Beiträge von Nightfall

    Ich bin auf der Flucht.
    Vor meiner Ehefrau, die ich zwar liebe, vor einer Geliebten, die nur der zarte Nostalgiestreif meiner Jugend war und vor einer Vergangenheit, vor der ich nicht fliehen kann, weil sie mich begleitet wie eine zweite Haut.
    Deswegen gehe ich nach Gubbio.
    Ich suche nur Ruhe...


    Zitat

    Ich bin noch am Überlegen ob ich mitlesen.


    Ich trage dich mal mit Klammer ein ja? :wave


    Zum Thema "Termine eintragen": Ich bin ein sehr unguldiger Mensch... *hust* Ich hoffe nicht, dass ich Wolke jetzt genervt habe, wenn ich ihr jetzt schon zumindest die Anfrage geschickt habe, ob Deana zumindest inoffiziell mitbegleiten darf *hust*...

    Zitat

    Original von Batcat


    Nein - ich habe es ja nicht so mit historischen Romanen. Aber über den Thread bin ich gestolpert, weil mir Deana von ihrem Australienroman her ein Begriff ist. Ich gebe zu: die Neugier hat mich in den Thread gelockt. :grin


    Vielleicht lässt du dich ja doch noch erweichen... :grin


    So PN wurde abgeschickt.
    Kommen wir zum Thema zurück: Welcher Termin würde euch am besten passen? Wie gesagt, mein Vorschlag ist Mitte August. Wie passt es euch denn?


    Übrigens: Ich bitte um sofortige Korrektur, wenn ich Fehler mache oder etwas versäumen sollte - Meine erste Leserunde, die ich selbst angeleiert habe *hüstel*... Ich gebe zu, ich bin etwas nervös, will ja, dass alle zufrieden sind. *hoff*

    So, liebe Freunde (... der Volksmusik *hust*), ich habe erst einmal alle bis Aqualady eingetragen (Liest du eigentlich auch mit, Batcat?) und erhoffe mir doch, dass die Autorin vielleicht, auch wenn nicht als offizielle autoren-begleitete Leserunde, ihren Senf bzw, unsere Fragen beantworten darf / kann.


    Wie sieht es denn bei euch terminlich aus? Ich hätte einfach den August vorgeschlagen, weil a.) im Juli sind zwei große Leserunden, einmal mit Charlie Lyne und Sabine Wassermann und b.) sind für den August, soweit ich das sehe noch keine Leserunden eingetragen. Ich tendiere zu Mitte August; soweit ich das verfolgt habe, sind die meisten Ende August / Anfang bis Ende September verreist oder aber die Schulferien sind beendet und da sind natürlich andere Sachen wichtiger ;=)


    Edit: Habe dich, Hestia, ebenso eingetragen :wave


    P.S. Ich werde Wolke eine pivate Nachricht schreiben und anfragen, ob dies in Ordnung ist. ;-)

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    Original von bonomaniaDie LR sollte aber nicht zwischen dem 21.09. - 10.10.08 stattfinden, denn da bin ich im Urlaub


    Das Buch erscheint Anfang August 2008, und ich hätte, da Mitte Augsut noch keine Leserunde eingetragen ist, einen Termin um den 15.8 herum vorgeschlagen. Ich warte aber erst mal ab, ob überhaupt Interesse daran besteht :wave

    ... nennt es David Hungendick in seinem Zeit-Literaturblog.


    Schon Anfang der Woche habe ich folgenden Artikel gelesen, über eine Autorin, die eine Kindheit während des Holocaust und ihr Überleben durch die Integration in ein Wolfsrudel frei erfunden hat:




    Heute lese ich dann einen weiteren Artikel in der New York Times zum Thema "Vergangenheitsbasteleien": Wiederum eine Autorin, die ihr Leben als Gangmitglied, Drogenabhängigkeit, einen erschossenen Bruder und ihre Abstammung als Halbindianerin frei erfunden hat: Klickst du hier!


