Beiträge von Cornelia Lotter

    Es wird auch hier im Forum in letzter Zeit viel über die Chancen vom KDP diskutiert. Für Autoren, deren Werke nicht mehr vom Verlag aufgelegt werden, vergriffen sind, oder für Bücher, die nicht angenommen wurden, vielleicht auch Bücher, die nicht die richtige Länge, das richtige Thema oder was auch immer haben.


    Einige Autoren hier haben sich bereits dazu bekannt, bei Amazon im KDP zu veröffentlichen.


    Mich würden mal die Erfahrungen in Bezug auf Verkäuflichkeit interessieren. Seid ihr zufrieden? Müsst ihr viel Werbung machen oder verkaufen sich eure Bücher so "nebenbei" mit?


    Ich möchte gern im Erotik-Bereich unter Pseudonym eine Marke für anspruchsvolle erotische Literatur aufbauen und bin heute damit gestartet.


    Was sind eure Erfahrungen?


    LG Cornelia

    Auch ich kann mich noch gut an den Film erinnern, den ich damals vor Jahren im Kino gesehen habe, nachdem ich einige Zeit davor das Buch gelesen hatte. Auch ich dachte erst, na, ja, wenn das Buch schon so an die Nieren geht, wie soll ich dann erst den Film ertragen. War aber dann doch froh, dass ich ihn geschaut hatte. Trotzdem wollte ich ihn mir vor ein paar Tage im Fernsehen nicht noch einmal anschauen. Bei manchen Filmen reicht mir einmal, gerade, weil sie so tief verstören und an die Substanz gehen.


    LG Cornelia

    Gestern war ich nun auf einer Lesung mit Arno Geiger. Und ich muss sagen, das, was ich gehört habe, bestätigt all die positiven Meinungen (negative habe ich noch gar nicht über das Buch gehört), die ich hörte/las. Wobei das, was er zwischen seinen Leseabschnitten erzählt hat (es gab eine Moderatorin die Fragen stellte), war fast noch interessanter.


    Was mir etwas zu langatmig vorkam, war die ausführliche Schilderung des Lebens seines Vaters. Das war mir zu konventionell, irgendwie fast tagebuch- oder biografie-ähnlich. Da fehlte mir das Literarische.


    Am stärksten war er für mich in der Schilderung der Alltäglichkeiten, vor allem der Dialoge mit seinem Vater. Es kam da eine ungeheure Weisheit, selbst noch in der Demenz, auch ein Humor und die Fähigkeit des Alten zur selbstironischen Reflektionseines Zustands zum Ausdruck. Man muss den Alten einfach lieb haben!


    Und was mich am meisten rührte: Die Achtung, mit der Arno Geiger von seinem Vater spricht. Es ist ein Denkmal, das er ihm baut und davor habe ich größte Hochachtung.


    LG Cornelia

    Hallo Herr Palomar, das kann ich gut verstehen! Ich mag Bücher, in denen etwas passiert und auch der Stil etwas dynamischer ist. Nicht so einschläfernd. (Bin auf Arno Geiger gespannt, den werde ich mir heute anhören.)


    LG Cornelia

    Hallo nordicute04: hab ich ausprobiert, jetzt ist die Seite ganz weiß.


    Für mich nicht akzeptabel, es scheint ja irgendein Problem dahinter zu stehen und dafür war das Ding zu teuer. Wenn man bedenkt, dass ich es in der Woche, wo ich es jetzt habe, nicht länger als effektiv 5 Stunden genutzt habe.


    Hab jetzt die Rückgabe veranlasst (war bis jetzt ganz einfach, hoffe ich kriege das Geld ohne Probleme zurück).


    Wie gesagt, es gab noch andere Sachen (englische Bedienerführung und für mich etwas unglückliche Menüführung, unzureichendes Handbuch, überteuerte Preise im Store etc.)


    LG Cornelia

    Heute ist mein Kindle (nach effektiv ca. 3 Stunden Nutzzeit) komplett ausgestiegen, keine Taste ging mehr, auch die on/off-Taste und der automatische Bildschirmschoner änderten nichts daran bzw. verweigerten ihren Dienst.


