Beiträge von Dreamworx

    "Zufälle sind Gottes Art, anonym zu bleiben..."


    Der Witwer Michael Hunter gönnt sich eine Ruhepause vom Job und fährt von Chicago nach Hope Harbour, einem kleinen Ort in Oregon, um dort zur Ruhe zu kommen. Ihn treibt die Schuld an dem Tod seiner Frau um. Gleich bei der Ankunft muss er feststellen, dass die gebuchte Unterkunft geschlossen ist und dann läuft er auch noch einer attraktiven Frau namens Tracy Campbell vors Fahrrad. Tracy ist Witwe und bearbeitet mit ihrem Onkel eine Cranberryfarm. Gleichzeitig ist sie unentgeltlich im Vorstand einer Wohltätigkeitsorganisation und verdient mit Buchhaltung für andere dazu, um die Farm über Wasser zu halten. Auch Tracy leidet unter Schuldgefühlen und will einem neuen Liebesglück keine Chance geben. Über Imbissbudenbesitzer Charley findet Michael eine Unterkunft in einem Apartment zur Miete bei Anna, einer alten Dame. Anna ist ebenfalls Witwe und hat sich von der Ortsgemeinschaft völlig zurückgezogen. Sie lebt allein hinter verschlossenen Türen, wo sie eine kleine Ansammlung von kranken Tieren wieder aufpäppelt, die sie bei Waldspaziergängen aufliest. Doch der eigentliche Grund für ihre selbstgewählte Isolation dauert schon 20 Jahre und frisst sie innerlich auf. Michael freundet sich langsam mit Anna an und bei Tracy bekommt er regelrecht Herzklopfen. Werden diese drei Menschen noch einmal hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können?


    Irene Hannon hat mit ihrem Buch „Cranberrysommer“ einen wunderschönen und einfühlsamen Roman vorgelegt, der aufzeigt, wie sich Menschen gegenseitig aus ihrer Starre heraushelfen können, wenn sie eine helfende Hand entgegengestreckt bekommen. Der Schreibstil ist flüssig und lässt vom ersten Moment der Lektüre das Gefühl von Nähe und Wohlfühlen zu. Der Leser steht mal an der Seite von Michael, Anna und Tracy und darf in ihre Herzen und Seelen schauen, erfährt dabei alles, was sie beschäftigt und welche Ängste und Sorgen sie hegen. Alle drei waren einmal gläubige Menschen, doch durch Schicksalsschläge sind sie davon abgekommen, ihre Welt dreht sich um die Vergangenheit und die Vermeidung der gemachten Fehler. Die Autorin lüftet erst nach und nach die Geheimnisse der dunklen Momente ihrer Protagonisten und schafft dadurch eine gewisse Spannung. Sie stellt aber auch auf wunderschöne Weise heraus, wie Menschen, die sich als Fremde begegnen, Einfluss auf andere haben können und daraus neue Chancen und vor allem Hoffnung entstehen können. Gegenseitiges Miteinander sowie Achtsamkeit für den Nächsten wird hier groß geschrieben, denn auf diese Art kann man viel mehr erreichen – alles ist möglich. Zudem sind die Landschaftsbeschreibungen so bildhaft, dass der Leser sich diesen wunderschönen kleinen Ort am Meer richtig gut vorstellen kann, an dem so manches Wunder geschehen kann, die Leben verändern.


    Die Charaktere sind sehr schön ausgestaltet und mit Leben versehen. Sie wirken allesamt sehr realistisch und authentisch, der Leser fühlt sich ihnen verbunden und kann mit ihnen sowohl leiden als auch Freude empfinden. Michael ist ein sehr sympathischer und intelligenter Mann, der sich seit dem Tod seiner Frau schuldig fühlt. Er arbeitet für eine Wohltätigkeitsorganisation, was Empathie und Einfühlungsvermögen voraussetzt. Ihm gelingt es schnell, die Sympathie der Ortsbewohner zu gewinnen und einen Platz in ihrem Herzen einzunehmen. Anna ist eine alte etwas wortkarge Dame, die ihre Isolation selbst gewählt hat, weil sie sich schämt und auch weil sie keine Freude mehr am Leben empfindet. Das Liebste, das sie hatte, hat sie selbst aus ihrem Leben verbannt und die Schuldgefühle fressen sie auf. Dass sie ein Herz hat, zeigt ihre liebevolle Pflege für verletzte Tiere, denen sie all ihre Fürsorge angedeihen lässt. Tracy ist eine fleißige junge Frau, die sich aufopferungsvoll um die Farm kümmert, die sie mit ihrem Onkel und ihrer Tante bewirtschaftet. Sie hat der Männerwelt abgeschworen, denn sie glaubt nicht an ein erneutes Glück, weil sie es nicht verdient hat. Charley ist ein Künstler mit sensiblem Weitblick, er schaut den Menschen nahezu ins Herz und gibt ihnen ganz versteckt einen Schubs in die richtige Richtung. Auch die übrigen Protagonisten überzeugen mit ihren Episoden und geben der Geschichte so ihren Wohlfühlcharakter. Der heimliche Star ist allerdings die Seemöwe Floyd, der allen vormacht, wie es geht und sich immer wieder in Erinnerung bringt.


    Der christliche Aspekt wurde sehr schön herausgearbeitet. Es geht um Hoffnung, Vertrauen und vor allem auch um das Miteinander. Oftmals geht es nur mit Hilfe von anderen, um eine Situation zu meistern, sich ein neues Leben aufzubauen oder auch nur Böses abzuwenden. Indem man sein Schicksal vertrauensvoll in Gottes Hände legt, steigt die Hoffnung, dem Leben gewachsen zu sein.


    „Cranberrysommer“ ist ein wunderschönes Buch, das neben einer gut strukturierten Handlung auch dem Leser einiges zum Nachdenken gibt. Vor allem gibt es Hoffnung und lässt den Leser den Fortsetzungsbänden entgegenfiebern. Absolute Leseempfehlung!

    Matilda, die Postdetektivin


    Für unzustellbare Post gibt es eine Nachforschungsstelle. Genau dort ist Matildas Arbeitsplatz als Sachbearbeiterin, wo sie für die Buchstaben K bis M verantwortlich ist. Matilda hat kaum Freunde, lebt für sich allein sehr zurückgezogen und kann mit der modernen Technik so gar nichts anfangen. Doch sie liebt ihre spannende Aufgabe, die immer Neues zutage fördert. Eines Tages entdeckt sie einen 50 Jahre alten Liebesbrief, der eine Seite in ihr zum Klingen bringt. Sie überwindet ihre Zurückhaltung und bittet ihren Nachbarn Knut, sie bei der Suche sowohl nach der Empfängerin als auch nach dem Absender zu unterstützen. Während der Nachforschungen wird Matilda immer mehr an ihre Grenzen gebracht, ihre altbewährten Pfade und ihre Zurückhaltung aufzugeben und auf die Menschen zuzugehen. Dabei lernt sie auch sich selbst immer besser kennen. Ob es für Matilda noch eine Chance gibt, das Leben neu zu erleben und zu genießen und vielleicht sogar die Liebe zu finden?


    Anna Paulsen hat mit ihrem Buch „Liebe M: Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ einen wunderschönen, warmherzigen und emotionsgeladenen Roman vorgelegt. Der Schreibstil ist gefühlvoll mit der gewissen Prise Humor, der den Leser in die Geschichte eintauchen und bis zum Ende nicht loslässt; die Seiten fliegen nur so dahin. Die liebevoll ausgesuchten Kapitelüberschriften lassen einen ebenso schmunzeln wie die Handlung einem ans Herz geht. Die Handlung wird aus der Sicht von Matilda erzählt, so steht der Leser unsichtbar an ihrer Seite und erlebt hautnah ihre Gedanken und Gefühle mit. Die Autorin beschreibt die Aufgaben sehr schön, die bei nichtzustellbarer Post auf die Mitarbeiter zukommt und welch spannenden Dienst sie hier vollbringen, ob er nun von Erfolg gekrönt ist oder nicht. In Deutschland gehen pro Tag ca. 16.000 Sendungen verloren, da kann man nur dankbar sein für die Recherche der „Postdetektive“, die es teilweise ermöglichen, diese doch noch zuzustellen. Auch die eingefügten Briefe innerhalb des Buches sind sehr gefühlvoll und lassen das Herz des Lesers nicht kalt.


    Die Charaktere wurden mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und individuell in Szene gesetzt. Sie wirken aufgrund ihrer Eigenheiten sehr lebendig und authentisch. Der Leser kann sich in einen jeden von ihnen wunderbar hineinversetzten und auch Parallelen zu Menschen finden, die man persönlich kennt. Matilda ist eine Frau mit einigen besonderen Eigenheiten. Sie hält nichts von Technik, lebt sehr zurückgezogen und liebt vor allem ihre Arbeit und ihre Bücher. Obwohl sie recht kontaktscheu ist und ihr auch das gewisse Selbstvertrauen fehlt, kümmert sie sich um ihre hilfsbedürftigen Nachbarn und hat auch sonst das Herz am rechten Fleck. Während der Handlung wächst Matilda immer mehr aus sich heraus und tut Dinge, die sie vorher wohl selbst nie für möglich gehalten hätte. Rentner Knut ist Matildas Nachbar, der sie liebevoll unterstützt, nachdem er erst einmal ihr Vertrauen gewonnen hat. Er stubst sie immer wieder vorwärts und setzt so Kräfte in ihr frei, die es ihr ermöglichen, den nächsten Schritt zu tun und sogar auf Reisen zu gehen, was vorher für sie undenkbar war. Auch die anderen Protagonisten bezaubern mit ihren eigenen Episoden und geben der Handlung noch mehr Würze und Herz.


    „Liebe M: Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ ist ein wunderbarer und gefühlvoller (Liebes-)Roman, der nicht nur Romantiker begeistern dürfte. Nah am Puls des Lebens erzählt die Autorin eine Geschichte, die heutzutage überall passieren könnte oder vielleicht sogar gerade in diesem Moment passiert. Absolute Leseempfehlung für eine echte Entdeckung!

