Beiträge von Sophia

    Hallo Grisel,


    ja, ist das nicht seltsam? Ich habe auch darüber gegrübelt.
    Was Autoren im Vorwort schreiben, beschreibt oft die Hintergründe zur Entstehung des Buches, es ist also definitiv nicht Teil der "fiktiven Geschichte".
    Außerdem - So wie sie es geschrieben hat, wird es als Tatsache hingestellt, dass die Templer Satanisten waren. Wenn jemand sich noch nie mit den Templern beschäftigt hat, und rein gar nichts über sie weiß, da gibt es viele davon, könnte er das als Info abspeichern.


    Es ist so absurd, dass ich mir schon überlegt habe, ob sie da einen Scherz machen wollte, ob das ironisch gemeint war....
    Aber falls ja, dann hat sie das falsch angepackt.
    Vielleicht bekommt sie zu wenig Leserpost, und wollte das ein wenig ankurbeln - die Leser provozieren, viele Protestbriefe zu schreiben???


    Leider bin ich mit dem Buch noch gar nicht weitergekommen, kann meinen Eindruck zum Rest also erst später schreiben.
    Ich lese zur Zeit mehrere Bücher gleichzeitig, und da die anderen deutlich spannender waren, musste dieses hinten anstehen.
    Bald lese ich aber weiter, und dann melde ich mich wieder.


    Übrigens werde ich als nächstes das lesen: "Mann aus Apulien" von Horst Stern. Kennst Du das? Wenn ja, hat es Dir gefallen?


    Außerdem: Nun muss ich das Buch "Jerusalem" von dieser Autorin (oder einer Namensvetterin....) auch mal lesen, bin ja gespannt.


    (Apropos Parallellesen: Ganz anderes Thema, aber da ich es so interessant fand, muss ichs kurz loswerden:
    Ich habe dieses Buch gerade beendet: "Der Code der Pharaonen" von Lesley & Roy Adkins. Es ist kein Roman, sondern ein Bericht über die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen, den Wettlauf der Wissenschaftler, der Erste zu sein. Im Mittelpunkt steht Champollion, der Begründer der Ägyptologie. Fand ich gut.)

    Gutes Thema,
    ich habe diese Vögel schon immer geliebt! Raben, Krähen, Dohlen.


    Natürlich freue ich mich daher über jede weitere Beobachtung, die ihre Intelligenz beweist.


    Ich bleibe jedesmal verzückt stehen, wenn eines dieser schönen Tiere in meiner Nähe hockt, was mir meist verständnislose Blicke meiner Begleitung einbringt: Wie- sind doch nur Krähen!


    Sie spüren auch, wenn man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, und reagieren mit vorsichtiger Neugierde und manchmal fast ein wenig frech.


    Neulich konnte ich eine zahme Dohle aus der Nähe betrachten und gleich ging mir das Herz auf.

    Kurzbeschreibung:
    Vom Papst gebannt, begibt sich Stauferkaiser Friedrich II. 1228 auf den Kreuzzug ins Heilige Land. Froh, den sizilianischen Hof mit all seinen Intrigen hinter sich lassen zu können, macht sich Friedrich auf eine Reise ins Ungewisse. Es erwarten ihn waghalsige Abenteuer und gefährliche Herausforderungen. Für den jungen Herrscher, der das Leben und die Frauen liebt, wird es auch eine Reise zu sich selbst. Am Ende winkt ein großes Ziel: die lang ersehnte Königskrone Jerusalems. (= Klappentext)


    Meine Meinung bisher:


    Mit dem Buch "Herrscher aus Apulien" von Cecelia Holland fange ich gerade an,
    deshalb hier ersteinmal die ersten Eindrücke,
    später werde ich diese ergänzen.


    Mir ist gleich zu Anfang im Vorwort eine Merkwürdigkeit aufgefallen:
    Dort schreibt C. Holland, es sei erwiesen, dass die Templer in Frankreich Satanisten gewesen seien, dies belegen eindeutig die Aufzeichnungen ihres Prozesses unter Phillipp dem Schönen. Huch!
    :yikes
    Da war ich ersteinmal ganz verdattert....


    Im Vorwort sagt sie außerdem, die Templer hätten dem Sultan vorgeschlagen, Friedrich II. ermorden zu lassen.


