Beiträge von flashfrog

    Zitat

    Original von Grisel


    Auch nicht. Er soll wohl das Siegel des Schreibens erbrechen, öffnen.


    Oder habe ich hier die Ironie übersehen? :gruebel
    l


    Gut, dann nächstes Mal: :achtungironie


    Aber allein die Vorstellung, der Schauspieler könnte die Regieanweisung so missverstehen... :chen

    Da mir kürzlich eine schöne Schiller-Ausgabe in die Hände fiel, habe ich grad den "Wilhelm Tell" gelesen.


    Da gibt es folgende Stelle


    Sigrist: "Ein Reichsbot biringt dies Schreiben."
    Alle (zu Walter Fürst): "Erbrecht und leset."


    Erst dachte ich: Was hat das Erb-Recht hier zu suchen? Erst auf den zweiten Blick dämmerte mir, dass es sich hier offenbar um eine Aufforderung handelt, auf die Bühne zu kotzen. :rofl


    Auch nicht schlecht die Stelle, wo Tells Frau Hedwig nach glücklich überstandener Gefahr zu dem Flüchtling, der in ihrem Haus Asyl sucht, sagt: "Führ ihn herein, damit wir ihn erquicken, er fühlt, dass er ins Freudenhaus gekommen."


    Und köstlich die Stelle, wo der Fischer das Boot des Landvogts auf dem See erblickt und sagt: "Dort schifft er hin."
    :chen



    Ich sollte dieses Stück im Theater meiden, ich glaube, ich würde sonst die ganze Vorstellung mit hysterischen Lachanfällen versauen.

    Die Themenwoche über den Iran auf 3sat hat merkwürdige Auswirkungen:
    Eben sehe ich auf der Straße eine Tschador-verschleierte Frau mir entgegenkommen.
    Nanu?
    War dann, als sie näher kam, aber doch nur eine frierende Gothikerin mit langen schwarzgefärbten Haaren, die den Mantelkragen hochgeschlagen hatte. :lache

    Das Buch ist mir bei der Jahresend-Umräumung meiner Bücherregale wieder in den Hände gefallen und ich habe es gerade ein zweites Mal gelesen. Das Buch ist zwar schon etwas älter, aber die Satire auf den Literatur- und Redaktions-Betrieb erscheint mir höchst aktuell und witzig. Wer also beruflich mit Büchern oder Zeitschriften zu tun hat (oder sich sonst aus einem Grund dafür interessiert, wie skandalös das hinter den Kulissen abläuft :grin ) dem würde ich es empfehlen!


    Wer gut genug Englisch lesen kann, sollte es in der Originalsprache lesen. Die Übersetzung ist zwar nicht schlecht, aber es gehen doch einige Sprachspiele, Spiele mit dem Stil und Jargon bestimmter Berufsgruppen (Literaturkritiker und Feuilletonisten, hemdsärmelige Boulevard-Journalisten und Manager, schlagfertiger New-York-Slang) verloren.

    Batcat : Ich habs inzwischen gelesen und bin enttäuscht, weil ich wahrscheinlich mit einer falschen Erwartungshaltung an das Buch herangegangen bin.


    Ich hatte im TV mal eine Doku über Hans Breuer gesehen und hatte erwartet, in dem Buch mehr über das Leben und den Alltag eines Wanderschäfers zu erfahren.
    Leider wird das nur in Ansätzen auf viellelcht insgesamt 5 Seiten des Buches gestreift.


    Auch die jiddischen Lieder und die jiddische Sprache hätten mich interesseirt, aber auch da beschränkt sich das Buch größtenteils auf eine Übersetzung aus dem Amerikanischen ins Hochdeutsche, weil Amerikaner es ja eh nicht verstehen würden.


    Hauptsächlich geht es in dem Buch um einen jüdischen Amerikaner, der nach Österreich kommt und seine Vorurteile, alle Österreicher wären Nazis, bestätigt finden will. Am Ende stellt er dann fest, dass weder alle Österreicher gut noch alle Österreicher böse sind und die Sache mit der Geschichtsaufarbeitung ein bsschen komplizierter ist als der gemeine amerikanische Tourist sich das so vorstellt.
    Aber das wusste ich eigentlich schon.


    Und über die sexuellen Neuroson des Autors und seine Dating-Probleme wollte ich nun ganz sicher nichts lesen.

    Ja, der Gewinnertext geht in Ordnung.


    Eine kleine Statistik: Von den 8 Juroren (inkl. Moderator) waren 2 weiblich, 6 männlich (bei André Vladimir Heiz bin ich mir nicht sicher)
    Von 14 eingeladenen Autoren waren 6 weiblich, 8 männlich.
    Von den Preisnominierten waren 2 weiblich, 5 männlich.
    Von den Preisträgern waren 0 weiblich, 5 männlich.