    Ich werde es jetzt zurückschicken und mir mein Geld wiedergeben lassen. Ist wohl doch nicht so mein Ding.


    LG von einer enttäuschten Cornelia

    Ich komme gerade von einer Lesung der Autorin beim Tübinger Bücherfest zurück. Vor kurzem sah ich in 3sat Kulturzeit einen Rezensenten (Name ist mir leider nicht präsent, er bespricht dort aber öfter Bücher), der dieses Buch völlig verrissen hat. Das hat mich neugierig gemacht, weil ich mir gern selbst ein Urteil bilde.


    Wie Darcy schon schrieb, ist das Buch völlig aus der Erinnerung und ohne Dialoge zur Auflockerung geschrieben, am meisten hat mich das sehr oft vorkommende Wort "hatte" gestört, was der Zeitform geschuldet ist, die diese Art des Erzählens vorgibt. Der sehr gleichmäßige Erzählrhythmus lullt den Hörer (und beim Lesen scheint es ähnlich zu sein) ein, es ist nahezu einschläfernd - manche sagen meditativ - manchmal etwas langweilig, weil wenig Aufregendes passiert.


    Die drei Flugenten, die während der Lesung mit lautem Flattern im Hof des Stifts umherflogen und es sich dann auf einem alten Brunnen bequem machten, waren, ebenso wie die viertelstündlich beeindruckend klingenden Glocken des Stiftes eigentlich das Spannendste an der Lesung, wenn man auch sagen muss, dass die Autorin durchaus mit Sprache umgehen und auch lesen kann.


    Für mich kein Buch, auch keins, dass ich empfehlen würde, von der Grundstimmung her ohnehin zu depressiv für mich.


    LG Cornelia

    Auch ich hab seit ein paar Tagen einen Kindle und bin einerseits zufrieden, andererseits wird es für mich als nicht-so-gut-des-englischen-mächtig-seiende eine Herausforderung ihn zu bedienen, da ich die Menüführung nicht wirklich einleuchtend finde.


    Aber einen großen Schritt bin ich jetzt weitergekommen, indem ich mir die wunderbare Bedienungsanleitung von Matthias Matting für 99 Cent runtergeladen habe. Das Wichtigste habe ich in ein Word-Dokument auf mein Laptop während des Lesens aufgeschrieben, da kann ich schneller nachschauen, bis ich alles kann.


    M. Matting ist ein PC-Fachmann und Journalist, auch entsprechender Publikationen und er schreibt für Laien wie mich verständlich, hat viele Tipps und auch für Cracks weiterführende Ratschläge. Also ich kann sein Buch nur jedem empfehlen!


    Nebenbei bemerkt finde ich die Preise der meisten Bücher unirdisch überteuert! Matting gibt auch Links an, wo man kostenfreie ebooks downloaden kann.


    Werde wohl so oder so noch einige Stunden investieren müssen, bis mir mein Kindle unentbehrlich ist. (Heute beim Arzt, den ich überraschend einschieben musste, habe ich es schon bereut, das Ding nicht in meine Handtasche gesteckt zu haben.)


    LG Cornelia

    Diese Meinung hält sich hartnäckig, und ich habe manchmal das Gefühl, sie taugt zur Selbstberuhigung von Autoren, die bei den Verlagen kein Gehör finden. Was ich hörte, ist, dass das Lizenzgeschäft zugunsten von einheimischen Autoren zurückgeht, weil nämlich die Lizenzen einschl. der Übersetzung oftmals teurer sind, als einen neuen Autoren in D. aufzubauen.


    LG Cornelia

    Zitat

    Original von Voltaire


    Und wer entscheidet darüber was angemessen ist? Darüber kann doch nur jeder für sich selbst entscheiden. Und wenn jemand das Erlebte aufschreibt und weiter unter der Vergangenheit leidet, dann ist es mehr als vermessen ihn als "Masochist" zu bezeichnen.