    Trotz alledem habe ich weitergelesen. :grin


    Bisher stellt sie die sehr persönlichen Seiten Friedrichs II. heraus und konzentriert sich auf die Widersprüche in seinem Verhalten. Die beruhen hier darauf, dass er einerseits der Etikette folgen muss um einen respektgebietenden Eindruck auf seine Untergebenen zu machen und um dem Bild eines mächtigen ambitionierten Herrschers gerecht zu werden,
    andererseits steckt in ihm ein flegelhafter Junge mit allerlei Flausen im Kopf, der ausspuckt, tagträumt, Frauen hinterherjagt, seine Berater verhöhnt, alberne Streiche spielt, etc.


    Ich bin ja wirklich noch nicht weit gekommen, es kann sich noch viel ändern im Buch.
    Momentan finde ich, dass sie sehr packend und bildhaft schreiben kann, aber die Gestalt des Friedrich II. kommt mir fast ein wenig zu albern rüber. Zwar bin ich überzeugt, dass er diese widersprüchlichen Seiten hatte, aber irgendwie stelle ich ihn mir trotzdem anders vor, als sie ihn beschreibt. Auch die Rückblicke in sein bisheriges Leben aus der Sicht Friedrichs kommen mir ein wenig - hmm - bedeutungsarm vor.


    Aber ich gebe dem Buch durchaus auch inhaltlich noch Chancen, es kann noch gut werden, nun werde ich mal weiterlesen.


    Edit: Autoren-Name, Kurzbeschreibung

    @ claudiatoman:
    Ich finde diesen Ansatz sehr spannend:
    Dass die Namen sich Dir mitteilen, aus Deinem Inneren an die Oberfläche drängen um sich vorzustellen, und damit auch die dazugehörige Figur ans Tageslicht tritt, die Biografie dazu Gestalt annimmt....


    @ alle:
    Bei mir ist es anders. Ich verpasse den Personen zu Anfang irgendwelche Namen und weiß dabei schon, dass sie so nicht bleiben werden, aber das spielt ersteinmal keine Rolle.
    Allerdings fühle ich es meistens stark, wenn ein Name gar nicht passt und weiss, dass er so nicht bleiben kann.


    Erst gegen Mitte des Buches habe ich plötzlich das Gefühl, einzelne Figuren müssten nun getauft werden und ihren richtigen Namen tragen, sonst kann ich nicht weiter über sie schreiben.


    Der Klang des Namens muss mit dem Charakter zusammenpassen.


    Manchmal suche ich auch nach der Bedeutung eines Namens, diese Bedeutung soll mit der Rolle oder mit dem Charakter meiner Figur übereinstimmen, nach dem Motto "Nomen est Omen".


    Dazu nutze ich das Internet, oder ich suche in der Bibliothek.
    Im Telefonbuch habe ich auch schon einmal nachgesehen....
    In einzelnen Fällen nehme ich den Namen von Bekannten, deren Gesicht oder deren Persönlichkeit meiner Figur etwas ähnlich sind.
    Außerdem habe ich bestimmte Lieblingsnamen, die ich versuche unterzubringen - vorausgesetzt ich habe eine passende Figur dafür.


    Ich suche zum Teil nach Namen aus verschiedenen Ländern, und auch Namen, die zu bestimmten Zeiten üblich waren, eben die Zeit, zu der meine Geschichte sich abspielt.


    Manche Figuren erhalten erst ganz zum Schluss ihren endgültigen Namen!

    Ich gehöre zu denen, die sich mit Zielgruppendefinitionen schwer tun,
    deshalb fand ich Deine Ausführungen sehr gut.


    Hofft man - je nach Buchtyp - nicht manchmal, eine klar definierte Zielgruppe umgehen zu können und eine gesamte, große, allgemeine Leserschaft ansprechen zu können?


    Sicher ist sie in vielen Fällen schon allein durch die Rubrik festgelegt, wenn man z. B. historische Romane schreibt, was soll man da noch groß zur Zielgruppe sagen? Gut, vielleicht kann man immer mehr ins Detail gehen: Liebhaber historischer Romane - die im Mittelalter spielen - die einen Kreuzzug zum Thema haben - ...die etwas über Frauenschicksale im dunklen Zeitalter erfahren wollen....
    aber da ist das Thema des Buches so selbsterklärend, dass man sich ein wenig doof vorkommt, dies nocheinmal explizit aufzuzählen.


