Beiträge von Heidi Rehn

    Dreamchen : Wie schön, dass Dir mein Stil gefällt und dass Du da ein "Wiedererkennen" feststellst, auch wenn zwischen "Blutige Hände" und der "Baumeisterin" nicht nur ein paar Jahre meines eigenen Schreibens, sondern auch dreihundert Jahre hinsichtlich der Handlung liegen.


    Wenzel ist in der Tat ein "engstirniger Grantler". Damit trifft Du ihn ganz gut. Aber wie immer, haben alle mindestens so ihre zwei Seiten und "niemand ist der, den man seit langem zu kennen meint" :grin


    Urban ist auch ein bisschen konflitscheu, was die Spannungen zwischen Dora und Mathilda angeht. Er könnte da gut mal mit der Faust auf den Tisch schlagen, aber Mathilda hat ihm immer alles so genau nach seinem Willen hergerichtet, dass er mit ihr keinen Streit will.....

    nicigirl85 : Freut mich natürlich riesig, dass Du "Gold und Stein" auch da liegen hast. Manches Detail mag Dir bekannt vorkommen, Du weißt dann, wie es sich hundert Jahre später damit verhalten hat. Aber ansonsten sind beide Romane, wie gesagt, in sich geschlossen. Wenn Du magst, kannst Du mir ja mal mailen, wie es Dir gefallen hat oder was Dir so aufgefallen ist. Ich freue mich immer über Feedback :-)

    SiCollier Freut mich, wenn Du dabei bleibst. Vielleicht rückt Dir die Zeit im Lauf der nächsten Kapitel noch etwas näher. Da ich mich ja sehr ausführlich damit beschäftigt habe, fehlt mir manchmal vielleicht auch einfach die Vorstellung, wie weit weg diese Zeit ist. Mir ist sie durch die intensive Recherche vielleicht schon zu vertraut....


    Also, bitte holt mich auch etwas auf den Boden zurück, wenn ich da zu sehr abschweife..... :grin


    Gutes Weiterlesen erst einmal :wave

    Bei Urban darf man auch nicht vergessen, dass er sehr viele Jahre seines Lebens als Deutschordensherr verbracht und etwas weltfremd gelebt hat, obwohl er in jungen Jahren schon Liebeserfahrungen gemacht hat :grin. Als ich mich über die Zeit und das Leben der Männer des Deutschen Ordens eingelesen habe, kam mir das so vor, als lebten die in einem riesigen "Jungs-Internat". Wie das aufbricht mit Herzog Albrecht, das kann ich im Roman nicht in dem Umfang beschreiben, wie ich es gern gewollt hätte. Das wäre vielleicht noch mal eine ganz eigene Geschichte.


    Ich finde es übrigens wichtig, dass man die Figuren erst so nach und nach kennenlernt, sonst ist ja eigentlich von Anfang an zu viel klar. Jeder sollte noch für eine Überraschung gut sein..... :grin

    Wie schade, liebe maikäfer. :-(


    Jetzt schrumpft die Runde... ich hoffe, die noch fehlenden Bücher kommen bald an.


    SiCollier : gustav Freytags "Ahnen" habe ich leider nie geschafft. Aber ich denke, meine Figuren im 16. Jahrhundert reden auch deutlich anders als die aus meinen Romanen des 19. und eben des im nächsten Jahr erscheinenden 20. Jahrhunderts. Schade, aber nicht zu ändern, wenn das bei Dir nicht so rüberkommt. Da hat wohl jeder auch andere Vorstellungen. Ich hoffe, du bleibst trotzdem dabei und gewöhnst Dich ein bisschen ein....

    Vivian : Danke erst mal wegen der "Tafelrundenszene". Dass sie Dir gefällt, freut mich ganz besonders, denn sie war sehr schwer zu schreiben. Wenn so viele handelnden Personen in einer Szene zusammen sieht, muss man höllisch aufpassen. Ich hatte da auch einen Plan neben mir liegen, auf dem neben der Sitzordnung immer auch die Hauptcharakteristka der Figuren skizziert war. Denn selbst als Autorin vergisst man schon mal die Augenfarbe oder den besonderen Tick, den man einer Figur als Wiedererkennungsert zugeordnet hat. :grin


    Urban ist in Sachen Dora und Veit tatsächlich sehr blind und naiv. Aber das "Veit"-Gestöhne hat er vielleicht gar nicht so wörtlich verstanden. Er will Dora gegenüber stets beherrscht bleiben, selbst in Momenten größter Lust. Wenn er sich da mal vergisst, kann er sich das hintrerher selbst kaum verzeihen. Das nur als weiterer Gedanke zu dem "Fauxpas", der ihn für eine Weile aus dem gemeinsamen Schlafzimmer vertreibt.


    Tja, und Mathilda ist in der Tat eine scharfe Beobachterin. Sie hat da so einiges aufgeschnappt, während alle da saßen, aßen und über das Bauen redeten..... :lache

    SiCollier . Kein Problem. solche Internetaussetzer hatte ich auch letztens - ausgerechnet in der Schlussphase eines Manuskripts, als ich zwischendrin auch mal nur eben schnell noch was nachschauen wollte. Ärgerlich!


