Beiträge von Joan Weng

    P.s.: ich will damit nicht sagen, dass du das Buch nicht verstehst und deshalb den Stil nicht magst ;) Es ist einfach Geschmacksache und selbst wenn man die Art - wie ich - grundsätzlich mag, kann das einfach manchmal nix sein. Nur falls ich mich dumm ausgedrückt hab ;)

    Das sag ich meiner Freundin gerad so, die ist da nicht so entspannt. In Noble Gesellschaft - dem zweiten Band - stirbt eine ihrer Lieblingsfiguren, da hat sie mich sehr erbost angerufen und mir dann eine Liste gemacht: diese Figuren dürfen sterben, diese Figuren nicht ;-)


    Danke :-] Obwohl ich natürlich am liebsten pausenlos hör, wie großartig mein Buch ist, ist das ja nicht Sinn einer Leserunde, da soll ja diskutiert werden. Das macht es doch interessant und bereichert einen auch, aber ich hab natürlich trotzdem vorher ein bisschen Angst gehabt ;) besonders weil mein armes Buch einige Kritiken von Leuten bekommen hat, die ganz offensichtlich einfach nicht wussten, was ich da mach. Sowas ist dann ärgerlich. Oder wenn man seit 6 Jahren über eine Zeit arbeitet und dann der Vorwurf laut wird, man hätte nicht genug recherchiert, das wäre bei Goga ganz anders ... Da tret ich zugegebener Maßen schon mal gegen den Wandschrank ;)


    Ich hätte bis vor Kurzem gesagt, dass ich es grundsätzlich gut finde, wenn ein Roman oder eine Erzählung streng im perspektivischen Bewusstseinsfluss geschrieben ist, aber neulich hab ich von Oats ihre Adaption der Dame mit dem Hündchen gelesen. Auweia, vermutlich war ich zu dumm, aber ich hab's halt Null verstanden :help

    Findus , das freut mich arg, wenn Feine Leute dich am Ende doch überzeugen konnte :-] :-]


    Bernice tut mir persönlich auch sehr leid,ich mochte die gern, die hätte ein besseres Leben verdient gehabt. Aber weil ich sie so gern möchte - und meine beste Freundin mir damit in den Ohren lag ;) - hat sie in einem anderen, etwas früher spielenden Roman einen kleinen Gastauftritt bekommen. Sie ist also nicht komplett verschwunden :knuddel1

    :-] wie toll, dass es dir gefällt :-] das verschönt mir einen ziemlich nassen Tag hier :-] nur Gereon Rath hat leider keinen Auftritt, obwohl ich ja sonst schon mal gern anderleut Romanfiguren als Nebencharakter auftreten lasse ;) Vielleicht wenn Carl und Paul mal im Jahr 29 oder später ermitteln, ich Versuch nämlich immer, dass das Auftreten sich mit der vom Autor gegebenen Biographie deckt - wobei ich bei Claudio Pauls einfach davon ausgegangen bin, dass der sicher auch in Berlin gedreht hat und dass die Hagenströms inzwischen eine AG sind, dass ist doch plausibel ;)

    Büchersally , ein bisschen was von beidem ;-) ich bin im Rahmen der Recherche mal in einem Artikel über was vollkommen anderes darauf gestoßen, dass es in Berlin Anfang der Zwanziger Jahre eine Einbruchsserie gab, bei der nur präparierte Jagdtrophäen gestohlen wurden - unter anderem ein Krokodil und eben ein Nilpferd. Da ging bei mir das Kopfkino los, wie stiehlt man ein ausgestopftes Nilpferd? Man kann es ja kaum in die Jackentasche stecken... Leider stand da nur noch, dass der Täter gefasst wurde und ich hab sonst nie wieder was über diese Einbrüche gefunden. :gruebel

    Zitat

    Original von Toebi



    Gelacht habe ich auf S. 30, als von der rothaarigen die Redevwar. Genau in dem Moment setzt sich erine gefärbte knallrothaarige mir gegenüber, dazu knallrotes Shirt und knallrote Hose. Ich musste an mich halten, um sie nicht zu extrem anzustarren.


