Beiträge von Ben

    Nein, so etwas hab ich noch nicht gesehen, aber wenn du es doch noch mal probierst. wünsche ich dir Hals- und Beinbruch! :--)

    (ein wahrscheinlich überflüssiger Wunsch)


    Ziemlich lustig finde ich Andrei in diesem Zitat:


    "Neulich erwies mir der hiesige Adel die Ehre, mich zum Adelsmarschall zu wählen; ich habe es mir kaum vom Hals halten können. Die guten Leute konnten gar nicht begreifen, dass es mir an den dazu erforderlichen Qualitäten fehlt, namentlich an einem gewissen gutmütigen, sorglichen Interesse für triviales Treiben."


    Und ungewöhnlich ist auch, wie er seinen Vater, den alten Fürsten Bolkonski, beurteilt:


    "Aber er wird alt und ist, ich will nicht sagen grausam, aber von zu energischem Charakter. Er ist furchtbar durch seine Gewöhnung an unbegrenzte Macht und jetzt durch diese Amtsgewalt, die der Kaiser den Oberkommandierenden der Landwehr verliehen hat. (…) Du hast vielleicht nicht mit angesehen, was ich mit angesehen habe: wie gute Menschen, die in diesen Überlieferungen einer unbeschränkten Machtbefugnis groß geworden sind, mit den Jahren bei zunehmender Reizbarkeit hart und grausam werden, sich dessen selbst bewusst sind, sich aber doch nicht beherrschen können und sich immer unglücklicher und unglücklicher fühlen."

    Damit hast du meiner Meinung nach Recht, dass es fast unmöglich ist, in dem, was man tut, keinen Schaden anzurichten oder Gutes zu tun, das den Schaden übersteigt oder evtl. rechtfertigen kann. Trotzdem sollte man sich bemühen, den Schaden zu minimieren, und man sollte auch z.B. historische Persönlichkeiten nicht einfach nach "Größe" beurteilen, sondern die Auswirkungen auf Andere als zentralen Punkt berücksichtigen.

    Was Gruppenzugehörigkeit betrifft, finde ich es auch schwierig, in Gruppen keine bedenklichen Kompromisse zu machen; irgendwelche Kompromisse muss man ja in Gruppen immer machen.

    Zu den von dir genannten Gruppen habe ich nicht ganz verstanden, ob du damit gemeint hast, dass man seine Gruppenzugehörigkeit auf möglichst kleine Gruppen reduzieren sollte, oder welchen Unterschied du da zwischen diesen Gruppen machen möchtest.

    Zum in- & out-group behaviour hatte ich gerade noch keine Zeit, etwas darüber nachzulesen; das möchte ich in den nächsten Tagen aber noch nachholen.

    Ja stimmt, beim Tanz mit Natascha gelingt es mir immer noch nicht, ihn mir beim Lesen zu rekonstruieren:


    "So jagte er unhörbar auf einem Bein [!!] um die Hälfte des Saales; er sah anscheinend gar nicht die vor ihm stehenden Stühle und stürmte gerade auf sie los: aber auf einmal machte er, mit den Sporen gegen den Boden stoßend und die Beine spreizend, auf den Hacken halt, stand so eine Sekunde lang, stampfte unter gewaltigem Sporenklirren mit den Beinen auf einem Fleck umher, drehte sich schnell herum und flog, mit dem linken Bein gegen das rechte schlagend, wieder im Kreis dahin. (…) [bald sprang er] dann wieder auf und stürmte mit solchem Ungestüm vorwärts, als ob er vorhätte, ohne Atem zu holen, durch alle Zimmer hindurchzurennen (…)

    'Was war das nur?', sagte [Natascha] vor sich hin." :S :) :S


    Das wäre theoretisch wieder was zum Ausprobieren; es ist aber eine wirklich schwere Frage, welche Challenge schwieriger ist...

    Tolstoi schreibt ja meistens aus eigener Beobachtung; vielleicht war er betrunken, als er mal so einem Tanz zugeschaut hat?


    Schön finde ich auch, wie Denisow Rostow vor dem Duell bewahrt:


    "Denisow war offenbar bemüht, Rostow möglichst selten Gefahren auszusetzen und ihn nach Kräften zu behüten, und wenn Rostow aus einem Gefecht heil und unversehrt zurückkam, begrüßte er ihn mit ganz besonderer Freude."