    Klar entscheide das nicht ich, aber ich empfinde es so und nichts anderes wollte ich gesagt haben.


    LG Cornelia

    Zitat

    Original von Buchdoktor
    Mir fehlt bei Wawerzinek, der inzwischen längst erwachsen und selbst Vater ist, die Versöhnung mit der Vergangenheit. Dass sich jemand über Jahre mit dem Schreiben seines eigenen biografischen Romans beschäftigt, ohne dabei andere Menschen mit ihren Fehlern so zu nehmen wie sie sind, fand ich für einen Mann seines Alters enttäuschend.


    Genau das meine ich, lieber Buchdoktor, dieses so völlig unangemessene Verhalten eines Erwachsenen, der lieber in der Vergangenheit leidet, als die Gegenwart anzupacken (in der es ja Menschen gibt, die sich um ihn sorgen, die ihm gut sind, die ihn helfen können, das von ihm als Trauma Erlebte zu vergessen/verarbeiten) und die Zukunft besser zu gestalten. Vielleicht ist er auch ein Masochist?


    Und eines muss man (bzw. werde ich) natürlich auch sagen: man muss schon sehr selbstverliebt und extrem selbstbezogen sein, wenn man sein Leben bzw. das, was einem widerfahren ist, für so wichtig nimmt, dass man einen großen Teil dieses Lebens damit verbringt, noch in den letzten Winkel, die letzte Falte der ach so geschundenen Seele vorzudringen und alles bis ins Letzte für die unwissende Um(Nach)welt festzuhalten.


    Klingt vielleicht ein wenig provokativ, aber für mich haben große Stellen des Romans gerade diese Anti-Gefühle hervorgebracht. Jammern ohne Ende auf hohem literarischen Niveau. Der Welt- und Mutterschmerz wird sozusagen veredelt und salonfähig gemacht durch wohlgesetzte Worte und Metaphern. Immer noch als sehr störend empfinde ich dieses Hineingewurstele von Kinderliedversen oder Reimen oder anderen, manchmal bis zur Unerträglichkeit unpassendenden Zitaten. Das ist für mich Manierismus! Der Versuch, etwas aufzuwerten, interessanter zu machen (genau wie die manchmal doch sehr gestelzte und gekünstelte Sprache), was so und viel, viel schlimmer noch tausenden anderer Kinder widerfahren ist.


    Bei all dem berührt mich das Geschriebene, Erzählte gefühlsmäßig nur sehr mäßig. Allzusehr sehe ich im Vordergrund die Motivation des Autors.
    Das Heischen um Aufmerksamkeit und Mitleid.


    LG Cornelia

    Ich habe es jetzt doch noch mal hervor gekramt und bin auch schon ein gutes Stück weitergekommen. Es gefällt mir jetzt ein wenig besser, die Erfahrungen bei der letzten Adoptionsfamilie, sein Rückzug als Erwachsener, sein Warten, seine Angst vor der Begegnung, auf die das ganze Buch zusteuert. (Allerdings kann ich es nicht so ganz nachvollziehen, dass jemand so lange wartet, der sich sein ganzes Leben nach der Mutter gesehnt hat.)


    Was mich immer noch stört, ist die doch noch über allen liegende Larmoyanz, so ein unterschwelliges Anklagen, auch eine gewisse Unfähigkeit, sein Leben aktiv zu gestalten bzw. die Unfähigkeit, nach vorn zu schauen und das Beste aus der Misere zu machen, nein, das gefällt mir nicht, macht mir den Autor nicht sympathisch. Andere haben in ihrem Leben weit Schlimmeres erlebt und versinken trotzdem nicht im "Nebel" der Vergangenheit. Ich möchte ihm immer wieder zurufen: Mensch, jetzt reichts aber! Es gibt noch anderes als Selbstmitleid. Es kommt mir manchmal vor, als buhle er beim Leser um Mitleid und da fühle ich mich irgendwie auch instrumentalisiert.


