Beiträge von Bartlebooth

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    Original von Eddie Poe
    2) Mag sein, aber wieso muss er ausgerechnet jetzt damit anfangen? Wir haben alles gelesen, was wir laut Lehrplänen lesen mussten, also könnten wir doch lieber wiederholen und die Sachen machen, die wir für die Prüfungen brauchen. Danach kann man immer noch Klassiker lesen, wenn es einen interessiert.


    3) Darauf bin ich eingestellt. Wenn ich die Werke, die mein Lehrer uns gibt, für die Prüfungen brauchen würde, hätte ich auch gar nichts dagegen, sie zu lesen. Aber für mich ist es im Moment einfach eine unnötige Belastung.


    Das stimmt schon, kurz vor dem Abi eine solche Regelung einzuführen ist, wie ich oben schon angeführt habe, ein wenig überambitioniert. Das könnte man ihm aber mit Sicherheit in einem freundlichen Ton klarmachen.
    Ansonsten spricht ein sehr zeitgeistiger Pragmatismus aus deinen Worten, die Geister, die wir riefen.... :-(


    Herzlich: Bartlebooth

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    Original von Eddie Poe
    obwohl es für "Biss zum Abendrot" gereicht hat; aber das war ja auch wichtig :lache


    Sieh an, sieh an :lache


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    Original von Eddie Poe
    Ich habe allerdings keine Ahnung, inwiefern die Abiturvorbereitung anders ist, wenn man kein Zentralabitur schreiben muss. Aber eigentlich ist die weitverbreitete Meinung, Zentralabi ist schlimmer... :gruebel
    Eddie


    Ich hatte auch Zentralabitur. Und ich habe ein sehr gutes Abi hingelegt. Und dennoch war ich in meiner Schulzeit wohl nie mit mehr Freizeit ausgestattet als in 13.2. :grin


    Herzlich: Bartlebooth.


    EDIT Stimmt, ich erinnere mich, die Rhythmen wurden kurz nachdem ich Abi gemacht hatte verändert (in Baden-Württemberg). Also: Du hast mein Mitgefühl. :keks

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    Original von Eddie Poe
    Die meisten Lehrer bei uns erscheinen mir sehr weltfremd und altklug, sie können zwar aus irgendwelchen Dramen zitieren, aber verstehen einfach nicht, dass man auch mal ausgehen und nicht nur den ganzen Tag in Bücher starren will. Sie kennen "Faust" fast auswendig, können aber keinen Nagel gerade in die Wand hauen. Manchmal denke ich, dass sie gar nicht richtig am Leben teilnehmen.


    Eigenartig, alle Lehramtsstudierende, die ich auf der Uni getroffen habe, hätte man mit dem Gegenteil wesentlich besser beschrieben. Da habe ich mich manchmal gefragt, ob nicht die ein oder andere Stunde besser in Lektüre investiert worden wäre. :lache
    Interessante Schule, auf die du da gehst.


    Dass es dem Lehrer zu spät einfällt, kann ich nicht finden. Ich erinnere mich gut an 13.2, die Abiklausuren sind rum und die Vorbereitung aufs Mündliche (zu meiner Zeit in der Regel ein Fach) machte im Februar noch nicht allzu viele Sorgen. Hätte euer Lehrer euch mit diesen Anforderungen in 13.1 konfrontiert, hätte ich ihn schon eher für ein bisschen überambitioniert erklärt.


    Herzlich, Bartlebooth. :keks

    Anlässlich des Freitodes ihres Bruders Liam blickt Veronica Hegarty auf die gemeinsame Kindheit zurück. Aufgewachsen in einer vielköpfigen Familie (wenn ich mich recht entsinne 12 Geschwister, von denen aber nun nur noch neun leben), so zahlreich, dass sich die Mutter die Namen ihrer ganzen Kinder nicht merken kann, erzählt Veronica von einer ganz besonderen Schuld. Denn Liam, so wenigstens ihre Vermutung, ist ins Wasser gegangen, weil er von einem engen Freund der Großmutter im Alter von 15 Jahren systematisch missbraucht wurde. An diesem Punkt begann der unaufhaltsame Abstieg ihres Bruders.