    " Rostow (…) bekam einen roten Kopf und sagte dem Offizier so unangenehme Dinge, dass Denisow nur mit Mühe ein Duell zwischen den beiden verhindern konnte. (…)

    'Seid ihr Rostows ein närrisches Volk!', sagte er dabei, und Rostow bemerkte Tränen in seinen Augen."

    Sorry, ich hatte gestern mal die ersten Kapitel von "Existenz" angelesen, und ich glaube, es ist mir doch zu "modern"; da würde ich mir doch lieber einen Band von Cherryh anschauen.

    EDIT: Wenn die Handlung da nicht abgeschlossen wäre oder es aus dem Zusammenhang gerissen ist, wäre das für mich auch kein Problem. Ich hab da auch sehr günstige Angebote im Internet gefunden.

    Danke :)


    Von mir aus könnte man gerne zeitnah starten. Und wie gesagt, könnt ihr mir gerne was von Cherryh empfehlen, gerne etwas, was eher meinem Geschmack nach "harmloseren", "altmodischen" SF-Romanen entspricht, falls das für euch OK ist.


    (ich hatte z.B. mal die ersten 100 Heftromane von "Perry Rhodan" gelesen)


    Ein einzelner Thread wäre für mich natürlich auch OK.

    Bei Vorschlag 1 ("Existenz", David Brin) könnte ich mir sehr gut vorstellen, mitzumachen, wenn das für euch OK ist (konnte es mir aus der Bücherei ausleihen).

    Zu Vorschlag 2 könnte ich mir gerne z.B. Kauffahrer's Glück, Downbelow station, Cyteen, Pells Stern oder ein anderes, das ähnlich günstig bei Amazon oder so erhältlich ist, besorgen und schauen, ob ich da auch Interesse an einer Leserunde hätte.

    Ich denke nicht dass der Soldat besonders ungewöhnlich oder beängstigend ist; wenn man jahrelang gezwungen ist, auf Befehl schreiend zu salutieren und das zur Routine wird, entwickelt man wahrscheinlich die Fähigkeit, gleichzeitig einen völlig anderen Gesichtsausdruck zu zeigen.

    Ich denke auch nicht, dass er leise geschrien hat. Leise schreien ist vielleicht, wenn man nur mit der Mundraum-Luft schreit, ohne die Luft aus der Lunge; das hat dann einen ähnlichen Ausdruck, muss aber nicht besonders laut sein. Also noch eine Variante zum Ausprobieren:

    Lächeln + Augen rausdrücken + schreien + leise :grin


    Mir ist schon klar, dass das Arbeitsumfeld, auch wenn es die Armee ist, wie eine Familie sein kann; ich fand es nur etwas erstaunlich, weil es eben das Militär und das "rauhe Soldatenleben" ist, das Rostow wie eine Familie vorkommt. Aber vielleicht ist man auf die Dauer auch gezwungen, sich dort möglichst eine familienähnliche Umgebung zu schaffen.


    Denisow am Anfang ruhig, zurückhaltend? Bei mir wird er so eingeführt:


    "Denisow (...) hatte ein rotes Gesicht, funkelnde, schwarze Augen (...). Mit finsterem Gesicht und gesenktem Kopf kam er zur Haustür.

    'Lawrenti!', schrie er laut und zornig (...). 'So komm doch und nimm mir die Sachen ab, du Tölpel!' " (Band 1, Teil 2, IV)

    Bei Röhl steht das ein bisschen anders:


    " 'Wünsche Gesundheit, Euer Hochwohlgeboren!', schrie dieser Soldat mit lauter Stimme und blickte, die Augen herauspressend, Rostow starr an (…).

    'Schaff' doch diesen Mann fort, und gib ihm Wasser' (…)

    'Zu Befehl, Euer Hochwohlgeboren', erwiderte der Soldat mit vergnügtem Gesicht; er verwandte noch größere Anstrengung darauf, die Augen herauszudrücken und strammzustehen, rührte sich aber nicht vom Fleck."


