dem Regen
    Europa nach dem Regen
    Au premier mot limpide


    Seit Kindertagen "Vor vier Wochen traf ich Matti zufällig wieder" - ach was, das war göttliche Fügung zweier füreinander Bestimmter. Geht aus diesem Grunde gar nicht.


    Frühstück mit Ei "Ach ja, eine Pointe hat diese Geschichte nicht." Wäre der Erwähnung nicht wert gewesen. Finde ich leider nicht witzig.


    Allein Sehr tränendrüsig, eine naive afrikanische Frau, die sich aufgrund unverbindlicher Zusagen einer Internetbekanntschaft auf den Weg nach Berlin macht? Zu dick aufgetragen.


    Sprachgenie Die Pointe ist zu offensichtlich, und ich kann gerade keine "Nicolas Flamel"-Geschichten mehr sehen.


    Wrytik Trotz der Thematisierung einer gewissen Popelkonsistenz ist die Idee als von Douglas Adams geklaut ersichtlich. Daneben muss sie einfach flach wirken.


    Der Gast Eigentlich schlecht geschrieben, zu viele Adjektive und überflüssig viele Leerzeilen am Ende und viel zu dramatisch aufgeblasen. Die Idee war allerdings sehr originell: Wo ist man stärker Gegenstand einer Kommunikation, die man nicht versteht, als auf dem OP-Tisch? Ich drücke alle Augen zu und finde: Die Idee reicht für 2 Punkte.


    Ein neuer Morgen Naja, ganz nette Idee, recht gut geschrieben, aber für meinen Geschmack einfach zu linear, am Ende wird alles restlos aufgelöst, alle sind zufrieden und haben sich verstanden. Das ist mir viel zu glatt.


    Duell Schöne Idee, gut geschrieben - aber: Die selbstreferentiellen Eulenverweise nerven mich ein bisschen. Wäre die "prosaische Eule" am Ende nicht aufgetaucht, wäre mir dieser Text sicher mehr wert gewesen. So bleibt 1 Punkt, den ich ihm einfach geben musste.


    Nur mal schnell Zigarette Das Missverständnis ist mir nicht ganz transparent geworden. Sie denkt, er will von ihr eine Zigarette, er will auf Toilette und darüber verlieren sie sich aus den Augen? Wie genau jetzt? Holprige Umsetzung einer eigentlich passablen Idee.


    Noch Erbsen? Ok, orthographisch indiskutabel, aber eine sehr schöne Idee und eigentlich auch sehr gut erzählt, eine sehr sachliche, reduzierte, dem Thema angemessene Sprache. Mein Favorit für diesen Monat.


    Wir sollten lernen, einander zu verstehen Habe ich nicht verstanden. Will sich der Text über Gutmenschentum lustig machen? Finde ich in dieser Form problematisch.


    Aliens? Eigentlich ganz witzig, aber irgendwie auch nicht mehr als die alte Geschichte des Schafhirten ohne die Moral von der Geschicht. Insofern keine Punkte.

    Ich wäre entzückt über Margaret Atwood, glaube aber nicht so recht dran. Verdient hätte es auch Assia Djebar, an die glaube ich aber auch nicht. Haruki Murakami wäre mein dritter Vorschlag, der bekommt ihn aber meiner Spekulation nach erst in 10 Jahren.


    Ich bringe mal einen Außenseiter ins Spiel: Adrianus Theodorus Franciscus van der Heijden. ich glaube, der wird's!


    ;-)

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    Original von Sumire
    Leonce und Lena ist (wenn ich mir dieses Urteil erlauben darf) Büchners schlechtestes Werk. Wenn wir den Prinzen minutenlang über sein ach so langweiliges Leben reden hören und uns dann auch noch die Prinzessin ihr Leid klagt, ist man kurz davor, das Buch einfach in die Ecke zu werfen.


