Beiträge von Viabene

    Mir kam gerade der Gedanke, ob ein gemeinsamer Event " Wochenendleserunde" hier auf Zustimmung stoßen würde.


    Es gibt doch immer wieder auch ein paar literarische Werke, die sich , mitunter auch mangels Umfangs, nicht für eine großangelegte Leserunde eignen, aber durchaus lesenswert sind.


    Man könnte demnach Samstagsabends die ersten Eindrücken diskutieren und Sonntagsabends dann dieses Event gemeinsam in einer Diskussion abrunden.


    Was haltet ihr davon?


    Quasi als kleines Schmankerl zwischendurch ....


    ;) Via

    Ein Buch über die vergebliche Suche nach der Liebe, aber nicht nur! Treichel nimmt auch den Wissenschaftsbetrieb aufs Korn und hat eine "Kunsthistorikersatire" geschrieben. Held der Geschichte ist Albert, dessen Körper, Herz und Geist bleischwer vor Sehnsüchten sind - kein Wunder also, dass ihm alles schief geht ...


    Der junge norddeutsche Student der Kunstgeschichte, Albert, begegnet der schönen Italienerin Elena und besucht sie von nun an im Café, in dem sie bedient.
    Es ist um ihn geschehen - die Frau seines Lebens, die Frau, die er schon immer gesucht hat ...
    Und dann nach wochenlangem Zögern passiert es:
    Sie kommen sich näher, sie werden ein Paar.
    Eines Tages bekennt Elena, zurück in ihre Heimat zu wollen. Albert geht mit. Doch in Carbonia, einem tristen Bergarbeiterstädtchen, dreht sich der Wind und Albert beginnt, von Berlin und den blaugrünen Augen einer Kieler Geologiestudentin zu träumen, die ihm am Strand begegnet ist ...


    Der Autor
    Hans-Ulrich Treichel, 1952, in Versmold/Westfalen geboren, tauschte nach dem Abitur die Provinz gegen Berlin, seinen Studienort, wo er 1984 in Germanistik promovierte. Von 1985 bis 1991 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Neuere Deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin, 1993 habilitierte er. Arbeitsaufenthalte führten ihn nach Italien, an die Universität Salerno und die Scuola Normale Superior in Pisa.


    Dieses kleine Werk ließe sich dann in einer gemeinsamen Leserunde unter das Motto stellen:


    Über den Trottel im deutschen Qualitätsroman


    Ein Motto, welches sich durchgängig mittels weiterer Werke diskutieren ließe, denn die Narrheit, die in den komischen Helden dieser Bücher zum Ausdruck kommt, ist nicht mehr die idealische und verzweifelte Narrheit, die seinerzeit selbst die Walserschen Kleinbürger und Böllschen Clowns noch adelte. Es ist eine selbstzufriedene Narrheit, die es sich in der "zerstreuten Melancholie", die sie verbreitet, bequem macht.


    By the way: Nur 256 Seiten ab 7,90 €
    Das wäre doch beinah was für eine Wochenendleserunde!


    ;) Via

    Das Thema Aberglaube, wie ja eure Beiträge allesamt schon bezeugen, entzieht sich einer monokausalen Erklärung. Über Jahrtausende gewachsen haben wir es hier mit einem äußerst komplexen Thema zu tun.


    Aber, nicht untätig, will auch ich ein paar Überlegungen anstellen:


    Im Jahre 1789 stellte der Aufklärer Johann Adolph Liebner eine Liste des „Aberglaubens im
    gemeinen Leben” zusammen, die Stichworte wie „Freitag als Unglückstag”, „Abracadabra”,
    „Mondphasen”, „Kaffeetasse dient zur Weissagung” oder „Zahl 13" enthielt. Liebner hielt
    diese Vorstellungen für einen falschen, irrigen oder lächerlichen Glauben, den es mit den
    Mitteln von Skepsis, Vernunft und Kritik zu überwinden galt.
    Zwischen Aufklärung und Aberglaube herrscht bis heute ein Antagonismus, doch das Verhältnis
    der beiden konträren Haltungen ist komplexer und paradoxer als vielfach angenommen.
    Was seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Aberglauben bezeichnet wurde, war einmal Gegenstand ernsthafter Auseinandersetzung wissenschaftlich geschulter Eliten.
    Vieles, was als Aberglauben verworfen wurde, war einmal Bestandteil der Magie, also eines durchaus komplexen, intellektuell anspruchsvollen Systems zur Welterklärung.
    Aus dem Zusammenhang gelöst, fragmentiert
    und trivialisiert wurden die Inhalte der Magie zum Aberglauben.
    Unternimmt man eine Begriffsbestimmung ohne dezidierte Gegenposition, dann erweist sich Aberglauben als ein aus Versatz- und Bruchstücken komponiertes Gebilde.