    Ich hab's auch ausprobiert und kann zur zustimmen, dass das ziemlich lustig ist. Hast du auch schon probiert, gleichzeitig die Augen mehr und mehr herauszudrücken...? :lache:lache


    Erstaunlich finde ich auch, dass sein Regiment für Rostow wie eine Familie ist:


    "als Lawrenti erfreut seinem Herrn zurief: 'Der Graf ist gekommen!' und der zottige Denisow (…) aus der Erdhütte herausgelaufen kam und ihn umarmte und die Offiziere den Ankömmling umringten: da hatte Rostow dieselbe Empfindung wie damals, als ihn seine Mutter, sein Vater und seine Schwestern umarmten, und die Freudentränen, die ihm in die Kehle kamen, hinderten ihn zu sprechen. Auch das Regiment war ein Haus, ein unwandelbar liebes, teures Haus, ebenso wie das Haus seiner Eltern."

    Die Gedanken über das Verändern der Zukunft in der Vergangenheit finde ich auch interessant, z.B. hier:


    " 'Als du noch klein warst, konnte Anna doch noch gar nicht wissen, dass du später einmal eine Zeitreise machen würdest. Das kann sie doch erst dann gemerkt haben, als du und ich erwachsen wurden und sie sich an unser Aussehen erinnern konnte.'

    'Außer, wenn einer von uns beiden es ihr erzählt hat, als wir hier waren.'

    'Das wäre Wahnsinn! Und das werden wir ganz bestimmt nicht machen, Eva! Was glaubst du wohl, was für ein riesiges Durcheinander wir da anrichten könnten.' " (S. 211)


    Allerdings sind, gerade auch im nächsten Abschnitt, ein paar Dinge nicht so klar. Zum Beispiel, was mit der 1931er-Kleidung der Drei passiert ist (sie hatten dann ja wieder ihre 2017er-Kleidung). Ist sie irgendwo außerhalb der Zeit gelandet? Im Garten ist sie ziemlich sicher nicht zurückgeblieben; so etwas hätte Anna ziemlich sicher mitbekommen und dann erzählt.

    Und dass man bei einer Rückreise in die Zukunft eine Amnesie bekommt, bei der Hinreise in die Vergangenheit aber nicht, ist auch erstaunlich. :learn

    Das kann dann vielleicht wahre individuelle Größe sein, wenn man bewusst bereit ist, so ein Opfer zu bringen. Eine individuelle Größe, wenn sie letztlich der Umgebung schadet, ist keine gute Art von Größe. Im Wikipedia-Artikel zum Individualismus steht dazu:


    "Gerade von Verfechtern der Idee der Selbstverwirklichung wird Individualismus in Abgrenzung zu Konformismus als emanzipatorische und zivilisatorische Weiterentwicklung interpretiert.

    Gegner der Idee der Selbstverwirklichung sehen das anders. Sie betonen, dass Selbstverwirklichung gerade in einem Team / Gemeinschaft erst richtig möglich sei. Der Einzelne werde so aufgrund der sozialen Interaktionen zumindest mehr gefordert, was ein Wachsen der Persönlichkeiten mit sich bringen könne."


    In dem Link fand ich auch dieses Zitat interessant:


    "Das Kind ahmt nach, wie die Eltern ihm Dinge verbieten. Dabei entwickelt sich sein Über-Ich. Identifikationen finden also im Über-Ich ihren Platz. Manchmal ist das Kind so mit einem Elternteil identifiziert, dass man denken könnte, es hätte einige Verhaltensweisen schlicht vererbt. Diese Verhaltensweisen liegen dann aber nicht (nur) auf den Genen, sondern sind das Ergebnis der Identifikation. Diese Vorgänge gehören zur normalen Entwicklung."

    Ich finde es auch gut, wie die Autorin Evas Verwirrung darstellt. Diese Gedanken, ob das alles schon Mal passiert ist oder gerade erst geschieht und auch die Ideen, wie kann man den Lauf der Dinge ändern - das alles würde mir auch im Kopf herum spuken und ist sowas von verwirrend.


    Auch dass Anna misstrauisch wird und es da eine Verbindung zwischen ihr und Eva gibt, gefällt mir gut. Ich kann mir schon vorstellen, dass solche engen Verbindungen über das "Normale" hinaus spürbar sind - also auch über die Zeit hinaus. (…)

    Das mit der Schule hatte mich auch verwundert. Es gehen anscheinend nur die Jungs in die Schule, oder habe ich das falsch verstanden?

    Die Gedanken über das Beeinflussen oder Ändern der Geschichte durch eine Zeitreise finde ich auch sehr interessant.


