439 Seiten
Beltz Verlag
ET: 13.7.2015
OT: Half Brother
Kenneth Oppel ist vielen durch seine Fledermaus Reihe (z.B. Silberflügel) ein Begriff.
Inhalt
Der 13-jährige Ben zieht mit seinen Eltern von Toronto nach Victoria um, weil dort seinem Dad ein besonderes Projekt bewilligt wurde. Die Familie nimmt ein Schimpansenbaby bei sich auf und bringt ihm Gebärdensprache bei. Ziel des Projektes ist es zu beobachten, ob Zan die Sprache lernt und selbständig einsetzt.
Meine Eindrücke
Die Hauptperson des Buches ist in meinen Augen Ben und nicht der Schimpanse Zan. Für Ben ist dieses Projekt eine große Umstellung. Er muss umziehen, kommt in eine neue Schule, muss neue Freunde finden und bekommt einen ungewöhnlichen kleinen Bruder. Bens Gedanken und Gefühle machen einen Großteil der Handlung aus. Man erlebt als Leser mit, wie es für ihn ist, sich in dieser neuen Situation zurechtzufinden und wie Zan für ihn immer mehr zum Bruder wird. Zwischen den beiden entwickelt sich eine innige Beziehung.
Doch schnell wird klar, dass das nicht allen Familienmitglieder so geht. Während Bens Mum immer mehr in ihre Mutterrolle hineinwächst, bleibt Zan für Bens Vater immer ein Projekt. Er ist für ihn ein wissenschaftliches Experiment, das der Forschung und seiner Karriere dient.
Von Anfang an hatte das Buch für mich dadurch einen beklemmenden Unterton, weil ich ständig darauf gefasst war, dass die Handlung eine unschöne Wendung nimmt.
Mit der Schilderung dieses Projektes zeigt der Autor, wie schnell vergessen wird, dass es sich bei Zan um ein Tier handelt. Für die einen ist er fast wie ein Mensch, für die anderen nur ein wissenschaftliches Studienobjekt. Bei seinen Schilderungen bleibt Kenneth Oppel jedoch in einem erträglichen Rahmen und reizt die Dramatik nicht bis zum letzten aus. Trotzdem hat mich die Lektüre sehr berührt und mir einmal mehr bewusst gemacht, wie grausam Menschen sein können.
Es geht jedoch nicht nur um Bens Erlebnisse mit Zan, sondern auch um innerfamiliäre Spannungen und das Leben und Leid eines Teenagers in seiner neuen Umgebung. Dadurch wird die Geschichte etwas aufgelockert.
Am liebsten habe ich aber die Abschnitte rund um Zan gelesen, da diese immer voller Leben und spannender waren.
Angesiedelt ist die Handlung in den 70er Jahren, in denen Sprachexperimente mit Primaten für einiges Aufsehen sorgten. Wenn Ben sich mit seinen Freunden Musik von ABBA anhört und über das neueste Album gesprochen wird, fühlt man sich in diese Zeit zurückversetzt, falls man sie (wie ich) selbst erlebt hat.
Anfangs fiel es mir noch leicht, die Lektüre zu unterbrechen, doch je mehr es um Zan ging, umso mehr hat mich die Handlung in ihren Bann gezogen. Zum Ende hin konnte ich es kaum noch aus der Hand legen. Ich wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht.
Fazit: Ein Buch, das berührt und nachhaltig beschäftigt.
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