    Bausteine zum Aberglauben lieferten und liefern bis heute auch die der Aufklärung verpflichteten Wissenschaften. Ein Forschungsprojekt
    zur kritischen Reflexion der Aufklärung hat gezeigt, dass zudem Auswirkungen und Effekte der Aufklärung die Ausbreitung der zum Aberglauben gewordenen Magie beförderten.
    Die Überwindung des Hexenglaubens, der Wegfall von Zensur, die Verbesserung bei Buchproduktion und -vertrieb, die enorme Steigerung der Lesefähigkeit und die Entstehung einer auf die Verbreitung von Okkultem spezialisierten Industrie trugen dazu bei, dass immer
    mehr Menschen an magisches „Wissen” gelangten. Parallel kamen seit dem 18. Jahrhundert neue okkulte, esoterische und geheimwissenschaftliche Lehren auf.


    Wissenschaft und Forschung lieferten neue
    Stichworte und Wissensfragmente, die, aus dem Zusammenhang gelöst, ebenfalls dazu beitrugen,
    den alten Aberglauben um einen neuen zu vermehren. Die aufs Okkulte und Esoterische spezialisierte Industrie konnte expandieren und innovative Produkte feilbieten, während die alten im Angebot blieben.


    Bis heute hat die Aufklärung die Auseinandersetzung mit dem Aberglauben nicht für sich entscheiden
    können. Vielmehr zeigt sich, dass heutige Aufklärer eine weitaus umfangreichere Liste des „Aberglaubens im gemeinen Leben” zusammenstellen könnten, als es, wie oben erwähnt, Johann Adolph Liebner im Jahre 1789 tat.


    Der Aberglaube hat in einer rational geordneten
    Welt dadurch überlebt, weil sowohl die Magie als auch die Wissenschaft zu ungewöhnlichen Ergebnissen kommen, die unerklärlich / unverständlich scheinen.


    Um zu nachvollziehen zu können, weshalb gerade heutzutage das Thema Aberglaube so von allgemeinem Interesse ist, habe ich die Epoche der "Aufklärung" wegen ihrer immensen Bedeutung angeführt. Ergänzend daher nachstehender historischer Rückblick:


    Vier Modernisierungsprozesse prägen den Verlauf der Moderne: Verweltlichung, Verwissenschaftlichung, Industrialisierung und Demokratisierung. Die Verweltlichung entzaubert die Natur und untergräbt die Mythen und Religionen. (wie von euch schon mehrfach ebenfalls angeführt).
    Sie hat in Verbindung mit der Verwissenschaftlichung zu einem physikalischen Weltbild von faszinierender Komplexität und Reichweite geführt.
    Die auf einfache Weltdeutungen angewiesene Masse aber in eine Sinnkrise gestürzt. Scharlatane, Sekten und Aberglaube haben Konjunktur.


    Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Diskrepanz zwischen den bürgerlichen Ansprüchen der Vernunft und den proletarischen Elendsverhältnissen der Massen immer offensichtlicher. So wie heute angesichts der ökologischen Katastrophe/globalen soziale Missstände, stellten sich damals konfrontiert mit dem sozialen Elend viele Zeitgenossen die Frage, ob nicht der Aufbruch in die Moderne insgesamt gescheitert sei?


