Danke, Herr Palomar, aber wo kann ich selber die ISBN Nummer einsetzen?
viele Grüße
Bücherturm
Danke, Herr Palomar, aber wo kann ich selber die ISBN Nummer einsetzen?
viele Grüße
Bücherturm
Hallo, Batcat,
habe soeben den 2. Krimi von Sybille Ruge - 9MM Cut hier rezensiert. Leider habe ich den von Dir angezeigten Button auf der Seite nirgends entdeckt. ISBN für Sybille Ruges Buch lautet: 9783518473993. Bitte glaube mir, ich würde das ISBN sehr gerne an der richtigen Stelle einfügen, aber ich bin in solchen Sachen "IT-Illiterate". Kannst Du mir vielleicht einen Snapchat von der Seite schicken, auf der ich den Button sehen kann?
Ich möchte Euch ja nicht zur Last fallen und Euch Mehrarbeit verursachen.
Liebe Grüße
Bücherturm
Konfuse Handlung dafür aber ein herrlicher Stil
Wirklich. Sybille Ruge hat es mit dem Sprüche klopfen drauf. Wer kann bei solchen Sätzen widerstehen? “Ein Land [die Schweiz] von Schiller erfunden, um den Deutschen zu zeigen, wie Heimatliebe geht” (S. 32). oder wenn Eve das Gespräch mit renitenten Zahlern das Gespräch so eröffnet: “Die vertraulichen Einzelsitzungen zur Konsensfindung leite ich mit einer Grundsatzfrage ein. Möchtest Du Invalidenrente? Eine Win-win-situation, besonders aufgrund der geringen Bürokratie" (S. 11). Einer meiner Favoriten ist der Dialog zwischen Eve und Karnofsky: “Ich sage dir etwas. Ich habe die Bilanzen überflogen” Antwort: “Im Sturzflug oder im Heißluftballon?” (S. 132) Damit meint Ruge, der Geschäftsführer hätte die Bilanzen viel früher und genauer studieren müssen. Mein Literatenherz hat bei dem Spruch “Amazon würde Dr. Faust unter Arztroman ablegen” (S. 152) fast einen Aussetzer gemacht. Lakonisch und trocken: “Apropos Poesie, ich halte einen abgetrennten Kopf für eine starke Metapher.” (S. 157). Und so geht es das ganze Buch durch, man liest und blättert nur wegen dieser sprachlichen Bilder und brillianten Einfälle. Ruges trockener Humor ist nicht zu überbieten.
Leider kommt bei dieser tollen Sprache der Krimi an sich etwas zu kurz. Die Handlung scheint mir verworren, etliche Gestalten versprechen einen interessanten Nebenstrang um dann doch nicht ausgebaut zu werden. Die Zwillinge Lara und Laura sind leider nichts mehr als ein Störfaktor im Buch. Ich hätte gerne gewusst, wie sich ihr Leben weiter entwickeln wird. Mit Helene, der neurotischen Mutter (Spitzname “Hell”) können die Mädchen nicht weiter leben, ob der Vater sich mehr um sie kümmern wird?
Alles in allem, ein unterhaltsamer Krimi mit einigen Schwächen aber einem hervorragenden Gebrauch der Sprache.
Danke, werde ich gerne machen, aber wo genau auf der Seite ist der Button?
Wenn der geliebte Mensch stirbt, plötzlich verstirbt, ohne Zeit zu haben, sich zu verabschieden, ist das wie die Amputation eines Gliedmaßes. Der Phantomschmerz wird immer bleiben. Irgendwann arrangiert man sich mit dem Schmerz, lernt ihn ertragen. Adriano und Konrad waren ein Paar, waren verheiratet, hatten auf Sizilien ein Haus gebaut. Konrad lebte mehr in Rom, der Arbeit wegen, Adriano in Berlin. Sie trafen sich regelmäßig, in Berlin oder in Rom oder in Sizilien, wo sie der Gemeinschaft der deutschen Expats angehörten. Adrianos Tod in Berlin ist tragisch (wie jeder Tod) und absurd zugleich. Adriano ist mit brennender Zigarette eingeschlafen, die Couch hat angefangen zu glimmen, er ist am Sauerstoffmangel und den eingeatmeten Gasen erstickt. Das Buch setzt nach Adrianos Tod ein, Konrad fliegt nach Sizilien, um seine Asche da in den Ätna zu streuen. Aber diese Geste, die in Berlin noch so elegisch schön und bedeutsam erschien, war nach den Strapazen der Ätna-Besteigung weder symbolisch und elegisch schön noch bedeutsam Er wird die Asche aus einem Impuls heraus von einem Schiff aus wortlos und rasch ins Meer streuen.