    Ein weiterer Fall ist der des Schreibratgeber-Autors James Frey ("Wie man einen verdammt guten Roman schreibt") mit seinem Buch "Tausend kleine Scherben":



    Ist das seit neuestem anerkannte Ideenfindung, wenn man ein Leben erfindet, was es so nicht gegeben hat? Oder aber wie geltungssüchtig muss man sein ein Leben zu erinden, was es so nicht gegeben hat? Vielleicht habe ich zuviele moralische Bedenken, und verstehe den Wert des Geldes nicht, der mit Erfolg solcher Bestseller einhergeht....
    Ich finde es, salopp formuliert, eine Schweinerei einen Leser eine Geschichte als gelebt zu verkaufen, die es so nicht gegeben hat. Und eine Leserschaft fragwürdig, die dennoch weiterhin die Bücher kauft...

    Nachdem ja viele von dem Youtube-Trailer zu "Das Hexenmal" begeistert waren, hätte ich den Vorschlag eine Leserunde zu dem Buch zu gestalten. Habt ihr Interesse?


    Thüringen, 1617.
    Kurz vor dem 30-jährigem Krieg vergiftet Missgunst die Herzen der Menschen. Undschuldige werden der Hexerei bezichtigt und verbrannt.
    Fünf Menschen auf der Flucht vor ihrem Schicksal.
    Katharina, ein Mädchen, dass ein versprechen einlösen soll, dass es nie gegeben hat.
    Clemens, ein junger Mann auf der Flucht vor seinem Möder.
    Franziska und Johann, ein Liebepaar, was sich nicht lieben darf.
    Burghard, ein Franziskermönch, der ein neues Leben beginnen will.


    Ein spannendes Abenteuer in dunklen Zeiten beginnt!


    Teilnehmer:


    - Nightfall
    - bonomania
    - Rosenstolz
    - Dani
    - Booklooker
    - Aqualady
    - hestia2312
    - (Sabine_D)
    - Leseschildkröte


    -Deana

    Wenn es nicht Mängelexemplare sind, lese ich fast ausschließlich Taschenbücher. Das ist zum einen eine Kostenfrage und zum anderen muss ein Buch bei mir einiges aushalten, schließlich habe ich es überall mit dabei: In der Uni, im Zug, beim Essen in der Mensa et cetera.

    Eigene Meinung


    Ich hatte noch nie eine so divergierende Aussage bei einem Buch, wie bei diesem, ob es mir gefällt oder nicht.


    1946 in einer kleinen Schneiderei in Paris. In dieser Schneiderei arbeiten unterschiedliche Figuren mit unterschiedlichen Hintergründen; ihnen gemeinsam ist zumeist der jüdische Hintergrund. Da ist Maurice Abramowitz, von fast allen nur "Abramoauschwitz" genannt, Zurückgekehrter aus einem Konzentrationslager. Da sind die zwei Elternteile, deren Kinder in einer Ferienkolonie sind, die ihnen regelmäßig schreiben von einer heilen Welt mit gemeinsamen Bastelstunden und Freundschaften, die immer wieder von der Realität belastet werden, indem man sie z.B. Lieder der ungarischen Partisanen auswendig lernen lässt. Da ist deren Sohn, Raphael, guter Zeichner, der später Fotograf wird und immer wieder mit dem Faschismus, auch während seiner Arbeit konfrontiert wird. Da ist genauso Charles, der Frau und beide Töchter durch die nationalsozialistischen Interventionen in Frankreich verloren hat.


    Es werden lauter Einzelschicksale beleuchtet, die immer wieder mit der Schneiderei als Zentrum verbunden sind; mehr oder weniger gekonnt gibt der Autor den Hintergrund der Protagonisten preis. Mal um ihr Verhalten zu erklären und mal, weil er eine Lücke füllen musste, die er durch seinen Schreibstil hinterlassen hat.
    Was ich damit meine? Das ganze Buch ist dröge, fast langweilig. Auch, wenn der Autor versucht durch die Hintergrundgeschichte den Figuren Leben einzuhauchen, so bleiben sie doch fragmentarisch, blass und farblos. Identifikationsfaktor gleich Null. Sie wirken wie Pappfiguren. Es gibt kaum emotionale Tiefe und wenn, wirkt sie so fehl am Platze, weil sie nicht in das Konzept passt.