    Liebe zwischen den Welten


    Ruby Bell hat keinen Sinn für Macht, Geld und Luxus. Sie ist ehrgeizig und träumt von einem Studium in Oxfort. Deshalb bleibt sie lieber unauffällig und konzentriert sich auf ihr Stipendium, das sie für das elitäre Maxton Hall College erhalten hat und wo sich die Reichen und Schönen die Klinke in die Hand geben. Leider gehört auch James Beaufort dazu, der all das verkörpert, was Ruby verabscheut. Er ist der Partykönig und Wortführer der Collegegemeinde schlechthin. Und ausgerechnet er wird Teil eines Veranstaltungskomitees, dem auch Ruby angehört. Als Ruby ein Geheimnis entdeckt, was besser nicht an die Öffentlichkeit geraten sollte, nimmt sich James ihrer an. Obwohl die beiden wie Feuer und Wasser sind und nichts gemeinsam haben, gibt es eine gewisse Anziehungskraft zwischen den beiden, die nach und nach immer mehr wächst. Wie wird Ruby damit umgehen?


    Mona Kasten hat mit ihrem Buch „Save Me“ den ersten Band ihrer „Save“-Reihe vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig, warmherzig und prickelt gleichzeitig. Die Autorin versteht es auf wunderbare Weise, den Leser in ihre Geschichten eintauchen zu lassen, wo er sich an der Seite interessanter Charaktere wiederfindet und ihnen bei ihren Gedanken, Gefühlen und ihrem Lebensweg folgen darf. Schauplatz ist diesmal ein Luxuscollege in England, wo sich die Sprösslinge reicher Familien die Klinke in die Hand geben und Jugendliche aus weniger betuchten Familien kaum zu finden sind bzw. nur über ein Stipendium der Zugang gewährt wird. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so erhält der Leser Einblick sowohl aus der Sicht von Ruby als auch von James, was einen guten Rundumblick ermöglicht. Gleichzeitig erfährt er aus erster Hand, mit welchen Problemen sowohl James als auch Ruby zu kämpfen haben und wie ihre Träume aussehen. Mona Kasten deckt hier das gesamte Gefühlsbarometer ab, denn der Leser leidet mit den Protagonisten, freut sich für sie und hofft und bangt.


    Die Charaktere sind liebevoll und detailliert ausgearbeitet und in Szene gesetzt worden. Sie besitzen Ecken und Kanten, wirken individuell und authentisch zugleich. Der Leser kann sich mit ihnen identifizieren und gleichzeitig mit ihnen träumen. Ruby ist eine sympathische und fleißige junge Frau. Sie hat schon lange einen großen Traum, auf den sie hinarbeitet und sich durch nichts ablenken lässt. Sie kommt aus einer liebevollen Familie, deren Werte nicht durch Geld und Oberflächlichkeit bestimmt werden, sondern auf Respekt und Achtung gründen. Ruby erkämpft sich ihre Position durch Zielstrebigkeit, dabei besitzt sie Humor und ein Herz am rechten Fleck. James kommt aus einer reichen Familie und musste sich nie Gedanken über irgendetwas machen. Er wirkt arrogant und überheblich, oftmals regelrecht unsympathisch, keine Party ist sicher vor ihm, um die Zeit totzuschlagen. Sein Leben wurde von seiner Familie schon bis ins kleinste Detail durchgeplant und verlangt von ihm, dies umzusetzen. Doch James hat auch eigene Träume und zeigt sein gönnerhaftes und snobistisches Verhalten nur nach außen hin, nach innen hat er bereits resigniert, denn er fühlt sich von den ihm auferlegten Zwängen regelrecht geknebelt. Auch die übrigen Protagonisten stützen mit ihren eigenen kleinen Episoden die Handlung und machen sie rundum gelungen.


    Mit „Save me“ ist Mona Kasten ein sehr gelungener Auftakt für ihre neue Trilogie gelungen. Durch ein spannendes Finale ist der Leser gezwungen, bis zum nächsten Band auszuharren. Ein wunderschöner und romantischer, dabei keinesfalls oberflächlicher Liebesroman, der Sehnsucht nach mehr macht. Absolute Leseempfehlung!

    Schicksalsschläge in Maxton Hall


    In Maxton Hall haben Ruby und James ihre erste ernste Krise, denn nach einem Zwischenfall auf einer Party hat Ruby all ihr Vertrauen in James verloren und hält ihn auf Abstand. Doch James ist momentan nicht er selbst, er geht durch schlimme Zeiten und ausgerechnet an Ruby lässt er es aus. Als Ruby immer mehr Distanz zwischen ihnen schafft und sich mehr darauf konzentriert, einen Studienplatz in Oxford zu ergattern, setzt James alles daran, sie wieder zurückzugewinnen und ihr klarzumachen, dass sie zusammengehören. Aber das ist schwieriger als gedacht, denn Ruby ist sehr verletzt. Allerdings kann auch sie ihre Gefühle für ihn nicht einfach so abstellen. Werden sich die beiden noch einmal zusammenraufen können?


    Mona Kasten hat mit „Save You“ nach „Save me“ den zweiten Teil ihrer Save-Trilogie vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und saugt den Leser wieder einmal regelrecht an das Setting von Maxton Hall, um neben Ruby und James auch Lydia und Ember zu begleiten und aus deren Perspektiven einen guten Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt aller Beteiligten zu erhalten. Die Autorin ist geschickt darin, dem Leser das Gefühl zu geben, Teil der Handlung zu sein. Durch die wechselnden Sichtweisen bekommt der Leser einen guten Rundumblick über die Geschehnisse und kann mit den Charakteren mitleiden und –fiebern und eine Achterbahn der Gefühle erleben. Gleichzeitig wird dadurch eine Spannung aufgebaut, die den Leser an den Seiten kleben lässt. In diesem Band jedoch plätschert die Geschichte von Ruby und James ein wenig vor sich hin, was ein Gefühl von Langatmigkeit hervorruft. Bei Lydia und Ember dagegen war wesentlich mehr los und vor allem auch viel interessanter.


    Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und vermitteln dem Leser den Eindruck, sie schon eine Weile gut zu kennen. Aufgrund ihrer individuellen Eigenheiten wirken sie sehr authentisch. Ruby ist eine sympathische junge Frau, die absolut loyal und vertrauenswürdig ist. Sie arbeitet hart für den Traum von einem Studienplatz an einer Eliteuniversität und will sich diesen auf jeden Fall erfüllen. Sie ist hilfsbereit und lässt niemanden im Stich. Aber sie ist auch eine sensible Person, deren Vertrauen verletzt wurde, was es ihr schwer macht, darüber hinwegzusehen. Sie zieht sich lieber zurück und leidet im Stillen. James ist ein junger Mann, der einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften hat und dies eher in sich hineinfrisst, als sich anderen anzuvertrauen. Ganz im Gegenteil verletzt er auch noch die, die ihn lieben. Aber langsam lernt er, sich zu öffnen, seine Gefühle zu zeigen und sich auch mal Hilfe bei anderen zu suchen. Lydia ist James Schwester und hat selbst ein großes Geheimnis, was ihr schwer zu schaffen macht und sie dringend eine Freundin und Unterstützung braucht. Ember ist ebenfalls ein angenehmer Charakter, die einige Träume hat und darauf hofft, dass sich diese realisieren lassen. Auch die weiteren Protagonisten stützen die Handlung und geben ihr weiteren Pep.


    „Save You“ ist ebenso ein Pageturner wie der Vorgängerband, den man besser zuerst gelesen haben sollte, sonst kommt man in der Handlung nicht so mit. Allerdings kann dieser Band nicht so überzeugen wie der erste Teil, was an den langatmigen Strecken zwischen Ruby und James liegt. Deshalb gibt es hier einen Punktabzug. Doch Band 3 wird weiterhin mit Spannung erwartet.

    Abschied von Maxton Hall


    Als Ruby Bell von Direktor Lexington persönlich von Maxton Hall College verwiesen wird, glaubt sie erst an einen bösen Alptraum. Das kann doch nicht wahr sein! Aber je mehr sie klar denken kann, kommt für sie nur einer in Frage, der ihr das eingebrockt hat; James Beaufort! Dabei war er doch so nah und sie haben so viel geteilt. Doch das alles scheint ihm nicht so viel wert zu sein wie Ruby. Sie krempelt die Ärmel hoch und kämpft mit allen Mitteln, die Situation aufzuklären und vor allem darum, ihr Studium doch noch zuende zu bringen. Währenddessen muss sich James gemeinsam mit seiner Schwester Lydia mit aller Kraft gegen ihren Vater wehren, um eine eigene Zukunft zu haben. Wird es ihnen gelingen? Und werden James und Ruby sich doch noch zusammenraufen und eine gemeinsame Zukunft haben?


    Mona Kasten hat mit ihrem Buch „Save Us“ den dritten Band ihrer Maxton-Hall-Trilogie vorgelegt, der den krönenden Abschluss bildet. Die Trilogie sollte allerdings der Reihe nach gelesen werden, um die Entwicklung der Protagonisten von Beginn an mitverfolgen zu können. Der Schreibstil ist flüssig und gefühlvoll, der Leser wird direkt mit ins Geschehen hineingenommen und begleitet im Wechsel die beiden Hauptprotagonisten Ruby und James bei all ihren Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen. Durch verschiedene Perspektivwechsel, in denen auch andere Protagonisten zu Wort kommen, erhält der Leser ein rundum gelungenes Bild, wobei auch jede Menge Emotionen im Spiel sind – ein Auf und Ab der Gefühle. Gleichzeitig wird die Spannung gesteigert bis zum finalen Schluss, der nicht so ist, wie man ihn erwartet, aber doch zufriedenstellend, da der Leser sich eigene Gedanken machen kann. Die Handlung ist zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar und überrascht den Leser immer wieder.


    Die Charaktere sind liebevoll und detailliert ausgearbeitet. Sie besitzen individuelle Ecken und Kanten, die sie real und authentisch wirken lassen. Betrachtet man die Entwicklung von Ruby seit dem ersten Band, war sie von Beginn an eine starke Persönlichkeit, hilfsbereit und gleichzeitig unheimlich fleißig und ehrgeizig. Nun kann man sie auch mal verunsichert erleben, doch dann erhebt sie sich wie Phönix aus der Asche und kämpft um ihr Leben für ihren Traum. Ruby hat auch eine nachdenkliche Seite gewonnen, die sie manches besser durchdenken und sich nicht so impulsiv aus dem Bauch raus handeln lässt. James hat mehr und mehr an Selbstvertrauen und Persönlichkeit gewonnen. Er steht für die Dinge ein, die ihm wichtig sind und will seine Zukunft selbst gestalten. James hat ein enges Verhältnis zu seiner Schwester und auch Ruby hat einen sehr wichtigen Platz in seinem Herzen. Auch die weiteren Protagonisten wie Wren, Ember, Ophelia oder Alistair gestalten die Geschichte durch ihr Erscheinen sehr unterhaltsam und abwechslungsreich.