    Eine weitere Missbrauchsgeschichte? Irgendwie ja. Gewinner des Booker-Preises 2007, das mich aber nicht so recht überzeugen konnte - hoffentlich eine Ausnahme, die die Regel bestätigt, denn gewöhnlich kann ich mich sogar auf die Shortlist dieses Preises ziemlich gut verlassen.
    Interessant an dem Text ist sicher seine konsequente Sexualisierung. Kein Kapitel vergeht, in dem es nicht wenigstens auch um Sex und/oder Begierde geht. Und der Sex, der beschrieben wird - nicht nur der Missbrauch, der ohnehin nur als alptraumhafte, verwaschene Erinnerung einer Achtjährigen wiedergegeben wird -, ist alles andere als schön. Sexualität wird konsequent entromantisiert, von Liebe ist zwar die Rede, doch so recht (be)greifen kann man sie bzw. ihren Platz im menschlichen Miteinander im gesamten Text nicht. Anne Enright - das ist ihr zugute zu halten - schafft hier eine originelle Darstellung des Themas: zugleich abstoßend und allpräsent und nicht wirklich unter der Kontrolle der an ihr Beteiligten, hat Sexualität etwas Unausweichliches und im Wortsinne Geschäftsmäßiges.


    Das reicht aber meiner Ansicht nach nicht, um die 260 Seiten diffus vorgetragener Familiengeschichte zu tragen, in der nichts wirklich klar wird: Ist Liam sozusagen an den alten Liebhaber seiner Großmutter "verkauft" worden, nachdem diese nicht mehr jung und schön genug war, um noch mit dem eigenen Körper die Mietschuld begleichen zu können, die zu jedem Monatsbeginn aufs Neue Sorgen bereitete? Einiges spricht dafür, dass die Angelegenheit so profan war, und dass die achtjährige Veronica nicht die einzige war, die von diesem abstoßenden Arrangement wusste. Wahrscheinlich war die gesamte Familie eingeweiht.


    Das Buch erzeugt so zwar eine widerwärtige Faszination an diesem banalen Handel mit Körpern im muffigen katholischen Irland, doch es geht nicht über die Schilderung des Prozesses der Bewusttwerdung von Veronica hinaus. Diese ist sich nicht sicher, ob Liam der einzige war, der missbraucht wurde, oder ob nicht auch andere Geschwister - unter anderem sie selbst - diesen Dienst leisten mussten.


    Ich kenne mich im Thema zu wenig aus, um zu etscheiden, wie realistisch die Darstellung ist. Ich halte es jedoch für möglich, dass es in vielen Missbrauchsfällen, nie zum Eklat oder zur Aussprache kommt, sondern dass die Beteiligten einfach mit ihrer Schuld und den Trümmern ihrer Existenz weiterleben; dass oft nicht einmal ein Selbstmord stark genug ist, um einen Prozess der Aufarbeitung einzuleiten. Nur: Genügt diese vielleicht realistische Darstellung als Grundlage eines Romans?

    Hallo Nicole,


    meiner Meinung nach sollte man sehr vorsichtig sein, mit den biographisierenden Zwängen, die man diesem Buch auferlegt. Man darf nicht vergessen, dass es sich hier um einen Roman handelt.


    Nicht nur in Bezug darauf empfinde ich die von dir gepostete Amazon-Rezension als bestürzend naiv und sicher nicht als Kompliment.


    Die fiktive Biographie beschreibt die mittleren Lebensjahre von Henry James, eigentlich in nicht-chronologischer Form; denn obwohl die Kapitelüberschriften (nach dem Muster: Monatsname, Jahreszahl) eine einfache Linearität suggerieren, Ist die Erzählung selbst durchsetzt von Rückblenden und eher thematisch gegliedert. "Thematisch" heißt in diesem Fall, dass stets eine bestimmte Person, die für Henry James in irgendeiner Weise bedeutsam war und deren Verhältnis zu Henry aus einer sehr reduzierten auf Henry fokussierten personalen Erzählhaltung heraus geschildert wird, im Zentrum eines jeden der elf Kapitel steht.


