Beiträge von Heidi Rehn

    Liebe Sabine,


    Carlotta wirkt sicher sehr übereifrig in ihrem Wunsch, die Verletzten beim Einmarsch verpflegen zu wollen. Aber ob sie deshalb wirklich hofft, es gäbe genug? Sie will einfach helfen und schnell zur Stelle sein. Interessant, dass sie Euch in diesem Drang s so "negativ" (also versessen auf Verletzte) erscheint.


    Alles Liebe


    Heidi

    Liebe Kirsten,


    schade, aber wenn Du keinen Spaß dran hast, solltest Du es lassen. Es gibt immer Zeiten, in denen man mit dem ein oder anderen Genre nicht so klar kommt. Ich hatte das eine ganze Weile mit Krimis - obwohl ich selbst mal welche geschrieben und auch leidenschaftlich gern gelesen habe (sonst hätte ich wohl kaum welche geschrieben :grin). Aber dann konnte ich sie einfach nicht mehr sehen. Und gerade bin ich dabei, mich wieder langsam ranzutasten.... Macht dann wieder richtig Spaß.


    Ich wünsche Dir unterhaltsame Lesestunden mit anderen Genres.
    Danke, dass Du es versucht hast. Vielleicht bis irgendwann mal.


    Ein schönes Wochenende und alles Liebe


    Heidi :wave

    Danke, liebe Dschaenna,


    eigentlich ist das alles doch sehr menschlich - und wie gut, dass wir hier einfach menschlich miteinander umgehen können. Natürlich ist es als Autorin manchmal etwas bitter, wenn Kritik geäußert wird. Und die Romane und Figuren sind eben was ganz Besonderes für mich. Nicht nur, weil es meine Arbeit ist und ich mich monatelang damit beschäftige. Irgendwie, sorry, das wird jetzt leider etwas pathetisch, aber es ist so! :-(, ist das ein ganz großes Stück von mir selbst.
    Andererseits will ich ja auch hören, wie was beim Leser rüberkommt. Und außerdem muss, wer sich nach vorn stellt und sein Werk anderen zeigt, auch mit Kritik umgehen können. Es gibt Tage, da geht das besser, und Tage, da trifft einen das auf eine ganz empfindliche Weise.
    Aber ich bin ein offener Mensch und mag es, wenn die anderen ebenso offen zu mir sind. Deshalb bin ich froh, dass wir hier dann doch die Kurve miteinander gekriegt haben und ich Eure ehrliche Meinung höre. Wäre doch fatal, wenn wir uns hier nur Honig ums Maul schmieren. Dann können wir es auch gleich sein lassen.
    Und das mit dem "Bernsteingrapschen" habe ich im Kopf. Ich gelobe Besserung... In meinen nächsten Romanen gibt es übrigens keinen Bernsteinanhänger zum Anfassen :lache


    Einen sonnigen Freitag


    Heidi :wave

    Danke, Dschaenna, dass Du die Passagen genauer schilderst, die falsche Erwartungen wecken. Da kann ich Dir nur zustimmen, es klingt alles etwas reißerischer, als es im Buch letztlich ist. Aber das rührt wirklich daher, dass der Klappentext zu einer Zeit entstanden ist, als dem Verlag nur das Exposee vorlag. Da hatte ich die Aktzente noch stärker auf Flucht sowie Verrat gesetzt. Während des Schreibens hat sich das dann alles etwas verschoben, weil ich noch sehr viel mehr und, wie ich fand, sehr spannendes Material zum Konflikt zwischen Bürger und Kurfürsten gefunden habe. So habe ich da z.B. von der List mit den Särgen gelesen, die Carlotta dann im Prolog vorschlägt, sowie eben vom Einzug der Kurfürstlichen an einem dick verschneiten Herbsttag im Kneiphof und wie sie dann den aufmüpfigen Anführer der Kneiphofer, Hieronymus Roth, verhaftet haben. Das hat bei mir sofort die entsprechenden Ereignisse, die ich dann im Roman schildere, im Kopfkino erzeugt. Da musste ich dann die Flucht etwas kürzen.


