Beiträge von Heidi Rehn

    nicigirl85 : Ich gebe zu, dass ich mich manchmal etwas in den Beschreibungen verliere.... Das ist so ein Steckenpferd von mir, aber andererseits schildere ich eben auch gern genau, wo sich meine Figuren aufhalten.


    Zu Polyphemus: er tauchte ja schon einige Kapitel vorher auf, als Gret zum ersten Mal allein durch die Stadt ging. Von daher fand ich ihn eigentlich gut eingeführt.

    saphiria : Du hast das sehr treffend formuliert: Dora liebt Urban, findet aber nicht die 100% Erfüllung darin :grin


    Die Renata-Episode nach dem Brand basiert ja teilweise auf Berichten aus der Chronik, ich habe es nur noch etwas weiter ausgemalt (was im Roman ja durchaus angebracht ist :grin). Nach allem, was passiert ist, kann man sich sehr gut vorstellen, wie aufgeheizt die Stimmung war und wie leicht da etwas sehr Schlimmes hätte passieren können. Gerade damals war so ein Brand ja wirklich verheerend.

    Renata ist trotz aller Verrücktheit für Dora eine zweite Mutter und die kann sie einfach nicht im Stich lassen. Außerdem hat Dora eigentlich keine Angst vor Mathilda. Sie geht der Konfrontation meist aus dem Weg, weil sie weiß, dass es zum einen wenig bringt und zum anderen auch Ärger mit Urban bedeuten würde, den man vermeiden kann.


    Und Veit ist natürlich noch eine ganz eigene Kategorie.... Zum einen sehr von sich und seinem Können eingenommen, dann aber auch ganz begeistert, weil er mit Dora über seine Theorie zur Baukunst reden kann und ihm dabei ein wenig die Gäule durchgehen.....

    Richie : auch Dir ein dickes Dankeschön fürs fleißige Lesen und Kommentieren. Mir hat es auch sehr viel Spaß gemacht, Deine Anmerkungen - und die der anderen - zu lesen. So bin ich auch auf manches gestoßen, was ich vielleicht anders hätte machen können oder was ich selbst einfach für zu selbstverständlich erachtet habe. Daraus kann ich doch in jedem Fall was machen. "Again what learnt", wie es so schön heißt :lache

    streifi : Danke Dir, fürs aufmerksame Lesen, kritische und vor allem so ausführliche Posten. Ich finde es einfach klasse, wie viel Mühe Du und die anderen euch macht. Und ich selbst kann doch nur davon profitieren, aber das hatten wir ja schon :grin


    Es freut mich, dass Du im zweiten Teil besser mit Figuren, Handlung etc. klargekommen bist, sogar so gut, dass Du so rasant zu Ende gelesen hast. Das freut mich!


    Mit den Zwillingen spiele ich nochmal auf die Urahnen in "Gold und Stein" an. Im Mittelalter war es in manchen Regionen üblich, Zwillingsgeburten als Beweis der Untreue der Frau anzusehen, vor allem bei zweieiigen Zwillingen. Man ging davon aus, dass die Frau zweimal kurz hintereinander mit verschiedenen Männern geschlafen haben musste. Im besten Fall nahm die Hebamme eines der Kinder und gab es einer anderen Frau, es gab aber auch Fälle, in dem eines der Kinder getötet wurde. In jedem Fall versuchten Hebamme und Mutter die vermeintliche Schande zu kaschieren und vor dem Ehemann zu verbergen (der hätte ja sonst auch die Frau des Ehebruchs bezichtigen und entsprechend bestrafen lassen können).


    Also insofern ein Hoch auf die heutige Zeit!


    Allerdings hat man z.B. in England und anderen Gegenden Zwillingsgeburten nicht negativ angesehen. In manchen Gegenden - vor allem in der antiken Welt - galten sie wiederum als besonderen Beweis göttlichter Huld, die eben doppeltes Glück bescherte.

    Dreamchen : "Niemand ist der, den man schon lange zu kennen meint" - einer meiner Lieblingssätze, die auch für Mathilda gelten. Ich finde, jeder hat eine zweite Chance verdient. Ob er/sie sie nutzt, liegt natürlich im eigenen Ermessen, aber ich finde das immer spannend, die Figuren da offen zu lassen und auf die Probe zu stellen... Letztlich sind sie mir alle ans Herz gewachsen und manchmal die "Bösen" auch ein klein wenig mehr, weshalb sie sich durchaus nochmal besinnen dürfen..... :grin

    Ich werde mir in jedem Fall abspeichern, dass manche Infos - wie z.B. das weitere Geschehen mit der Baustelle - doch zumindest mal erwähnt werden müssen, auch wenn sie mir als Autorin für die weitere Handlung nicht relevant erscheinen, aber für euch Leser ist die Info doch wichtig.