    Warum ich dennoch dazu tendiere dieses Buch sogar zu empfehlen ist, weil es nicht nur Längen, sondern durchaus auch Kapitel hat, die durch ihre schöne Sprache auffallen. Da wirkt es fast poetisch, flüssig und schön und man spürt dem Charakter, nämlich Joseph heißt der Gute, der immer wieder in diesen Kapiteln vorkommt, die gefühlte Gefühllosigkeit an. Man leidet fast mit und man unterstützt seine Entscheidung.
    Jedoch... sind das nur zwei wirklich glänzende Kapitel.
    Immer wieder wechselt der Autor ohne Ankündigung die Perspektive; er verliert sich teilweise in Details, um zu erklären, wie eine Nähmaschine funktioniert. Man weiß nie genau, wer gerade in den Dialog miteinander tritt und ich werde das Gefühl nicht los, dass es dem Autor manchmal nur darum ging, dass Thema Shoah irgendwie anzubringen, um es als das Grundthema des Buches darzustellen. Sicherlich, die Hintergrundgeschichte einiger Charaktere passt zu diesem Thema, aber manchmal fragt sich meiner einer, ob dem Autor nicht besser daran gelegen wäre die Geschichten der Figuren für sich sprechen zu lassen.
    Wozu dieser zweifelhafte, durchschaubare Rahmen?


    Ich für meine Begriffe kann dieses Buch nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich hatte mehrmals Lust es wegzulegen und habe es dennoch beendet, einfach weil ich mir dachte: "Da muss doch noch was kommen!" Kam aber nicht, es blieb dröge, langweilig.

    Ich würde mich auch gerne eintragen lassen.


    Zu der Frage nach dem Cover: Ich muss sagen, ich bin glücklich, dass es kein stereotypes "Hübsche Frau auf blauem / grünem / rotem Grund" ist, die irgendwas zeituntypisches wie ein Buch, einen Pinsel oder eine Feder in der Hand hat. In diesem Sinne finde ich, zumindest den Rahmen, gar nicht so schlecht. Allerdings ist die männliche Figur noch weniger erbaulich, wobei ich zu der Buchgestaltung erst etwas sagen würde, wenn ich das Buch gelesen habe. Vielleicht passt es ja genau zu den Figuren oder Handlungen der Geschichte?


    Eine Frage: Bei Amazon steht als Erscheinungsdatum der 1.August 2008; also diejenigen, die das Buch nicht durch die Verlosung erhalten, lesen dann einfach später mit oder? Wie bei der Leserunde zur "Kosakenbraut"?

    Ich würde dir die ersten mittelalterlichen Fassungen der Artusromane empfehlen, sozusagen back to the Roots.


    Allen voran zunächst Chrétien de Troyes (* um 1140 in Troyes; † um 1190) mit seinem "Perceval", der als Vorlage dient für sämtliche mittelhochdeutschen Fassungen der Artussage. Noch weitere von ihm "Eric et Enide" (ca. 1170), "Cligès" (ca. 1176) oder "Ywein" (zwischen 1177 und 1181). Die mittelhochdeutschen Fassungen sind dann: Hartmann von Aue ("Erec" und Ywein") oder Wolfram von Eschenbach ("Parzival").