    Bei allgemeineren Themen, die das Leben an sich betreffen und dabei bestimmte Erfahrungsbereiche herausgreifen, würde es mir eher so gehen, wie ich oben gesagt habe: Ich würde auf eine breitere Leserschaft hoffen und hätte deshalb schon wieder Probleme, die Zielgruppe so genau zu definieren. (Außer natürlich bei sehr speziellen Themen wie Krebserkrankung, Katzenliebhaber, Porzellansammler....)


    Ich finde das wirklich nicht leicht.

    Eigentlich hatte ich Sizilien geplant, was aber nun leider nicht klappt. :cry


    Stattdessen fahren wir nach England und dann nach Schottland, worauf ich mich natürlich auch freue! Immer der Nase nach, wohin es uns gerade zieht, ohne festen Plan. So mag ich es. :-]


    Aber manchmal hat man diesen starken Drang, an einen bestimmten Ort zu fahren, mich hätte es diesmal sehr STARK gen Süden gezogen...nu ja, Geduld haben! Nächstes Jahr.

    Zitat

    Original von BunteWelt
    vielleicht könntest du einfach nur ein bis drei Ausrufezeichen machen...
    Genauso wie bei den Smileys.
    Dankeschön :-)


    Hi ihr Lieben,


    warum nicht umgekehrt -
    Text weglassen und nur noch Satzzeichen plus viele Smileys.
    Das wäre ebenso unterhaltsam. :grin

    Noch ganz frisch in meinen Gedanken-


    Ich habe letzten Donnerstag im Kino einen ganz ungewöhlichen Film gesehen:


    Er heißt "Il Divo"
    und handelt von Andreotti und seinen kriminellen Verstrickungen.


    Der Stil des Films ist wirklich sehenswert!
    Ein wenig bizarr, voller Ironie, geistreichen Anspielungen, oft auch Humor. Die Kameraführung und die Atmosphäre des Films sind sehr ungewöhnlich, fast künstlerisch.
    Durch die besondere Art von Überzeichnung der Charaktere und Personen wird das, auf was es ankommt, sehr humorvoll komprimiert.
    Die Schauspieler haben zum Teil erstaunliche Ähnlichkeit mit den wirklichen Personen.


    Allerdings: Man benötigt Hintergrundwissen, um einige Anspielungen zu verstehen.
    Gegen Ende wird es dann ein wenig sachlich-trocken, zumal es sich wieder nur um Andeutungen handelt.


    Die Pointe am Ende, ausgedrückt durch Musik, ist köstlich!


    Nun habe ich eine Kritik zum Film in der Süddeutschen gelesen, der ich zustimmen muss.


    Dabei wird der Film nicht nur gelobt, sondern es wird z. B. kritisiert, dass man nicht erfährt, worin die kriminellen Machenschaften Andreottis bestanden. Die oberflächlichen Andeutungen reichen nicht aus, ja können sogar irreführend sein:
    Denn durch den verzerrenden, humorigen, irrwitzigen Stil der Darstellung könne ein Uneingeweihter die Botschaften sogar missverstehen:
    Ein reales Drama würde quasi zu einem Witz verharmlost, der Film wird dem Ernst der Realität nicht gerecht.
    Der den italienischen Staat ruinierende mafiöse Sumpf wird Anlass zum Lacher. Und das könne das Urteilsvermögen desjenigen vernebeln, der den Film ansieht und die Materie nicht kennt.


    Außerdem produziere der Film eine fatale Bewunderung und Verständnis für einen Helden- Andreotti: Er provoziere Bewunderung für den raffinierten Machtmenschen, und gleichzeitig ein Überlegenheitsgefühl ihm gegenüber wegen seiner so stark karikierten Erscheinung. Dahinter verschwinde die kranke Realität eines machtbesessenen Tyrannen.


    Aus diesem Blickwinkel betrachtet stimmt das sicher.
    Es ist kein Film, der informiert - man benötigt entweder Vorwissen oder man informiert sich anschließend über die Hintergründe. Der Film setzt auf Effekte. Und diese Effekte sind wirklich gut gemacht. Es ist wie gesagt kein aufklärerischer Film. Soll der Film Sympathien für einen Verbrecher wecken? Hmm, wer weiß.