    Zur Sprache/ den Fachausdrücken nochmal: es ist so wahnsinnig schwer, bei historischen Romanen die richtige Atmopshäre entstehen zu lassen. Ich will eben doch so ein bisschen was mitgeben von dem, was damals so los war. Keiner von uns war natürlich jemals in der Vergangenheit, hat die Leute reden hören etc. Insofern ist das - selbst bei den ausgewiesendsten Experten - letztlich doch immer eine Vermutung. Aber ich finde, man kann so ein bisschen Stimmung hervorrufen, indem man z.B. bei der Ausdrucksweise zu moderne Formulierungen und Begriffe vermeidet. Mir ist das bei meiner Buchpremiere letzte Woche selber aufgefallen, wie sehr sich der Stil der "Liebe der Baumeisterin" auch in den beschreibenden Passagen von dem unterscheidet, was ich jetzt gerade ganz aktuell zu Ende geschrieben habe. Das ist ein Roman, der Anfang des 20. Jahrhunderts spielt und da habe ich ganz automatisch anders formuliert.


    Aber sorry, das nur so am Rande, weil mir das schon wichtig ist, dass man meine Romane versteht und hoffentlich irgendwie reinkommt.


    Zu den "drei Städten Königsbergs": Königsberg ist erst ab 1704 wirklich eine geschlossene Stadt. Zuvor zählten tatsächlich drei völlig eigenständige Städte dazu, die eng nebeneinander binnen hundert Jahren gegründet wurden: die älteste ist die "Altstadt" um die frühere Ordensburg, jetziges Schloss Königsberg. Direkt daran schließt im Osten der "Löbenicht" an, der ca. 50 Jahre später gegründet wurde. Interessanterweise haben sich dort v.a. Handwerker und Bierbrauer angesiedelt. Die jüngste der drei Städte ist der "Kneiphof", der auf der Insel zwischen Altem und Neuem Pregel liegt und von daher räumlich am eingeschränktesten ist. Dort wurde der Dom errichtet und eben auch die Universität, die nach Herzog Albrecht (dem Gründer) benannte Albertina. Hier haben sich dann auch vor allem Gelehrte, Kleriker und ganz reiche Kaufleute angesiedelt.
    Erst 1704 haben sich die Städte, die eigentlich von Anfang an eng zusammenhingen, offiziell zu einer Stadt Königsberg vereinigt.

    streifi : Ja, stimmt. Dora könnte in Bezug auf Haushaltssachen aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen etwas forscher sein. Aber letztlich interessiert sie das alles nicht sonderlich. Sie ist brennend an allem interessiert, was das Bauen anbetrifft. Und Urban lässt ihr da freie Hand, was ihre Neigung befördert. Zudem ist der Haushalt in Urbans Haus absolut Mathildas Revier, in das sie sich ungern reinreden lässt. Das fördert Doras "Trägheit" in diesem Bereich etwas.


    Urbans Entscheidung, Dora so eng ausgerechnet mit Veit zusammenarbeiten zu lassen, entspricht ein wenig seiner einseitigen Wahrnehmung. Er ist in dieser Hinsicht ein wenig "weltfremd", weil es für ihn einfach unvorstellbar ist, dass sich Dora für Veit mehr als nur freundschaftlich interessieren könnte. Außerdem will er unbedingt Doras Talent fördern, auch als Protest gegen seinen Schwiegervater Wenzel. Deshalb sieht er in Veit vor allem jemandem, der Dora da noch einiges beibringen könnte.

    @Nachtgedanke: oh, ich fürchte, Bücher müssen als sehr gefährlich gelten :lache. Wer liest denn heute noch welche aus Papier? :grin


    Zu Polyphemus habe ich oben schon einiges gesagt.
    Es ist sehr spannend für mich, was ihr euch zu den einzelnen Figuren und ihren Beziehungen überlegt. Tja, da gibt es einige Querverbindungen....


    Nürnberg war damals wirklich eine sehr führende Stadt in Sachen Wirtschaft und Kunst. Die Welt war auch damals schon erstaunlich klein. Die Handelsbeziehungen und die vielen Reisen nahezu immer derselben Personen (andere konnten sich das nicht leisten), haben sehr leicht dazu geführt, dass man über viele hundert Kilometer hinweg wieder auf einen Bekanntenkreis stieß. Da wird sich im Lauf der Geschichte noch einiges weitere auch mit Nürnberg und Krakau auftun, die auch in sehr enger Verbindung standen.

    Der Bibliothekar Polyphemus ist übrigens eine historisch belegte Figur. Ich bin in zwei, drei Quellen auf ihn gestoßen, habe ihn dann gegoogelt und daraus ist dann die Figur entstanden, wie ich sie im Roman schildere. Er war wohl tatsächlich etwas zwielichtig, die einen schildern ihn als sehr gelehrten, angesehenen Mann, die anderen beklagen seine Geschwätzigkeit, die wohl mitunter auch etwas boshaft war. Das aber konnte ich mir so gar nicht vorstellen, deshalb habe ich ihn dann witzig und liebenswert gemacht. Sein Äußeres musste ich mir komplett ausdenken, das war nirgendwo beschrieben. Aber irgendwie hat man bei einem Bibliothekar des 16. Jahrhunderts auch gleich so ein gewisses (Klischee-)Bild vor Augen....