Das Buch ist aber nicht nur über die Trauerbewältigung eines geliebten Menschen, sondern auch ein Plädoyer für eine wunderschöne Insel, Sizilien und mit allem, was diese Insel für Sizilianer, Italiener und deutsche Bewohner bedeutet. Die Insel wird mit all ihren zauberhaften aber auch hässlichen Facetten beschrieben und weckt die Sehnsucht nach Sizilien. Um mit Goethe zu sprechen:
“Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?”
Genau in dieses Land versetzt uns Adriano Sack mit diesem Buch. Den überquellenden Müll am Straßenrand, die ausufernde Bürokratie der sizilianischen Verwaltung, all das wird auch im Buch beschrieben, aber dann kommt ein Sonnenuntergang oder eine Landschaftsbeschreibung zum Niederknien schön.
Konrad, der in Sizilien Corrado angesprochen wird, hört sich Adrianos Reden an, ohne etwas darauf entgegnen zu können. Er sehnt diese Reden herbei, sie bestätigen ihn in seinen Handlungen auf Sizilien, auch wenn er da diverse Liebesaffären hat. Im letzten Zwiegespräch Adriano - Konrad sagt Adriano: “Ich werde Dich mehr vermissen als mich selbst. Und vergiss nicht, dass Du leben musst.” (S. 332) Konrad ist auf der Heimfahrt zurück nach Deutschland, er befindet sich auf der Fähre von Messina auf das italienische Festland, als in seinen Gedanken Adriano diese Worte sagt. Konrad wird klar “... und ich werde niemals auf dieser Fähre stehen können, ohne Adriano zu vermissen. Denn auch das war unsere Liebe: nebeneinander in aufgewühltes Wasser blicken,” (S. 332).
Das Titelbild erinnert in seinen Farben und Gestaltung an ein Gemälde von Gauguin
Eine kleine Besonderheit sei noch erwähnt: Adriano Sack, der Autor lässt den verstorbenen und doch so präsenten Partner Konrads auch den Namen Adriano tragen. Das wirft die Frage auf, wie viel von einem Adriano steckt im anderen Adriano?
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ASIN/ISBN: 3312013143 |
Ich bin Gott dankbar, ich habe alle meine Schwangerschaften zu Ende und gut ausgetragen. Ich bin dankbar für meine Kinder. Falls ich mal eine Schwangerschaft verloren habe, dann war es in den ersten zwei bis drei Wochen und ich habe nichts davon mitbekommen, höchstens mal eine etwas verspätete aber heftige Periode. Ich empfinde das heute als Gnade. Aus meinem persönlichen Umfeld weiß ich, wie schmerzhaft für eine Frau das ist. ich meine, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Wenn das kleine Herz im vierten oder sechsten oder gar Ende des 8.Monats aufhört zu schlagen und die Mutter stumm und verzweifelt und voller Trauer mit dem Schmerz allein gelassen wird. Psychische Betreuung und Begleitung in der Zeit der Trauer wären da zwingend notwendig. Oder Aufklärung, so in etwa wie dieses Buch das bringt.
Lindner behandelt alle Aspekte einer Fehlgeburt: wie sich die Mutter fühlt, wenn sie erfährt, dass sie die Schwangerschaft verlieren wird, wie sie sich danach fühlt, nachdem sie ein Sternenkind entbunden hat, wie sie sich nach der Trauer wieder in das “normale” Leben eingliedert. Oft zerbrechen die Beziehungen daran, weil beide Elternteile in ihrer Trauer wie in einer Blase gefangen sind und nicht mit dem Partner kommunizieren können. Lindner geht auch auf die gesundheitlichen Aspekte einer Fehlgeburt ein, die hormonellen Störungen im Körper der Frau, die Schmerzen, Wehen, starken Blutungen und Krämpfe.