    Der Roman beginnt so mit einem close up auf Henry selbst. Der anerkannte Romancier versucht sich als Dramatiker und scheitert grandios; enggeführt wird hier noch die Geschichte Oscar Wildes, der zur gleichen Zeit große Erfolge auf den Bühnen Londons feiert. Später wird dem Prozess gegen ihn ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem die Opposition zwischen James und Wilde Profil gewinnt: Wilde, der Lebemann, der das Leben bis zur Selbstzerstörung und -erniedrigung auskostet, James, der distanzierte Beobachter, der sein Leben in ein umfangreiches Prosawerk sublimiert und eigentlich nur durch dieses lebt.


    Strukturell ist «The Master» sehr clever komponiert. Vielleicht muss man sogar den leichten Durchhänger in den mittleren Kapiteln als strukturgebendes Element hinnehmen, in denen der durch die distanzierte und kontrollierte Lebensweise der Hauptfigur bedingte sehr ruhige Erzählton manchmal zu einem gewissen Überdruss führt. Gleichzeitig wird einem auf diese Weise klar vor Augen geführt, was Kontrolle eben auch bedeutet: Neben dem Gewinn eines sezierenden Blicks in den ersten Kapiteln und dem unausweichlichen Gefühl, etwas verpasst zu haben, das in den letzten Kapiteln sehr stark zum Tragen kommt, die sich vor allem um die großen emotionalen Bindungen im Leben von Henry James an seine Familie, Hendrik Andersen und Constance Fenimore Woolson drehen, ist der mittlere Teil wahrscheinlich die größte erzählerische Herausforderung gewesen: Hier muss Tóibín nämlich das Zögern beschreiben, dass zwischen den beiden Polen liegt - dem positiven der Hellsichtigkeit, dem negativen der verpassten Chancen und des damit einhergehenden Leids.


    Tóibín gelingt das insgesamt sehr gut, ohne dass man als Lesende/r zu einem Verständnis des Mechanismus käme. Hoch anzurechnen ist dem Buch, dass es auf allzu platte Psychologisierung verzichtet, ohne in die Unsitte des einfachen Abschilderns zu verfallen, das mir in den erzählenden Künsten der letzten 10, 15 Jahre so unglaublich en vogue zu sein scheint.


    Auf platte Psychologisierung verzichtet das Buch dankenswerterweise auch beim Thema Sexualität. Homo- und Bisexualität sind zwar allpräsentes Thema - nicht nur in Bezug auf Henry James -, Tóibín vermeidet aber gerade durch die sehr ausführlich geschilderte Beziehung James' zu Constance Fenimore Woolson, die sich mutmaßlich wegen nicht erwiderter Liebe seitens Henry in Venedig das Leben nimmt, eine allzu einfache Fokussierung hin auf die schematische sexuelle Einteilung, die wir so gut kennen. Das hat mich sehr für das Buch eingenommen.


    «The Master» war auf der Shortlist des Booker Prize 2004 und musste sich hier Alan Hollinghursts «The Line of Beauty» beugen - einem Buch, das ich auch sehr lesenswert finde; wenn man mich fragt, muss die Entscheidung zwischen diesen beiden Texten allerdings sehr knapp ausgefallen sein.


    Noch etwas zum deutschen Titel: «Portrait des Meisters in mittleren Jahren» - ganz offensichtlich ein Joyce-Zitat. Ich empfinde mich nun als alles andere denn einen Joyce-Experten, habe das «Portrait» auch nicht gelesen; nach dem, was ich darüber weiß, erschließt sich mir die Parallele allerdings nicht. Da ich weiß, wie Titel zustande kommen, vermute ich hinter dieser Betitelung einen eher plumpen, nur scheinbar intellektuellen Marketingtrick. Oder habe ich etwas übersehen?

