Beiträge von Heidi Rehn

    Interessant, dass euch das mit der Eoritk stört. Ich habe da wohl zu viel Schnitzler und Arnold Zweig während der Zeit des Schreibens gelesen....


    Mir ist aufgefallen, dass in der damaligen Zeit in vielen Aufzeichnungen, Schilderungen, auf Fotos etc. Erotik mitschwingt, gerade auch innerhalb desselben Geschlechts. Ebenso dreht sich in vielen Romanen aus der Zeit (z.B. Schnitzler, Arnold Zweig) vieles darum. Deshalb fand ich es wichtig, diesen Aspekt hier auch mit hereinzubringen, zeigt er doch die Doppelbödigkeit der damaligen Zeit und wie gut der Verklärungsmechanismus bis heute nachwirkt. Für den ein oder anderen Geschmack ist es zuviel, das ist immer sehr schwer zu entscheiden.

    Über Selmas Alkoholkonsum brauchst Du Dir aber nicht allzu viele Gedanken machen, lieber SiCollier . An dem Abend auf dem Merkur war er grenzwertig, aber dann bleibt er im Rahmen :grin


    Danke, Maharet , dass es Dir gefällt, wie die Infos "nebenbei" einfließen. Das ist immer das Schwerste, denn ich will ja keine historische Abhandlung schreiben. Also sollte das, was für uns absolut ungewohnt ist, absolut alltäglich klingen.... Manchmal eine ziemliche Gratwanderung, zumal man manchmal auch Gefahr läuft, unbedingt noch was unterbringen zu wollen, was man in einem der vielen, vielen Bücher NOCH gelesen hat....


    Ich finde es nach wie vor sehr interessant, wie ihr auf die Figuren reagiert und wie ihr das im Kontext des Romans ingesamt seht. Bleibt geduldig mit Selma, es gibt ja, wie gesagt, einige "Perlen" um sie herum.


    Maharet : ich werde im Verlag nachher sagen, dass ich jetzt unbedingt Metas Geschichte schreiben muss :lache Gib mir ein paar Monate bitte.... :grin

    Ja, vielleicht hätte ich das tun sollen. Ich hatte auch schon angefangen. Aber da kam ich dann gar nicht mit Selma klar. Der Abstand von 3 Tagen hat den Vorteil, dass sich das alles schon ein bisschen gesetzt hat. Heulend und verzweifelt hätte ich sie nicht zeigen wollen, eher grübelnd und sinnierend, sich selbst SChuld zuweisend, zugleich der Versuch, sich damit zu arrangieren, um weiterzuleben, schon allein des Kindes wegen. Das passt meiner Meinung nach eher zu Selma und das kommt glaubwürdiger rüber, wenn sie die Nachricht schon drei Tage lang "verdaut" hat, also schon einen Schritt weiter mit der Verarbeitung ist....

    Ich bin ziemlich froh, nicht in Selmas Haut zu stecken.... Und wie schön, wenn Du sie von Herzen hassen kannst. Ich finde, irgendwelche Gefühle müssen die Figuren wecken, positive oder negative. Wenn gar nichts beim Lesen passiert, ist was grundsätzlich schief gelaufen....

    Ja, leider ist da zum einen der Verlag, der 700 Manuskriptseiten als oberste Grenze ansieht, und zum anderen hast Du Recht Maikäfer: lieber es wird nach mehr verlangt, als das geklagt wird, dass es viel zu viel ist ;-)


    Es ist, wie gesagt, immer sehr, sehr schwer, sich zu entscheiden, worauf man verzichten kann und worauf nicht. Mir ist es wichtig, die Szenen zu schildern, in denen echt was passiert mit den Figuren, also entscheidende Wendepunkte. Genauso aber brauche ich am Anfang wiederum etwas Zeit, bis ich die nötige Staffage über Ort/Setting, Zeithintergrund und Charaktere aufgebaut habe. Da das richtige Maß zu finden, kostet viele, viele Seiten, die rausfliegen. Aber im dritten oder vierten Durchgang freue ich mich dann auch, wenn ich sehe, es wird wirklich weniger....