    Rechte Kritiker diagnostizierten damals wie heute einen allgemeinen Kultur- und Sittenverfall, dem durch Rückbesinnung auf religiöse- und kulturelle Werte begegnet werden müsse.
    Im Zuge der Globalisierung hat der Konflikt gegenwärtig Weltniveau erreicht. Zwischen beiden Lagern schreitet mit einem nie dagewesenen Ungestüm der technische Fortschritt voran.
    Ihm gegenüber erlahmt zunehmend das demokratische Gestaltungsvermögen. D.h., Wissenschaft und Technik rationalisieren mehr und mehr alle Lebensbereiche.


    In dieser Allmacht der wissenschaftlich-technischen Rationalität üben Sinnsuche und alles Unerklärliche eine neue/alte Faszination aus.



    Via

    Vor vielen, vielen Jahren habe ich mich mal diesem Werk zugewandt...


    Ein Philosophiekurs per Roman..nun eine schöne Idee, allerdings konnte mich das Buch nicht fesseln. Immer und immer wieder nahm ich es in die Hand, begann ein paar Zeilen und gab dem Buch somit eine reelle Chance, mich eines Besseren zu belehren bzw. mich endlich in die Fänge zu nehmen....doch alles Tun mündete letztlich darin, dass es letztlich neben mir am Bett Monate dahinvegetierte bis ich es dann vom Staub befreit in ein Regal verfrachtete und irgendwann, Jahre später noch ein letztes mal berührte, nämlich als ich es verschenkte.


    Ich vermisse es nicht ....


    ;) Via

    Habe das Buch noch nicht gelesen, aber den bereits bekundeten Fans und denen, die es zu werden trachten hier mal eben einen (Schnupper-) Link reingestellt.


    http://www.geocities.com/Athens/Crete/2682/020enter.html


    Den Fans, wobei, die werden es schon wissen, sei noch gesagt, dass es nunmehr vier Jahre nach dem Tod der Autorin Marion Zimmer Bradley eine Fortsetzung gibt: Ihre Mitarbeiterin und Co-Autorin Diana L. Paxson hat posthum das Werk "Die Priesterin von Avalon" fertig gestellt, das Anfang Januar in deutscher Übersetzung im Buchhandel erschienen ist.


    Allen anderen, die nach einem kleinen Appetithäppchen lechzen:


    Es war ein furioses Fanal, mit dem Marion Zimmer Bradley die Fantasy-Welt auf sich aufmerksam machte: In "Die Nebel von Avalon" erzählte sie die Artus-Sage nach. Doch nicht nur das - sie ließ die Hexe Morgana zur guten Priesterin Morgaine werden, die christliche Königin Gwenhwyfar wurde negativ besetzt. "Die wunderbarste Nach-Erzählung der Sage um König Artus, die ich je gelesen habe. Absolut unwiderstehlich" - zu dieser Aussage ließ sich der bekannte Science-Fiction-Autor Isaac Asimov hinreißen.


    Dem Fanal folgten die beiden Bände "Die Wälder von Albion" und "Die Herrin von Avalon", die den Bogen von der Römerzeit bis zur Artus-Legende spannten. Dazu gesellt sich nun "Die Priesterin von Avalon". Auch hier heißt es wieder: Mythen aus anderer Sicht.
    Die römische Kaiserin Helena ist hier eine ehemalige Priesterin des heidnischen Avalon.
    Der Geschichtswissenschaft ist sie als Mutter des antiken Kaisers Konstantin bekannt, der der verfolgten Christenheit im römischen Reich die Freiheit brachte.

    Marion Zimmer-Bradley (auch als Queen of Fantasy gelobt) wurde 1930 in Albany im US-Bundesstaat New York geboren. Im Alter von 17 Jahren begann sie, ein eigenes Fantasy-Magazin herauszugeben.
    Mit den "Nebeln von Avalon" und der Troja-Nacherzählung "Die Feuer von Troja" errang sie Weltruhm. Sie verfasste gut 50 Werke, bis sie am 25. September 1999 starb. Das historische Wirken der "Queen of Fantasy" wurde immer unterstützt durch Diana L. Paxson, die dieses Mal den Stoff allein zusammenfügte.