    "Sie konnte sich nichts Seligeres vorstellen, als ein Buch zu besitzen und Zeit, um ungestört darin zu lesen." (S. 97)
    (Charlotte Lyne; Die Glocken von Vineta)



    Wenn es nach ihr ginge, sollte irgendwann eine Phase kommen, in der man resigniert und darauf verzichtet, Kompromisse mit den permanenten Verschlechterungen zu suchen. Sich anmalen ist ja doch nichts Stabiles und macht die Wahrheit nicht erträglicher, es bewirkt allenfalls, dass sich keine Gewöhnung einstellt und der Schrecken in der Früh sich ständig erneuert. […]


    Dass es, um glücklich zu sein, notwendig ist, die Dinge manchmal schöner zu sehen, als sie in Wirklichkeit sind, und dass diese Fähigkeit mit den Jahren nicht nur verlorengeht, sondern sich allmählich in ihr Gegenteil wendet. (S.22)
    (Arno Geiger; Es geht uns gut)



    Ich sage euch, wer das Strafen erfunden hat, konnte zwischen Klugheit und Dummheit nicht unterscheiden. Kein Peitschenhieb dieser Welt wird dich daran hindern, den Weg zu nehmen, zu dem dein Herz dich drängt. Wenn die Angst oder die Verzweiflung oder der Zorn oder die Sehnsucht stärker werden als die Gedanken, die zählen und abwägen können, dann tust du, was dein Herz dir sagt, selbst wenn alle Höllenqualen dieser und der nächsten Welt auf dich warten. Wer das Strafen erfunden hat, der wusste wenig vom Wert des Menschen.
    (Ilija Trojanow; Der Weltensammler)

    Meine Mutter liest sehr gerne und auch viel, vor allem Thriller und Krimis. Früher gab es eine Phase, wo sie sich nur mit ihrer Arbeit und uns, den beiden Kindern, beschäftigt hat. Zum Glück hat sich das jetzt gewandelt, wo mein Geschwistertier und ich schon über 20 und aus dem Haus sind. Ich weiß zwar nicht, ob sie ein Lieblingsbuch hat, aber auf ihrem Nachtisch liegt immer wieder mal ein Katzenbach.


    Der Freund meiner Mutter, Bertram, scheint zu den Lesern gehören, die nur wenig, aber wenn sie lesen, dann richtig gefesselt sind. Er liest zumeist Fachliteratur, aber auch zwischendurch mal Biografien, Krimis, Thriller... Das letzte, was ich bei ihm auf dem Nachtisch sah, war zum einen Michael Crichtons' "Next" und eine Biografie von Albert Einstein.


    Meine Schwester liest fast alles, vom Klassiker bis zum Liebesroman und letzteres besonders häufig. Keine Nackenbeißer, aber eben so etwas wie Cecila Ahern-Romane oder Nicholas Sparks.


    Mein Vater liest kaum bis gar nicht; ich sehe ihn nur sehr selten, aber wenn nie mit einem Buch.


    Also wiederum alles vertreten, was es an Lesetypen gibt - vom Gelegenheits- zum Nichtleser ;=)

    Eigene Meinung


    Zu der Buchgestaltung: Ich hatte keinen "großartigen" haptischen Effekt bei den geprägten Lettern. Um ehrlich zu sein, fand ich die Buchgestaltung, vor allem die Schriftart um "Die Glocken von Vineta" etwas... kitschig. Allerdings die Umschlaggestaltung mit der Karte am Rand war dann wieder eher nach meinem Geschmack, vor allem weil es wunderbar zu der doch "geheimnisvollen" Atmosphäre passte, die Vineta bis heute noch hat.


    Zu dem Klappentext möchte ich sagen, dass ich ihn für weniger gelungen finde. Er verrät die Hälfte der Geschichte, auch wird eine Charakterentwicklung vorweggenommen, nämlich von der liebevollen zu einer konfliktreichen und spannungsgeladenen Brüder-Beziehung zwischen Bole und Warti.


    Kommen wir zur Geschichte und da fehlt mir wenig Negatives für die Gestaltung ein. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, voller kleiner Details. Besonders stark wird der Erzählstil, wenn es darum geht politische Strukturen oder kulturelle Hintergründe in die Geschichte einzubauen. So wird der immer im Hintergrund erwähnte blutige Erbfolgekrieg in Dänemark eingebracht, genauso wie religiöse Spannungen zwischen Wenden und Katholiken, die schließlich den Wendenkreuzzug zur Folge haben und auch die historischen Persönlichkeiten werden eingeführt, wie Waldemar I. (der Große, König von Dänemark, 1157 - 1182) oder aber (Abt) Bernhard von Clairvaux (Kreuzzugsprediger, Mystiker, Abt, 1090 - 1153).
    Nicht nur die historischen Persönlichkeiten, sondern auch die fiktiven sind sehr schön beschrieben und in ihren Handlungen fast immer logisch nachvollziehbar. Allerdings werden manchmal Wendungen vollzogen, die mir als Leser nicht ganz klar waren, wohin sie führen sollen. Z.B. diese, fast erzwungen, wirkende Liebesgeschichte zwischen Natalia und