    Dass im Teaser mehr auf Magdalena eingegangen wird, obwohl sich das Gewicht im Roman mehr auf Carlotta bezieht, kommt daher, dass es ja der dritte Band der "Wundärztin"-Reihe ist. In den beiden Vorgängerbänden stand Magdalena eindeutig im Mittelpunkt und das wollte der Verlag unbedingt als Klammer haben.


    Tja, und Christoph ist wirklich unter den Tisch gefallen. Da weiß ich jetzt auch nicht so genau, warum. Vielleicht, weil der ganze Text mehr die anderen Aspekte der Geschichte aufgreift und die Liebesgeschichte mit Christoph einfach zuviel gewesen wäre.


    Das sind jetzt alles Erklärungen meinerseits. Ob sie Dir weiterhelfen, weiß ich nicht. Ich will einfach nur erzählen, wie es gewesen ist, dass der Text so aussieht. Glücklich bin ich da auch nicht, aber es ist nicht zu ändern. Leider.


    Ich hoffe, Du magst trotzdem noch ein bisschen dranbleiben!


    Viele Grüße


    Heidi :wave

    DAnke , dschaenna und Lady Tudor, für Eure ersten Einschätzungen und Anmerkungen zum Gesamten.


    Tja, ehrlich gesagt, hätte auch ich gern die ein oder andere Geschichte noch weiter erzählt. Gerade Adelaide liegt mir sehr am Herzen und wer weiß? Vielleicht gibt es mal mehr zu ihr. Andererseits finde ich es aber auch gut, dass Ihr am Ende das Gefühl habt, da wüsste ich gern noch mehr, über die Figur denke ich noch weiter nach. Ich will nicht immer alles zu Ende erzählen, dann ist es mir übererzählt.


    Dass das Ende Euch zu plötzlich und zu schnell mit der Wendung zum Guten kommt, finde ich einen wichtigen Punkt. Für mich lief die Geschichte auf dieses Ende zu. Das edngültige Ende aber sehe ich darin nicht. Das ist natürlich für Euch als Leser nicht sonderlich hilfreich, aber ich kann als Autorin nicht den Anspruch erheben, "jetzt ist alles zu Ende und damit basta". GErade die Beziehung zwischen Carlotta und Christoph hat auch für mich noch große Fragezeichen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie langfristig richtig glücklich miteinander werden. Dazu hat Carlotta zu viel Ehrgeiz und Christoph ist und bleibt ein Kindskopf. Aber für den Moment (und nichts anderes als eine Momentaufnahme kann das am Ende des Romans sein) ist es für beide ein Happyend und sie würden jedem versichern, jetzt damit glücklich zu sein.


    Bei Magdalena und Helbrecht sehe ich das ähnlich: da gibt es noch sehr viel gerade aus helmbrechts Leben, das hier noch nicht erzählt wurde und das noch erzählenswert wäre. Vorerst aber haben sie sich jetzt mal. Ob das auf Dauer ist, weiß ich auch nicht.


    Meine Figuren sind nie fertig, die entwickeln sich immer weiter. Das führt zu Widersprüchen und mitunter Missverständnissen, und in jedem Fall sollen sie am Ende noch nicht zu Ende sein. Es ist immer nur vorläufig, denn wer weiß schon, wie die Ewigkeit aussehen würde?

    Danke, dschaenna,


    ich glaube, das mit dem "negativ-Anmerken" ist uns von kleinauf eingeimpft worden. Das ist auch eigentlich kein Problem, nur wenn es sich dann ballt, wird es etwas hart.


    Umso wichtiger, dass wir das hier offen ansprechen, denn sich per Postings auszutauschen, ist ja nochmal so eine Gratwanderung, die viele Möglichkeiten für Missverständnisse birgt.


    Dass nicht alles Gold ist im Roman, ist mir natürlich klar. Oft ist es auch Geschmacksache oder abhängig von der Tagesform, wie etwas ankommt oder nicht. In jedem Fall finde ich Hinweise wie "Bernsteingrapschen", so böse es klingt, doch auch ganz hilfreich. Das merkt man beim Schreiben gar nicht so. Meist schreit dann schon die Lektorin "Halt!", aber auch sie sieht nicht alles oder empfindet manches anders als später die Leser.


