Richie
: Wie schön, dass Dir das Glossar weiterhilft. So sollte es eigentlich auch sein, denn leider lässt es sich in solchen Romanen nicht vermeiden, ungewöhnliche oder unbekannte Begriffe zu verwenden. Natürlich stört das Nachschlagen den Lesefluss, aber Fußnoten auf der Seite wären wohl leider auch keine gute Lösung....
Die Frage, was Frauen damals durften oder nicht, wie selbständig sie waren oder nicht, ist ein schier unerschöpfliches Streitthema. Wenn man die Zeiten mit berücksichtigt, in denen bestimmte historische Romane auf eine bestimmte Art und Weise geschrieben werden, erfährt man oft mehr über die Zeit, in der diese Romane geschrieben und gelesen werden als über die Vergangenheit. Denn jede Zeit geht mit ihrer eigenen Brille auf der Nase daran, in die Vergangenheit zurückzuschauen. Insofern kann ich den immer wieder erhobenen Vorwurf, man würde da heute den Frauen zu viel Freiheit und Selbständigkeit zugestehen, sehr gut nachvollziehen. Aber andererseits: wer kann wirklich ganz objektiv in die Vergangenheit zurückgehen und dann hinterher 100% objektiv berichten, wie was gewesen ist? Wir messen das immer mit unserem eigenen Wertsystem und neigen dazu, etwas hineinzuinterpretieren, was in der ein oder anderen Richtung nciht so gewesen ist.
Mittlerweile weiß man aus der Erforschung des Alltags, dass Frauen durchaus selbständiger agiert haben, als das lange Zeit kolportiert wurde. Eigenständige Reisen von Frauen - gerade in begleiteten Kaufmannszügen - sind durchaus möglich gewesen. Aber ob wir mit unseren heutigen Begriffen von Selbständigkeit da weit kommen, weiß ich nicht.
Ich schreibe, wie gesagt, Romane und bemühe mich darin um größtmögliche Authenzität. Allerdings will ich auch Geschichten erzählen, mit denen meine Leser etwas anfangen können und die nicht im Abwägen von historischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten ersticken, noch dazu, wo niemand genau sagen kann, wie es wirklich war. Insofern, das gebe ich zu, sind meine Romane wirklich reine Fiktion. Aber bei welchem - gerade historischen - Roman wäre das nicht so?
Einer meiner Lieblingsautoren, Gert Hofmann, hat mal den klugen Satz gesagt "Nicht schreiben, wie es war, sondern schreiben, wie es gewesen sein könnte". Genau das versuche ich.