Und was können wir, Außenstehende tun, wenn eine uns nahestehende Frau Ihr Kind verliert? Eva Lindner hilft uns dabei: “... zuhören und aushalten. Aushalten, dass ein geliebter Mensch traurig und am Boden zerstört ist. Aushalten, dass das Leben der Betroffenen vielleicht nie mehr so sein wird wie vorher. Aushalten, dass die Person Schmerzen durchleben muss, ohne dass man ihr dabei helfen kann. Und trotzdem da sein, Hilfsangebote machen, dranbleiben, den Namen des Kindes aussprechen, wenn die Eltern ihm einen gegeben haben. Immer wieder nachfragen.“ (S. 252)
Das Buch ist in 13 Kapitel eingeteilt, wobei nach der Einleitung die folgenden Kapitel Namen der Mütter tragen, die ein Kind während der Schwangerschaft verloren haben. Jede Muter steht für einen Aspekt, der Schwangerschaft und des Verlusts. Sehr einfühlsam geschrieben, vermittelt das Buch den betroffenen Frauen, dass sie nicht allein in ihrem Kummer sind, dass leider viele Frauen ihre Kinder an den Tod verlieren. Und uns anderen hilft das Buch, mit Frauen in dieser Situation besser und empathischer umzugehen.
Danke Gucci,
stimmt, ich habe aber beides, das Buch und das Hörbuch. War Zufall. Das Hörbuch erhielt ich geschenkt. Und die Stimme Von Vanida Karun hatte mich voll in ihren Bann gezogen.
Nun Richie, mein Exemplar der Spiele landete in einem der Bücher-Tausch-Regale aus meinem Städtchen.
Endlich mal wieder gute Vampire
Seit den Cullens bin ich auch dem Vampir-Fieber erlegen. Aber nur wenn es liebe, kuschelige Vampire sind. Zumindest ein Teil von ihnen. Und hier haben wir genau das. Einen ganz akzeptablen Mix aus guten Vampiren und bösen, niederträchtigen Vampiren, die Menschen töten und aussaugen. Oraya wurde in ihrer Kindheit aus einem noch unbekannten Grund, vom Vampirkönig gerettet und wuchs wohl bewacht und behütet in seinem Palast auf. Um aufzusteigen, muss sie ein Turnier, das Kejari, gewinnen. Nur so wird sie vor den anderen Vampiren in Sicherheit sein und auch die Menschen der Stadt vor ihnen schützen. Die aufregenden Abenteuer und harten Kämpfe, die sie während des Turniers aber auch in der Zeit zwischen den Prüfungen besteht, machen Gegenstand des Buches/Hörbuches aus. Wirklich atemberaubend und spannend geschildert.
Hinzu kommt noch eine Liebe über alle Barrieren hinweg, eine außergewöhnliche und doch eigentlich nur logische Allianz mit einem der Kontrahenten, um die Spannung im Buch zu erhöhen.
Einziges Manko (ohne Punktabzug), das Buch endet leider und wie so üblich in einem Cliffhanger. Nix zu machen. Da müssen wir durch.
Vanida Karun hat das Hörbuch zu einem Hörgenuss werden lassen. Eine Stimme voller Inflektionen und hoch modulierbar, zieht sie jeden Hörenden nach nur wenigen Worten in ihren Bann. Chapeau, wie sie das gesprochen hat.
Das geheimnisvolle und anziehende Coverbild und der interessante Klappentext lassen Buch/Hörbuch zu einem Eyecatcher werden.
Der Schein trügt
Eine junge Frau, die aus (vorläufig nur ihr bekannten Gründen) ihrer Umwelt und vor allem ihrem Freund eine falsche Identität angibt, wird plötzlich mit einer anderen Frau konfrontiert, die in ihre eigene Identität geschlüpft ist. Was geht da vor sich? Das Buch verspricht interessante Verwicklungen und Wendungen.
Anfangs ist das Ganze noch humorvoll, doch je weiter man im Buch voranschreitet, umso mehr lässt der Humor nach, um dann gegen Ende wieder hervorzukommen. Faszinierend für mich war zu beobachten, wie Evie/Lucca jede Klippe umsegeln kann, wie sie sich aus brenzligen bis gefährlichen Situationen heraus manövrieren kann, ohne je wirklich die Contenance zu verlieren und immer schlagfertige Antworten parat zu haben. Ich habe die Szenen richtig genossen, in denen sie die Damen aus Ryans Umfeld gekonnt im Zaum hält.