    Hallo!


    Ich habe letzten Donnerstag im Kino einen ganz ungewöhlichen Film gesehen - Er lief im Münchner "Theatiner" gerade an, Premiere sozusagen.


    Er heißt "Il Divo"
    und handelt von Andreotti und seinen kriminellen Verbindungen.


    Das Thema ist ja Geschmackssache, aber der Stil des Films ist wirklich sehenswert! :wow


    Ein wenig bizarr, voller Ironie, geistreichen Anspielungen, oft auch Humor. Die Kameraführung und die Atmosphäre des Films sind sehr ungewöhnlich, fast künstlerisch.
    Durch die besondere Art von Überzeichnung der Charaktere und Personen wird das, auf was es ankommt, sehr humorvoll komprimiert.
    Die Schauspieler haben zum Teil erstaunliche Ähnlichkeit mit den wirklichen Personen. Man benötigt Hintergrundwissen, um einige Anspielungen zu verstehen, aber auch ohne das ist der Stil recht beeindruckend. Gegen Ende wird es dann ein wenig sachlich-trocken, aber nicht allzu sehr, da es sich wieder nur um Andeutungen handelt -
    und die Pointe am Ende, ausgedrückt durch Musik, ist köstlich!


    Edit / Nachtrag: Nun habe ich eine Kritik zum Film in der Süddeutschen gelesen, der ich zustimmen muss.


    Dabei wird der Film nicht nur gelobt, sondern es wird z. B. kritisiert, dass man nicht erfährt, worin die kriminellen Machenschaften Andreottis bestanden. Die oberflächlichen Andeutungen reichen nicht aus, ja können sogar irreführend sein:
    Denn durch den verzerrenden, humorigen, irrwitzigen Stil der Darstellung könne ein Uneingeweihter die Botschaften sogar missverstehen:
    Ein reales Drama würde quasi zu einem Witz verharmlost, der Film wird dem Ernst der Realität nicht gerecht.
    Der den italienischen Staat ruinierende mafiöse Sumpf wird Anlass zum Lacher. Und das könne das Urteilsvermögen desjenigen vernebeln, der den Film ansieht und die Materie nicht kennt.
    Außerdem produziere der Film eine fatale Bewunderung und Verständnis für einen Helden- Andreotti: Er provoziere Bewunderung für den raffinierten Machtmenschen, und gleichzeitig ein Überlegenheitsgefühl ihm gegenüber wegen seiner so stark karikierten Erscheinung. Dahinter verschwinde die kranke Realität eines machtbesessenen Tyrannen.


    Aus diesem Blickwinkel betrachtet stimmt das sicher.
    Es ist kein Film, der informiert - man benötigt entweder Vorwissen oder man informiert sich anschließend über die Hintergründe. Der Film setzt auf Effekte. Und diese Effekte sind wirklich gut gemacht. Es ist jedoch kein aufklärerischer Film. Soll der Film Sympathien für einen Verbrecher wecken? Hmm, wer weiß.



    Viele Grüße

    Zitat

    Original von Michelle


    Warum ich immer weiterschreibe? ..... weil ich gerne weiter Leser unterhalten möchte. Und weil es mir trotz allem Ärger, der auch dazu gehört, trotzdem noch Spaß macht, Geschichten und Figuren zu erfinden.


    Das klingt sehr schön - machen Autoren mit ihren Geschichten doch den Alltag der Leser auch bunter und abwechslungsreicher.


    Ich möchte damit nicht sagen, dass ich aus einer Deprivation heraus lese, das wirklich nicht.


    Aber phasenweise kann das auch mal in die Richtung gehen:
    Wenn es Zeiten gibt, in denen für meinen Geschmack zu viel Routine im Alltag einkehrt, dann muss ich zugeben, rette ich mich geradezu in ein Buch.


    Deshalb: Schön, dass Autoren mit ihren Geschichten den Alltag bereichern,
    und weitermachen.

    Ich mag sie alle, die britischen humorvollen Filme, soweit ich sie kenne -
    nur Mr. Bean ist nicht mein Favorit.



