Eigene Meinung
Zu der Buchgestaltung: Ich hatte keinen "großartigen" haptischen Effekt bei den geprägten Lettern. Um ehrlich zu sein, fand ich die Buchgestaltung, vor allem die Schriftart um "Die Glocken von Vineta" etwas... kitschig. Allerdings die Umschlaggestaltung mit der Karte am Rand war dann wieder eher nach meinem Geschmack, vor allem weil es wunderbar zu der doch "geheimnisvollen" Atmosphäre passte, die Vineta bis heute noch hat.
Zu dem Klappentext möchte ich sagen, dass ich ihn für weniger gelungen finde. Er verrät die Hälfte der Geschichte, auch wird eine Charakterentwicklung vorweggenommen, nämlich von der liebevollen zu einer konfliktreichen und spannungsgeladenen Brüder-Beziehung zwischen Bole und Warti.
Kommen wir zur Geschichte und da fehlt mir wenig Negatives für die Gestaltung ein. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, voller kleiner Details. Besonders stark wird der Erzählstil, wenn es darum geht politische Strukturen oder kulturelle Hintergründe in die Geschichte einzubauen. So wird der immer im Hintergrund erwähnte blutige Erbfolgekrieg in Dänemark eingebracht, genauso wie religiöse Spannungen zwischen Wenden und Katholiken, die schließlich den Wendenkreuzzug zur Folge haben und auch die historischen Persönlichkeiten werden eingeführt, wie Waldemar I. (der Große, König von Dänemark, 1157 - 1182) oder aber (Abt) Bernhard von Clairvaux (Kreuzzugsprediger, Mystiker, Abt, 1090 - 1153).
Nicht nur die historischen Persönlichkeiten, sondern auch die fiktiven sind sehr schön beschrieben und in ihren Handlungen fast immer logisch nachvollziehbar. Allerdings werden manchmal Wendungen vollzogen, die mir als Leser nicht ganz klar waren, wohin sie führen sollen. Z.B. diese, fast erzwungen, wirkende Liebesgeschichte zwischen Natalia und
Anton. Mir war ab und an nicht ganz klar, warum im 12.Jahrhundert, egal wie modern die Denkweise für die damalige Zeit war, eine Frau ihr warmes Haus, mit einem guten Ehemann, guter Versorgung et cetera aufgeben sollte für einen... der nichts im Leben hat, außer sein späteres Christentum und sein Wissen über Deiche.
Vielleicht ist das der Unterschied zwischen der Liebe aus Dankbarkeit und der Liebe aus Leidenschaft ? Nur eine Interpretationsidee von mir.
Mein Lieblingscharakter, auch wenn das wahrscheinlich kaum zu glauben ist, ist Thore Einarm, der immer wieder Latein-Zitate wiedergebende Däne. Ich weiß nicht warum, aber in ihm finden wir auch ein bisschen Humor, der die Handlung gut würzt.
Der Schreibstil gefällt mir ausnahmslos gut, die Vergleiche und Beschreibungen von Vineta oder Nowograd sind wirklich schön gestaltet. Der Spannungsbogen war immer da; teilweise flaute er immer wieder ab, aber man hatte immer wieder den Satz von Wanda im Hinterkopf: "Das Meer werde sich auftun und Vineta verschlingen.", der eine immer wiederkehrende Spannung mitbrachte.
Vineta, und ob die Daten historisch korrekt verwertet sind, möchte ich, auch als angehende Geschichtslehrerin nicht beurteilen. Es obliegt mir nicht die Recherche der Autorin anzuzweifeln, da extra auch im Nachwort erwähnt wird, dass dies nur ein Szenario ist, wie es hätte sein können.
Wie dem auch sei. Ein schöne, entspannende Lektüre mit etwas viel Romantik für meinen Geschmack, aber dafür entschädigt der Schreibstil allemal. Mir hat es sehr gut gefallen.
Auf Wunsch editiert und gespoilt 