    :lache , das ist echt stark :grin

    Mir ist gerade noch eine ziemlich aussagekräftige Anekdote eingefallen, aber fragt mich nicht, wo ich die gelesen hab - vermutlich bei Roth oder Kisch oder Hessel. Jedenfalls spricht da der berichtende Journalist mit einem Schupo und der fragt ihn, ob er mal was Lustiges sehen will und am nächsten Morgen nimmt der ihn dann mit zu einem Transvestiten-Club, da warten sie ein paar Minuten etwas versteckt auf der Straße m und plötzlich stürmt ein Transvestit raus, über die Straße und zum dortigen Friseur. Rasieren, wie der Schupo dem Journalisten lachend erzählt, weil die konnten die ganze Nacht nicht aus dem Club, weil er davor stand, um sie ein bisschen zu foppen.


    Das ganze wird im Ton einer amüsanten kleinen Begebenheit erzählt, also weder anklagend gegen den Schupo noch gegen den Transvestiten. Ich glaub, das trifft den Berliner Umgang damit ganz gut.

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    Original von PMelittaM



    Hu, da hatte ich ja gar nicht so unrecht, Gottlieb hat wirklich seinen "Mord" selbst inszeniert um sich zu rächen, nicht nur an Frau und Nebenbuhler sondern auch an seinem Bruder und an Buchholz. Ziemlich fies!


    Und mit dieser Einschätzung bist du echt richtig gut gewesen und auch ziemlich allein, der Einzige - zumindest aus meinem Freundeskreis der draufkam- promoviert über Suizid bei Sterbenskranken und hatte von daher natürlich einen ziemlichen Vorteil ...


    Das Baby Bert Pix Bruder ist wird so nicht ausdrücklich gesagt, nur Kapp erwähnt mal, dass Pix einen vorbestraften Bruder hat ;)


    Ich freu mich wirklich, wirklich riesig, dass dir das Buch gefallen hat :-] :-] :-]

    Der Papa hat ihn schon wieder zum Schlafen gebracht ;) Also zum rechtlichen Aspekt, der war in den Zwanzigern ein bisschen komplexer. Prinzipiell galt, wo kein Kläger da kein Richter, so dass man in der künstlerszene beispielsweise recht offen damit umging. Zum Beispiel über Gründgens hieß es im Volksmund: Die Gründgens, die Gründgens, die haben keine Kindgens und das hat seine Gründgens...


    Lesbische Liebe galt in Berlin teilweise sogar als absolut top ;), zumal in Berlin ja eh alles primär mal toleriert wurde, von HOmosexuellen Bars, Clubs mit als Frau verkleideten Männern, und, und, und... 27 wurde sogar über eine gesetzeslockerung debattiert und umgangssprachlich hieß es "...bevor das und das passiert, tritt Hindenburg mit Gummibusen und Perücke als chanteuse auf."


    Gleichzeitig gab es aber nach den Haarmann- Morden 1924 ( einer Reihe von homosexuellen Sexualmorden) gerade in der einfachen Bevölkerung eine verstärkte Ablehnung und Homophobie, die zu einem sprunghaften Anstieg der Aburteilungen führte und auch zu einem Gesetzesreformentwurf, der den Paragraph 175 sogar noch verschärfen sollte. Der scheiterte allerdings schließlich am Widerstand der Linken.


    Ich hoffe, das macht dieses seltsame Umgehen mit dem Paragraph damals etwas klarer.

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    Original von binchen



    Die Bedrohung durch den §175 wird hier in Berlin ja wohl fast aufgehoben - ist das wirklich so plausibel? Immer die Bedrohung - ... das kann sich ja auch schnell ändern, wie man ein paar Jahre später so merkt ...


    Das ist eine wirklich Gute Frage, die mich selbst auch lange beschäftigt hat und immer noch beschäftigt. Für Paul gilt natürlich, dass 175 für ihn doppelt bedrohlich ist 1) weil es ein Verbrechen ist dagegen zu verstoßen und 2) weil er Polizist ist und Polizisten natürlich besonders männlich zu sein haben. Das ist ja noch heute ein echtes Problem - schwule Polizisten gibt's ja bekanntlich genauso wenig wie schwule Fußballstars oder schwule Offiziere... Für Künstler gelten da andere Regeln - ist ja auch heute noch so, deshalb kann Viktor Klingenberg relativ entspannt an die Sache rangehen (was die soziale Komponente angeht), während Paul sich ja gern Kapp gegenüber als "ganzer Mann" präsentiert, um nur jeden Zweifel gleich im Keim zu ersticken und ja auch als Freiteitsport die Männerkategorie Boxen gewählt hat ( gut, war damals auch in Mode, aber trotzdem ;))