    "Blackadder" ist herrlich, Rowan Atkinson kommt dort auch ganz anders zur Geltung als bei Mr. Bean. Köstlich, wenn Queen Elisabeth ihn zu sich rufen lässt, um ihn auf den Arm zu nehmen.


    "Porridge" (spielt im Gefängnis) ist für mich eine der Besten!
    Richtig gut!


    "Yes Minister" - ein Politiker unter seinesgleichen, zwischen Lug, Trug und Ehrgefühl hin und hergerissen - genial!


    "The thin blue line" hat einen ganz eigenen Stil, aber ich habe die einzelnen Folgen schon x-mal gesehen und kann immer wieder darüber lachen. (Rowan Atkinson als Polizeiinspektor ist fantastisch, auch alle seine Mitarbeiter sind göttlich!)


    Red Dwarf (die seltsame Crew eines Raumschiffes, die miteinander auskommen muss) ist auch so ein Brüller, obwohl ich einige Zeit gebraucht habe, um es gut zu finden.


    Monty Python - fantastisch, natürlich "the life of Brain" (pöser pube....und unzählige andere Stellen, ich bin fast gestorben vor Lachen); mir gefiel der Sketch "Die Akademie der seltsamen Gangarten", konnte mich kaum mehr auf dem Stuhl halten.

    @ Siorac:


    Da fiel mir eben noch ein:
    In dem Buch "die Kinder des Gral" gibt es die Szenen so handfest, wie von Dir beschrieben, aber seltsamerweise hat mich das dort nicht wirklich gestört. Dort verzichtet er noch auf Tabubrüche und Klischees, wirkt sogar originell.


    Berling hat da wohl ab dem Buch "das Blut der Könige" eine kleine Wendung gemacht und bringt nun recht störende Bilder mit ein. Für mich sind diese Bilder schon sehr klischeehaft und plump.

    @ Bouquineur:
    Danke, danach werde ich suchen, da ich nun doch neugierig geworden bin, was andere dazu meinen und ob sie das auch wie ich empfinden.


    @ Siorac:
    Vom allgemeinen Schock ganz überwältigt müsste ich nun glatt zu den einzelnen Stellen zurückgehen um zu überprüfen, ob dort eine lächerliche Metaphorik auftaucht... oh nee, danach ist mir nicht.


    Lieber nicht - um Berling mit Genuss weiterzulesen, gibt es für mich nur eine vernünftige Lösung:
    So tun, als ob es diese Szenen nicht geben würde. Verdrängen. Mich auf das konzentrieren, was gut ist.

    In der "New York Trilogie" von Paul Auster sind drei Bücher enthalten.
    Ich mache es mal andersherum - ich schreibe zuerst meine Meinung nieder, weiter unten bringe ich dann die amazon-Zusammenfassung für jedes einzelne Buch und einen Pressebericht.



    MENE MEINUNG:


    Alle drei Bücher der Trilogie haben mir sehr gut gefallen, und alle aus demselben Grund. Es ist eine raffinierte und ungewöhnliche Art des Autors, in die Tiefen der eigenen Psyche hinabzusteigen. Er schafft eine Distanz zum eigenen Dasein anhand fiktiver Personen, um am Ende sich selbst gegenüberzustehen.
    Die Handlung entpuppt sich als Spiegel, in diesem Spiegel ist er imstande zu sehen, woran er selbst scheitert, in welchen Emotionen er gefangen ist, wovon er getrieben wird. Eine Lösung gibt es zum Schluss nicht, es bleibt offen, ob diese Selbstbeobachtung und Selbsterkenntnis zu einer Veränderung führen kann.


    Es sind interessante Bücher.


    Das Prinzip und die Aussage sind in jeder Geschichte dieselbe - sie entwickeln sich jedoch in jeder Geschichte auf eigene Weise.
    Allgemein etwa so:


    Herr X ist überrascht: Jemand nimmt Kontakt zu ihm auf, den er nicht kennt. Es scheint sich um eine Verwechslung zu handeln, man bittet ihn, sich um einen schwierigen Fall zu kümmern. Herr X könnte nun sagen "ich bin nicht der, für den Sie mich halten", doch er fühlt sich von der Sache angezogen und tut nun so, als ob er derjenige wäre, mit dem man ihn verwechselt hat. So wird er durch einen Zufall in eine Kriminalgeschichte hineingezogen.