    In jedem Fall helfen Leserunden mir als Autorin, die Leser besser kennenzulernen und auch zu lernen, was wie beim Leser ankommt. Deshalb finde ich sie immer sehr aufschlussreich. Nur leider bin auch ich nur ein Mensch und reagiere gelegentlich auch empfindlich, wenn mir Kritik ungerecht vorkommt. Das aber haben wir hier ja geklärt, denke ich.


    Danke Dir und Euch allen jedenfalls fürs offene Schreiben! Falsche Lobhudelei bringt mich nicht weiter.


    Gruß Heidi :wave

    Uff, die Vergleiche sind ja sehr krass: bei Heidi Kabel und Inge Meysel habe ich gleich lang vergangene Fernsehabende mit meinen Großeltern vor mir. An die habe ich beim Schreiben ganz bestimmt nicht gedacht :grin


    Zu Lina und ihrem Verhalten gegenüber Hedwig: Trotz ihres Aberglaubens und ihrer mütterlichen Art gegenüber Magdalena und Carlotta ist Hedwig im Haushalt ein richtiger "Feger", d.h. die zeigt gleich, wer das Sagen hat. Lina weiß, dass ihre Stellung im Haus erst einmal von ihr abhängt. Also fährt sie da sozusagen das Kusch-Programm und gibt erst mal lieber klein bei. Aber natürlich brökelt auch das ein bisschen....


    Gruß Heidi

    Nochmal zu den Studenten: Man darf auch nicht vergessen, dass das damals an den Unis und in den Städten weitaus "internationaler" war als heute. Da die Gelehrtensprache Latein war, konnte man viel leichter an verschiedenen Unis studieren. Die Studenten wurden dann in den "Wohnheimen" (man hatte tatsächlich eigene Unterkünfte für sie, die wohl sehr frühe Vorläufer der Wohnheime darstellen) nach "nationes", sprich: Geburts- bzw. herkunftsländern zusammengesteckt (daher kommt auch der heutige Begriff "Nation"). So haben sie sich natürlich in Gruppen fest zusammengerottet und sind als solche durch die Städte und Wirtshäuser gezogen, meist mit wenig Interesse, Leute von außen bei sich aufzunehmen oder zu ihnen Kontakt zu bekommen. Deshalb waren und blieben sie Fremdkörper. In jenerZeit waren die Studenten auch noch viel mehr auf Reisen, haben ein paar Semester hier, ein paar da studiert. So waren sie froh, in der Fremde "ihresgleichen" zu finden.

    Das mit dem Klappentext fällt mir als Leserin auch oft auf - und als Autorin weiß ich, woran es (oft) liegt: den schreiben meist die Marketingleute auf der Basis des Exposees oder dessen, was ihnen vom Lektorat knapp zusammengefasst wird. Das passiert manchmal viele Monate, bevor der Roman komplett fertig ist und da kann dann leider der Akzent (noch) auf anderen Dingen liegen als im eigentlichen Roman. Manchmal liegt es auch daran, dass die Marketingleute denken, bestimmte "Reizworte" würden eine größere Leserschaft ansprechen. Schade, aber leider ist es so.


    Ich hoffe trotzdem, Ihr findet noch rein. SChreibt mir doch einfach konkret, was Euch in dem Zusammenhang anders erscheint oder was Ihr aufgrund des Klappentextes mehr erwartet hättet. Das würde mir als Autorin sehr weiterhelfen, um das auch mal ansprechen zu können. Danke!