    Quot homines, tot sententiae, möchte ich meinen und mich dabei von diesem großzügig verteilten "man" bitte ausgenommen wissen. Mit Büchners Dramen verbinde ich sämtlich sehr starke Leseerlebnisse, starke Irritation (Woyzeck), starke Überforderung (Dantons Tod) und bei Leonce und Lena den Eindruck ich habe kein Dram des 19., sondern eines des 20. Jahrhunderts vor mir, so ungewöhnlich erschien mir dieser ironische Ton, diese vollkommene Distanziertheit zu etwas, das man emphatisch "Inhalt" nennen könnte. ZU vergleichen ist Büchner für mich eigentlich nur mit Kleist, dessen Hermannsschlacht mich ähnlich überrascht hat, wenn auch auf einer anderen Ebene.
    Insofern möchte ich "Leonce und Lena" jedem gern zur Lektüre empfehlen.


    Herzlich Bartlebooth.

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    Original von Aeria
    Zenia bleibt ein (bösartiges) Rätsel.


    Und selbst das ist nicht sicher. Denn ob Zenia am Ende tatsächlich bösartiges, männerfressendes Ungeheuer oder vielmehr bedauernswertes, selbst ausgenutztes Opfer ist, wird im Laufe der Handlung doch immer unsicherer.
    Unterstrichen wird das dadurch, dass sich die "Bedrohung" des vierten Mannes im Leben der Protagonistinnen durch Zenia am Ende als grandiose Fehleinschätzung herausstellt.


    Dieser Roman ist der beste, den ich bisher von Margaret Atwood gelesen habe.


    Herzlich: Bartlebooth.

    Hallo Humpenflug,


    Hemingway ist unter Anglisten und Amerikanisten aber nicht ganz unumstritten. Ich kenne viele, die Toms Meinung teilen. Das aber nur am Rande, ich selbst habe zu Hemnigway mangels Kenntnis noch keine dezidierte Meinung (was aber auch daran liegt, dass mir viele Leute, die ich sehr schätze, von der Lektüre stets abgeraten haben).


    Herzlich: Bartlebooth.

    Hallo MaryRead,


    Danke. :-)


    Aber ich habe das, was mir unverständlich war, immer noch nicht verstanden. Warum wird denn aus den A-Interpretationen klar, dass es sich für alle Beteiligten um eine "no win"-Situation handelt? Aus ihnen wird für mich erstmal nur klar, dass die Freundin wirklich gern Stiefmutter werden würde. Das impliziert doch aber keine "no win"-Situation. :help


    :gruebel Bartlebooth

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    Original von Waldfee


    Da ich Enys Geschichte genauso verstanden habe wie sie sie mit allen "Zusatzinformationen" erklärt hat, muss das alles wohl doch irgendwo im Text gestanden haben...?


    Mag ja sein, aber warum sagst du mir denn dann nicht, wo? Ich meine, musst du ja nicht, ist, wie bereits erwähnt, eine reine Interessensfrage und wir müssen das nicht bis zum Ende ausdiskutieren. Wobei ich es schon interessant finde, was ich unter "reininterpretieren" zu verstehen habe - denn dieses Wort in Enys Antwort auf MaryReads Frage hat mich recht eigentlich zu meiner ersten Replik veranlasst.


    Grüße: Bartlebooth.

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    Original von Eny
    Hier war ich schon beim Schreiben der Meinung, dass ich zu wenig habe durchscheinen lassen. An deiner Reaktion auf meine "Zusatzinformation" sehe ich, dass es wirklich so ist. Jene Information befindet sich ebenfalls im Text, aber anscheinend habe ich sie zu tief vergraben.


    Nun, ja, du hast sie sehr tief vergraben, denn ich finde sie dort tatsächlich nicht. Meine Frage war einfach: Wo steckt sie - deiner bzw. MaryReads Meinung nach, die sie ja offenbar auch ausgemacht zu haben scheint? Das ist eine reine Interessensfrage.


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    Original von EnyInterpretation ist subjektiv.


    Naja, das ist nichts, was wir hier en détail diskutieren sollten, dafür müssten wir einen eigenen Ordner erstellen. Interpretation ist nach meinem Dafürhalten in einem gewissen Rahmen, aber nicht radikal subjektiv. es gibt schon so was wie eine denotative Ebene des Textes, die die Interpretation ein Stück weit steuert.