    Um den Fall zu lösen, beobachtet er die darin verwickelten Personen. Und nun beginnt der Leser nach und nach zu ahnen, dass es nicht um den Kriminalfall geht, sondern einzig und allein um Herrn X selbst.
    Das Leben der beobachteten Personen wird zum Spiegel seines eigenen Lebens, seiner eigenen Psyche. Die Realität der Welt verschmilzt mit der Realität der eigenen Lebensgeschichte. Die beobachteten Personen sind Teile seines Selbst, sie tun, was er getan hat.


    Wie besessen vertieft er sich in ihr Leben und ist sich dabei selbst auf der Spur. Dabei droht ihm die Entfremdung von der realen Welt, er droht, zum Aussenseiter zu werden, zum Einsiedler, zum Ausgestossenen.


    _____________________________________________
    Und hier die amazon-Zusamenfassungen:


    1. STADT AUS GLAS. Daniel Quinn, ein Kriminalautor, erhält mitten in der Nacht den Anruf eines Fremden und wird auf Grund eines Mißverständnisses in eine Affäre hineingezogen, die komplizierter und undurchsichtiger ist als alles, was er bisher in seinen eigenen Büchern geschrieben hat: Quinn wird, ohne daß ihm Zeit zum Nachdenken bleibt, als Detektiv unter dem Namen Paul Auster eingesetzt.
    Wer ist dieser Peter Stillman, den er zu bewachen hat? Und warum versucht sein Vater ihn zu töten? Oder ist der Vater in Wirklichkeit jemand anderer? Und wenn, wer ist der Mann, der ermordet werden soll? Quinn verfolgt alle erdenklichen Spuren, um eine Antwort zu finden. Die Stadt New York wird für ihn zu einem unerschöpflich weiten Raum, zu einem Labyrinth nicht enden wollender Gänge. Naheliegende Schlußfolgerungen scheinen immer mehr ihre Eindeutigkeit zu verlieren. Aus der vordergründig einfachen Aufgabe, einen Mann aufzuspüren, wird schließlich eine aufreibende Suche nach sich selbst.


    2. SCHLAGSCHATTEN. Blue bekommt von White den Auftrag, Black zu beobachten. Ohne über die Hintergründe aufgeklärt worden zu sein, läßt der junge Privatdetektiv sich auf den Fall ein und beschattet Black tagein und tagaus. Bald muß er feststellen, daß seine bewährten Methoden nicht greifen und daß sich Realität und Täuschung nicht mehr ohne weiteres voneinander unterscheiden lassen. Er verliert die Gelassenheit des routinierten Profis und ist besessen von dem Wunsch, Blacks Geheimnis zu ergründen. Sein Leben gerät aus den Fugen, die Konturen seiner Identität lösen sich auf.


    3. HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN. Der Schriftsteller Fanshawe verschwindet eines Tages spurlos und läßt seine junge Frau Sophie mit dem gemeinsamen Kind zurück. Sein Freund aus frühester Kindheit, der Erzähler der Geschichte, übernimmt die Rolle des Nachlaßverwalters und setzt sich erfolgreich dafür ein, daß die vielen Romane und Gedichte veröffentlicht werden. Und er heiratet schließlich Sophie und dringt immer tiefer in das Leben Fanshawes ein. Die Welt bricht für ihn zusammen, als er eines Tages den Hinweis bekommt, daß Fanshawe noch lebt. Fieberhaft versucht er den Freund zu finden und durchlebt eine schwere Krise, in der er seine eigene Existenz in Frage stellt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



    Pressestimmen
    "Jeder der drei Romane wirkt zunächst wie eine klassische, spannungsgeladene Kriminalgeschichte, die den Leser mit raffiniert ausgelegten 'Ködern' in den Bann zieht. Aber bald scheinen die vordergründig logischen Zusammenhänge nicht mehr zu stimmen. Die Rollen der Täter und der Opfer, der Verfolger und der Verfolgten verschieben sich auf rätselhafte Weise. Schritt für Schritt wird der Beobacheter - der Detektiv, Autor, Leser - aus seiner sicheren Distanz gelockt und in ein Spiel mit seinen eigenen Erwartungen verstrickt." (Sunday Times)
    _______________________________________________


    ASIN/ISBN: 3499226626

    @ Bouquineur:


    Oh, ich kenne die Diskusson zu dieser Szene nicht, die habe ich verpasst- war vielleicht auch vor meiner Zeit.
    Ist ja witzig. Vielleicht suche ich sie mir mal raus, mal sehen, ob ich sie finden kann.