    Das mit der Verbindung zwischen Anna und Eva kann gut sein; allerdings ist da auch selbstverständlich eine Gemeinsamkeit spürbar durch die Ähnlichkeit des Gesichts, der Augen, von gleichen "familienspezifischen" Gesten etc.

    Zu der Frage - auf S. 164 steht, dass Anna zumindest an einem Nachmittag keinen Unterricht hatte, ihre Brüder schon.


    Erstaunlich ist, dass das iPhone samt dem Spiel nicht für viel mehr Furore sorgt. Der Akku ist zwar bald leer, aber die Kinder müssten auch ihren Eltern gegenüber eigentlich ständig davon reden, hätte ich erwartet. Und es hätte eigentlich Fragen dazu geben müssen (falls nicht an die fast stumme Antonie, dann an Eva und Philipp).


    Mich wundert auch, dass Eva und Philipp hauptsächlich damit rechnen, bald wieder in ihre Zeit zu kommen und hier eine Aufgabe zu haben. Zeitreisen sind ja schon praktisch unmöglich; da dürfte die Wahrscheinlichkeit für eine zweite Reise, und ausgerechnet genau in ihre Zeit, unwahrscheinlicher sein als ein Bleiben in der Vergangenheit bis zum Tod.


    Noch ein nettes Zitat:

    [Katharina:] " 'Bitte sagt mir immer, wenn ihr etwas braucht. Ich möchte, dass ihr euch hier wie zu Hause fühlt.'

    Wenn du wüsstest, dachte Philipp, wie sehr wir uns hier tatsächlich zu Hause fühlen." :)

    Also das mit der (Lese-)Zeitplanung muss ich für 2019 noch üben.... *grummel*

    Oh, oh, noch so ein Neujahrsvorsatz... :)

    Ben, die Schlagabtausche zwischen Eva und Philipp geniesse ich auch sehr. Du hast da ein paar schöne "Perlen" zusammen getragen, die ich hier gerne wieder lese. Danke dafür! :-)

    Gerne. Ich schreibe ja selber oft Unsinn, deshalb zitiere ich manchmal lieber...


    Von den Urgroßeltern hatte ich auch kein Grund-Misstrauen erwartet, eher manchmal großes Erstaunen bei modernen Redewendungen oder so; Misstrauen dann vielleicht mit der Zeit. Ich meine auch nicht, dass sie an eine Zeitreise denken müssten, nur, dass sie einen Verdacht bekommen, dass Eva eigentlich nicht Sophie sein kann oder etwas nicht stimmt.

    Die Zeitreise kam für mich auch völlig überraschend; mir ging es auch so, dass ich einfach Konfrontation mit der Vergangenheit oder so erwartet hätte. Den Abschnitt ca. S.110-230 finde ich schwächer als den Rest des Buches; danach wird's wieder interessanter.

    Wie die lustige Natascha erst Boris und dann Pierre beurteilt - so eine Personenbeschreibung hab ich nun wirklich noch nie gehört:


    " '[Boris] ist sehr nett, sehr, sehr nett! Nur nicht ganz nach meinem Geschmack: er ist so schmal wie eine Standuhr … (...) Schmal, wissen Sie, grau, hellgrau ...'

    'Was redest du für Unsinn!', sagte die Gräfin.

    Natascha fuhr fort:

    'Verstehen Sie mich wirklich nicht? Nikolai würde mich gleich verstehen … Besuchow, das ist so ein Blauer, dunkelblau mit Rot, dabei aber viereckig.'

    'Mit dem kokettierst du auch', sagte die Gräfin lachend.

    'Nein, er ist ein Freimaurer, wie ich erfahren habe. Er ist ein braver Mensch, dunkelblau mit Rot...' " :grin

    Wie Andrej seine Leibeigenen befreit, hat auch autobiographische Hintergründe:


    "Auf einem seiner Güter hatte [Andrej] die Leibeigenen, etwa dreihundert Seelen, zu freien Bauern gemacht (es war eines der ersten Beispiele in Russland); auf anderen Gütern war die Fronarbeit durch Abgaben ersetzt."