    SiCollier : tut mir leid, wenn Du Dich durch die Fachausdrücke im Lesefluss gestört fühlst, aber in einem solchen Buch geht es leider nicht ohne. Ich kann kein Gefühl für die Zeit geben, wenn ich die Kleidungsstücke, Details der Architektur o.ä. nicht korrekt bezeichne. Ich hoffe, dass Du Dich beim Weiterlesen daran gewöhnst. Oft erschließt sich ja Vieles aus dem Zusammenhang.
    Falls Du Fragen hast, wenn Du etwas nicht im Glossar findest oder Dir ein Begriff nicht klar ist, bitte gib mir Bescheid. Ich versuche gern, Dir das alles zu erläutern.

    "Gold und Stein" ist nur sehr locker eine Art "Vorgängerbuch", in dem die Geschichte von Urahn Laurenz Selege (der mit dem Werkmeisterbuch) und seiner Gemahlin Agnes (die mit dem Haushaltsbüchlein und dem Bierrezept) erzählt wird.
    Die Handlung ist völlig abgeschlossen, es gibt nur diese Traditon des Bauens und Brauens in der Familie. :grin

    Stimmt, das Buch ist recht dick und schwer geworden. Wenn man so am Laptop schreibt, erlebt man dann als Autor bei Erhalt der Belege seine Überraschung :grin


    Ihr seid ja richtige Detektive, was eure Vermutungen angehen zu Urban, Dora und Gret. Ich bin gespannt, wie sich eure Gedanken weiter entwickeln. Jedenfalls schön, dass da gleich eure Phantasie loslegt. Genau das will ich doch erreichen :grin

    Oh, da kommt ja schon einiges zu den Figuren, was ich äußerst interessant finde. Doras Traum von Veit bringt sie reichlich durcheinander, weil sie ja gewisse Ähnlichkeiten mit Urban entdeckt und versucht, sich einzureden, es handele sich um ihn in jungen Jahren. Aber dann fällt ihr das mit der Augenfarbe auf.... Sie neigt etwas zum Aberglauben, was damals ja sehr üblich war. Und so ein Traum von einem jüngeren Mann hat ja etwas für eine Frau ihres Alters :grin


    Ihre verschiedenfarbigen Augen galten damals durchaus als etwas sehr Auffälliges. Die Hexenverfolgung wegen solcher Merkmale setzte etwas später ein und "dort oben" in Ostpreußen war das meines Wissens nicht so extrem ausgeprägt wie in Süddeutschland. Da gab es große regionale Unterschiede, was natürlich auch mit der konfessionellen Situation zusammenhing: Der ehemalige Ordensstaat ist 1525 nach Albrechts Übertritt zum Protestantismus komplett konvertiert, lediglich die polnische und litauische Bevölkerung (eine Minderheit) blieb katholisch, Albrecht hat sich ihnen gegenüber allerdings als sehr tolerant erwiesen und z.B. den Druck ihrer Gebets- und Glaubensbücher ebenso gefördert wie den der Protestanten. So gab es dort eigentlich wenig religiös bedingte Konflikte, was wiederum der Hexenverfolgung den Boden entzog.


    Ups. ich merke gerade, dass ich da etwas abschweife. Aber so ein bisschen passt das auch rein, um euch die Atmosphäre da oben näher zu bringen, oder?


    Vielen Dank für euer Feedback1 Ich freue mich sehr, wenn ihr so gut reingefunden habt in Figuren, Handlung und Setting.


    Fröhliches Weiterlesen :wave

    Oh, eine knifflige Frage! Pauschal kann man das nicht so eindeutig sagen. Meines Wissens war es vor allem in höheren Schichten (Adelige) bis in die Neuzeit und dann wieder im 17./18. Jahrhundert üblich, dass man beim Beischlaf im Hemd blieb. Ärmere Schichten hatten dagegen meist nur das an Kleidung, was sie am Leibe trugen, zumeist gehörte dazu nicht unbedingt ein Unterhemd.


    Urban und Dora gehören eindeutig zur höherrangigen Bürgerschicht und wir befinden uns Mitte des 16. Jahrhunderts. Da war es offiziell zwar üblich, sich nicht nackt voreinander zu zeigen, aber im Dunkeln können sie sich durchaus nackt nebeneinander gelegt haben.


    Letztlich ist das eine Vermutung von mir, weil ich da leider auch keine eindeutige Quelle gefunden habe, die das eindeutig beschreibt. Und da es ein Roman ist, habe ich mir erlaubt, das hier einfach nach meinem Gefühl, wie ich das für meine Figuren für richtig halte, zu beschreiben.


    Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage einigermaßen.


    Gutes Weiterlesen!