Ihr Freund ist nicht der gediegene Geschäftsmann, der er vorgibt zu sein. Eigentlich wurde Evie ja auch deshalb auf ihn angesetzt, um ihn auszuspionieren. Langsam beginnt sie das Spiel ihres Auftraggebers zu durchschauen und es gelingt ihr, ihn praktisch gegen sich selbst auszuspielen und das Vertrauen und die Liebe ihres Freundes zu bewahren oder gar zu vergrößern. Respekt, Evie!
Danke, Herr Palomar!
Ein historischer Schmöker nach meinem Geschmack
Dies ist ein Historienroman nach allen Regeln der Kunst. Eine junge Frau, Adriana, belesen und hoch gelehrt, gibt sich als Mann und Mönch aus, um in einem Kloster Studien zu betreiben und insgeheim nach einer apokryphen Schrift, das sogenannte Testament des Athanasius, zu suchen. Diese Schrift könnte die katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttern, wenn sie öffentlich bekannt werden würde. Die Päpstin und der Name der Rose lassen grüßen. Der Grunddiskurs ist die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit Gottes. Sind Gott, Jesus und der heilige Geist eine Einheit oder ist Jesus der Sohn Gottes und nicht markierender Teil Gottes? Nun, darüber mögen sich Theologen und Exegeten bis in alle Ewigkeit streiten (oder solange das Christentum besteht), aber im Jahr 1405 war das ein wichtiges Thema und die Meinung der allein seligmachenden katholischen Kirche zählte.
Um dieses Schriftstück werden nun Kabalen und Intrigen gesponnen, es kommt zu Morden und gruseligen Vorfällen.
Die Handlung ist linear erzählt, es gibt kaum Platz zu Nebenschauplätzen und Handlungssträngen außer dem Hauptstrang. Und doch ist dies ein spannendes Buch, das Narrativ ist straff gespannt, man fiebert der Auflösung entgegen.
Adriana / Adrian ist der rote Faden und auch der Lichtstrahl, der durch die Geschichte leitet und letztendlich für die Leser die Geschichte zu einem guten Ende bringt. Als besonderes Schmankerl hat Peter Orontes den Lageplan des Klosters dargestellt und die Einteilung des Klostertages nach Gebeten.zu festen Stunden.
Das Titelbild mit dem schönen Kirchenportal weist jedem Liebhaber von historischen Romanen den Weg zum Buch.
Ja, Richie, Deine Begründungen zum Buch sind durchaus griffig. Für mich hat die amtierende Kanzlerin das Buch "gerettet", so konnte ich ihm doch einiges abgewinnen. Überhaupt, die Politiker die im Buch vorkommen, ob in der BRD, in China oder die ioc-Magnaten haben mich umgehauen. Und die menschenverachtende Politik die China in Afrika betreibt war mir auch bekannt, und wurde im Buch bestätigt. Für mich waren das lauter Gründe, das Buch zu Ende zu lesen.
Vor unseren Augen entfaltet sich ein internationaler Thriller mit Verstrickungen bis in die höchsten Ebenen der Weltpolitik. Die Handlung spielt in der ehemaligen DDR, im wiedervereinten Deutschland, in Mosambik und in Shanghai statt. Auslöser der Handlung? Die mosambikanischen Gastarbeiter die zu DDR-Zeiten mit Verträgen aus ihrem Heimatland in die DDR gelockt wurden, hier arbeiteten sie schwere lange Jahre für einen Hungerlohn, schickten das Geld in die Heimat in der Hoffnung, später, bei ihrer Rückkehr sich mit dem ersparten Geld etwas aufbauen zu können. Gleich nach der Wende mussten sie Deutschland verlassen und stellten fest, ihr Geld war nie auf ihren Konten angekommen, die korrupte Regierung hatte mit dem Geld einen Teil der Auslandsschulden beglichen. Die wütenden Proteste der Arbeiter werden in Mosambik belacht und verhöhnt. Ein deutscher Reporter nimmt sich der Sache an, veröffentlicht in Deutschland Artikel und setzt sich für ihre Rechte ein. Die Bundesregierung zahlt eine Entschädigung, die aber nie bei den Arbeitern ankommt. Und nun springt die Handlung in die Gegenwart, ins Jahr 2021 in Shanghai. Da tagt das IOC und die Vergabe der olympischen Spiele für 2032 soll bekannt gegeben werden.Gleichzeitig erfahren wir, wie China still und heimlich sich große Teile des afrikanischen Continents unter den Nagel gerissen hat. Gebiets Ankäufe, Gründung von Unternehmen, die aber nur chinesische Arbeiter beschäftigen, nie Einheimische, Ausbeutung der Bodenschätze, usw. Kolonialismus im 21. Jahrhundert. Sind die afrikanischen Länder der einstigen Kolonialherren losgeworden, England, Frankreich, Portugal, Belgien, Deutschland, Spanien, führen sich nun die chinesischen Funktionäre als Befreier auf, aber die Ausbeutung bleibt die gleiche.