    Ich beschränke mich mit meiner Ansicht aber nicht nur auf dieses Buch,
    ich persönlich mag allgemein Sexszenen nicht, die plump und klischeehaft dargestellt sind.
    Vor allem, wenn es wirkt, als ob sie im Nachhinein eingebaut wären, da völlig unpassend. Vielleicht gibt es da doch die berüchtigten Lektoren, die sagen: "Da muss jetzt noch Sex rein" ?


    Und sonst bin ich auch der Ansicht, wie oben so schön gesagt:
    Sex gehört zum Leben? Gut, auch das zur Toilette gehen gehört zum Leben. Also bitte beides mit Zurückhaltung behandeln, wenns geht, das ist meine persönliche Meinung.


    Nun könnte man sagen, Sex ist was Schönes, die Toilette aufzusuchen nicht - aber schlecht geschriebene Sexszenen können den an sich schönen Sex auf das Niveau einer Toilettenroutine herabziehen.
    Und das finde ich schade.

    Das Thema ist bei mir gerade hochaktuell-


    Saß ich doch neulich im Zug und lese einen von mir bisher hoch geschätzten historischen Roman von Peter Berling: Das Blut der Könige. Mein Sitznachbar linst ab und zu in den Text, aber soll er doch mitlesen, wenn er nichts Eigenes dabei hat, mich störts nicht.


    Völlig unerwartet und für die eigentlich völlig ausreichend aufregende und bildhafte Szene wirklich gar nicht nötig und auch gar nicht passend mutiert der Autor plötzlich zum hemmungslosen Lüstling und lässt zwei Kinder miteinander intim herumspielen - ganz detailliert, :wow
    und -
    @ Alice Thierry - etwas zum Aufwischen gabs auch... :grin


    Ich gesteh es nicht gerne, aber ich bin rot angelaufen und habe schnell ein paar Seiten weitergeblättert, da mein Sitznachbar schon wieder eine leichte Augendrehung in Richtung meines Buches machte. Die Welt ist klein, man könnte ihm ja beruflich mal begegnen.


    Was hat den Autor da bloß plötzlich gebissen? Ist das gemeine, hinterhältige Absicht? Jemandem, der gerne raffinierte und unterhaltsame Historie liest, aus dem Hinterhalt so ein Zeugs ins Gesicht zu knallen? :fetch


    Und dann auch noch zwischen Kindern, da ist es bei mir ganz aus.
    Auch unter Erwachsenen geht es dann ab und zu heiß her,
    wobei es grundsätzlich die Frauen in jeder Situation nach jedem männlichen Lüstling gelüstet, egal wie und wo und was und wer und wie unappetitlich und wie unsympathisch.


    Besonders lächerlich die letzte Szene: Frau zieht mit Begleitern durch die Wüste, Begleiter entfernen sich kurz, drei ungewaschene Wüstenräuber fallen über sie her, ein Junge, der sie auch begleitet, will mutig dazwischengehen um sie zu retten, sie funkelt ihn böse an, aber nicht -aha- weil sie um seine Sicherheit fürchtet, nein, weil sie sich schon drauf freut, dass die drei Männer....
    Mann, blöder gehts nicht.
    Die Frau wäre dann nicht mal abgeneigt, mit dem kleinen Jungen.... aber lassen wir das mal lieber.


    Ich will jetzt gar nicht aussprechen, welcher Verdacht sich mir da den Autor betreffend aufdrängt.
    Aber so viel sei verraten: Ich hoffe, er hat nun ausgekotzt was auszukotzen war und ich bleibe für den Rest des Buches von weiteren Peinlichkeiten verschont.


    Schade, da mir der Rest des Buches wirklich gut gefällt. SEHR SEHR SCHADE.


    Für mich ist das ein typisches Beispiel für plumpe Sexszenen an unpassenden Stellen, ohne nachvollziehbaren Zusammenhang.