    Über Tolstoi heißt es bei Wikipedia zum Beispiel:


    "Nach einem Wechsel an die juristische Fakultät brach er das Studium 1847 ab, um die Lage der 350 geerbten Leibeigenen im Stammgut der Familie in Jasnaja Poljana mit Landreformen zu verbessern (…) Nach der Rückkehr verstärkte er seine reformpädagogischen Bestrebungen und richtete Dorfschulen nach dem Vorbild Rousseaus ein. (…) Generationen russischer Kinder erhielten bis in die 1920er Jahre ihre Grundschulbildung auch mit seinem erstmals im Jahr 1872 erschienenen Schulbuch Alphabet. :)

    Auch die Fortsetzung von dem ersten Zitat in #28 ist ziemlich erschreckend:


    "[die Soldaten] zerstreuten sich über die Wiesen und Felder, um diese süße Marienwurzel (die sehr bitter schmeckte) zu suchen, gruben sie mit den Säbeln aus und aßen sie, obwohl der Genuss dieser schädlichen Pflanze verboten war. Im Frühjahr war bei den Soldaten eine neuartige Krankheit aufgetreten, Anschwellungen der Hände, der Füße und des Gesichtes, und die Ärzte betrachteten als die Ursache dieser Krankheit den Genuss jener Wurzel. Aber trotz des Verbots nährten sich die Pawlograder Husaren von Denisows Eskadron hauptsächlich von der süßen Marienwurzel" :wow


    Rostows Sichtweise über das Lagerleben ist auch erstaunlich; er empfindet die "Qual der Wahl" anscheinend besonders stark:


    "Nachdem er (...) sich von neuem an des Gefühl gewöhnt hatte, der Freiheit beraubt und in einen engen, starren Rahmen eingeschmiedet zu sein, da hatte Rostow dieselbe Empfindung wie unter dem Dach des Elternhauses: ein Gefühl der Beruhigung, ein Gefühl, dass er hier einen festen Stand habe, und das freudige Bewusstsein, hier zu Hause, an dem ihm zukommenden Platz zu sein. Hier war nicht jener Wirrwarr der freien Welt (…); hier war keine Sonja, der gegenüber man sich aussprechen oder auch nicht aussprechen musste. Hier kam man nicht in die Lage, zu überlegen, ob man da- und dahin fahren solle; hier hatte man nicht die Möglichkeit, den ganzen Tag nach Belieben auf die mannigfaltigste Weise auszufüllen (…)"

    :pferd

    (Rostow bei den Husaren)

    Ich stelle es mir seltsam vor, mit Menschen zu tun zu haben, die man selbst nur als ältere Erwachsene kennengelernt hat und (im eigentlichen Leben) bereits tot sind. (…)


    Anna verwundert mich etwas. Muß sie eigentlich nicht in die Schule (vgl. S. 190)?

    Stimmt; gleich am Anfang des nächsten Abschnittes (S. 194) wird das grotesk daran deutlich, wie Eva sagt:


    "Wir müssen uns die Kinder noch mehr vom Leib halten. Insbesondere meine Oma." :wow


    Zum Schulunterricht wird später klar, dass Anna an dem Tag keine Nachmittagsschule hatte (S.164).



    Etwas schwer nachvollziehbar finde ich, dass die Kinder hier die Enttäuschung ihrer Mutter mehr fürchten als die Strenge des Vaters (S.103):


    "Eine strenge Standpauke ihres Vaters war durchaus nicht angenehm, doch ein enttäuschter, trauriger Blick ihrer Mutter war den Kindern eine viel schlimmere Strafe."


    Zu den modernen Dingen, die eigentlich viel mehr Aufsehen erregen müssten, gehört auch Antonies Rucksack, den sie öfters bei sich hat.

    Stimmt, ein interessantes Thema! Dazu hab ich dieses Zitat gefunden:


    "Wenn wir einen nahestehenden Menschen verlieren, dann übernehmen wir manchmal eine Gewohnheit von ihm und erhalten ihn so innerlich lebendig. Das kann jedoch so weit gehen, dass man vor der Trauerarbeit flieht. Es kann sogar den Charakter verzerren. (...) man [sagt] auch, dass Identifikation eine Einverleibung des anderen sei, eine Art „seelischer Kannibalismus“ (Elhardt). „Identifikation vermittelt Schutz, ihre Lösung Selbstständigkeit, aber auch oft Einsamkeit“ (Elhardt). Wer sich aus alten Identifikationen löst, sich „de-indentifiziert“, der verliert auch immer ein Stück Heimat, egal, wie „schlecht“ das Vorbild und die Identifikation mit ihm waren."
    https://www.medizin-im-text.de…ikation-und-Introjektion/