    Dora beschließt die Reise in Gesellschaft der ihr wohl bekannten Kaufleute und des Bibliothekars. Insofern wäre sie nicht allein unterwegs, selbst wenn Mathilda sich nicht entschlossen hätte.... also das wäre schon möglich gewesen....

    Danke, Dreamchen, für Dein Feedback. Freut mich sehr, wenn Dir mein Stil gefällt. Und Deine Gedanken zu Gret, Urban und Dora finde ich sehr interessant.


    Gret ist in der Tat dank ihrer "schwierigeren" Verhältnisse - aufgewachsen bei Onkel und Tante, nach deren Tod von der zweiten Frau des Onkels mehr oder weniger "rausgeekelt" - in mancherlei Hinsicht erwachsener als Dora. Sie musste sich einfach schon sehr früh ganz anders behaupten, noch dazu, wo der Onkel in Gasthaus führt. Aber auch Dora hat keine richtige Mutter, in der Tat fehlt ihr jemand, der sie aus Frauensicht richtig mit der Frauenrolle vertraut macht. Da ist Renata wirklich die Falsche. Dora ist trotz der vielen Unstimmigkeiten mit dem Vater letztlich doch behüteter aufgewachsen als Gret. Und durch Urban, der sie ihr Talent ausleben lässt, auch sehr verwöhnt. Und da Mathilda die Hausfrauenrolle nicht aus der Hand geben will, kann sie sich ganz auf ihr Talent konzentrieren....

    Die - möglichen und nicht möglichen - Verwandtschafts- und sonstigen Beziehungen sowie die Ähnlichkeiten, unter Umständen auch im Vergleich zu jüngeren Lebensabschnitten - sind hier ein großes Thema. Da soll so manches aufgezeigt werden, was sich die Figuren - begründet oder unbegründet - mitunter auch gern mal einreden, weil ihnen das besser passen würde oder alte Fragen klären würde oder Sehnsüchte erfüllen etc......

    SiCollier : der Hinweis auf Helene von Breuning finde ich überaus interessant. Danke! Vergleiche mit anderen Zeiten oder anderen Gepflogenheiten finde ich immer sehr anregender, denn nichts ist schwieriger, als wirklich eindeutige Aussagen über die Vergangenheit zu finden und so kann man immer nur sammeln....


    Generell finde ich es ein spannendes Thema, darüber zu diskutieren, wie viel "Wahres" in einem historischen Roman drin stecken kann. Meiner Meinung nach verraten historische Romane - unfreiwllig - oft mehr über die Zeit, in der sie geschrieben werden, als über die Zeit, von der sie erzählen. Aber das führt hier jetzt vielleicht zu weit. Das ist ein mehr als abendfüllendes Thema... :lache

    Richie : Wie schön, dass Dir das Glossar weiterhilft. So sollte es eigentlich auch sein, denn leider lässt es sich in solchen Romanen nicht vermeiden, ungewöhnliche oder unbekannte Begriffe zu verwenden. Natürlich stört das Nachschlagen den Lesefluss, aber Fußnoten auf der Seite wären wohl leider auch keine gute Lösung....


    Die Frage, was Frauen damals durften oder nicht, wie selbständig sie waren oder nicht, ist ein schier unerschöpfliches Streitthema. Wenn man die Zeiten mit berücksichtigt, in denen bestimmte historische Romane auf eine bestimmte Art und Weise geschrieben werden, erfährt man oft mehr über die Zeit, in der diese Romane geschrieben und gelesen werden als über die Vergangenheit. Denn jede Zeit geht mit ihrer eigenen Brille auf der Nase daran, in die Vergangenheit zurückzuschauen. Insofern kann ich den immer wieder erhobenen Vorwurf, man würde da heute den Frauen zu viel Freiheit und Selbständigkeit zugestehen, sehr gut nachvollziehen. Aber andererseits: wer kann wirklich ganz objektiv in die Vergangenheit zurückgehen und dann hinterher 100% objektiv berichten, wie was gewesen ist? Wir messen das immer mit unserem eigenen Wertsystem und neigen dazu, etwas hineinzuinterpretieren, was in der ein oder anderen Richtung nciht so gewesen ist.
    Mittlerweile weiß man aus der Erforschung des Alltags, dass Frauen durchaus selbständiger agiert haben, als das lange Zeit kolportiert wurde. Eigenständige Reisen von Frauen - gerade in begleiteten Kaufmannszügen - sind durchaus möglich gewesen. Aber ob wir mit unseren heutigen Begriffen von Selbständigkeit da weit kommen, weiß ich nicht.
    Ich schreibe, wie gesagt, Romane und bemühe mich darin um größtmögliche Authenzität. Allerdings will ich auch Geschichten erzählen, mit denen meine Leser etwas anfangen können und die nicht im Abwägen von historischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten ersticken, noch dazu, wo niemand genau sagen kann, wie es wirklich war. Insofern, das gebe ich zu, sind meine Romane wirklich reine Fiktion. Aber bei welchem - gerade historischen - Roman wäre das nicht so?
    Einer meiner Lieblingsautoren, Gert Hofmann, hat mal den klugen Satz gesagt "Nicht schreiben, wie es war, sondern schreiben, wie es gewesen sein könnte". Genau das versuche ich.