    Mit „Save us“ ist Mona Kasten ein gelungener Abschluss ihrer Trilogie gelungen. Die Spannung hält sich bis zum Schluss, das Buch kann den Leser am Ende sogar überraschen. So geht gute Unterhaltung mit jeder Menge Gefühl. Absolute Leseempfehlung!

    Lass das Leben auf Dich regnen


    „Glück ist etwas, das in vielen Gestalten kommt, und wer kann es erkennen?“

    (Der alte Mann und das Meer von Ernest Hemingway, 1951)


    Die Enddreißigerin Sonja hat gleich mehrere Baustellen, die sie zu bewältigen hat. Ehemann Michael hat sich eine jüngere angelacht und lebt im ehemals gemeinsamen Haus mit seiner Neuen zusammen, was ihr schlaflose Nächte und jede Menge Herzschmerz beschert. Außerdem hat sie gerade von dem Gartenbetrieb, in dem sie lange Jahre als Gartenarchitektin gearbeitet hat, die Kündigung bekommen. Aber es gibt einen kleinen Lichtblick, denn Großtante Sandy, die Schwester ihrer Mutter, hat sie als Erbin für ihr Strandhaus auf Dolphin Island in Florida eingesetzt. Und dieses Erbe kann sie jetzt übernehmen. Um Abstand von allem zu gewinnen, begibt sich Sonja auf die Reise, ihr Erbe anzutreten. Schon kurz nach der Ankunft in Florida fühlt sich Sonja wie befreit und auch das Häuschen entpuppt sich als wahre Fundgrube mit alten Erinnerungen und einem wunderschönen Garten, Zugang zum Meer und eigener Insel. Schnell lebt sich Sonja, die sich nun Sunny nennt, ein und findet auch bald neue Freunde durch Nachbarin Lorraine und der Strandbegegnung Stormy. Eine neue Geschäftsidee hat Sonja auch schon, sie möchte einen Dünengärtnereibetrieb eröffnen und Naturgärten anlegen. Der erste Kunde klopft auch schon an die Tür, der sogleich auch noch Sunnys Herz in Wallung bringt. Der Besuch von Tante Sandys altem Freund Sam hinterlässt ebenfalls seine Nebenwirkungen. Aber so ohne Schwierigkeiten ist das Leben in Florida auch nicht, denn es gibt Menschen, die wollen unbedingt ihr Grundstück, koste es, was es wolle…


    Sylvia Lott hat mit ihrem Buch „Die Inselgärtnerin“ einen sehr unterhaltsamen und fesselnden Roman vor der malerisch-exotischen Kulisse Floridas vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig, gefühlvoll und nimmt den Leser ab den ersten Zeilen mit in die Handlung, wo er sich als stiller Beobachterschnell sowohl einer aufregenden Reise, Gefühlchaos als auch liebenswerten Charakteren gegenübersieht, die ihm schnell ans Herz wachsen. Die Landschaftsbeschreibungen sind bildgewaltig, detailliert und farbenfroh, dass der Leser sich sofort wie zuhause fühlt und doch das Gefühl von Urlaub während der Lektüre immer mitschwingt. Die Autorin lässt dem Leser auch viele Informationen zukommen, so erfährt man einiges über die örtliche Flora und Fauna, über die Spuren Ernest Hemingways, die alten Hollywoodfilme mit Esther Williams und über Delphine, wobei über allem der alte Motown Sound liegt, der hier genau die richtige Stimmung vermittelt. Aber auch Stürme sowie ein Hurricane sind Thema in diesem Roman und machen die Wichtigkeit eines gesunden Umweltdenkens deutlich.


    Die Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und mit den nötigen Ecken und Kanten versehen, die sie unwiderstehlich, individuell und sehr realistisch wirken lassen. So kann der Leser sich gut mit ihnen identifizieren, mitfühlen, -leiden und auch -hoffen. Sonja/Sunny ist eine sympathische Frau, die durch einige Schicksalsschläge gebeutelt wurde. Zu Beginn ist sie niedergeschlagen und ohne Perspektive, doch dann wendet sich das Blatt. Sie liebt ihren Beruf und hat ein Herz für Pflanzen und Tiere. Ihre Offenheit, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft lässt sie schnell Freunde gewinnen, die ihr beistehen und deren Tür für sie immer offen steht. Ihre Entwicklung während der Handlung ist wunderbar zu beobachten, denn sie gewinnt immer mehr an Selbstbewusstsein und Lebensbejahung. Stormy und Lorraine sind zwei wunderbare Frauen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben und in jeder Notlage da sind. Aber auch Etta, Ranger und die Freunde des Gemeindezentrums sind ein eingeschworener Haufen, die für die Dinge und die Menschen einstehen, die ihnen am Herzen liegen. Sam ist ein ganzer Kerl, der das Leben genießt, aber auch einige Geheimnisse hat. Als Ebenbild von Ernest Hemingway schmilzt so manches Herz davon, doch er hat viel mehr zu bieten. Nick Winslow becirct die Frauen durch sein attraktives Äußeres, doch auch bei ihm liegen so manche Dinge im Dunkeln. Auch die übrigen Protagnisten wie Lisa, Anna oder auch Michael machen die Handlung mit ihrem Auftreten rundum gelungen.


    „Die Inselgärtnerin“ ist ein wunderbarer Roman, bei dem der Leser während der Lektüre neben einem tollen Urlaubsfeeling auch noch einiges an Informationen rund um die dortige Pflanzen- und Tierwelt bekommt. Aber auch die Freundschaft und die Liebe kommen hier nicht zu kurz, so dass das Leserherz rundum auf seine Kosten kommt. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

    "Still got the Blues" (Gary Moore)


    Die kanadische Krimiautorin Brittany Baxter besucht Fanad, einen kleinen Ort der Grafschaft Donegal in Nordirland. Als Kind war sie mit ihren Eltern dort oft im Urlaub, der letzte Besuch endete allerdings in einem Drama, denn ihr Vater kam dort ums Leben. Seitdem haben weder Britt noch ihre Mutter Irland jemals wieder betreten. Ein alter Tagebucheintrag ihres Vaters, einem ehemaligen Dozenten, hat Britt all die Jahre keine Ruhe gelassen, denn sie glaubt fest daran, dass ihr Vater getötet wurde aufgrund seiner Vermutungen zum „Book of Kells“, dem irischen Nationalheiligtum. In Fanad stellt Britt Nachforschungen an und lernt dabei Declan Connelly kennen. Zwischen beiden sprühen sofort die Funken, doch treffen die beiden zur ungünstigen Zeit aufeinander. Declan trauert immer noch um seine verstorbene Frau und hat deswegen Schuldgefühle. Aber zumindest kann er Britt bei ihren Nachforschungen helfen. Wird es ihnen gelingen, den Tod von Britts Vater aufzuklären?


    Kate Dakota hat mit ihrem Buch „Der Klang eines Augenblicks“ einen sehr gefühlvollen und gleichzeitig spannenden Roman mit einigen kriminalistischen Elementen vorgelegt. Der Schreibstil ist schön flüssig, dabei emotional und mit teilweise recht humorvollen und spritzigen Dialogen, die den Leser immer wieder schmunzeln lassen. Schon mit Beginn der ersten Seiten taucht der Leser in die Handlung und findet sich im wild-romantischen Irland wieder, um mal an der Seite von Britt und mal an der von Declan zu stehen, wobei ihre Gedanken und Gefühle wie ein offenes Buch vor ihm liegen. Aber auch weitere Protagonisten wie Declans Schwester, Eltern oder auch sein Freund Calum darf der Leser während der Handlung gut kennenlernen. Die Autorin verpackt in ihrer Geschichte viele Themen wie Tod, Verlust und Trauerbewältigung, aber auch die Geschichte vom „Book of Kells“ ist sehr schön in die Handlung verwebt. Geschickte gelegte überraschende Wendungen lassen die Spannung der Geschichte immer weiter steigen und halten den Leser gut bei der Stange. Die Landschaftsbeschreibungen sind malerisch und farbenfroh, so dass sich während der Lektüre wunderschöne Bilder von der grünen Insel vor dem inneren Auge bilden und der Leser am liebsten sofort dort hinreisen würde, um alles mit eigenen Augen zu sehen.


    Die Charaktere sind sehr individuell und liebevoll ausgestaltet und mit Leben versehen worden. Sie wirken aufgrund ihrer Eigenheiten sehr real und authentisch. Der Leser kann sich gut in sie hineinversetzen und mit ihnen leiden, hoffen und bangen. Brittany ist eine energische junge Frau, die schon einiges erlebt hat und weiß, was sie will. Sie ist freundlich, offen und schlagfertig, womit sie so einige Herzen ihrer Mitmenschen öffnet. Declan ist ein sympathischer Mann, der einen schweren Schicksalsschlag verkraften muss. Er ist hilfsbereit, kümmert sich sehr um seine Familie und ist zudem ein wunderbarer Musiker, der mit seiner Gitarre den Menschen ans Herz geht. Declans Eltern und seine Schwester sind herzensgute Menschen, die viel Liebe zu geben haben und immer füreinander da sind. Calum ist ein netter Kerl, der ein wenig tolpatschig und wie ein großer Junge wirkt. Auch die weiteren Protagonisten wissen durch ihr Auftreten zu überzeugen und machen die Handlung rundum gelungen.


    „Der Klang des Augenblicks“ ist ein schöner Liebesroman vor der zauberhaften Kulisse Irlands, der durch die bildhafte Erzählweise der Autorin und eine gut durchdachte Handlung zu überzeugen weiß. Absolute Leseempfehlung!