    Viele Grüße


    Heidi

    Stimmt, Ihr habt Recht: wenn man mit dem 3. Band einsteigt, weiß man schon, worauf manches hinausläuft. Trotzdem wird es noch einige Überraschungen geben, vor allem im ersten Band. Bei der "Wundärztin" spielt die Handlung schwerpunktmäßig in den letzten Jahren des 30jährigen Krieges, die, soweit ich das verfolgt habe, eher selten in historischen Romanen zur Zeit verarbeitet werden. Und, das war für mich ja die "Initialzündung": es geht hauptsächlich um das Leben der "einfachen" Leute im Tross, weniger um Schlachen, große Kriegshelden, ausgebuffte Taktiken etc. Nachdem ich das Tagebuch eines Söldners aus dem 30jährigen Krieg gelesen habe, war es mir sehr wichtig, diese Perspektive zu schildern. Sie ist noch absolut unberücksichtigt. Entweder geht es um die hohen Offiziere oder die Leute in den vom Kriegsgeschehen niedergebrannten Städten und Gegenden, aber nie um die Angehörigen der Soldaten im Tross, der ja eine eigene kleine Welt ist. Vor allem war mir wichtig, mit Magdalena jemanden zu schildern, der in den Krieg hineingeboren wird, dessen "Heimat" das also ist und für den Frieden ein absolut leerer Begriff ist. Woher soll sie wissen, was das ist? und wie man in Städten und bürgerlichen Gesellschaften lebt? Letzteres ist dann die Herausforderung an sie im 2. Teil, "Hexengold", der zehn Jahre nach dem Friedensschluss in Frankfurt am Main spielt und in der ersten Hälfte auf ihre Schwierigkeiten, in diesem sesshaften Leben fuß zu fassen, eingeht.


    Aber das ist jetzt eigentlich "off topic". Sorry. So ist das, wenn einem die Romane so am Herzen liegen :grin


    Einen schönen Tag Euch


    Heidi

    Der "Frosch-Reiniger" hätte einen anno 1662 sicher reich gemacht :grin Aber Lina weiß sich auch so zu helfen - und bringt es auf den Punkt: man kann nur eins haben - Geld auf der Seite oder saubere Fenster dank teurer Zitrone :grin Den Tipp habe ich übrigens aus einem alten Haushaltsbuch. Schon damals gab es solche Ratgeber :grin Lina wird ihn nicht gelesen haben, aber für mich als Autorin sind solche Quellen - da authentisch - sehr hilfreich, um das Alltagsgeschehen schildern zu können.


    Viele Grüße
    Heidi

    Liebe Juliane,


    das ging ja fix! Danke Dir fürs fleißige Lesen und Kommentieren. Auch wenn ich nicht auf jeden Beitrag einzeln eingehe, lese ich doch immer sehr gern, was Ihr so zu dem Gelesenen schreibt. Es ist sehr interessant für mich, wie das von mir Gedachte bei Euch ankommt.


    Jetzt bin ich gespannt auf Deine Rezi. Falls Du noch Fragen hast, immer gern.


    Einen entspannten Abend


    Heidi :wave

    Lina ist schon sehr vorwitzig und außerdem fühlt sie sich Carlotta mindestens gleichwertig, weil sie in etwa dasselbe Alter haben. Der Vorsprung an (Lebens-)Erfahrung füht gelegentlich dazu, dass sie sich Carlotta überlegen fühlt. So vergisst sie auch, dass sie als Magd bestimmte Dinge, wie z.B. Magdalenas Beziehung zu Helmbrecht, einfach nichts angehen.


    Viel Spaß beim Weiterlesen


    Heidi

    Ja, manche Leute sind in ihrer Eitelkeit unersättlich, wie z.B. Heydrich.
    Mathias wird Carlotta und Magdalena so schnell nicht ziehen lassen.... Und Christoph muss lernen, mit seinem Temperament besser umzugehen. Aber auch sein Vater muss noch einiges lernen....


    Gutes Weiterlesen, liebe Juliane


    Gruß Heidi :wave

    Liebe Miakäfer,


    ja, manchmal läuft man Gefahr, sich Dinge zu schön zu reden, als sie überhaupt je werden können. Und Carlotta steht da auch kurz davor, doch sie kriegt noch mal die Kurve. Freut mich zu lesen, dass die Figuren reizen, sich auf verschiedener Ebene mit ihnen auseinanderzusetzen. Genau das möchte ich erreichen.


    Mal schauen, wie Du es siehst, wenn sich die Eindrücke etwas "gesetzt" haben.


    Sonnige Grüße
    Heidi