    Vielleicht ist das der Unterschied zwischen der Liebe aus Dankbarkeit und der Liebe aus Leidenschaft ? Nur eine Interpretationsidee von mir.
    Mein Lieblingscharakter, auch wenn das wahrscheinlich kaum zu glauben ist, ist Thore Einarm, der immer wieder Latein-Zitate wiedergebende Däne. Ich weiß nicht warum, aber in ihm finden wir auch ein bisschen Humor, der die Handlung gut würzt.


    Der Schreibstil gefällt mir ausnahmslos gut, die Vergleiche und Beschreibungen von Vineta oder Nowograd sind wirklich schön gestaltet. Der Spannungsbogen war immer da; teilweise flaute er immer wieder ab, aber man hatte immer wieder den Satz von Wanda im Hinterkopf: "Das Meer werde sich auftun und Vineta verschlingen.", der eine immer wiederkehrende Spannung mitbrachte.


    Vineta, und ob die Daten historisch korrekt verwertet sind, möchte ich, auch als angehende Geschichtslehrerin nicht beurteilen. Es obliegt mir nicht die Recherche der Autorin anzuzweifeln, da extra auch im Nachwort erwähnt wird, dass dies nur ein Szenario ist, wie es hätte sein können.


    Wie dem auch sei. Ein schöne, entspannende Lektüre mit etwas viel Romantik für meinen Geschmack, aber dafür entschädigt der Schreibstil allemal. Mir hat es sehr gut gefallen.



    Auf Wunsch editiert und gespoilt :wave

    Zitat

    Wir haben so ein paar Lehrer an der Schule, die der Meinung sind, dass jeder die sogenannte "Trivialliteratur" und Popmusik verabscheuen und sich lieber den "intellektuell anspruchsvolleren" Kunstformen widmen sollte . Und dabei haben sie vermutlich noch nie einen richtigen Schmöker in der Hand gehabt. Die wissen halt einfach nicht, wie man sich amüsiert...


    Etwas Off-Topic, aber dazu möchte ich etwas fragen: Ist es nicht ebenso eine Form der Ablehnung eines Lesegeschmacks, wenn man jemanden, der sich eher im Genre der klassichen Weltliteratur aufhält, unterstellt, er könnte sich nicht amüsieren bzw. hatte noch nie einen richtigen Schmöker in der Hand? Für mich ist das genauso eine Form von Lesesnobismus, wie die Aussage "Jeder, der Trivialliteratur liest, weiß nicht, was gute Bücher sind!".

    Zitat

    Kitsch steht zumeist abwertend gemeinsprachlich für einen aus Sicht des Betrachters emotional minderwertigen, sehnsuchtartigen Gefühlsausdruck.


    Wenn ich etwas als kitschig empfinde, so sind das meist Liebesromane, vor allem so genannte Groschenromane, Arztromane, Heimatromane, eben solche Heftromane und Nackenbeißer. Kitschig bedeutet für mich nicht nur trivial und sentimental, wie die oben genannte Definition von Wikipedia darstellt, sondern einfach "überbordent", zuviel. Zuviel in Richtung von Beschreibungen eines Gemütszustandes, im Sinne von übertriebenen Vergleichen, einsetzen von Plattitüden oder von Klischees.