In Shanghai ist die kommunistische Partei allgegenwärtig. Ob die eigenen Bürger oder ausländische Gäste, nichts und niemand entgeht der Partei. Wie kann da, unter den stets wachsamen Augen der Geheimpolizei Chinas, ein deutscher Journalist eiirdnen Mord an einen mosambikanischen IOC Funktionären ausüben, in einem internatonalen Hotel, in dem es mehr Kameras als Zimmermädchen gibt?
Stephan Schmidt erlaubt sich in diesem Buch ein paar wunderbare literarische Freiheiten: Wir schreiben das Jahr 2021. Angela Merkel ist immer noch Bundeskanzlerin (OK, mit Baerbock oder Scholz hätte es nicht die gleiche Gewichtung gehabt, ich gebe das gerne zu), sie wird von Seiwert, dem Pressesprecher begleitet und vom deutschen Innenminister Seehofer. Wobei letzterer eine etwas diffuse Rolle im Buch spielt. Ist er so naiv oder wird er von Chinesen bestochen? DAzu sagt Schmidt selbst: “Alle real existierenden Personen in diesem Roman, auch die Bundeskanzlerin, wurde von mir frei erfunden. Bei anderen Figuren hingegen habe ich mich eng an die Vorgaben meiner Fantasie gehalten”.
Das Buch ist spannend, von Anfang an und vermag es, die Spannung bis zum Schluss zu halten.
Interessant ist, wie die Partei alles eisern festhält. Und wird einmal etwas außerhalb des Willens der Partei bekannt, dreht und wendet die Partei die Tatsachen, bis die Partei im Recht ist. Alles andere wäre undenkbar. Es gilt nur der Wille der kommunistischen Partei. Aber das war genau so in der DDR, in Rumänien, Albanien, Polen, ist heute noch immer so in Russland und Nordkorea. Die kommunistische Partei hat immer Recht!
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ASIN/ISBN: 3832168079 |
Edit: ISBN 10 ergänzt, damit das Cover angezeigt wird Gruß Herr Palomar
Das bedeutet Nefertiti oder Nofretete in der Sprache des alten Ägyptens. Als ich sie im Berliner Museum sah, bin ich ihr augenblicklich verfallen. Ich bin ihrem Zauber restlos erlegen.
Dieses Buch nun erklärt, wie Nofretete seit ihrer Entdeckung am 06, Dezember 1912 in Amarna und bis heute von den Menschen und politischen Systemen rezipiert und für unterschiedliche Theorien eingenommen wurde. Eigentlich begann ihre globale Karriere erst 1924, als sie zum ersten Mal öffentlich ausgestellt wurde in Berlin. Bis dahin war sie mehr oder weniger offiziell als Grabfund nach Berlin geschmuggelt worden und nicht sogleich ausgestellt, weil es nicht ganz klar war, ob Deutschland einen Anspruch auf Nofretete hatte. So wurde sie zuerst als unfertige Studie, Handübung und unbedeutende Büste bezeichnet, um nicht die Neugier und Animositäten der Franzosen und der Engländer zu wecken. Während des Weltkrieges wurde Nofretete wohlbehütet in einem Versteck aufbewahrt und erst lange nach dem Krieg und den Unruhen und Revolten von 1919-1920 ausgestellt. Ab 2024 begann Nofretetes Siegeszug um die Welt. Und der war unglaublich. und hält heute noch an.
Tatsache ist, Nofretete besitzt eine universale Schönheit,die den einzelnen Betrachter sofort in ihren Bann zieht. Vielleicht auch weil sie so genieál im Neuen Museum Berlin ausgestellt ist, allein in einem großen grünen Kuppelraum, geschickt beleuchtet, da muss man von ihr verzaubert sein. Außerdem, wenn ich sage universale Schönheit, meine ich, sie kann für weiß gehalten werden, für schwarz oder für semitisch oder sogar für amerikanische Ureinwohner. Das macht sie so besonders. Kein Wunder, dass Berlin sie nicht hergeben will, dass Schwarze sie für sich einnehmen wollen und dass Ägypten sagt: Nofretete muss nach Hause kommen.