    Zitat

    Original von MaryRead


    :wow Darauf wäre ich wirklich nicht gekommen - obwohl es durchaus *auch* drinsteht, merke ich jetzt. :gruebel


    Tut es das?
    Ich stehe ja nicht auf dem Standpunkt, das Autorschaft die Deutungshoheit verleiht. Ebensowenig hat natürlich der/die einzelne Lesende die "korrekte Interpretation" gepachtet, das halte ich inzwischen aber fast schon für Platitüden, die man mir verzeihen möge.
    Was ich allerdings finde ist: Man kann schon sagen, ob etwas im Text steht, im Sinne, dass man es ohne Interpretation (ok, dünnes Eis ;-)) bzw. vielleicht besser ohne zusätzliche Information darin finden kann.


    Zitat

    Original von EnyDas Problem ist, dass er weiss, dass es besser ist, wenn die beiden bei Judith bleiben. Seine "Affäre" hingegen wäre lieber Stiefmama, nicht nur Papas Freundin. Deshalb sitzt der Fotograf zwischen den Erwartungen seiner Freundin und dem, was für seine Kinder (und seine Frau) richtig ist.


    Das ist meines Erachtens eine Zusatzinformation, die ich so nirgends im Text finde. Insofern steht das mit den Kindern eigentlich nicht im Text.

    Ich benutze Hokkaido Kürbisse - die einzigen, so hat man mir glaubwürdig versichert, die man nicht schälen muss.
    Allerdings war das Schälen für mich nie ein Problem, weil ich die Kürbisse, bevor ich sie zu Suppe verarbeite, backe - so nach Gefühl und Backofen, ich habe ja einen Gasherd, da geht es recht fix. Von einem gebackenen Kürbis lässt sich die Haut einfach abziehen.
    Während er bäckt, hacke ich ne Zwiebel und ein bisschen Knoblauch. das wird in ein bisschen Öl angebraten, dazu kommt der kleingeschnittene, entkernte Kürbis, das noch mal kurz wenden, süße Sahne dazu, und Wasser je nach Gusto, wie dickflüssig man die Suppe haben will. Alles pürieren und mit Salz, Ingwer und Nelken würzen.
    Feddich. Supereinfach, superlecker.


    Herzlich: Bartlebooth

    Christine Nöstlinger ist schon ein Phänomen. ich habe Die "Gretchen"-Bände zum ersten Mal mit Anfang zwanzig gelesen und fand sie auch ganz toll. Die Frage, die ich mir immer wieder stelle ist, ob Christine Nöstlinger einen ganz bestimmten Ton einer ganz bestimmten Jugend trifft, nämlich der der 70er und 80er, und dass sie uns deshalb so gut gefällt.
    Ich frage das deshalb, weil mir kaum ein jüngeres Semester (ich meine jetzt nicht die ganz Kleinen, sondern so um die 14) bekannt ist, das Christine Nöstlinger gut findet. Könnte es sein, dass die Schreibe nicht so zeitlos ist, wie sie sich meinem Empfinden darstellt? Könnte es sein, dass Christine Nöstlingers Zeit als Jugendbuchautorin inzwischen seit fast 20 Jahren vorbei ist?

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    Original von Waldfee
    Coming in – Für die Schreibe und die Erzählweise wäre diese Story bei mir in die Punkteränge gekommen, aber ich finde, ein Schlüsselerlebnis wäre der Sex nur dann gewesen, wenn der Erzähler dabei festgestellt hätte, dass auch er schwul ist. So hat das Erlebnis an seinem Leben und seiner Freundschaft zu Marko nichts geändert.


    Witzig, wie unterschiedlich man selbst ein so doch eigentlich sehr einfaches und wenig verklausuliertes Textchen lesen kann. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, der Sex sei das Schlüsselerlebnis. Könnte es nicht das Gespräch gewesen sein?


    Zitat

    Original von Waldfee
    Du und ich – Was da manche hinein- oder herauslesen konnten, kann ich nicht so recht nachvollziehen. Mir erscheint dieses Gedicht nach wie vor eher platt.