    Für mich ein sehr markantes Beispiel sind die Liebesromane von Hedwig Courts-Mahler: Eine sozial benachteiligte, zumeist weibliche, Person kommt in den Genuss durch einen Zufall einen reichen Mann kennen zu lernen, der natürlich an eine Frau seines Standes durch Verlobung / Beziehung / Ehe gebunden ist. Trotz des sozialen Unterschiedes finden sie zueinander, egal welche Stolpersteine es zwischen ihnen gab - Intrigen seitens ehemaliger Partner oder Freunde einer beteiligten Person. Natürlich ist die weibliche Protagonistin immer eine Mary Sue, sprich ein perfekter Charakter: bescheiden, liebesvoll und zärtlich im Umgang mit anderen Menschen und Tieren, mit einem großen Sinn für Gerechtigkeit et cetera.


    Das sind (für mich wohlgemerkt) triviale, klischeebelastete Geschichten; uninnovativ, voller stereotyper Charaktere, die zumeist ein "Happy End" finden.
    Das ist für mich auch kitschig, diese fast krankhafte, gesamtgesellschaftliche Suche nach einem guten Ende, getreu dem Motto "Ich will auch ein Märchen haben!" Kitsch scheint somit auch Realitätsflucht zu sein. Die Suche eines Menschen nach Schönem, Gutem, Herzzereißenden im Leben, was man in seinem Job als kleine Arzthelferin (keineswegs abwertend gemeint) niemals erleben wird.

    Kressmann Taylor; Adressat unbekannt; 2; Rezension
    Eleanor Coerr; Sadako und die tausend Papierkraniche; 3
    Jörn Brien; Szenen einer Großstadtjugend; 5
    Kenzaburo Oe; Und plötzlich stumm; 2; Rezension
    Friedrich Dürrenmatt; Die Physiker; 1; Rezension
    Hermann Vinke (Hrsg.); Als die erste Atombombe fiel; 2; Rezension
    Erich Maria Remarque; Zeit zu leben und Zeit zu sterben; 2; Rezension



    Angefangen, 28.02.2008:
    Charlotte Lyne; Die Glocken von Vineta

    Johanna: I've never had dreams, only nightmares.


    Ich kenne ja die Geschichte des Musicals schon etwas länger aus einem Musicalbuch, was irgendwelche Bekannten meinen Eltern geschenkt haben.
    Etwas abgeschreckt war ich als Kind von den Bildern (Ein junger Barbier, der eines seiner Opfer gerade durch einen gezielten Kehlenschnitt tötete). Nachdem ich allerdings die ganze Morbidität und Skurillität des Werkes kenne, schreckt es mich nicht mehr ab; ich finde der Stoff zeigt ein Gesellschaftsbild, welches mit viel schwarzem Humor sogar als normal und modern betrachtet werden kann. Und so stellt sich auch die Verfilmung des Stoffes durch Tim Burton mit seinem Hausschauspieler Johnny Depp (als Sweeney Todd, alias Benjamin Barker) und deren Kollegin Helena Bonham Carter dar. Manche Szenen im Film waren sogar, trotz der düsteren Atmosphäre, relativ "lustig" - die drei Hauptfiguren am Strand z.B.
    Die Musik war gut, wenn auch teilweise unharmonisch mit Melodien, die einem nicht im Ohr bleiben. Die musikalische Leistung, vor allem von Johnny Depp ist wirklich gut, also nicht so schlecht wie er sich selbst darstellt ("Ich glaube, allein durch mein Gesinge sind am Set mehr Leute gestorben als im Film", sagte er im Interview).
    Man könnte fast sagen: ein typischer Burton. Morbide, skurril, nachdenklich-machender Tobak.
    Mir jedenfalls hat der Film, trotz seiner Blutigkeit, die viele ankreiden, gefallen.

    Ich habe vor einiger Zeit eine Leseprobe zu "Die Glocken von Vineta" gelesen und es mir gleich darauf gekauft und lese es ab heute (Bin schon auf Seite 90). Mir gefällt der flüssige, detailgetreue Schreibstil und schon allein aus diesem Grund würde ich gerne mitlesen ;=) (Zumal die Geschichte rund um die Frauen des englischen Königs Heinrich VIII. mich schon sehr lange interessiert und fasziniert.)