    Die Änderung der Perspektive von der christlichen in die heidnische wirkt nicht unbedingt neu, und auch der Typus "starke Frau, die ihre Rolle im Leben wieder findet" ist ein durchgängiges Element im Wirken der beiden. Gleich geblieben ist jedoch eine durchaus literarische Qualität. Also können sich auch diesmal Fantasy-Begeisterte getrost in die Buchläden stürzen, um das neueste und letzte Werk zu erstehen.


    In diesem Sinne,
    Via

    Um denn ggf. noch eben eine Antwort darauf zu liefern, was denn "Moderen Literatur" sei, hier kurz meine Ausführungen für diejenigen, die es genau wissen wollen, quasi beinah wissenschaftlich.


    Allen anderen sei gesgat, dass wir uns bei Moderner Literatur in einem Zeitfenster beginnend mit dem 19 Jhd. bewegen.


    Kleiner Exkurs:
    Moderne (Literatur),
    unscharfe Bezeichnung für diverse Abgrenzungsbestrebungen junger Literaten gegenüber der älteren Generation (so in Aufklärung, Romantik und Jungem Deutschland), zumeist jedoch für die umfassenden ästhetischen Neuerungsbestrebungen der Literatur, aber auch der Musik, der Architektur und der bildenden Kunst, zwischen 1870 und 1920.
    Der Begriff "die Moderne" wurde 1886 von Ernst Wolff für die Literatur des Naturalismus geprägt. Der österreichische Kritiker Hermann Bahr (Zur Kritik der Moderne, 1890) weitete ihn später auf postnaturalistische Strömungen wie Impressionismus, Symbolismus, Décadence oder Jugendstil aus.


    Inzwischen werden alle Bewegungen der klassischen Avantgarde einschließlich des Expressionismus mit dem Schlagwort belegt.
    Neben regionalen Aspekten (siehe Berliner Moderne, Wiener Moderne) betont die neuere Forschung den länderübergreifenden Charakter der Moderne.
    So werden etwa Gustave Flaubert, T. S. Eliot, William Butler Yeats, Marcel Proust, James Joyce, Henrik Ibsen, Paul Valéry, Stéphane Mallarmé, Charles Baudelaire, Ezra Pound, Robert Musil, Alfred Döblin, August Strindberg, Hermann Broch und Virginia Woolf der Moderne zugerechnet.


    Voraussetzung für das Entstehen einer deutschsprachigen, teils auch einer europäischen Moderne, war die Erschütterung des traditionellen Weltbildes etwa durch Albert Einsteins Relativitätstheorie (1905), Max Plancks Quantentheorie (1900) und Sigmund Freuds Untersuchung zum Unbewussten (Die Traumdeutung, 1900).
    Deren neue Sicht der Wirklichkeit, die das Zufällige, Heterogene und Disparate allen Geschehens betonte, forderte den Künstlern eine neue ästhetische Konzeption ihrer Werke ab.
    Freuds Psychoanalyse beeinflusste zudem das literarische Verfahren des Stream of consciousness zur direkt-assoziativen Darstellung psychischer Befindlichkeiten.


    Zu den herausragenden Werken der literarischen Moderne gehören Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz (1929), Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften (1930-1952), Hermann Brochs Die Schlafwandler (1931-1932), Marcel Prousts A la recherche du temps perdu (1913-1927), T. S. Eliots The Waste Land (1922, Das wüste Land), Ezra Pounds Cantos (1917-1970), Virginia Woolfs Mrs. Dalloway (1925) und James Joyces Ulysses (1922).
    All diesen Werken ist ein Stil eigen, der auf je spezifische Art und Weise die Zersplitterung von Erfahrungswelt reflektiert und nach neuen Formen des Ausdrucks sucht.
    Die Stringenz von Handlung ist zugunsten eines Geflechts von Bezügen aufgegeben: Das Kunstwerk wird, wie Umberto Eco herausstellte, "offen", d. h. frei für den polyperspektivischen Zugang des Interpreten.