    Es soll umgekehrt Kollegen geben, die haben immer zu wenig und wissen nicht, wie sie mehr hinbekommen. Vielleicht sollte ich meine überzähligen Seiten mal im Netz anbieten. Bei dem ein oder anderen würde vielleicht was passen, wenn man die Namen ändert oder so :lache

    @maikäfer: ich will Dich gar nicht loswerden! Im Gegenteil. Gerade dass wir uns hier offen drüber austauschen, wie was bei wem wie ankommt, was wie empfunden oder verstanden wird etc., macht doch genau den Reiz dieser Leserunden aus. Wenn ich nur Lobhudeleien wollte, würde ich mir beim Studentenservice wohl ein paar Claqueure anmieten.... Aber bringt mich das wirklich weiter? :grin

    @Maikäfer: Ich finde es spannend zu erfahren, wie ihr auf Selma reagiert und wie sich das auf den weiteren Leseeindruck auswirkt. Wie ich schon schrieb, sind die Figuren irgendwann, wie sie sind, und da könnte ich auch nicht dran rumpolieren. Umso interessanter dann, wie es im Gesamtpaket wirkt...
    Ich fürchte auch, dass manchmal irgendwelche eigenen Erinnerungen/Erfahrungen einen da sehr beeinflussen. Mir geht das auch so, wenn ich in einer Romanfigur Ähnlichkeiten entdecke mit Menschen, die mir mal realiter begegnet sind. Aber wir sind ja alle Menschen mit subjektiven Eindrücken und das ist auch gut so. Sich darüber auszutauschen, macht mir großen Spaß. :-]

    Ich suche mir diese Zitate grundsätzlich selbst aus. Die sind kein Muss, die entspringen meinem Wunsch, diese Zitate dem Ganzen voranzustellen. Meit laufen sie mir zufällig beim Lesen oder Recherchieren über den Weg und ich habe das Gefühl, damit für mich selbst einige Überlegungen, die mir bei der Geschichte durch den Kopf gehen, auf den Punkt zu bringen.


    Als Leserin liebe ich solche Zitate sehr in anderen Büchern. Mich bringt das immer dazu, darüber nachzudenken, um was es noch in der Geschichte gehen könnte. Manchmal klingen sie weit hergeholt, das stimmt. Aber trotzdem möchte ich nicht auf sie verzichten.


    Ob andere Kollegen das auch so halten, kann ich Dir allerdings nicht sagen. :-)

    Danke Dir fürs rasante Lesen! Deine Rezi habe ich eben schon gesehen.


    Tja, es ist immer ein Abwägen, was man alles genau schildert, und was man rafft. Letztlich muss ich mich danach gehen, was für mich da entscheidend ist, auch auf die Gefahr hin, dass der eine mehr von dem, der andere mehr von jenem verlangt hätte. Manchmal aber läuft man auch Gefahr, zu viel zu erzählen. Manches sollte bewusst offen bleiben oder nur kurz angedeutet werden. Man soll auch der Phantasie noch Raum geben.

    Wie hätte ich Geros Tod Deiner Ansicht nach schildern sollen? Ich finde, jede weitere Einzelheit wäre da zu viel gewesen. Die Tatsache, dass er fortgeht, weil er weiß, dass er das "normale Dasein" jenseits der Front nicht mehr ertragen kann, weil es dieses Normale nicht mehr für ihn gibt, er an der Front aber wenigstens seine Pflicht erfüllt (für die er von Anfang an erzogen wurde), finde ich stark genug. Da kann sich jeder selbst ausmalen, was da geschehen ist.

    Hm, wie ich schon sagte, Selma gewinnt bei dir keinen Blumentopf mehr. Schade. Dabei hat sie während des Gesprächs auf dem Hof hinter der Front sowie anschließend in der Schweiz doch einige sehr wichtige Einsichten.... Bewusst lügt sie ihn wegen Robert nicht an.

    Wie schade, dass Selma es sich komplett mit ihr verdorben hat. Das schlechte Gewissen Gero gegenüber wäre doch letztlich schon ein legitimer Beweggrund, oder? Sein Ausbruch in Bonn im Januar 1917 hat einiges bei ihr in Gang gesetzt, dann die Begegnung mit seinem Ex-Geliebten in Berlin einige Wochen später.... Sie fängt an zu denken und merkt, dass da einiges anders ist, als sie bislang annahm.
    Was das "im-Stich-lassen" der Kleinen angeht: Damen aus diesen Kreisen hatten damals ein anderes Verhältnis zu ihren Kindern. Es gab immer eine Kinderfrau, die die erste Bezugsperson war. Deshalb ist frau damals weitaus eher ohne Kind gereist. Das soll sie nicht entschuldigen, nur ihr Verhalten ein wenig ins rechte Licht rücken....

    Danke für den Hinweis und das aufmerksame Lesen! Das ist in der Tat ein Fehler. Ich notiere es mir gleich und hoffe, es kann korrigiert werden.


    logan-lady : Dass Du die Geburtsszene vermisst, kann ich verstehen. Andererseits stand ich vor der schwieigern Entscheidung, was genau erzählt und was gerafft dargestellt werden muss. Da es mehrere Jahre zu überbrücken galt, musste ich mich letztlich darauf beschränken, besondere Wendepunkte herauszugreifen. Das ist etwas, was einem nie leicht fällt. Aber 700 Manuskriptseiten sind schon sehr viel. Ich habe zunächst immer weitaus mehr und muss dann sehr viel kürzen. Leider. :-(