    Ein Testament bringt das Glück zurück


    Kurz vor ihrem 50. Geburtstag wird Jette von Ehemann Stefan geschieden, der sich bereits eine Neue geangelt hat. Sie lebt mit ihrer erwachsenen Tochter Julie zusammen in Oberhausen und arbeitet als Lehrerin. Während ihre Eltern ihre goldene Hochzeit auf einer Kreuzfahrt feiern wollen, hat Jette eigentlich einen Kurzurlaub mit Freundin Eva auf Sylt geplant. Doch alles kommt anders, als Jette einen Brief aus Lünzen bekommt, dem kleinen Ort in der Lüneburger Heide, wo sie ihre Kindheit verbracht hat, bevor sie mit der Familie ins Ruhrgebiet zog. In dem Brief wird Jette mitgeteilt, dass Thies, der die Ortsgaststätte in Lünzen betrieb, gestorben ist. In Jette erwachen Erinnerungen an alte Freunde und Nachmittage in Thies‘ Küche, um Butterkuchen und allerlei andere Köstlichkeiten zuzubereiten. In Absprache mit Freundin Eva fährt Jette nach Lünzen zur Thies‘ Beerdigung und läuft nicht nur ihrer alten Freundin Uta, sondern auch ihrer alten Jugendliebe Jan über den Weg, den sie nie so richtig vergessen konnte. Jan ist mittlerweile ein anerkannter Sternekoch, während Uta als Hausfrau nicht gerade zufrieden ist. Zu allem Überfluss erfährt Jette, dass Thies sie in seinem Testament bedacht hat, doch auch Uta und Jan erben. Freundin Eva und auch Tochter Julie reisen als Verstärkung an, um Jette zu unterstützen. Allerdings kann nur ein Wettstreit entscheiden, wer Thies Erbe antritt…


    Andrea Russo hat mit ihrem Buch „Spätsommerfreundinnen“ einen wunderschönen unterhaltsamen Roman vorgelegt über alte Lieben und Freundschaften, über schöne Erinnerungen, Gerüchte und leckere Köstlichkeiten. Der Schreibstil ist locker-flüssig und nimmt den Leser direkt mit an Jettes Seite, um mit ihr so einige Überraschungen zu erleben und dabei ihre Gefühls- und Gedankenwelt kennenzulernen, die der eigenen in manchen Dingen überraschenderweise so ähnlich ist. Das schweißt schnell zusammen und lässt Jette schon bald als alte Freundin erscheinen. Der Autorin gelingt es geradezu mühelos, Themen wie Wechseljahre, Scheidung, neue Lebensausrichtung, aber auch echte Freundschaften und gemeinschaftlichen Zusammenhalt in ihrer Geschichte unterzubringen. Besonders schön sind auch die eingestreuten Leckereien, die einem beim Lesen den Mund so richtig wässrig machen. Die Landschaftsbeschreibungen sind so farbenfroh, dass der Leser sich alles wunderbar vorstellen kann und selbst wünscht, die Lüneburger Heide und das buddhistische Kloster zu besuchen, klingt es doch geradezu malerisch und heimelig nach einem Wohlfühlort. Mit einigen geschickten Wendungen und Überraschungsmomenten hält die Autorin den Geist des Lesers auf Trapp, gibt es doch Überlegungen mal in die eine, mal in die andere Richtung, die möglich wären und lassen die Spannung zur Auflösung steigen.


    Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet und lassen beim Leser schnell das Gefühl aufkommen, die eine oder andere Person persönlich zu kennen. Durch ihre individuellen Eigenheiten wirken alle durchweg authentisch und sehr real. Jette ist eine patente Frau, die mitten im Leben steht. Sie ist freundlich, pragmatisch, träumt nach ihrer Scheidung aber doch noch insgeheim von einem neuen Glück. Sie liebt das Kochen und Backen und hätte früher sehr gern etwas in dieser Richtung gemacht. Aber dafür ist es doch nie zu spät, oder? Tochter Julie ist eine aufgeweckte junge Frau, die manche Dinge klarer sieht als ihre Mutter und ihr so eine große Hilfe ist, wenn es zu Entscheidungen kommt. Eva ist eine wunderbare Freundin, die genug Kaltschnäuzigkeit besitzt, Jettes Ehemann mit „Arschie“ dauerhaft einen neuen Namen zu geben. Sie ist flexibel und besitzt den nötigen Elan, um ihre Freundin gut zu beraten und sie bei allem zu unterstützen. Uta ist mit ihrem momentanen Leben nicht zufrieden. Sie hat sich alles etwas anders vorgestellt und hätte nun die große Chance, doch noch einmal etwas auf die Beine zu stellen. Ella ist die Schwester von Thies und wirkt manchmal wie die böse Hexe, dabei führt sie nur die Wünsche ihres Bruders aus und ist eigentlich ganz in Ordnung. Thies war ein Spaßvogel und ein Spieler, der einer guten Wette nicht wiederstehen konnte. Er ist der Strippenzieher im Hintergrund, der sich im Himmel das Fäustchen lacht, während sich die Dinge entwickeln. Jan ist ein netter Kerl, der schon viel erreicht hat, aber nun vielleicht den Jackpot knackt – in anderer Hinsicht, als sich vielleicht mancher denkt.


    „Spätsommerfreundinnen“ ist ein wunderschönes Wohlfühlbuch, das man von der ersten Seite an nicht mehr aus der Hand legen möchte, so sehr wird man Teil des Geschehens und der Gemeinschaft. Nach der letzten Seite mag man gar nicht Abschied nehmen und hofft darauf, alle liebgewonnenen Protagonisten bald wiederzulesen. Absolute Leseempfehlung für eine Lektüre, dass neben einer tollen Geschichte so viel Normalität aussendet – wie im richtigen Leben eben. Toll gemacht!

    Ein Kessel voll Buntes...


    Frederike hat alles verloren, nicht nur ihren Ehemann. So wird es Zeit für einen Neuanfang, und mit all ihren verbliebenen Habseligkeiten im Auto sucht sie den in dem alten Haus ihres Großvaters auf der dänischen Insel Fünen, wo sie als Kind jeden Sommer verbracht und mit Oma Henni zusammen Bonbons hergestellt hat. Kaum ist sie auf der Insel angekommen, stolpert sie über ihre alte Jugendliebe Rasmus, den sie nie vergessen und der sie damals so sehr enttäuscht hat. Aber auf Rasmus möchte Frederike keinen Gedanken verschwenden, hat sie doch genug mit der Renovierung des alten Hauses zu tun, dass jetzt ihrer Mutter gehört und verkauft werden soll. Doch während Frederike das Haus in Ordnung bringt, begegnet sie jeden Tag alten Freunden und ihrer Vergangenheit. Schon bald fühlt sie sich auf Fünen wieder zuhause, was auch an Oma Henni und vor allem an Rasmus liegt. Frederike würde ihre Zukunft gern hier aufbauen mit einem kleinen Bonbonparadies, doch sie kennt Rasmus‘ Geheimnis noch nicht und auch ihre alte Freundin Mille spielt ein falsches Spiel. Wird Frederike doch noch einmal das Glück finden?


    Kim Henry hat mit ihrem Buch „Eine Tüte buntes Glück“ einen wunderschönen, gefühlvollen und unterhaltsamen Liebesroman vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig, einfühlsam und bildhaft, der Leser wird schnell in die Handlung hineingesogen und darf als unsichtbarer Gast Frederike begleiten, während ihre Gedanken und Gefühle ihm offen liegen wie ein Buch. Die einzelnen Kapitel wechseln sich mit tollen Rezepturen der verschiedenen Bonbons ab, die alle gleichzeitig wie Tagebucheinträge Auszüge aus Frederikes Vergangenheit enthalten und vom Bonbonnamen her wunderbar zum darauf folgenden Kapitel passen. Die Autorin beschreibt einfühlsam, wie einsam Frederikes Weg für lange Zeit war, denn durch kriminelle Machenschaften ihres Ehemanns war sie eine Gebrandmarkte, die Freunde verlor und mit ihnen jegliche seelische Unterstützung, um die schlimme Lage durchzustehen. Auch die Themen Eifersucht, falsche Entscheidungen, Standesdenken und Eltern, die ihre Kinder in eine Karriere pressen wollen, werden hier angesprochen und gut in die Handlung eingewebt. Die Landschaftsbeschreibungen sind bildgewaltig und wunderschön, geben sie dem Leser doch das Gefühl, selbst über die Insel zu streifen und sich den Meereswind um die Nase wehen zu lassen, während man am Strand entlang streift.


    Die Charaktere sind ausnahmslos sehr individuell angelegt und detailliert ausgearbeitet. Jedem von ihnen wurde von der Autorin Leben eingehaucht und nach einer Weile fühlt sich der Leser bereits als Teil der alten Clique. Frederike ist eine sympathische Frau, die schon einiges einstecken musste. Von einer lieblosen Mutter in jungen Jahren schon eine musikalische Karriere getrieben, hat sie bei ihren Großeltern ein richtiges Zuhause nur im Sommer erlebt. Frederike ist einfühlsam, fleißig und gleichzeitig einsam, denn sie muss allein wieder auf die Füße kommen, nachdem ihr Mann sich feige aus der Affäre gezogen hat. Sie krempelt mutig die Ärmel hoch und steht ihre Frau. Gleichzeitig sehnt sie sich nach einer starken Schulter zum Anlehnen und nach einem glücklichen Leben. Oma Henni ist die Seele der Geschichte. Sie ist eine liebevolle Frau, die sich um alles und jeden kümmert. Rasmus ist ein intelligenter Mann, der in einer Zwickmühle steckt. Er ist warmherzig und ebenso trägt er ein Geheimnis, das viel Schaden anrichten kann. Julia ist Frederikes einzige verbliebene Freundin. Sie ist Ärztin und eine treue Seele, die auf einmal selbst dem Glück gegenübersteht, das sie gar nicht gesucht hat. Mille ist eine alte Freundin aus Frederikes Jugendtagen. Sie ist unterkühlt, selbstsüchtig und eifersüchtig. Auch die weiteren Protagonisten tragen zur rundum gelungenen Handlung bei.


    „Eine Tüte buntes Glück“ ist ein wunderschöner Liebesroman, dessen Hauptthemen Hoffnung, alte Freunde, Träume und ein Neuanfang sind. Tolle Lektüre, die man nicht aus der Hand legen kann und die eine absolute Leseempfehlung verdient hat!