Doch würde Berlin Nofretete wirklich an Ägypten übergeben, würde Ägypten sofort all die anderen Schätze des Ägyptischen Museums Berlin zurückverlangen, es folgen der Louvre in Paris und das British Museum in London, das Bodleian in Oxford und unzählige Museen in der ganzen Welt. Da würde sich Berlin keine Freunde machen. Also lieber ein verärgertes Ägypten als Streit mit allen Großmächten! Außerdem würde es Jahre dauern, bis Kairo die entsprechenden Bauten bereit hätte, um all die Schätze die in zahlreichen Museen weltweit ausgestellt sind, auch entsprechend und sicher aufzunehmen.
Interessant war die Ambiguität, mit der das Dritte Reich Nofretete betrachtet und behandelt hat. einerseits ist Nofretete kein pausbäckiges blondes Gretchen mit Zopfschnecken um die Ohren. “... die Nofretete in ihrer orientalisch dekadenten Ueberkultiviertheit ohnehin allen nordischen Blubo-Idealen ins Gesicht schlägt”(S. 144). Also hätten die Ägypter die Büste zurück haben können, wenn nicht der Oberschnauzbart persönlich interveniert hätte und bestimmt hätte, Nofretete muss in Berlin bleiben, weil sie ein “einzigartiges Meisterwerk, ein Juwel, ein wahrer Schatz” (S. 144) sei. Goebbels musste diese Kröte schlucken. Andere Schriftsteller der Blut-und-Boden-Zeit sahen in Nofretete und Echnaton ein arisches Paar, “im Sinne der Ideologie des Naziregimes” (S.108)
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Nofretete kurzzeitig in amerikanische Gefangenschaft. Wahrscheinlich war sie zu bekannt, so dass sie nicht in einem Museum in New York oder Washington landete, sondern zuerst in Frankfurt/Main ausgestellt wurde und dann in Berlin. Natürlich meldete sich sofort die DDR und erhob Ansprüche auf Nofretete. Ihr Platz sei in Ostberlin weil auch dort vor dem Krieg gewesen. Ägypten? Nein, da hat die DDR sich nicht dazu geäußert. Zunächst. Erst später, im Bestreben dem faschistisch-imperialistischen Westdeutschland eines auszuwischen, erwachte in der DDR die Bruderliebe zum ägyptischen Volk und die DDR verlangte, Nofretete zurück nach Ägypten zu senden. Aber da waren schon viele Jahre die Spree lang geflossen, bevor das geschah.
Sebastian Conrad geht auch auf die Empowerment Bewegung der Colored People in den USA ein, die Nofretete für ihre Zwecke einsetzen. Doch betrachten wir das genauer: Nofretete war eine Königin (Pharaonin bedeutet Königin, ist kein Teil ihres Namens), die tausende von Sklaven zu ihrer Verfügung hatte. Wenn man das Wort Sklave in den USA auch nur denkt, bricht sofort ein Sturm der Entrüstung aus, “Black Lives Matter”, Sklaverei in den USA war ein unrecht, usw. usf. Ich denke, die Colored People müssten da mit einem etwas feineren Kamm über diese Geschichte gehen und sehr wohl überlegen, ob Nofretete für sie zur Leitfigur taugt.
Das Buch war ein Genuss zu lesen. Zahlreiche Abbildungen unterstreichen das Gesagte, veranschaulichen die Erklärungen.
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ASIN/ISBN: 3549100744 |
Edit: ISBN 10 ergänzt, damit das Cover angezeigt wird. Gruß Herr Palomar
Herr Palomar, vielen lieben Dank!!!
Habe ich sogleich gemacht.
Liebe Grüße
Bücherturm
Das große Halali
Der Roman ist eine Wucht. Die Handlung hat mich sofort mitgenommen. Zuerst war ich empört über den superreichen Ami, der ein Rhinozeros schießen will, um seine Sammlung der Big Five komplett zu machen. Doch dann folgte die Erklärung, weshalb dieses alte Tier entfernt werden musste und ich dachte an die deutschen Wälder, wo Jäger und Förster regelmäßig Rotwild und Wildschweine schießen müssen, um den Wald zu schützen. Das Reh im Bayerischen Wald oder das alternde Nashorn in der Savanne Afrikas. Wo ist der Unterschied?