    Das mal zur sozialen Komponente, die rechtliche war eine andere, die kommt gleich. Ich muss kurz mal nach dem Kleinen schauen, der schimpft ;)

    Mir persönlich gefällt einfach immer wider die Ironie dahinter - Paul kriegt es nicht mal fertig, sich zu entschuldigen oder gar einen Fehler einzugestehen und das ist dann Berlins mutigster Kommissar... :rolleyes gut, dass es in der Zeitung steht, sonst würd man es nicht merken ;)

    Lumos : :-] Danke für das Kompliment hinsichtlich meiner Eloquenz :-] Du hast natürlich recht, das Umgangssprachliche ist gewissermaßen tiefgestapelt, genau wie die vielen danns und die Ausdrücke. Aber ich bin nun mal ein Anhänger des streng perspektivischen Schreibens und deshalb bedingt für mich immer der Inhalt und der Erzähler der jeweiligen Szene die Form. Wenn du darauf achtest, wirst du sehen in einer Urte Szene gibt es beispielsweise weder Ausdrücke, noch gehäufte danns, erzählen aber Pix oder Greta, ist die Sache eine andere. Du musst auch einmal ansehen, bei welcher Figur welche Worte benutzt werden, "sagenhaft top" ist zum Beispiel bei Urte nicht zu finden.


    Die danns treten anderseits auf, wenn die erzählende Person gerade in diesem Moment etwas erlebt, eine geschliffene Erzählweise Würde in diesem Fall für mich aus der Perspektive fallen. Zumindest geht es mir persönlich so, dass ich, wenn ich sehr schnell etwas erzählen will, sehr viele danns vewende ;)


    Aber unter uns, ich persönlich finde Leute, die ständig Schimpfworte verwenden grauenhaft, aber naja, es ist eben die Art wie solche Menschen in meine Vorstellung, die Welt erleben und für sich kommentieren.

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    Original von Findus


    Wobei Bernice ja eher wirklich zu den feinen Leuten gehörte. Schade, dass sie daran glauben musste.


    Das fand meine beste Freundin auch ;-) Sie hat sogar versucht, mich mit Sekt in unserem Lieblingsrestaurant zu bestechen. Sie fand, dass Bernice auferstehen sollte und Ferry Wolfsburg gleich mit und dann sollten sie glücklich bis an ihr Lebensende werden ;-)
    Naja, lies mal weiter - vielleicht bin ich ja drauf eingegangen...

    Das mit dem "ganz nah" und auch "eine sehr anständige Familie" sind glaub einfach so ostpreußische Allgemeinplätze gewesen - ich hab das immer wieder so oder ähnlich in Briefen aus der Zeit gelesen.


    Du muss die Beatrix Potter lesen, die Bücher sind sooooo süß! Besonders die "Geschichte mit dem Pastetenförmchen" ;)

    @ Miss Moneypenny: ich hatte ursprünglich auch eine ganz klassische Kriminalerzählung gebaut - streng nach den Regeln und ganz ohne Liebe, das wollte keiner - außer meiner Mutter- lesen ;) Daraufhin hab ich mit den Regeln des Genres gespielt und versucht, das Ganze etwas zu modernisieren. Ich hoffe, du hast trotzdem ein bisschen Spaß beim Lesen :-)

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    Original von PMelittaM
    ich mag es, dass die Geschichte quasi durch die Gedankengänge verschiedener Personen, auch z. B. eines Liftboys erzählt wird. Man bekommt so auch unverstellt die Gedanken von Menschen der damaligen Zeit mit, die nicht immer nett sind.n.


    Das freut mich arg :-) Ich habe versucht, dem Leser so ein bisschen ein Gefühl für die Mentalität der Zeit zu geben, deshalb variiert die Sprache teilweise auch so zwischen den Kapiteln. Natürlich geht das streng perspektivische Erzählen immer zu Lasten der faktischen Beschreibung - warum sollte Carl beispielsweise den Kurfürstendamm beschreiben, er sieht ihn ja jeden Tag? Eine ausführliche Beschreibung würde da leider vollkommen aus der Perspektive fallen. :-(


    Dabei langweil ich doch auf Parties so gern meine Mitmenschen mit Faktenwissen zur Weimarer Republik ;-)