    Über den Hund gefunden


    Nachdem Zwíllingsschwester Fliss in einer glücklichen Beziehung ist und New York verlassen hat, ist Harriet Knight auf sich allein gestellt. Nun muss sie sich aus ihrem Schneckenhaus herauswagen und der Umwelt trotzen. Doch bald schon ergibt sich die Gelegenheit, denn Harriet als Hundesitterin bekommt sie einen Auftrag, der sie an ihre Grenzen bringt. Für eine Kundin soll sie sich um Spaniel Madi kümmern, doch der Hund sorgt dafür, dass Harriet sich in der Notaufnahme wiederfindet. Hier trifft sie zufällig auf den Bruder ihrer Kundin, den attraktiven Arzt Ethan Black, der mit dem Hund seiner Schwester ebenso wenig zurechtkommt. Auf seine dringende Bitte, ihm bei Madi zu unterstützen, zieht Harriet in Ethans Apartment. Auf engem Raum merken sowohl Ethan als auch Harriet bald, dass sie mehr als auf den Hund gekommen sind…


    Sarah Morgan hat mit ihrem Buch “Verliebt für eine Weihnachtsnacht” den 6. Band der “From Manhattan with Love”-Reihe vorgelegt und wieder einmal mit einer romantischen Liebesgeschichte mitten ins Schwarze getroffen. Der Schreibstil ist flüssig, humorvoll und gleichzeitig voller Gefühl. Der Leser findet sich schnell an der Seite von Harriet wieder, um ihr in den nächsten Wochen über die Schulter zu schauen und zu beobachten, was sie alles erlebt und wie es ihr ergeht. Die Autorin versteht es wunderbar, die tolle New Yorker Kulisse für ihre Geschichte zu nutzen und das romantische Weihnachtsfeeling in ihrer Handlung zu verpacken. Mit spritzigen Dialogen, aber auch etwas ernsterer Thematik gewinnt die Autorin schnell das Herz ihrer Leser. Diesmal geht es darum, sich nach Niederlagen wieder mutig dem Leben zu stellen und aus dem Schatten von anderen zu treten. Es gilt, Selbstvertrauen zu gewinnen und sich Tag für Tag erneut hinauszuwagen, immer einen Schritt weiter als den Tag davor. Dies wird hier sehr schön innerhalb der Geschichte rübergebracht.


    Die Charaktere sind wieder einmal sehr schön skizziert und überzeugen durch Ecken und Kanten sowie Individualismus. Sie wirken realistisch und ebenso authentisch, der Leser kann sich gut in sie hineinversetzen und ihre Ängste und Gefühle nachvollziehen. Harriet stand immer im Schatten ihrer Schwester Fliss, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzte. Harriet dagegen ist schüchtern und zurückhaltend, sie macht immer eher drei Schritte zurück als nach vorn. Nun steht sie allerdings allein da, kann sich hinter Fliss nicht mehr verstecken, sondern muss sich selbst den Herausforderungen stellen. Harriet ist liebevoll im Umgang mit ihren kleinen Schützlingen und auch recht beliebt bei deren Frauchen und Herrchen. Ethan ist ein sympathischer und attraktiver Arzt, der manchmal etwas mürrisch daher kommt. Doch mit Hunden hat er es nicht so, lieber sind ihm Zweibeiner, da kennt er sich aus. Madi ist der heimliche Star der Geschichte, dieser Welpe treibt alle zur Verzweiflung und dabei will er nur spielen.


    “Verliebt für eine Weihnachtsnacht” ist definitiv ein gelungener Liebesroman, der Spaß macht, genügend romantische Gefühle transportiert und bei dem der Leser während der Lektüre das weihnachtliche New York von einer ganz anderen Seite erleben darf. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für alle, die Bücher mit Herz lieben!

    Alte Liebe rostet nicht...


    In ihrem kleinen Brautladen hat sich Sera auch ein kleines kuscheliges Atelier eingerichtet, wo sie Träume in Weiß für andere entwirft und dann aus wundervollen Stoffen wahr werden lässt. Die Hochzeit ihrer Schwester Alice steht im Raum, doch bisher klappt es mit der Organisation noch nicht so richtig, denn weder Alice noch ihr zukünftiger Mann haben die Zeit und die Muße, sich um alles zu kümmern. So muss Sera einspringen und dafür sorgen, dass alles zur rechten Zeit fertig ist und wie am Schnürchen klappt. Leider machen ihr ausgerechnet die beiden Trauzeugen Johnny und Quinn das Leben dabei nicht eben leichter…


    Jane Linfoot hat mit ihrem Buch “Winter im kleinen Brautladen am Strand” einen weiteren Band ihrer Wedding-Shop-Reihe vorgelegt. Der Schreibstil ist locker und flüssig zu lesen, schnell findet sich der Leser im kleinen romantisch angehauchten Örtchen St. Adair wieder, das Schauplatz für einige Verwicklungen ist. Die Beschreibung der Örtlichkeiten ebenso wie der Brautladen sind bildhaft und lassen sie vor dem Auge des Lesers entstehen. Die Ortsgemeinschaft wird schön dargestellt, jeder greift hier jedem unter die Arme und versucht zu helfen, wo er kann. Interessant ist die Tatsache, dass die Braut selbst zwar eine Perfektionistin ist, selbst aber keine Zeit hat, sich um ihren eigenen großen Tag zu kümmern genauso wenig wie der Bräutigam. Man sollte doch meinen, dass man da froh ist, wenn einem andere bei der Organisation helfen, damit alles zeitgerecht stattfinden kann.


    Die Charaktere sind durchweg angenehm gestaltet, der Leser kann seine Sympathien gerecht verteilen und mit einzelnen Personen fühlen und mitfiebern. Sera steckt momentan in einer Krise, die Entwürfe wollen nicht so kommen wie gewünscht. Sie ist hilfsbereit und sorgt sich um das Wohl ihrer Schwester. Johnny ist ein alter Bekannter von Sera, sie haben eine gemeinsame Vergangenheit, die hier auch zur Sprache kommt, wobei so einige Spannung in der Luft liegt. Quinn ist ein Chaot, der mehr Unheil anrichtet, als von Nutzen zu sein. Seras Schwester Alice ist eine Perfektionistin, der man es nie recht machen kann. Auch ihr Verhältnis zu Sera scheint nicht besonders eng zu sein, da sie nicht einmal vom Beruf ihrer Schwester wusste. Auch die weiteren Protagonisten geben der Geschichte mit ihrem Erscheinen eine besondere Note.


    “Winter im kleinen Brautladen am Strand” ist ein ganz netter Unterhaltungsroman für zwischendurch. Die große Romantik ist hier leider nicht zu finden, was natürlich Abzüge bringt. Eingeschränkte Leseempfehlung!


    3 Sterne für mich

    Und nun kam die Zusage von netgalley für Joan Weng - Die Frauen vom Savignyplatz, so dass ich gleich damit weitermache.


    Berlin, 1925: Als Vicky von ihrem Mann verlassen wird, denkt sie gar nicht daran, sich einen neuen Gatten und Ernährer zu suchen. Stattdessen erfüllt sie sich lieber einen Traum und eröffnet gemeinsam mit ihrer besten Freundin eine Buchhandlung. Und zwar nur für Frauen. Der kleine Laden am Savignyplatz sorgt von Anfang an für Aufsehen. Schon bald werden sie zu Ikonen der aufkeimenden Emanzipation, aber auch Ziel konservativer Anfeindungen. Doch dann wirft Vicky plötzlich alle guten Vorsätze über Bord und das ausgerechnet wegen eines Mannes ...512chbBC1OL._SX298_BO1,204,203,200_.jpg

    Dies hat mich leider enttäuscht, obwohl ich die Bücher der Autorin sonst sehr mag.

    Heute Mittag beendet: Janne Mommsen - Mein wunderbarer Küstenchor


    51KP5%2B5tZSL._SX327_BO1,204,203,200_.jpgDie Saison ist vorbei, das Hotel, das Britta leitet, wird für den Winter geschlossen. Ihr seelischer Anker ist der Chor, der seit zwanzig Jahren jeden Mittwochabend probt. Hier singt man, hilft einander, feiert und verliebt sich auch manchmal ineinander. Eines Tages verkündet der langjährige Chorleiter, dass er wegziehen muss. Ein Schock für alle, denn mit ihm drohen auch die beiden verbliebenen Männerstimmen abzuwandern. Britta krempelt die Ärmel hoch. Sie veranstaltet ein Casting für einen neuen Chorleiter: Es bewerben sich unter anderem ein vermeinlicher Broadway-Star sowie eine grell geschminkte ehemalige Balletttänzerin mit knallharten Lehrmethoden. Doch ein Gutes hat die Aktion: Britta lernt einen jungen Klavierprofessor kennen. Der ist begeistert von ihrem Engagement und überredet sie, den Chor selbst zu leiten. Wird es den beiden gelingen, die Chorgemeinschaft zu retten?

    Mir hat das Buch richtig gut gefallen.

    Abenteuer gesucht, Liebe gefunden


    1814 South Carolina. Der Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten wütet, deshalb schickt der Plantagenbesitzer Frederick Hansen seine beiden Töchter, die Halbschwestern Emily und Catherine nach England, wo Emilys Verlobter Stattford lebt. Die 17-jährige Catherine soll ebenfalls dort ihren zukünftigen Ehemann kennenlernen. Die beiden Schwestern sind so verschieden wie Tag und Nacht. Während die ältere Emily schon eine guterzogene und sittsame Südstaatenlady ist, liebt es Catherine, Hosen zu tragen, kann reiten, fechten und benimmt sich auch sonst eher wie ein Junge. Ihr bester Freund ist der gleichaltrige Sklave First. Während der Überfahrt wird ihr Schiff gekapert und die beiden Schwestern finden sich auf dem Freibeuterschiff von Commander Lennart Montiniere wieder, der in geheimer Mission unterwegs ist. In einem spontanen Einfall gibt sich Catherine als Schiffsjunge Cato aus. Montiniere ist misstrauisch ob dieses Wildfangs und lässt ihn nicht aus den Augen. Bald schon erleben die Schwestern an Bord so einige Abenteuer und Catherine ist immer kurz davor, dass ihre Verkleidung auffliegt. Je länger sie an Bord ist, umso mehr wachsen ihre Gefühle für den Commander. Aber sie hat noch ein anderes Problem, denn jemand trachtet ihr nach dem Leben. Wer will sie umbringen?