Und dann nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Wilderer töten das ausgesuchte Nashorn und der Jäger bekommt ein anderes Angebot. Es wird ihm dergestalt angeboten, dass er es annimmt. Um dem Dorf etwas Gutes zu tun, um einem anderen Afrikaner ein Studium in den USA zu ermöglichen. Vorwände und Gründe gibt es viele. der Jäger stimmt zu und ab jetzt hält sich meine Sympathie mit ihm in Grenzen. Doch lassen wir meine Gefühle außen vor.
Für den Jäger wird diese zweite Jagd auch ein Gang zu sich selbst und zurück in seine Kindheit, zu seinem übergroßen und omnipräsenten Großvater, zu seinem Vater, liebevoll und viel zu früh tragisch verstorben auf einer Bärenjagd. Vater und Großvater waren auch passionierte Jäger, Hunter hat das Jagen von klein auf erlernt und nun ist er auch ein leidenschaftlicher Jäger. “Bei jeder Jagd gibt es den Moment, in dem das Risiko zu seiner eigenen Belohnung wird, die Angst vor dem Löwen dem Töten des Löwen weicht. In diesem Moment, in dem der Mensch klein und verwundbar, sich über das mächtige Raubtier stellt, weicht das Mysterium der Meisterschaft und Können und Präzision ermöglichen es dem Jäger seine Beute zu erlegen, die ihm in Kraft und Geschwindigkeit überlegen ist. Die Umkehr der natürlichen Ordnung ist die Essenz des Jagens: Jeder tödliche Schuss untermauert den Sieg des Menschen über die Natur.” (S. 193 - 194) Dieses ist Hunters Motivation zum Jagen, sein Credo. “Die Verschmelzung von Todesangst und Dominanz schenkt dem Jäger einen nahezu erotischen Genuß” (S. 194).
Warum er zugestimmt hat, Nummer sechs von den Big Five zu jagen und erlegen, werde ich nie verstehen. Die Beute “der Hirschjunge”,oder “Gämsbock” war ihm nie eine ebenbürtige Beute, wie ein Löwe oder ein Nashorn oder ein wütender Büffel.
Vielleicht lag es an der psychotischen Situation am Lagerfeuer inmitten des Dorfes, vielleicht wollte er seine eigenen Grenzen testen, vielleicht hat seine Neugier die Oberhand gewonnen. Tatsache ist, Hunter willigt ein, und das Schicksal nimmt seinen unerbittlichen Lauf. Im Augenblick des Todes erkennt Hunter im Blick seiner Beute das Leben, dass die Beute nie führen wird, all die verpassten Chancen und Gelegenheiten eines erfüllten Lebens.. Und jetzt endlich, nachdem Hunter abgedrückt hat und seine Beute tödlich getroffen hat, verwandelt sich die Beute in Hunters Augen. Es sit nicht mehr der Gamsbock, nicht mehr der Hirschjunge, sondern das, was er von Anfang an war und warum ich kein Verständnis für Hunter aufbringen kann.
Das Buch ist spannend von der ersten Seite an. Ob es sich um die gegenwärtige Safari handelt, um Jagdszenen aus Hunters Kindheit und Jugend oder um Hunters letzte Jagd. Die Naturbeschreibungen, sei es vom Wald, wie wir ihn kennen, oder von der Savanne sind zum dahin beamen schön. Die Verfolgung des Nashorns hat mich in seinen Bann gezogen. Dramatisch fand ich die nächtliche Schlacht zwischen den Löwen, Hyänen und Schakalen rings um Hunters und Dawids Lagerfeuer. Wie durch ein Wunder gelingt es Hunter mit seinem Guide und der Beute, die Nacht zu überleben. Zurück im Dorf muss sich Hunter seiner Nemesis stellen, ein Schicksal mit dem ich für Hunter einverstanden bin.
Und jetzt habe ich das gleiche Problem. Ich suche Gaea Schoeters Trophäe, ISBN9783552073883. Die Rezension ist fertig, nur wo kann ich sie posten? Ich habe die Autorin nicht bei Euren Autoren entdeckt. Ich will ja wirklich nciht an den falschen Stellen posten, das sehe ich ein. Aber wohin damit?