    SiCollier : "Fadenheftung" habe ich deshalb erwähnt, weil es eben nicht unbedingt für alle immer klar ist, was wann zu welcher Zeit üblich ist. Da finde ich so eine Bemerkung gelegentlich schon hilfreich.


    Zum Erbrecht: das ist eine sehr komplexe Sache, da damals ja kein einheitliches Reich mit einer einheitlichen Gesetzgebung bestand und man theoretisch für jede Stadt oder Gegend oder Herzogtum das im Einzelnen klären müsste. Ich hatte ja schon bei streifis Frage erwähnt, dass ich mich bei der Darstellung von Urbans Lebenslauf und Karriere am Vorbild eines um diese Zeit am herzoglichen Hof tätigen Kammerrat orientiert habe und da findet sich der Hinweis, dass seine Frau nach dessen Tod eine Art Rente aus der herzoglichen Kasse erhält sowie den vom Herzog an ihren Gemahl zu Lebzeiten überschriebenen Landbesitz. Da ich hier eine fiktive Geschichte erzähle, habe ich diese Quelle einfach übernommen und nicht - wie Historiker das in Sachbüchern tun müssen - durch weitere Quellen versucht abzusichern. Es fügt sich einfach so in meine Handlung.


    Wenzel, also Doras Vater, lebt inzwischen wieder in seinem "alten", wieder neu aufgebauten Haus mit Jörg und Gret. Es stimmt, in der Zeit war es oft üblich, dass die Väter oder älteren Brüder wieder die Vormundschaft über die junge Witwe hätten übernehmen können. Aber hier in meiner Geschichte möchte ich einfach davon ausgehen, dass Dora durch Urbans Stellung am herzoglichen Hof und die schlechte Beziehung, die sie zu ihrem Vater hat, davon verschont bleibt. Es ist für den weiteren Gang der Handlung nicht zwingend notwendig, das im Detail zu klären, und deshalb nehme ich mir diese Freiheit heraus, das nicht genauer zu thematisieren. Theoretisch könnte in einem Fall wie dem Ihren ja auch der Herzog selbst eine Art Vormundfunktion übernehmen.

    SiCollier : Stimmt. Dora hat Urban nicht freiwillig geheiratet und musste sich mit der Situation irgendwie arrangieren. GEfühle kann man halt nicht erzwingen, auch wenn man es noch so angestrengt versucht. Zumindest aber weiß sie sehr früh schon, dass sie es mit Urban weitaus besser getroffen hat, als zunächst befürchtet. Dass dann noch dieser Traum kommt und Veit auftaucht, sind Zufälle, mit denen keiner gerechnet hat....

    Brigia : ich finde es wichtig, dass die Figuren vielschichtig angelegt sind. Oft ist es so, dass sie sich beim SChreiben in eine vorher nicht absehbare Richtung entwickeln, weil sich das einfach so im Lauf der Handlung ergibt. Natürlich versuche ich, dass ihr Handeln immer nachvollziehbar bleibt. Aber manches fasst der eine so auf und der andere so und da bin ich dann oft viel zu sehr in meinem Bild, das ich mir von den Figuren gemacht habe, gefangen, um das noch richtig erklären zu können. Genau deshalb aber finde ich Leserunden so spannend, in denen ihr mir begründet, warum ihr was wie empfindet oder versteht oder eben auch nicht nachvollziehen könnt....


    Alle unter ein Dach zu bringen, fand ich einfach eine sehr herausfordernde Situation. Sowohl für die Figuren als auch für mich, denn ich musste den dadurch entstehenden Flohzirkus auch irgendwie in den Griff kriegen.... Es spitzt sich dadurch einiges zu..... :lache

    Richie : Aber so richtig 100% glücklich und zufrieden ist Dora trotz allem ja nicht.... Und dann hat sie noch diesen SChafgarbetraum, versucht sich zwar einzureden, das wäre Urban in jungen Jahren gewesen, aber als Veit dann leibhaftig vor ihr steht, muss sie wirklich heftigst mit sich ringen. Sie will ja gar nicht und es passiert auch nichts, aber trotzdem..... Ich glaube schon, dass es so etwas gibt.....