    Elisabeth Büchle hat mit ihrem Buch „Der Korsar und das Mädchen“ einen sehr fesselnden, rasanten und atmosphärischen historischen Abenteuer-Liebesroman vorgelegt, der den Leser bereits von Beginn an in die Handlung hineinzieht und dieser sich der Sogwirkung dieses Pageturners nicht entziehen kann bzw. will. Zu schön sind der bildhafte Schreibstil, der auch eine gute Prise Humor nicht vermissen lässt ebenso wie der Handlungsaufbau und die aufregende Reise der Frauen auf dem Freibeuterschiff; man hat als Leser das Gefühl, ebenfalls mit an Bord und unsichtbarer Teil der Mannschaft zu sein. Die Spannung wird bereits mit dem Prolog aufgebaut, der 17 Jahre zuvor spielt und dessen Rätsels Lösung von der Autorin sehr geschickt erst ganz am Ende präsentiert wird. Währenddessen stellt der Leser immer wieder Überlegungen an, was es mit dem Geschehen in der Vergangenheit auf sich hat. Sehr unterhaltsam werden die Schlachten zur See beschrieben, wobei die Autorin für alle Nicht-Bootskundigen neben einer Schiffszeichnung auch ein Glossar im Anhang des Buches zur Verfügung stellt, damit man weiß, wovon die Rede ist. Ebenso werden die rauen Sitten an Bord, das wechselnde Wetter und die harte Arbeit auf einem Schiff thematisiert.


    Die Autorin beweist mit der Schaffung ihrer Protagonisten ein besonderes Feingefühl. Die Charaktere wurden so liebevoll und individuell ausgearbeitet, dass einige von ihnen das Herz des Lesers im Sturm erobern, bei anderen ist man sich noch nicht so sicher. Sie wirken so lebendig und authentisch, als würden sie einem gegenüber stehen. Cat ist eine sehr resolute und energische junge Frau, die recht selbstbewusst wirkt und eine gehörige Portion Mut und Abenteuerlust besitzt. Durch ihre recht unkonventionelle Erziehung kommt sie im ersten Moment wie ein Junge daher, allerdings entwickelt sie sich während der Reise immer mehr zu einer Frau, die sich auch ihrer Weiblichkeit bewusst wird und zum ersten Mal der Liebe begegnet. Ihre Schwester Emily ist eher die zurückhaltende, etwas snobistisch und ängstlich wirkende Südstaatenlady, die sich nur für Mode und das nächste Teekränzchen interessiert. Doch die Zeit auf dem Schiff verändert auch Emilys Wesen, sie packt mit an und wächst über sich hinaus. Lennart ist ein sympathischer Mann, der seine Mannschaft gerecht und klug zu leiten versteht. Er besitzt ein gesundes Misstrauen und einen klaren Verstand, der nur von einer Person vernebelt werden kann. Auch die anderen Protagonisten wissen mit ihrem Handeln und Tun zu überzeugen, mancher hat gar schlimmes im Sinn, doch alle unterstützen die Handlung und verleihen ihr weitere Spannung.


    Mit „Der Korsar und das Mädchen“ ist Elisabeth Büchle wieder ein toller Roman gelungen, der den Leser in eine aufregende Welt entführt, aus der man nur schwer wieder in die Wirklichkeit auftauchen möchte. Ein wundervoller Schmöker, der sowohl Abenteuer mit einer schönen Liebesgeschichte vereint und mit einigen Wendungen zu einem überraschenden Ende führt. Dieses Buch hat alles, um den Leser an sich zu ketten, bis die letzte Seite gelesen ist. Absolute Leseempfehlung, besser geht es nicht.

    Chapeau für ein Highlight!

    Ein Leben im Mikrokosmos


    1922 - 1954 Moskau. Der wohlhabende Graf Alexander Rostov ist 30 Jahre alt und hat mit seinen Gedichten sowie für seine Gesinnung für so viel Unmut gesorgt, dass er 1922 erst zum Tode verurteilt, dann jedoch unter lebenslangen Hausarrest im Luxushotel Metropol gestellt wird. Man sollte meinen, dass einem bei dem Urteil die Decke auf den Kopf fällt, doch Rostov arrangiert sich in einer kleinen Mansarde im 6. Stock seines Arrestdomizils und passt seine Lebensgewohnheiten den Umständen an. Während draußen vor den Hoteltüren der Umbruch mit Krieg und Revolution in der Stadt Einzug hält, macht er sich Gedanken über die Gäste und Bediensteten im Hotel, die ihn mit den nötigen Informationen versorgen, die außerhalb der Hotelmauern stattfinden. Aber auch innerhalb der Hotelwände gibt es einige Schicksale, die ihn zum Handeln zwingen. Er kümmert sich rührend da kleine Mädchen Nina, Jahre später dann um Ninas Tochter Sofia, als Nina verschwindet. All sein Herzblut gibt Graf Alexander Rostov, ein Gentleman der alten Schule, doch am Ende ist immer er der Verlassene, denn während die anderen das Hotel Metropol verlassen, ist er weiterhin dort gefangen.


    Amor Towles hat mit seinem Buch „Ein Gentleman in Moskau“ einen ganz bezaubernden Roman vorgelegt, der den Leser zum einen auf eine Zeitreise durch 30 Jahre Moskauer Politik und Geschichte mitnimmt und zum anderen eine Protagonisten präsentiert, der so einzigartig wie unvergesslich ist. Der Schreibstil ist sowohl flüssig als auch lebendig und elegant, der Autor versteht es auf sehr bildgewaltige Weise, dem Leser das Hotel Metropol sowie dessen Besucher und Bediensteten so eindrucksvoll nahe zu bringen, dass man den Eindruck hat, selbst dort gewesen und die Personen getroffen zu haben. Gleichzeitig wird von der ersten Seite an eine Spannung aufgebaut, die sich während der Geschichte immer mehr steigerte und einem das Buch regelrecht an den Händen klebte, weil man sich nicht trennen wollte. Towles hat seine Handlung nicht nur mit einem interessanten geschichtlichen Hintergrund versehen, sondern lässt den Leser auch an Literaturzitaten, russischen Lebensgewohnheiten und Anekdoten teilhaben. Durch geschickte Wendungen und Überraschungseffekte ist man bei diesem Buch nie sicher, was im nächsten Augenblick auf einen zukommt und gerade das macht die Geschichte so unterhaltsam und einzigartig.


    Die Charaktere sind alle detailliert und liebevoll ausgestaltet und in Szene gesetzt. Mit ihren unterschiedlichen Wesenszügen und Eigenheiten geben sie der Handlung immer wieder ein neues Gesicht. Graf Rostov ist ein charismatischer Gentleman, wie er im Buche steht. Er ist wohlhabend, jedoch wird ihm sein Titel nach dem Urteil aberkannt. Doch er verliert dadurch keinesfalls an Größe, besitzt er doch ein großes Herz und ist vielseitig interessiert. Er ist eine Frohnatur und ein Optimist gleichzeitig, weshalb er seiner prekären Lage so positiv gegenüberstehen kann und in all den Jahren nie den Mut verliert. Bei ihm ist das Glas immer halbvoll, und so nimmt er sich den Gestrandeten ebenso an wie den Angestellten, immer höflich und freundlich, geradezu liebevoll. Er wagt sogar den Ausflug in den Kellnerberuf und freundet sich mit dem Küchenchef Emile an, der ihn mit seinen kunstvollen Speisen immer wieder erfreut. Sämtliche Protagonisten sind aufgrund ihrer eigenen kleinen Episoden eine Bereicherung im Leben von Graf Rostov als auch für die durchaus bunte und liebevolle Handlung.


    „Ein Gentleman in Moskau“ ist eine ganz zauberhafte Geschichte über einen Mikrokosmos, dem Graf Alexander Rostov durch seine Präsenz den Stempel aufdrückt. Liebevoll und mit einigem Humor erzählt, rasen die über 500 Seiten dahin und am Ende fühlt man sich fast selbst zuhause im Hotel Metropol in Moskau mit all den Personen, die über die Jahre dort Einzug gehalten haben, aber in Alexander hat man sich verliebt. Absolute Leseempfehlung für einen Roman der Extraklasse!

    Stiller Widerstand


    1926 Hamburg. Paula und Richard lernen sich während ihres Medizinstudiums an der Universität kennen und verlieben sich ineinander. Obwohl Richard „nur“ der Sohn eines Tischlers ist und eigentlich nicht standesgemäß, heiraten die beiden und bekommen Zwillinge, Emilia und den gehörlosen Georg. So erlernt die Familie die Gebärdensprache, damit sie alle zwanglos miteinander kommunizieren können. Als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergreifen, ändert sich für die Familie alles. Richard, der als Psychiater arbeitet, ist absolut gegen die Nazis und deren menschenunwürdigen Ansichten, welche auch seinen gehörlosen Sohn Georg betreffen. Um so viele Menschen wie möglich vor dem Wahnsinn der Nazis zu retten, nutzt er seine Position als Arzt und stellt falsche Gutachten aus. Damit setzt er nicht nur sich selbst, sondern auch seiner Familie einer großen Gefahr aus, denn Richards Widersacher Dr. Krüger findet heraus, was Richard getan hat. Leider kostet ihn das seinen Job als Arzt und er wird zum Wehrdienst eingezogen. Doch Richard hat in seinem besten Freund Fritz einen Fürsprecher, der ihn vor der Front rettet und eine Versetzung zu ihm ins Lazarett nach Tripolis ermöglicht. Richard ist jetzt erst einmal aus der Schusslinie, doch Paula ist immer noch mit den Kindern in Hamburg und versucht, sich und die Kinder vor den Bomben zu schützen. Während all dem Kriegsgeschehen wird Georg schwer krank und wird ausgerechnet in das Krankenhaus eingeliefert, wo Dr. Krüger als Handlanger der Nazis das Zepter führt…


    Melanie Metzenthin hat mit ihrem Buch „Im Lautlosen“ einen sehr berührenden und spannenden Roman vor der schrecklichen Kulisse Nazideutschlands vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und ohne Schnörkel, mitreißend und fesselnd. In wechselnden Perspektiven erfährt der Leser mal aus der Sicht von Richard, mal aus der von Paula um die jeweilige Situation und die Geschehnisse und wird eingeweiht in ihr Denken und ihre Gefühle. Die damalige Zeit wird auf unheimliche Weise zum Leben erweckt und lässt einen erschauern ob dieser Unmenschlichkeit und Grausamkeit, ob diesem wirren Gedankengut, dass damals von den Nazis verbreitet wurde. Der Spannungsbogen zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch und ständig ist der Leser auf der Hut vor der lauernden Gefahr, die unterschwellig immer spürbar ist und an den Nerven zerrt. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und ihre Handlung mit einem glaubhaften historischen Hintergrund versehen, der dem Leser die Möglichkeit gibt, einen Blick in die verstörende Vergangenheit zu gewähren. Über einen Zeitraum von 20 Jahren erlebt man die Kriegswirren und Grausamkeiten mit und wird auch ein Teil der Familie von Richard und Paula.