    Zum Thema der Gedankenlosigkeit (wobei ich dir prinzipiell auch zustimme, aber auch das andere Extrem sehe, dass manche Menschen zu "eigen" und nicht mehr kompatibel zu einem gemeinschaftlichen Leben sind) passt vielleicht dieses hier, samt einer interessanten Liste:


    "Wenn wir schnell zwischen mehreren Alternativen wählen müssen, entscheiden wir uns in der Regel für die erste Option. Und das ist unabhängig davon, ob es sich um Konsumgüter oder Geschäftsstrategien handelt (…). Die Erklärung ist allerdings recht simpel: Wenn wir uns beispielsweise zwischen verschiedenen Jobangeboten entscheiden, dann wählen wir eher die erste Position in der Liste, weil die auch oft unseren Traumberuf darstellt. Heißt: Die Liste war schon vorher priorisiert. Weil das aber so ist, konditionieren wir uns damit zugleich, Motto: Das Erste ist das Beste. Und einmal gelernt, bleiben wir diesem Muster auch bei späteren Entscheidungen treu."


    12 Einflüsse auf unsere Entscheidungen:


    Im Dunklen treffen wir rationalere Entscheidungen.


    Mit voller Blase treffen wir bessere Entscheidungen.


    Stress führt zu riskanteren Entscheidungen.


    Wir entscheiden uns meist für die erste Option.


    Die Mehrheit entscheidet sich für Bekanntes.


    Wer sich nicht entscheiden kann, braucht eine Alternative.


    Gut Gelaunte entscheiden großzügiger.


    Schlecht Gelaunte sehen klarer.


    Ärger macht Entscheidungen rationaler.


    Wer besser entscheiden will, sollte aufstehen.


    Hohe Boni führen zu besseren Entscheidungen.


    Ausgeschlafene wählen klüger.


    Entscheidungen machen müde


    https://karrierebibel.de/entscheidung-treffen/

    Interessant, ich finde absolut nicht, dass der Humor zu kurz kommt, auch wenn er im echten Leben bei den ganzen Streitereien und Konflikten untergehen würde. Das Mehrfach-Happy-End ist natürlich arg dick aufgetragen, aber davor geht es ja immerhin zur Genüge um realistische alltägliche Schwierigkeiten. Bemerkenswert, dass wie auch beim "Weihnachtswald" eine der Hauptpersonen (dort sogar ursprünglich zwei) stottert.

    Vorstellen zu essen kann ich mir die Sachen schon, aber nur dann, wenn ich keine normalere Alternative hab. Von den genannten "Leckerbissen" hab ich nur in äußerst seltenen Fällen mal Leberwurst gegessen. Und ach ja, ein chinesischer Mitbewohner in meiner Studenten-WG hat sich mal eine Kilopackung Schweineohren besorgt...


    Die Leute von dem Chefkoch-Forum sind schon krass drauf.


    "frittierte Hahnenkämme ????? gibt's das wirklich oder nimmst Du mich auf den Arm ??

    Könnte man sie mit Dorschleber füllen???

    Ich glaub, das wärs!!"


    "Die Hahnenkämme sind ein echt praktisches Rezept. Den Gastgebern wird schon bei der Zubereitung schlecht, den Gästen beim Empfang - und man kann sich die Zubereitung weiterer Gänge sparen!

    Angeekelte Grüße"


    Auch die Füllung mit dem "Filet von Feuerameisen" klang interessant; vielleicht ist da sowas gemeint:


    "Das Brot, das aus zerfasertem Maniok gemacht wird, wird in eine scharfe Sauce oder Soße getunkt, die aus den Köpfen der Blattschneideameisen gemacht ist. Um genau zu sein, aus den Köpfen der so genannten 24-Stunden-Ameise, die so genannt wird, weil ihr Biss nach 24 Stunden ohne Behandlung zum Tode führt. Ist also langweilig, weil die Leute ja nicht sehen, dass sie Ameisen essen. Wäre aber sonst bestimmt eine tolle Idee, seinen Freundeskreis auf das Wesentliche zu reduzieren. Lachen"

    :learn