Tja, ich vertrete eine Minderheitenmeinung: Meins wars nicht. 
Die E-Mail-Form hat mir gut gefallen, daran hat es nicht gelegen. Aber es hat mich über weite Strecken einfach nicht interessiert, was in den Mails drinstand. Das war - in Inhalt und Stil - ein privater Austausch zwischen zwei Menschen, die etwas Besonderes am Laufen haben, und mir als Außenstehender gab das nichts. Ich denke zurück an Mailkontakte, die ich selbst hatte und die mir in meinem Alltag ähnlich wichtig waren, da hat sich über die Zeit zum Teil Ähnliches entwickelt, und ein Dritter hätte das nie nachvollziehen können. Also: authentisch mag es gewesen sein, aber ich blieb außen vor.
Dass und vor allem wie Emmis Mann sich einschaltet, kam mir allerdings vor wie ein verzweifelter dramaturgischer Kunstgriff, weil dem Autor nichts Besseres eingefallen ist. Das fand ich nicht glaubwürdig.
Und zum Ende:
"Ich glaube, ich muss mit dir noch einmal ausführlich über 'Boston' reden. (...) Mit Boston ist es ganz anders, als du glaubst." Das hat sich für mich auch sofort so angehört, als gehe er gar nicht wirklich nach Boston.
Hm, ich frage mich, warum genau Leo seine Mail-Adresse geändert hat. Zuerst dachte ich, es ist, weil Emmi nun erkannt hat, dass sie ihn tatsächlich liebt, und ihm das angesichts ihrer Familiensituation endgültig zu eng/heiß wird, aber die Mail hat er ja gar nicht mehr bekommen.
Also hat er wohl, unabhängig von dem geplatzten Abschiedstreffen, seine Ankündigung wahr gemacht, den Kontakt abzubrechen. Und vielleicht geht er eben doch nach Boston, sodass sie bald auch seine Adresse nicht mehr haben wird.
Jedenfalls fand ich das Ende völlig in Ordnung
und glaubwürdiger als ein Happyend.
Nur, wie gesagt,
das Eingreifen von Emmis Mann hat mir nicht gefallen, das Ende hätte auf andere Weise erreicht werden müssen.
Ich bin gespannt, was ihr von der Fortsetzung berichtet. Ich werde sie nicht mehr lesen, aber mich würde doch interessieren, ob der Autor es schafft, glaubwürdig an den Schluss anzuknüpfen, ohne dieses Ende des ersten Buchs zu verwässern - was schade wäre.
Für mich war das ein weiterer Reinfall mit einem österreichischen Autor - ich sollte es endgültig lassen, ich glaube, das erste Positiverlebnis steht noch aus. 