    Dieser Kommentar könnte von mir sein - bezogen allerdings auf den allgemeinen Siegertext. :grin

    Insgesamt schwierig bei diesem Thema war, dass einem das Schlüsselerlebnis häufig mit dem Zaunpfahl serviert wurde.


    Engelsgesicht: Gehört zu dieser Kategorie. Der Wandel von den äußeren Werten zu den inneren, vom Model zur Studentin. Vermittelt durch eine gute Tat, die diese inneren Werte erst so richtig in Szene setzt. Ist mir zu plakativ.


    Coming in: Sehr simpel gestrickt und hart an der Grenze zum Zaunpfahl. Immerhin gelang es mir, die mantrisch wiederholte Formel "Ich bin nicht schwul" ironisch zu lesen. Und so entschied ich mich, dass da am Ende ein kleiner Mehrwert drinsteckt, eine eckige kleine Unsicherheit der Hauptfigur. Das kann man gewiss anders sehen, aber von mir gab es einen Punkt.


    Schlüsselerlebnis: An diesem Text habe ich nichts verstanden. Warum werden die Pronomina in der dritten Singular immer in Großbuchstaben geschrieben? Was ist das für eine Sprache? Was sind das für permanente Umbrüche? Warum wird mir das alles überhaupt erzählt?


    Von Männern und Schafen: War mir eigentlich auch etwas zu platt, weil mir hier doch ein sehr roter Teppich ausgelegt wird, der eine logische Folge zwischen dem Erlebnis des Schafe vögelnden Vaters und der Homosexualität der Tochter insinuiert. Ich habe mich dafür entschieden, das zu überlesen und nur Idee und flüssige Sprache zu bewerten. Das kann man mit Fug und Recht anders sehen, aber von mir gab es dafür 2 Punkte.


    Konstruktive Kritik: Der Kritiker ist die Schlange? Die Dinge nicht einfach nur hinzunehmen, ist der Auslöser für die Vertreibung aus dem Paradies? Das stimmt zwar gewissermaßen, ich konnte in diesem Text aber beim besten Willen nicht die meines Erachtens nötige Ironie und Differenzierung entdecken.


    Die Gabe: Sprachlich wenig geschmeidig, thematisch sehr geradeaus und brachial: Die magische Gabe funktioniert nur bei anderen. Nicht weiter interessant.


    Geflüster: Der besondere Moment im Leben einer fiktiven Bestsellerautorin ist beschrieben als sei er völlig langweilig gewesen. Platitüden wie die "glühenden Wangen", das Runterschreiben "überschüssiger Gedanken" und Sätze wie: "Aus irgendeiner unerschöpflichen Quelle floss es nach." will ich in diesem Zusammenhang eigentlich nicht lesen.


    Du und ich: Toll! Bis auf einen rhythmischen Holperer bei "eindringt", schön im Versmaß, inhaltlich interessant, mir wird Raum zum Denken gelassen und der Blick am Ende ist von schlauer und pointenhafter Intensität. 3 Punkte, mit Abstand.


    Dazugehören: Kategorie Zaunpfahl. Es ist charakterschwach, wenn auch für einen pubertierenden Jungen verständlich, dazugehören zu wollen. Und es kann böse Folgen haben. Lieber man selbst bleiben. Gewiss, gewiss.
    Was ist ein "Humdi-Dumbi-Schnitt"?



    Der Fotograf: Flüssig geschrieben, aber tausendmal gelesen. Entweder es geht um die wahre Liebe oder um die Mutlosigkeit, eine notwendige Veränderung herbeizuführen. Beides finde ich abgedroschen und zudem unterkomplex.


    Der Schlüssel: Eigentlich ganz witzig und nimmt mit der Moral von der Geschicht auch den Zaunpfahl auf die Schippe. Dennoch, ich kann mit solcher Bierzeltdichtung irgendwie nichts anfangen. Knapp Platz vier.


    Herr Streiber: Sprachlich schlecht, inhaltlich schlicht, am Ende mit einem larmoyanten Zaunpfahl garniert: "Leider konnte Herr Streiber niemals selber die richtige Sache miterleben." An dieses Thema muss man meines Erachtens anders ran.