    Statt inhaltlicher Kriterien rückt hierbei oftmals die Sprachlichkeit (das Material) des literarischen Produkts selbst ins Zentrum des Interesses.
    Auch der von Mallarmé und Valéry geäußerte Wunsch nach einer Musikalität dichterischer Äußerung bezieht sich auf eine Betonung des Lautbildes, des Signifikanten, gegenüber dem Vorstellungsinhalt, dem Signifikat.


    Als Gegenströmungen zur Moderne entstanden zur Mitte des 20. Jahrhunderts Bewegungen, die das Innovationsstreben dieser Richtung selbst als automatisiert ansahen.
    Die Postmoderne bezieht diesen Aspekt einer programmatischen Abgrenzung dadurch, dass sie den Begriff der Moderne negativ anzitiert, bewusst mit ein.



    Ich hoffe, ich habe euch nicht "erschlagen".....


    8) Via

    Ohne große Umschweife, versuche ich hier nun einmal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, indem ich kurz mal einen Blick auf die Historie werfe.


    Also, im Mittelhochdeutschen (ca. 1200) bezeichnete das Wort "Schinken" einen krummen oder gekrümmten Körperteil.
    Der Zusammenhang "Buch" war noch nicht gegeben.
    Später dann, im 18. Jahrhundert, als das gedruckte Buch zudem einen Umschlag aus Leder erhielt, welches sich natürlich nicht selten krümmte bzw. unter dem schweren Einband und der häufig Nutzung krumm wurde, hat sich wer mal wieder einer Metapher bedient? Genau, die Studenten. Jene Wesen, die viel mit Bücher zu tun hatten, prägten den Begriff "Schinken" im Zusammenhang mit "Buch".
    Ein "alter Schinken" stand somit zunächst synonym für ein altes Buch. Nicht der Inhalt war das Motiv, sondern die verfallene Optik, ein abgenutztes Buch.
    "Alter Schinken" ist also eine Metapher, eine rhetorische Figur, heißt, ein abgekürzter Vergleich für ein unansehnliches Buch.


    Ähnlichen Ursprungs ist dann auch Wälzer oder Schwarte.
    Der Begriff "Wälzer" (mhd. welzen), bezeichnete ein unhandliches Buch, das so schwer und unhandlich ist, wie denn die Bücher auch seinerzeit waren, dass man es nur durch "wälzen" fortzubewegen vermochte.


    Die "Schwarte" wiederum bezeichnete sowohl die menschliche Kopfhaut als denn auch die Haut von Tieren und hier dann die von Schweinen (s.a. Speckschwarte).
    Der Begriff "Schwarte" wurde seit dem 17 Jhd. verächtlich für Buch verwendet. Wohl wegen der zum Teil auch noch speckigen Einbände (Leder).



    Dass sich diese Bedeutung "alter Schinken" heutzutage verschoben hat, mag an der rasanten Entwicklung des Buchdruckes liegen. Bücher sind kaum mehr, außer es handelt sich um derlei altertümliche Schinken, in Leder gebunden, so dass uns diese Metapher kaum noch lebendig sein könnte.


    Also unter sprachhistorischem Aspekt habt ihr die Erklärung (s.o.) und unter sprachsoziologischen Aspekt müsste man nun eine Studie anstreben, was denn Menschen im 21 Jhd. als "alte Schinken" ansehen.
    Heißt eure Erklärungen hier sind unter Ausschluss der Wortherkunft allesamt von Gültigkeit.


    Noch Fragen?


    8) Via

    Vor zwei Wochen habe ich mir erstmals ein Hörbuch zu Gemüte geführt. Der Grund: Ich wollte beim Einschlafen nicht immer erst noch einmal den Tag durchdenken, sondern einfach abschalten. Es funktionierte fabelhaft.


    Warum es gerade dieses Buch "Brandherd" wurde?
    In der Buchhandlung meines Vertrauens war dieses im Angebot für 5 € und ich wollte für dieses "Experiment Hörbuch" keine große Investition treffen.


    Ich kann es jedem nur empfehlen, dem der Sinn nach Kriminalistik steht. Spannend und sehr detailreich...


    Nachfolgend eine kurze Hinwendung zum Buch, ein paar Informationen zur Autorin und der Link zu Ihrer Website.