    Ich finde es ein bisschen schade, dass der Wettbewerb mehr und mehr zu einem Marketinginstrument der grossen Verlagskonzerne zu verkommen scheint, die die Auoren "vorschlagen".
    Mir gefallen abgeschlossene Texte - Kurzgeschichten, Novellen, Essays, Reportagen, Kollagen - viel besser als diese ganzen Anfänge durch Medienpräsenz zu promotender Romane.
    Wie soll denn die Jury einen Roman nach 10 Sieten beurteilen?


    Sie scheint mir dies Jahr ohnehin noch überforderter als üblich damit, Kriterien für die Bewertung von Texten zu finden. "Ich hatte da mal einen Studentenjob als Zimmermädchen" ist kein angemessenes Kriterium zur professionellen Bewertung von Literatur. "Ich habe mich irgendwie so aus dem Bauch raus in den Text verliebt" ist kein angemessenes Kriterium zur professionellen Bewertung von Literatur. "Ich bin enttäuscht, weil der Autor seinen Text anders liest, als ich es mir vorgestellt hatte" ist kein angemessenes Kriterium zur professionellen Bewertung von Literatur. Die Gleichsetzung des Autors mit dem Erzähler oder gar der Figur ist etwas, das einem spätestens ab dem 2. Semester niicht mehr unterlaufen sollte.
    Ich will keine Jury aus Sozialpädagogen und Küchenpsychologen, ich will erbarmungslose Literaturkritiker mit einer Haltung, wie Reich-Ranicki, beschlagene Textanalytiker wie Camartin, wunderbare Pflichtverteidiger der Autorenseite wie Robert Schindel, ich hätte nie gedacht, dass ich sogar einmal Iris (ti-)Radisch vermissen werde!

    Die Feuerwehr-Geschichte von Sudabeh Mohafez hat auch mir gut gefallen. Ein existentielles Thema, detailgenau beobachtet, schöne Sprache, lehrbuchhaft perfekter Textaufbau, psychologisch überzeugend.


    Aber wenn die Autorin dann im Backstage-Interview als einzige Teilnehmerin lang und breit für sich werben darf, dann riecht das für mich schon ein bisschen nach abgekartetem Spiel. Das hat der TExt doch gar nicht nötig. :rolleyes




    Pedro Lenz ist von den nichtschweizer Juroren ja leider ziemlich beharkt worden. Da gibt es wohl tatsächlich "Übersetzungsprobleme" vom Mündlichen/Mundartlichen in die Gestalt des Schrifthochdeutschen. :gruebel

    Zitat

    Original von Herr Palomar
    Martin von Arndts Text hat mir sehr gut gefallen.
    Sowohl von der Erzählhaltung als auch inhaltlich. Die Idee mit den Briefen ist gut.
    Die Dialoge sind im Gegensatz zur Haltung des Erzählers eher aggressiv, zumindest von der Seite Ines aus. Der Erzähler reagiert eher gekränkt. Das ist gut gemacht.
    Da es sich um einen Teil eines Romans handelt, werde ich dass Erscheinen mit Spannung abwarten, um zu sehen, was diesem Ausschnitt noch hinzugefügt wird.
    Ob sein früherer Roman Ego-Shooter was für mich ist, weiss ich nicht so recht


    Ja, der Autor kann erzählen! Sehr schön!
    Der Eindruck der Aggressivität kam vielleicht ein bisschen vom Lesestil des Autors. Aber die Mutter- und Beziehungs-Dialoge fand ich schon gut getroffen. :chen

    Sie lesen wieder in Klagenfurt. Heute und morgen jeweils von 9-13 und 15-17:30 Uhr auf 3sat.
    Lesereihenfolge:

    Freitag, 27. Juni, 9.00 bis 13.00 Uhr
    Thorsten Palzhoff (9.00 bis 10.00 Uhr)
    Alina Bronsky (10.00 bis 11.00 Uhr)
    Clemens J. Setz (11.00 bis 12.00 Uhr)
    Angelika Reitzer (12.00 bis 13.00 Uhr)


    Freitag, 27. Juni, 15.00 bis 17.30 Uhr
    Martin von Arndt (15.00 bis 16.00 Uhr)
    Patrick Findeis (16.00 bis 17.00 Uhr)
    Markus Orths (17.00 bis 18.00 Uhr)



    Samstag, 28. Juni, 9.00 bis 13.00 Uhr
    Heike Geißler (9.00 bis 10.00 Uhr)
    Sudabeh Mohafez (10.00 bis 11.00 Uhr)
    Dagrun Hintze (11.00 bis 12.00 Uhr)
    Pedro Lenz (12.00 bis 13.00 Uhr)


    Samstag, 28. Juni, 15.00 bis 17.30 Uhr
    Ulf Erdmann Ziegler (15.00 bis 16.00 Uhr)
    Tilmann Rammstedt (16.00 bis 17.00 Uhr)
    Anette Selg (17.00 bis 18.00 Uhr)



    Oder jederzeit live im Netz. Da sind die Texte auch 7-sprachig nachzulesen.
    http://bachmannpreis.eu/


    Die Preisverleihung gibt es diesmal gleich am Abend nach den letzten Lesungen am Samstag um 20:15, ebenfalls in 3sat.