    Hallo zusammen,


    ist nicht auch die "His Dark Materials"-Trilogie ein typisches Steampunk-Werk? Viktorianischer geht es doch kaum?
    Außerdem gilt der dritte Teil der Gormenghast-Reihe, "Titus Alone", von dem von mir hochgeschätzten Mervyn Peake als Steampunk-Roman. Ich habe ihn leider bisher nicht gelesen, er ist auch Fragment geblieben.


    Herzlich: Bartlebooth.

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    Original von bartimaeus


    Hmm :gruebel Das macht die Definition allerdings nicht einfacher.


    Wieso nicht? Es zeigt klar die Intention, die hinter der Schaffung dieser Kategorie stand. Die kann man natürlich kritisieren, sie ist wohl auch inzwischen etwas unzeitgemäß geworden, aber per se stört mich das erst einmal noch nicht.


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    Original von bartimaeus


    Das heißt nicht, dass ich mich nicht darüber aufregen darf :grin ;-)
    Ich finde eine grobe Einteilung ja ebenfalls sinnvoll. Ich möchte diese vorhandene Regelung auch nicht verdammen, ich finde nur, dass sie recht unpräzise und subjektiv ist. Bücher können nicht exakt in Rubriken sortiert werden, da jeder Leser sie anders wahrnimmt und sie zu unterschiedlich sind.
    Für das Gros der Bücher mag die Regelung zutreffen, aber eben nicht für alle.


    Sicherlich, pädagogisierende Begriffe sind auch immer ein bisschen abwertend. Dagegen wehrst du dich, und das ist sicherlich aller Ehren wert und findet meine Zustimmung. Ich finde auch, dass hier die Definition interessant wird, denn tatsächlich wird durch diese Einteilung nach Lesealter die Jugendliteratur häufig abgewertet - zum großen Nachteil derjenigen Autor/innen, die anspruchsvolle Jugendliteratur schreiben. Es ist nicht ganz uninteressant, was eigentlich hinter diesen Alterseinteilungen steht. Schlussendlich sicherlich eine Kategorie der Reife, die leider immer noch ziemlich allein am Alter festgemacht wird. Dabei fallen mir einige über 40-, über 50-, über 60jährige ein, bei denen ich nicht davon ausgehe, dass sie ein komplexes Jugendbuch vollkommen durchdringen, oder denen ich nicht den "Mann ohne Eigenschaften" zur Lektüre empfehlen würde. :grin


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    Original von bartimaeus
    Wenn man wissen will, welchen Kriterien Altersangaben zugrunde liegen, kommt man zwansläufig auch zu der Frage, nach welchen Kriterien ein Buch als Jugendbuch und nicht als Erwachsenenbuch beurteilt wird, welche Art von Büchern also nicht für Jugendliche "geeignet" ist...


    Das ist sicher richtig, gleichzeitig wünschen sich Menschen Orientierung im unübersichtlichen Büchermarkt. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder und Jugendliche selten überfordert von eigentlich für ihre Altersgruppe nicht geeigneten Büchern sind. Und falls doch, legen sie sie einfach weg. Wenn man es wichtig findet, kann man sie ihnen ja dann zu einem späteren zeitpunkt noch einmal schmackhaft zu machen versuchen.


    Herzlich: Bartlebooth.

    Liebe magali,


    mal wieder sehe ich nicht unseren Dissens. ;-)
    Ich sage ja: Es ist einfacher zu sagen, was keine JuLi ist. Das Alter ist in dem von mir genannten Sinne nur ein Anhaltspunkt.


    bartimaeus ,


    Jugendliteratur ist, wie magali ganz richtig insinuiert, ein pädagogischer Begriff. Insofern ist es irrelevant, ob ein Jugendlicher Kafka liest. Das habe ich getan, das macht aus Kafka aber keine Jugendliteratur. Ich finde das auch erst einmal vollkommen unproblematisch, denn warum sollten Erwachsene keine Jugendbücher lesen - ich selbst tue das, denn, auch hier stimme ich magali zu, es gibt Jugendbuchautoren, die einfach gute und lesenswerte Bücher schreiben. Umgekehrt können Jugendliche natürlich auch Literatur lesen, die für Erwachsene geschrieben wurde. Ich selbst habe das auch getan, als ich noch Jugendlicher im Sinne des Gesetzes war.