    Die Charaktere sind sowohl lebendig als auch sehr realistisch gestaltet und liebevoll ausgearbeitet worden. Sie wirken sehr authentisch und einige von ihnen möchte man am liebsten persönlich kennenlernen. Richard ist ein sehr sympathischer Charakter, er ist ehrlich und seinen Prinzipien treu. Dafür nimmt er jede Gefahr in Kauf, solange er anderen Menschen helfen und sie retten kann. Paula ist ebenfalls sehr liebenswert, sie versucht, neben ihrer Familie auch andere zu schützen und setzt dafür viel aufs Spiel. Fritz ist ein offener und fröhlicher Mensch, der immer Optimismus versprüht und jede Minute des Lebens auskostet. Dabei ist er ein guter Freund und immer hilfsbereit. Der kleine Georg ist auch ein toller Protagonist. Obwohl gehörlos, wirkt er lebensfroh und lässt das Herz des Lesers höher schlagen, wenn er auf der Bildfläche erscheint.


    „Im Lautlosen“ ist ein sehr berührender und überzeugender Roman mit einer einzigartigen Familiengeschichte vor historischem Hintergrund, der nachdenklich macht und das Herz des Lesers anrührt. Absolute Leseempfehlung für eine fesselnde Handlung, die sehr gut umgesetzt wurde!

    Frederikes Herausforderungen


    Seit der Hochzeit mit Ax ist für Frederike nichts mehr wie zuvor, denn Ax hat Tuberkulose und hält sich in einem Schweizer Sanatorium auf, während sie sich der Herausforderung gegenüber sieht, das Gut Sobotka ganz allein leiten zu müssen. Sie hat darin keinerlei Erfahrung, zudem machen es ihr die Angestellten schwer, denn Freddy wird als Hausherrin nicht akzeptiert. Erst als ihr Stiefvater Erik und ihre Tante Edel ihr unter die Arme greifen, bessert sich die Situation für alle auf dem Gut merklich, vor allem für Frederike. Während die Ehe mit Ax fast nur noch auf dem Papier besteht, was vor allem daran liegt, dass Ax keinerlei Interesse an Freddy und am Gut zeigt, vermisst diese die Nähe und Wärme, die eine enge Beziehung zwischen Eheleuten normalerweise aufweisen sollte. Durch ihre Freundin Thea lernt Frederike deren Schwager Gebhard zu Mansfeld kennen und schnell wird klar: die beiden ergänzen sich hervorragend. Als Ax plötzlich stirbt, ist für Frederike der Weg frei, eine neue Ehe einzugehen. Sie verlässt Sobotka, heiratet Gebhard und gründet mit ihm endlich eine Familie. Währenddessen wird die politische Situation immer schwieriger, denn die Nazis kämpfen sich immer mehr an die Macht – der Krieg steht unmittelbar bevor. Wie werden sie alle diese Zeit überstehen?


    Ulrike Renk hat mit ihrem Buch „Die Jahre der Schwalben“ den zweiten Band ihrer Ostpreußen-Saga vorgelegt, welches dem Vorgänger „Die Jahre der Schwalben“ in nichts nachsteht. Wer das erste Buch nicht kennt, kann diesen Roman trotzdem lesen, denn alle wichtigen Informationen werden innerhalb der Handlung gegeben, so dass man sich gleich wohl fühlt. Der Schreibstil ist so wunderbar flüssig, warmherzig, fesselnd und bildhaft gemischt mit den dazugehörigen lokalen Dialekten, dass der Leser sofort wieder eintaucht und Teil der Familien auf Fennhusen und Sobotka wird, aber vor allem als heimlicher fürsorglicher Freund für Frederike, deren Schicksal hier im Vordergrund steht. Die Beschreibungen der einzelnen Güter sowie die Reisen sind so farbenfroh, dass man sich alles bis ins Detail vorstellen kann und das Gefühl hat, sich während der Lektüre in der Vergangenheit wiederzufinden, aus der es sehr schwer fällt, wieder aufzutauchen, so lebhaft und real wirkt alles. Die Autorin hat hervorragend recherchiert, was neben dem geschichtlichen Hintergrund in Bezug auf den Zerfall der Weimarer Republik und den rasanten Aufstieg der Nazis als auch die Familiendetails von Zeitzeugen betrifft und lässt den Leser teilhaben an einem gekonnten Mix aus Fiktion und wahren Begebenheiten.


    Die Charaktere sind wunderbar und individuell ausgestaltet, sie wirken so real und authentisch, dass sie fast greifbar sind. Der Leser hat das Gefühl, sie persönlich zu kennen und Teil ihres Lebens zu sein. Frederike ist inzwischen eine sympathische erwachsene Frau, der sehr schnell viel Verantwortung auf die Schultern gelegt wird. Doch sie scheut sich dieser Aufgabe nicht und kümmert sich um alles und jeden auf ihrem Gut. Gleichzeitig träumt sie von einem harmonischen Familienleben mit eigenen Kindern, doch dieser Wunsch wird ihr lange nicht erfüllt. Die Entwicklung von Freddy ist in diesem Roman besonders zu spüren, sie wird vor den Augen des Lesers erwachsen und zu einer wirklichen Persönlichkeit. Gebhard ist ein sehr netter Mann, der ebenfalls viel Verantwortung für seine ihm anvertrauten Güter und Familien trägt. Dabei ist er ein eher zurückhaltender Mann, der erst langsam auftaut, dann aber umso sympathischer wird, je mehr man ihn kennenlernt. Freddys Stiefvater Erik ist ihr eine wirkliche Stütze und hilft ihr, wo er kann. Das Verhältnis zwischen Freddy und Thea kühlt in diesem Band merklich ab, die beiden Frauen driften immer mehr auseinander. Ebenso entwickelt sich Freddys Mutter Stefanie immer mehr zu einem Ekel, sie ist selbstsüchtig, bevormundend und hartherzig. Aber auch die anderen Protagonisten wie z.B. die Köchin Schneider, Schwiegermutter Heide, Schwager Caspar oder auch Tante Edel bereichern die Handlung mit ihrem Tun und machen die Geschichte absolut rund.


    „Die Jahre der Schwalben“ ist ein hervorragend gelungener Folgeband der Saga und lässt beim Leser in Sachen Historie und Familienroman keinerlei Wünsche offen. Man ist mit Einstieg in das Buch nicht nur Teil der Geschichte, sondern auch Teil der Familie und möchte sich gar nicht von ihnen verabschieden. Ein kleiner Trost ist die Tatsache, dass es noch einen dritten Band geben wird, auf den man nach dieser Lektüre geradezu sehnsüchtig wartet. Absolute Leseempfehlung für ein wirkliches Highlight!

    Einsteins bessere Hälfte?


    1896 Zürich. Die Serbierin Mileva Maric, deren wohlhabende Familie und besonders ihr Vater sie immer gefördert haben, tritt am Züricher Polytechnikum als erste Frau ihr Studium in Mathematik und Physik an. Schnell wird ihr klar, dass sie in eine Männerdomäne eingedrungen ist, denn sie muss sich der Vorurteile ihrer Kommilitonen erwehren und gleichzeitig mit ihrer Intelligenz punkten, was natürlich Neid und Missgunst hervorruft. Allerdings ist unter ihnen einer, der nicht nur ihr Wissen bewundert, sondern ihr auch sonst zugetan ist. So trifft Mileva auf Albert Einstein und bald kommen sich die beiden näher und verlieben sich. Milevas Eltern stehen der Beziehung zu Einstein eher skeptisch gegenüber, aber auch das wirkt sich nicht auf ihre Liebe aus. Jedoch bekommt die Beziehung bald einige Risse, obwohl die beiden intellektuell auf einer Ebene liegen, als nur Albert für gemeinsame wissenschaftliche Erkenntnisse die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weckt und Mileva auch sonst außen vor lässt, nachdem sich der Erfolg eingestellt hat.


    Marie Benedict hat mit ihrem Buch „Frau Einstein“ einen unterhaltsamen historischen Roman mit biographischem Hintergrund vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig, gefühlvoll und gleichzeitig fesselnd und erzählt aus der Sicht von Mileva in der Ich-Form. Schnell taucht der Leser in Milevas Welt ein und darf an ihrem Leben teilhaben, ihre Gedanken und Gefühle kennenlernen. Durch die gute Recherche der Autorin erhält der Leser Einblick in die damalige Welt, in der eine Frau keinen leichten Start an einer Universität hatte, da dies als reine Männerdomäne galt. Frauen wurden keine besonderen Fähigkeiten in Bezug auf Mathematik, Physik und Wissenschaft im Allgemeinen zugetraut. Es bedurfte also eines sehr gefestigten und starken Charakters, um sich dieser Männerdominanz auszusetzen und zu bestehen. Gleichzeitig gewährt die Autorin einen Blick in das Zusammenleben von jungen Frauen, die alle ein Ziel vor Augen haben: das Studium.