    Wer von euch eult mit?

    @ Joan: Öhm, Merci. :knuddel1 *rotwerd* Aber das Kulturwissen stammt ja nicht von mir, das steht ja alles in dem tollen Buch da, also gehört das Lob den tollen NZZ-Redaktoren, die das recherchiert und zusammengetragen haben. Ich hab bloß die Rezi dazu geschrieben. :-)


    Den meisten Schweizern würden wahrscheinlich die Gesichtszüge entgleisen, wenn ich denen erzähle, dass ich Naturjodeln cool finde. :lache


    Bitte nicht in dieses Buch beissen! Es ist trocken, schmeckt pappig und liegt schwer im Magen.


    Dafür liest es sich umso besser.
    Auf 100 Seiten ist hier eine Auswahl von 25 Texten verschiedener NZZ-Redaktoren aus einer Artikelserie über "Helvetische Errungenschaften" versammelt, die von 2005 bis 2007 in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen war.


    Was fällt einem Deutschen spontan als "typisch Schweizerisch" ein?
    Berge, Kühe, Käse, Schokolade und Banken?
    Fleiss, Sturheit, Pünktlichkeit, Renitenz und Sonderstatus?
    Wilhelm Tell, Ferdinand Hodler, Gottfried Keller, Max Frisch und DJ Bobo?
    Oder doch der Ricola-Werbespot im TV:
    "Wer hat's erfunden?"
    "Die Schweizer."


    Paul Schneeberger jedenfalls, der Herausgeber des Buchs, ist sich sicher, besonders in den Erfindungen und Errungenschaften eines Landes drücke sich dessen Mentalität aus. Typisch Schweiz: Qualität, Einfallsreichtum, Ordnungsliebe und Perfektionismus.
    Die erste Präzisionsuhr auf dem Mond - eine eidgenössische Entwicklung. Ebenso der Robidog Hundekot-Behälter, der von Ordnungssinn und einem äusserst pragmatischen Umgang auch mit anrüchigen Bedürfnissen zeugt, das "Mobility Car Sharing"-System, das wohl nur in der Schweiz so funktioniert, weil die Schweizer so funktionieren, oder der Modellbaubogen, der Heimatkunde mit handwerklichem Geschick in bester Pestalozzischer pädagogischer Tradition verbindet.
    Aber auch für das World Wide Web, zu dem im Kernforschungszentrum Cern die Grundlagen gelegt wurden. Auch das scheint charakteristisch für die Schweizer Mentalität: offen, demokratisch, freigeistig und zukunftsorientiert.


    Zu jedem der in diesem Buch vorgestellten 25 helvetischen Gegenstände gibt es eine kleine Geschichte zu lesen, in der man viel Wissenswertes über Historie und Hintergründe erfährt, das auch Schweizer überraschen dürfte. Aber auch viel aus der eigenen Kindheit Vertrautes, das nostalgische Gefühle aufkommen lässt.
    Für deutsche Leser, die neugierig sind, die Schweiz mit ihren Eigenarten jenseits der bekannten Klischees ein bisschen besser kennen zu lernen, ist das Buch eine Fundgrube. Viele der beschriebenen Erfindungen und Marken sind in der Schweiz nämlich so allgegenwärtig wie im Rest der Welt unbekannt.


    Jeder Schweizer kennt wahrscheinlich das Brettspiel "Eile mit Weile", das in der deutschen Version "Mensch ärgere dich nicht" heisst. Kann man aus dem Namen auf die Mentalität der jeweiligen Spieler schliessen? Auch wenn die deutsche Version, wie wir in dem Buch lernen, geradliniger ist und ohne allzu viele taktische Finessen auskommt, die Schadenfreude scheint den Spielern beider Nationen gemein.
    Und wusstet ihr, dass das Spiel ursprünglich aus Indien stammt?
    Wie die meisten der in dem Buch beschriebenen Helvetischen Errungenschaften ist es keine genuin Schweizer Erfindung. Viele haben durchaus ausländische Vorläufer, Äquivalente oder Weiterentwicklungen – der beste Beweis dafür, dass menschlicher Erfindungsreichtum grenzenlos ist.


    (Das Buch sieht übrigens wirklch genau so aus wie auf dem Bild oben, sogar die Löcher im Keks sind fühlbar eingeprägt. Und auch sonst ist es grafisch wunderschön gemacht.)
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