    Herzlich: Bartlebooth.

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    Original von bartimaeus


    Diese Definition ist falsch.


    Hallo bartimaeus,


    was soll ich sagen? Diese Definition ist gängige Praxis. Zu Karl may wäre zu sagen, was magali bereits gesagt hat. Genau dasselbe wäre zu sagen zu all den Klassikern, die nachträglich zu Jugendliteratur geworden sind, von Stevenson bis Melville oder Swift. Schwierig ist es ohnehin mit älteren Titeln zu argumentieren, denn Jugendliteratur ist eine relativ neue Erfindung.


    magali , Dein James-Beispiel widerspricht nicht meiner Einteilung. Wie gesagt: Sobald wir einen jugendlichen Protagonisten haben, hängt es von den Einteilenden ab, wohin sie das entsprechende Buch stecken.


    Herzlich: Bartlebooth.

    Hallo Saru,


    es ist sehr viel einfacher zu beantworten, was kein Jugendbuch ist.
    Ganz klar: Ein Buch mit einem erwachsenen Protagonisten ist nie ein Jugendbuch. Wenn wir jugendliche Protagonisten haben, hängt die Einteilung von den jeweiligen Beurtielnden ab. So kommt der Booker-Preisträger DBC Pierre unter die 50 besten Jugendbücher des Fachjournalisten Nicola Bardola, so kommen Lian Hearn und Haruki Murakami zu Nominierungen beim Deutschen Jugendliteraturpreis: jugendliche Protagonisten.


    Außerdem darf bei einem (typischen) Jugendbuch eine gewisse Komplexität nicht überschritten werden. James Joyce schreibt ebensowenig Jugendbücher wie Thomas Pynchon, um mal zwei extreme Besipiele zu nennen. Wenn Struktur und/oder Sprache eines Textes zu komplex sind, taugt er nicht dazu das durchschnittliche jugendliche Publikum zu erreichen. Ausnahmen gibt es immer, aber die schrecken dann auch nicht vor den Regalen mit der Erwachsenenliteratur zurück. :-)


    Herzlich: Bartlebooth.

    Ein Buch, das es leider noch nicht in den Rang eines "Klassikers" geschafft hat, obwohl es neben "Buddenbrooks" ins Regal gehört. Warum es so unbekannt ist, liegt vor allem daran, dass der Stil in den 50ern dem Zeitgeist nicht entsprach: zu opulent, zu blumig, zu barock. Bei der Gruppe 47 durchgefallen, ist dieser große und sensible Erzähler darum leider nie zu der Bekanntheit gekommen, die er eigentlich verdient hätte: Albert Vigoleis Thelen, Die Insel des zweiten Gesichts.


    Außerdem muss ich noch auf ein zweites Buch hinweisen, auf ein Buch, das landläufig als ein Urgestein der "Fantasy"-Literatur gilt, was aber eigentlich eher in der Tradition Kafkas steht, also durchaus fantastisch ist, aber ohne magischen Schnickschnack auskommt: Mervyn Peake, Titus Groan.

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    Original von Tom
    Und ich freue mich sehr auf die Bilder von Bartlebooth, die zeigen, wie man einen Besen verspeist. :grin


    Alles eine Frage der richtigen Entspannungstechnik, wie beim Schwertschlucken oder, aber lassen wir das.
    Ich kann es übrigens immer noch nicht fassen :grin.