    Die Charaktere sind sehr lebendig ausgestaltet und in Szene gesetzt worden. Sie wirken authentisch und realitätsnah. Mileva ist eine intelligente junge Frau, die sich, obwohl körperlich gezeichnet, mit einem Studium einen Traum erfüllt. Sie ist emanzipiert und weiß sich durchzusetzen, auch wenn es sie innerlich verletzt, von ihren Kollegen so minderwertig behandelt zu werden. Wahrscheinlich hat sich Albert Einstein deshalb auch idealer Mann an ihrer Seite herauskristallisiert, weil er ihren Geist und ihr Wissen anziehend fand. Mileva ist mit Albert Einstein zu Beginn der Beziehung zwar auf Augenhöhe, allerdings lässt sie sich von ihm immer mehr in den Hintergrund drängen, je mehr Erfolg die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse haben. Einstein entpuppt sich daher als nicht besser als seine alten Kommilitonen, die sich am Wissen anderer bereichern und den Erfolg für sich verbuchen wollen. Sie können nicht teilen oder zugeben, dass sie es nicht allein geschafft haben. Albert wird als egoistischer Mann dargestellt, der nicht mal seine eigene Tochter anerkennen will und Mileva am Ende auch noch betrügt. Und Mileva hatte zu Beginn das Image einer starken Frau, die am Ende doch zu schwach war, sich durchzusetzen. Die Frage im Hinterkopf bleibt allerdings immer: ist es wirklich so gewesen oder ist es Teil der fiktiven Interpretation der Autorin.


    „Frau Einstein“ ist sehr interessanter und unterhaltsamer historischer Roman über eine Frau, die sich in einer Männerwelt einen Platz erkämpft, am Ende doch zurückstecken muss und deren eigenes Können nur so wenig gewürdigt wurde. Eine Leseempfehlung für diese Geschichte!

    Nur die Wahrheit macht Dich frei...


    London 1975. Die deutschstämmige Journalistin Carla Whitman leidet nach einem schweren Autounfall unter Gedächtnisverlust, die Erinnerung an die vergangenen Monate vor dem Unfall fehlen ihr. In ihrer Ehe mit Ehemann Tom fühlt sie sich unwohl und hat ständig das Gefühl, dass er und auch ihre Eltern Paul und Dora Behringer sie belügen oder ihr etwas verheimlichen. Da Carla das Gefühl hat, dass die verlorene Zeit sehr wichtig für sie und ihr Leben ist, strengt sie eigene Nachforschungen an, um die ihr fehlenden Puzzlesteine wieder an ihren Platz zu setzen. Bei Gesprächen mit ihrem Ehemann Tom weicht dieser ihr immer wieder aus, auch ihr Vater Paul kann ihr nicht in die Augen sehen und ihre Mutter Dora lebt seit geraumer Zeit in einem Sanatorium in Cornwall, sie hat den Verlust der ältesten Tochter Anastasia, Carlas Schwester, vor rund 16 Jahren nicht verwunden, die von jetzt auf gleich spurlos verschwunden ist. Carla findet ein altes Notizbuch und eine Telefonnummer, die sie zum Journalisten David Gray führt. David stand vor dem Unfall mit Carla in Verbindung, weil er für seinen alten jüdischen Freund und Violinisten Jules Cohn nach einer engen Freundin von Carlas Mutter Dora suchte, Edith von Stettenheim. Diese ist nach dem zweiten Weltkrieg spurlos verschwunden, doch laut Carlas Vater Paul waren Dora und Edith gar nicht so eng befreundet. Carla und David begeben sich auf Spurensuche in die Vergangenheit und stoßen auf viele Geheimnisse und Wahrheiten, durch die Carla die Geschichte ihrer Eltern kennenlernt und die auch ihr eigenes Leben für immer verändern werden.


    Nach ihrem ersten Roman „Die Schwestern von Sherwood“ legt Claire Winter nun ihr neues Buch „Die verbotene Zeit“ vor. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig, zieht er den Leser doch bereits im Prolog völlig in Bann und fesselt ihn mit Vermutungen, Rätselraten sowie geschickt gelegten Wendungen bis zur letzten Seite. Die Handlung ist aufgeteilt in zwei Zeitebenen, zum einen begleitet der Leser Carla 1975 bei dem Versuch, ihre Erinnerungen wieder zu finden und ihr Leben zu ordnen. Die zweite Zeitebene beginnt im Berlin 1922 und zeichnet das Leben von Dora, Edith, Paul und Jules bis kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges ins Jahr 1946 auf.

    Der Spannungsbogen wird bereits auf den ersten Seiten aufgebaut und zieht sich durch die Zeitebenen hindurch bis zum Schluss. Der geschichtliche Hintergrund wurde von der Autorin sehr akribisch recherchiert und außerordentlich geschickt mit der Handlung verflochten. Die Beschreibung der Lebensumstände, der politischen Situation und auch der örtlichen Gegebenheiten wie auch die Grausamkeiten des Nazi-Regimes wirken sehr authentisch und lebensecht und bringen dem Leser einmal mehr diese Zeit ganz nah.


    Die Charaktere sind sehr vielfältig und detailliert angelegt, so dass man sie sich wunderbar vorstellen kann. Man hat beim Lesen das Gefühl, als begleite man alte Freunde und schaue ihnen bei ihren Handlungen über die Schulter. Carla ist eine sehr sympathische, wahrheitsliebende Frau. Der Unfall und seine Folgen machen ihr schwer zu schaffen und lassen sie sich in ihrem eigenen Leben unwohl fühlen. Erst wenn sie alle Teile wieder an ihrem Platz weiß, kann sie sich wieder sicher fühlen. Carla ist intelligent, hartnäckig und folgt ihrer Intuition, die ihr den Weg weist, was Gut und Böse ist. David ist ein ehrlicher und sympathischer Mann, der bei der Hilfe für einen alten Freund auf Carla trifft und sich dadurch das Leben der beiden verändert. Er ist hilfsbereit und unterstützt Carla in all ihren Unternehmungen. Dora und Edith werden schon als Kinder Freundinnen, obwohl Dora die Tochter der Haushälterin ist und Edith die Tochter aus wohlhabendem Hause. Auch wenn beide vom Typ her grundverschieden sind, wachsen sie wie Schwestern zusammen und teilen ihre Freude und ihr Leid miteinander. Edith hat eine starke Persönlichkeit, trägt ihr Herz auf der Zunge und schert sich nicht um Konventionen. Dora dagegen ist die zurückhaltendere und empfindsamere, die sich alles sehr zu Herzen nimmt und daran zu zerbrechen droht. Die Entwicklung der Protagonisten innerhalb dieses Romans ist außerordentlich gelungen, sehr lebendig und realitätsnah. Gerade das macht dieses Buch sehr außergewöhnlich und lesenswert.


    „Die verbotene Zeit“ ist ein Gesellschaftsroman mit historischem Hintergrund par excellence. Die Geschichte fesselt vom ersten Moment an und lässt einen nicht mehr los, bis man hinter alle Geheimnisse gekommen ist. Dabei wachsen einem die Protagonisten und ihre Schicksale so sehr ans Herz, dass man sie auch lange nach der Lektüre noch im Gedächtnis bewahren wird.


    Eine absolute Leseempfehlung für diesen Roman, der seinesgleichen sucht. Ausgezeichnet gemacht, Frau Winter. Chapeau!

    Epochale Zeitreise


    1891-1909. Der Schicksalsschlag trifft Otto von Briest und seine Geschwister Levin und Amalie völlig unvorbereitet. Paul und Louise, ihre Großeltern, starben in der Schweiz bei einem Zugunglück. Otto, der zwar studiert, aber eigentlich lieber Detektiv werden möchte, hängt sich an seinen Freund Edgar Trönicke, der eigenständig Nachforschungen anstellt, weil dieser an Sabotage glaubt. Levin träumt von nichts anderem als Fliegen zu lernen, seitdem er Otto von Lilienthal gesehen hat. Und Amalie, die im Schatten ihrer Brüder steht, trifft auf die schillernde Emma von Schley und schon bald sind die beiden jungen Frauen mehr als nur engste Freundinnen. Jeder der drei Geschwister tut alles für die Erfüllung ihrer Träume, aber haben ihre Träume Platz in dieser Welt, wird es ihnen gelingen, ein glückliches Leben zu führen?


    Richard Dübell hat mit seinem Buch „Jahrhunderttraum“ den Nachfolgeband seines Romans „Der Jahrhundertsturm“ vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und humorig. Ebenso bedient sich der Autor auch einiger Dialekte, die er gekonnt in seine Handlung einfließen lässt, wodurch diese an Authentizität gewinnt. Die gekonnt vorgenommenen Perspektivwechsel zwischen Otto, Levin und Amalie halten den Leser immer aktuell auf dem Stand der Gefühls-, Gedanken- und Erlebniswelt der einzelnen Geschwister. Die geschichtlichen und politischen Hintergründe dieser Zeitepoche des technischen Wandels wurden sehr gut recherchiert und mit der Handlung verflochten, so dass sich neben den fiktiven Protagonisten auch bekannte Persönlichkeiten in der Geschichte wiederfinden und dem Leser bei der Lektüre das Gefühl vermittelt wird, in diesem spannenden Zeitalter hautnah dabei zu sein. Der früh angelegte Spannungsbogen steigert sich im Laufe der Handlung immer mehr und überrascht am Ende mit einem großen Finale.


    Die Charaktere sind sehr schön ausgestaltet und in ihrer Zeit verankert, sie wirken sehr lebensecht und authentisch. Otto ist ein sympathischer Mann, der sich für die Ermittlungsarbeit und den Beruf des Detektives interessiert. Während er eher nüchtern und durchdacht auftritt, hat man bei seinem Bruder Levin den Eindruck eines Träumers. Er wirkt immer ein wenig entrückt und unentschlossen. Amalie ist noch sehr jung und etwas naiv, dadurch auch schnell zu beeinflussen. Sie ist allerdings auch bereit, ein großes Risiko auf sich zu nehmen, denn sie verlässt die Konventionen der Zeit und begibt sich in ein Abenteuer, welches sie in größte Schwierigkeiten bringen könnte, sollte es publik werden.


    „Der Jahrhundertraum“ ist eine sehr spannende und unterhaltsame historische Zeitreise in eine der interessantesten Epochen überhaupt und ein würdiger Nachfolgeroman des „Jahrhundertsturms“. Hier kann man Geschichte hautnah miterleben. Man darf gespannt sein auf die nächste epochale Zeitreise aus der Feder des Autors. Absolute Leseempfehlung!