    Viel Spaß


    Patricia D. Cornwell: BRANDHERD


    Ein unheimlicher Brief macht der Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta zu schaffen: Carrie Grethen kündigt ihre Rückkehr an. Plötzlich holen Kay damit die Schrecken der Vergangenheit wieder ein, denn vor fünf Jahren hatte sie die gerissene Komplizin eines Serienmörders hinter Gitter gebracht. Kurz darauf gelingt Carrie tatsächlich die Flucht aus der Psychiatrie. Kay weiß, dass der Alptraum von einst wieder begonnen hat, und plötzlich wird sie zur zentralen Schachfigur in einem diabolischen Spiel.


    Zur Autorin:


    Patricia Cornwell wurde am 9. Juni 1956 in Miami geboren. Ihr Vater war Anwalt am Obersten Gericht in Miami, ihre Mutter Stewardess. Patricia Cornwell gewann nach dem Besuch der High School ein Sport-Stipendium (Tennis) an einem elitären Südstaaten-College, das kurz zuvor nur Männern zugänglich gewesen war. Später heiratete sie ihren 17 Jahre älteren College-Professor, Charles Cornwell, und begann - zunächst erfolglos - Romane zu schreiben.
    Um die Polizeiarbeit und die kriminelle Welt in ihren Romanen besser beschreiben zu können, arbeitete sie in der Gerichtsmedizin von Richmond und fuhr nebenbei als Hilfspolizistin Streife.
    Als der Erfolg dennoch ausblieb, folgte sie schließlich dem Rat eines Lektors und machte die Nebenfigur ihrer Krimis, die Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta zu ihrer Heldin - und damit zu einer der ungewöhnlichsten Krimiheldinnen überhaupt.
    Heute ist die Amerikanerin die wohl berühmteste Thrillerautorin der Welt und in den USA ein Megastar. Mit all ihren Büchern stand die begeisterte Helikopter-Pilotin auch in Deutschland auf sämtlichen Bestsellerlisten und gewann weltweit zahlreiche Krimi-Preise.


    Weitere Infos:


    http://www.patricia-cornwell.com/

    Bewusst diese ersten (Analyse-) Schritte unkommentierend und somit nicht auf diese detaillierend beziehend, ergänze ich hier nunmehr lediglich ein paar Facts.


    Cay Rademacher wurde 1965 in Flensburg geboren und lebt heute in Hamburg. Er studierte in Köln und Washington Anglo-Amerikanische Geschichte, Alte Geschichte und Philosophie. Von 1991 bis 1999 arbeitete er als freier Journalist, seitdem ist er Redakteur der Zeitschrift Geo.


    Für den hier vorliegenden Roman kommen dem Autor sein Studium und auch das von ihm ausgeübte Handwerk des Journalisten zugute.
    Seine journalistischen Schwerpunkte sind im Bereich der historischen Rekonstruktionen, der Archäologie sowie der aktuellen See-, Luft- und Raumfahrt angesiedelt.


    Für eine Ausgabe des zwei Mal jährlich erscheinenden "Geo-Epoche" beschäftigte sich Rademacher mit den Künstlern und Handwerkern, die im Tal der Könige jene prachtvollen Gräber der Pharaonen bauten, die heute Millionen von Besuchern aus aller Welt faszinieren und zur Reise bewegen.
    Das umfassende Recherchematerial nutzte der Autor dann auch gleich für seinen historischen Kriminalroman, der solide konstruiert ist. Geschichtliche Fakten und eine fiktive Handlung verschmelzen zu einem Text, der keine großen literarischen Ansprüche erhebt, dafür aber ein lebendiges Bild einer längst vergangenen Epoche mit ihren Gebräuchen und Sitten zeichnet. Intrigen, Aberglaube und die Krimi-Handlung sorgen für die kurzweilige Unterhaltung des Lesers.


    In der Bearbeitung historischer Stoffe hat Cay Rademacher bereits Erfahrung.
    Zum Genre, dem er sich verschrieben hat, meint Rademacher selbst: "Historische Romane sind literarische Zwitter, da sie Gestalten und Ereignisse der Geschichte mir frei erfundenen Personen und Handlungen vermischen. Je ferner - zeitlich und räumlich - uns eine Epoche ist, desto schwieriger wird es dann oft, die Fakten von der Fiktion zu unterscheiden."