    Herzlich: Bartlebooth

    Hallo Herr Palomar,


    ich weiß nicht, ich weiß nicht, mir gefällt das Buch schon auch, schreiben kann der Monsieru Capus ohne jeden Zweifel, ich würde sogar soweit gehen zu sagen, ich habe in letzter Zeit bei deutschen Originalautoren selten eine so geschmeidige Sprache gelesen. Das Thema ist interessant und wunderbar skurril in Szene gesetzt (die Seeschlachten auf dem Tanganikasee sind einfach nur groß).
    Aber am Ende... ich weiß nicht. Das Buch hört einfach nur auf. Vielleicht muss es so sein, vielleicht verträgt der Roman keinen Knalleffekt, keine überraschende Wendung, nicht einmal eine klare Aussage zu dem, was wenigstens mit den Hauptfiguren geschieht. Irgendwie wirkt mir das unrund, als hätte Capus sich gesagt, lieber so ganz unspektakulär auslaufen lassen, als am Ende meinen schönen Erzählbogen durch irgendwas Grelles in die Luft zu jagen. Ich bin mir auch drei Wochen nach Beendigung noch nicht sicher, welche Meinung ich dazu habe, neige aber inzwischen tatsächlich eher zu einem: suboptimal.
    Was das Buch insgesamt runterzieht, aber nicht zu einer totalen Katastrophe werden lässt.


    Herzlich: Bartlebooth.

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    Original von Waldlaeufer
    Darf ich fragen, warum gleich beim Kommentieren Autoren erraten werden. Netter Sport, klar. Und sonst? Welchen Aussagewert zur Geschichte selbst hat es?


    Wann sollten sie sonst erraten werden? Aussagewert zur Geschichte hat es keinen, behauptet doch auch niemand.

    Liebe Marie Sprachlich eher hölzern („Denn ich liebe Alex und schätze ihn sehr!“) und von der Situation her sehr unoriginell. Die Pointe ist eigentlich keine, denn so richtig ausweglos wird die Situation durch diesen Versprecher ja nun nicht gerade. Lau.


    Post it Wenn das Tom geschrieben hat, fress ich nen Besen. Der Joghurt-Fetisch wirkt ziemlich aufgesetzt, für eine originelle Darstellung eines Rosenkriegs ist das nicht geeignet. Hintersinn sehr ich hier keinen.


    Zugvögel Furchtbar manierierte Sprache, die Ergriffenheit nicht aufkommen lassen will.


    Punkte und Striche Die Pointe rauscht vollständig an mir vorbei. Viel zu aufgeladen, diese Hochstilisierung der Briefe als etwas, das sogar durch die Lektüre der Enkelin entweiht würde… Puh!


    Der Gemeindebrief Vielleicht etwas klamaukig, aber ich konnte insgesamt drüber lachen. Mein Favorit für diesen Monat.


    Vertretung Auch keine neue Idee und nicht herausragend. Ich wusste einfach nicht wohin mit meinen Punkten.


    Presseerklärung Schenkelklopfen mit Spitzenpolitikern. Alles andere als mein Fall.


    Nachgedacht Ohne Worte.


    Das Erbe Extrem vorhersehbare Pointe; sprachlich ordentlich, aber nichts Besonderes.


    Tango Argentino Sehr schöner Ton und anständige Geschichte. Das mit der Freiheit ist aber wirklich etwas komplizierter, darüber kann ich leider nicht hinwegsehen. Insofern 2. Platz. Ich tippe auf Waldfee als Verfasserin, deren Texte mich ja sprachlich immer überzeugen.


    Man merkt’s, ich kann mich der Euphorie in Bezug auf diesen Monat ganz und gar nicht anschließen. Ich hatte große Schwierigkeiten, überhaupt Punkte zu vergeben und hätte es auch gelassen, wenn nicht in letzter Sekunde noch der Tango-Text eingetroffen wäre, so dass ich wenigstens zwei Texte hatte, die ich einigermaßen guten Gewissens bepunkten konnte.


    Herzlich: Bartlebooth.