Hallo Batcat und Breumel,
sorry, ich hatte aber das Buch von Felicitas Prokopetz "Wir sitzen im Dickicht und weinen" auf den Seiten der Büchereule nicht gefunden, weder bei Autoren noch bei Titelsuche. Da habe ich mir nicht anders zu helfen gewusst.
Seit Eva ihre erste Tochter gebar (Schade, die Bibel sagt nichts darüber), gibt es den Mutter-Tochter-Konflikt, der aber mit dem Verhältnis Großmutter-Enkeltochter nicht fortgeführt wird. Großmütter und Enkeltochter verstehen sich, ergänzen sich, sie harmonieren miteinander. Die Großmütter haben nicht mehr den Erziehungsauftrag und können die Mädchen (und auch Jungen) nach Herzenslust verwöhnen. Christina, die Frau in der Mitte, versteht sich nicht mit ihrer Mutter und zu ihrer Schwiegermutter hat sie bestenfalls ein angespanntes Verhältnis. Leider vermag sie es nicht, irgendeine positive Beziehung zu ihrer Tochter Vali aufzubauen. Als Kind wurde Vali vollkommen von ihrer Mutter vernachlässigt, das Kind ging morgens ohne Frühstück in die Schule, es hatte nie adäquate Kleidung zum Anziehen, nach der Schule musste sich Vali allein durchschlagen, denn die Mutter hatte immer einen tagesaktuellen Freund da. Und wenn ihre Beziehung in die Brüche ging, jammerte sie Vali die Ohren voll, obwohl Vali viel zu jung war, um das zu verstehen. Interessant ist, im Alter, als Vali einen pubertierenden Sohn hat, um den sie sich fast zu liebevoll kümmert, nun Christina ihre Rechte einfordert. Sie hätte während Valis Kindheit alles für ihr Kind getan, ihr alle Liebe und Freiheiten gegeben, die das Kind gebraucht hätte und nun fordert sie Liebe und Pflege und Gesellschaft von Vali.
In ihrer Erinnerung erlebt Christina nur die wenigen schönen Momente, die sie mit Vali hatte. Gespräche an der Küchentheke etwa oder das gemeinsame Dekorieren der Wohnung vor Weihnachten. Dass sie das Kind jedes Wochenende zur Schwiegermutter abgeschoben hat, das übersieht Christina. Oder, wenn Vali nächtens nach einem bösen Traum zur Mutter gelaufen kann, wurde sie brutal zurück ins Kinderzimmer verfrachtet und Türe zugeworfen. Und nun wundert sich Christina über ihre undankbare Tochter und ist der Meinung, die beiden Großmütter hätten Vali als Kind zu sehr verwöhnt. Das hätte dem Kind geschadet. Christina sieht sich als Opfer: “...Vali ist doch selbst Mutter, sie weiß ja, wie viele Windeln eine wechselt, wie wenig eine jahrelang schläft, wie viele lange Abende eine zu Hause verbringt, während die ganze Welt sich vergnügt…” (S. 191) “...Etwas an Vali ist unerbittlich. Sie hat mir nie verziehen, dass ich keine brave Mutti war, Ecken, Kanten und Leidenschaften hatte, denkt Christina”. (S. 192)
Es gibt viele Konflikte, zwischen Christina und ihren Eltern, zwischen Christina und ihrem Mann Roman, zwischen Christina und ihrer Schwiegermutter und eben zwischen Christina und ihrer Tochter Vali. Und doch endet das Buch in einer versöhnlichen Note. Vali erinnert sich an einem heißen Sommertag, ein Sommergewitter fegte durch die Straßen und Vali lief mit ihrer Mutter an der Hand, beide barfuß, in den Regen hinaus und genoß “das Glück eines Sommergewitters” (S. 205).
Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sie wird immer wieder unterbrochen mit Erinnerungen und Szenen aus der Kindheit der Protagonisten: aus Christinas Kindheit, aus Valis Kindheit, aus Romans Kindheit, aus dem Leben der Großeltern. Zuerst ist es etwas schwierig, sich da reinzulesen, den Durchblick zu behalten. Aber irgendwann nimmt das Buch den Leser gefangen, zieht ihn in diese Familiengeschichten hinein und am Ende ist besagter Leser enttäuscht, dass es schon aus ist.
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ASIN/ISBN: 3847901613 |