    Die Karte am Anfang seines Romans...das Nachwort....
    vereinen eine Art wissenschaftliche und zugleich journalistische Tradtion: Man erklärt sein Tun, fügt Belege an. Das ganze dann noch mit ein bisschen Fiktion gewürzt und in sprachliche Spannung und wissenschaftliche Detailtreue gebettet...ein Hauch und das alte Ägypten lebt auf und der Autor ist mit sich und seinen Talenten im Einklang.


    Seine Motivation ist uns ein Genuss.

    Bücher lese ich am liebsten im Bett ...oder, sobald sich eine Möglichkeit auftut am Strand ...
    Zeitungen im Wohnzimmer auf der Couch ...
    Fachliteratur am Schreibtisch (zwecks Nachschlagewerken und PC in unmittelbarer Nähe).


    Und? Gibt es jetzt hierzu eine Statistik oder so?


    ;) Via

    Was erwarte ich von Leserunden?
    Ja, fragen wir mal andersherum, warum nehme ich an einer Lesrunde teil?


    Ganz simpel ausgedrückt: Ich habe lange Jahre begeisternd studiert und war es somit gewöhnt, mich immer und jederzeit mit anderen auszutausen, teils war es Leidenschaft am Diskurs, teils war es Fluch, sich austauschen zu müssen. Über die Jahre hat sich dies zur Passion entwickelt, doch kam dann der Zeitpunkt, wo kein Wissen mehr in einem bestimmten Zeitraum abgefragt wurde. Es gab keine großen Problemstellungen mehr und man musste auch nicht mehr Wochen, Monate an einer Lösung arbeiten.
    Statt in den Bibliotheken mit Gleichgesinnten die Welt und auch die lit. Welt begehbar zu machen und zwar täglich, wurde dies nunmehr zu einem nur noch gelegentlich ausgeübten Hobby.


    Und darin liegt meine Motivation, ein bisschen dem Hobby frönen, eine Entdeckungsreise antreten, deren Route man sich nicht selbst legt, sondern die aufgrund der Gemeinschaft eingeschlagen wird. Man hat eine Ahnung von der Richtung, aber man kennt das Ziel nicht.


    Man trifft auf Bücher und Gedanken, die man vielleicht nicht gelesen und auch nicht gedacht hätte.
    Und so findet man: Leidenschaft und Fluch einer ggf. konträren Meinung wieder mal ganz anders vereint.


    Und alles so schön unverbindlich ...


    ;) Via

    Die "alten Büchereulen" werden sich an die teils mühsam und zäh empfundene Leserunde zu "Die letzten Tage von Pompeji" erinnern.


    Wie zwiegespalten doch das kleine Forum seinerzeit war: Teils von Leidenschaft für Inhalt und Sprache des Buches beseelt, teils von tiefer Abneigung gegen die Stoffaufbereitung gelähmt.
    So versank Pompeji nicht nur erstmals am 24. August 79 n.Chr. unter der Asche des Vesuv, sondern nochmals Anno 2003 unter dem breitverbreiteten Desinteresse.


    Doch, wie auch heute noch Spuren des Glanzes der realen Geschichte Forscher diese Tragödie nicht vergessen lassen, weht hier heute noch einmal ein Hauch dieser einstigen, so emphatisch begangenen Leserunde: Neue Spuren von Pompeji sind aufgetaucht!


    Im neuen "Der Spiegel" (Nr.3/12.01.04 - Seite 134-135) wird der neue Roman von dem Briten Robert Harris besprochen, der natürlich den fulminanten Titel "Pompeji" trägt.
    Nicht nur, dass der Autor, wie schon erwähnt, Brite ist, so wie unser Sir Edward, sondern er teilt selbermaßen diese Leidenschaft an dem historischen Stoff, recherchierte ähnlich akribisch, bindet gekonnt historische Quellen und bettet diese Historie in einen Roman über Liebe, Macht und Leidenschaft.


