So, jetzt bin ich durch mit den ersten vier Kapiteln. Obwohl ich es zum zweiten Mal lese, habe ich in den letzen 2 Jahren doch einiges vom Plot vergessen und bin daher fast so gespannt wie damals.
Sehr gelungen fand ich in diesen Kapiteln die Stimmung im Haus und im Garten. Da führt Melzi den Leser durch eine atmosphärisch dichte Buchwelt, in die man richtig eintauchen kann. Raschelnde Blätter, die Lichtflecken werfen, kalte Luftzüge im Haus, die Wärme unter dem Vordach, der Blick über den Garten ... Das alles kann man sich super vorstellen.
Was der Atmosphäre sehr dienlich ist, nimmt teilweise etwas die Spannung. Man erwartet, dass etwas geschieht, wird aber zunächst sehr ruhig und mit vielen Beschreibungen durch das Haus geführt. Ein ungeduldiger Leser wird vielleicht die eine oder andere Passage überspringen, weil es ihm egal ist, was für Schränke im Haus stehen, oder wie die Zimmer dekoriert sind.
Mir hingegen hat es trotzdem gefallen, weil die Autorin einem die Zeit gibt, im Ort anzukommen. Analog zur Protagonistin erkundet man Stück für Stück die unbekannte neue Umgebung und kann sich ein genaues Bild machen.
Wer den Titel gelesen hat (wer hat das nicht *lach*) weiß natürlich, dass früher oder später ein Geist auftauchen wird. (Leser des Buchrückentextes wissen sogar noch mehr) Der Windhauch und der nächtliche Schrecken sind erste Andeutungen auf den Spuk, der kommen muss. Man kann sich fragen: geht hier der Geist der Tante um? (Die Tante wird Sam ja nun auch auf ihre Weise geliebt haben - so würde der Titel nicht ganz falsch liegen) Oder handelt es sich hier um einen möglichen Märchenprinzen für Sam? Vielleicht einen toten, aber dennoch lebensabschnitts-tauglichen Mann?
Im Nachhinein überlege ich, ob der Titel nicht wirklich zu sehr spoilert. Mich hat es schon bei "Biss zum Morgengrauen" gestört, dass auf der Rückseite dick das Wort "Vampir" steht. In diesem Fall wäre etwas mit "Geist" durchaus in Ordnung, aber "der mich liebte" verrät doch etwas viel.
Aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass man als normalsterblicher Autor nicht wirklich viel Einfluss auf den Titel (oder das Umschlagbild) hat. Es wäre interessant zu erfahren, ob es von Melzis Seite aus andere Arbeitstitel gab.
Aber weiter im (Buch)-Text: Sam geht (etwas zu lang, für meinen Geschmack) einkaufen und lernt das Dorf kennen. Lachen musste ich im Heimwerkerbedarf. Vielleicht ist es ja nur ein Zufall, aber der Mann im Flanellhemd hat mich sehr Al aus der Serie "Hör mal, wer da hämmert" erinnert.
Etwas holprig fand ich den Vorwand für den Besuch in der Bibliothek. Vielleicht sehe ich das etwas engstirnig, aber ich würde nicht in eine Bibliothek gehen, um mir Bücher über Heimwerken auszuleihen, sondern im Laden die Fachleute fragen. Andererseits musste Sam ja Tess kennen lernen. Lustig fand ich den Kontrast zwischen der schrillen Tess und der Bibliothek, in der man Mädchen wie sie eigentlich nicht vermuten würde.
Und dann: Auftritt Adrian, reicher Schönling und too good to be true. Zusammen mit dem Hinweis, dass sein Haus unheimlich ist und dieser makellosen Art ist er mir von Anfang an suspekt!!!
Spannend auch: Die Warnung vor dem gefährlichen Landstreicher. Der wird dann leider zunächst nicht mehr erwähnt. Ich hatte gedacht, dass Sam sich in der zweiten Nach vielleicht doch etwas mehr sorgt. Schließlich hat sie (nach ihrem derzeitigen Wissensstand ) mehr von einem realen Wesen, als von einem Geist zu befürchten.
Ach ja, freue mich schon aufs Weiterlesen!!
Viele Grüße,
Käfer 