    Und wem das nicht reicht: Robert Harris hält in diversen Buchhandlungen Lesungen. (Termine in Buchhandlungen erfragen oder online).


    Der Untergang Pompejis vollzog sich in Phasen... Aschewolken verdunkelten zuerst den Himmel... Auch den Himmel im Forum der Büchereule... Doch noch ist Pompeji nicht ganz versunken....


    8) Via

    Bücher verleihen...


    Mittlerweile sind es wohl Regalreihen, die die entliehenen Büchern füllen würden, wenn ich diese denn jemals wiedersehen würde. (Leider nur sind manche Entleiher verzogen bzw. leben unter Pseudonym... :D )


    Bin also gebrandmarkt und somit heutzutage des Verleihens sehr unwillig. Selbst Ausleihlisten helfen da nicht weiter...


    Nach vielen Jahren habe ich jüngst meiner Cousine meine beinah gesamten Studienbücher ausgeliehen...und, was soll ich sagen? Ich vermisse meine Bücher täglich und fühle mich recht unwohl, sie abgeben zu haben.
    Immerhin ist das ein Teil persönlicher Geschichte und auch viel Geld. Ein nicht ganz unwichtiger Faktor ....


    Na, schau'n wir mal, wie das klappt ...


    Normal oder nicht...paranoid.... egal...


    :( Via

    Bücher mehrmals lesen?


    Hm, außer Sachbüchern, die ich teils bis zu ihrem Zerfallen oft gelesen habe, habe ich kein einziges Buch ein zweites mal gelesen, selbst wenn es noch so spannend oder faszinierend war.


    Mag ein Tick sein, mag auch sein, dass mir dadurch etwas entgeht, aber ich schaue mir auch Filme ungern ein weiteres Mal an.


    Wochenzeitschriften zum Beispiel lese ich nicht mehr, wenn schon die neue Woche und somit eine neue Ausgabe vorliegt. Außer im Auto als Beifahrer, da lese ich dann auch die alten Zeitschriften, aber eben aus der Not heraus. :)


    Keine Ahnung, warum das so ist.


    Auch habe ich eine Vielzahl von Büchern, die ich noch nicht gelesen habe und von denen ich sogar annehme, dass ich sie nie wirklich lesen werde, denn ich lese auch sehr viel quer. Heißt, mal eben die wichtigsten Gedanken aufnehmen, durchstöbern nach Eindrücken und dann wieder ins Regal.


    Wahrscheinlich hat es mit meinem latenten Mangel an ausreichend Zeit zu tun, die ich erst recht nicht mit der Doppellektüre verbringen kann/möchte und auch ist ein Grund in der Menge der zu lesen mir vorliegenden Bücher, Zeitschriften, Sachbücher etc.pp zu sehen.


    So long,
    Via

    Als "alte Büchereule" und mit der eines kleinen Zirkels an "Eulen" vertrauten Ironie, habe ich Tonios Beitrag schmunzelnd goutiert.


    Auch wurde von den "alten Eulen" bereits der Historische Roman als literarischer Gattungsbegriff umfänglich beleuchtet und klärend dargelegt, so dass es keiner erneuten Darlegung an dieser Stelle bedarf.

    Dass lit. Stofflegung und Stil keine festen Konstanten sind, heißt Sprachlichkeit und Thema einem pers. Gusto des Autoren folgen sowie sprachl.zeitgenöss. Spiegelbild sind: is klar, oder?


    Also, macht euch auf, ins lit. Abenteuerland (hist. Krimi).


    LG, Viabene


    (By the way: Hist. Krimi ist mir als lit.-wiss. Gattungsbegriff nicht geläufig - Info/Quelle gern erwünscht. Wohl als populär-wiss. verwendet.)

    @Tonio


    Auch wenn ich hier eher durch eine Statistenrolle in Erscheinung trete, so möchte ich doch heute endlich nicht unerwähnt lassen, dass ich deine Recherchen (hier Ägypten-Links/Pharaonen-Links) wieder sehr fruchtbar und interessant finde.
    Kann nur sagen: Danke für all die Mühe und die Info!


    Weiter so Tonio!