    LG Cornelia

    Zitat

    Original von harimau
    Das dachte ich zuvor auch, Cornelia. Meine Agentin ist dennoch noch einmal auf Ullstein zugegangen, weil sie die entsprechende Lektorin gut kennt und vermutete, dass mein MS deren Interesse wecken würde. So war es dann auch, und wir kamen zu einem ebenso schnellen wie reibungslosen Vertragsabschluss. Die Lektorin hatte das MS natürlich vorher nie gesehen, geschweige denn gelesen - abgelehnt hatte es jemand anderes. Es wurden ja weiter oben im Fred schon Vermutungen geäußert, wie sowas läuft. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag lief dann übrigens sehr gut.


    Das finde ich sehr interessant und das macht mir Hoffnung (obwohl es mich nicht wirklich überrascht). Sollte ich einmal das Glück haben, an eine gute Agentur zu geraten, werde ich auf diesem Weg versuchen, meine "Schubladenkinder" doch noch unterzubringen. :-]


    LG Cornelia

    Hallo Themrys, ich finde es mutig von dir, dieses Thema in einem literarischen Text zu verarbeiten. Ich selbst habe genau das auch versucht und auch in einem anderen Forum sehr viel nützliche Kritiken bekommen.


    Was mich stört, ist, dass du dir nicht einmal die kleine Mühe gemacht hast, einen so kurzen Text noch einmal zu überarbeiten, wenn du, wie du ja schreibst, weißt, woran er krankt bzw. du es (z.B. Orthografie) mittlerweile eigentlich etwas besser weißt. Das nur am Rande. Und wenn der Text nicht was hätte - zumindest das ungewöhnliche Setting - hätte ich mir wohl auch gar nicht die Mühe gemacht, etwas dazu zu schreiben.


    Mulle hat schon auf einige Dinge hingewiesen, die ich nicht wiederholen möchte. Ich glaube auch nicht, dass der Vater ihr den Ausdruck "einen blasen" beigebracht hat. Die Täter verniedlichen und umschreiben solche Handlungen gern mit "lieb sein" o.Ä.


    Aber ich finde es interessant, dass du differenzierst zwischen zwei Arten von Pädophilen, oder besser gesagt, dass du unterscheidest zwischen einem Pädophilen, der um seine Veranlagung weiß und dagegen ankämpft und einem Pädokriminellen.


    Mit wenigen Handgriffen kannst du was aus der Geschichte machen.


    (Genau das wird das Thema meines zweiten Krimis sein.)


    LG Cornelia


    edit: ich würde die Geschichte anders nennen.

    Zitat

    Original von harimau
    Das unaufgefordert eingesandte Manuskript meines Debütromans wurde u.a. vom selben Verlag (Ullstein) abgelehnt, der es später nach Vorlage durch meine Agentin unverändert (!) gekauft und auch veröffentlicht hat. So viel dazu.
    LG harimau


    Das ist jetzt interessant, ich dachte immer, keine Agentur nimmt Manuskripte, die schon die Verlagsreise hinter sich haben. Und ich dachte auch, es hat keinen Sinn, einem Verlag ein schon mal abgelehntes Manuskript nochmal (unverändert) anzubieten, auch, wenn es eine Agentur macht.


    Möchtest du dich dazu nochmal etwas ausführlicher äußern?


    LG Cornelia

    Lieber Buzaldrin, da müsste ich jetzt den Roman noch mal lesen, um dir Beispiele nennen zu können, manche Bilder waren einfach schief, haben nicht gepasst.


    Und sorry wegen dem Link, ich wollte nur nicht diese lange Rezi hier einstellen. Tue es aber jetzt doch hiermit:


    Gestern las ich den Schluss und fand, dass sich manches doch ziemlich hin zog, weshalb ich auch mal ein paar Seiten überflog; vor allem fand ich die Tagebuchauszüge Menos sehr zäh. Was mich am meisten beeindruckt hat, waren die Schilderungen der Armeezeit Christians, vor allem der tragische Versuch der Elbdurchquerung bei Torgau. Ebenso die Arbeit in der Karbidfabrik. Überhaupt die Umwelt. Wie hier Tellkamp mit wortgewaltiger Sprache die sträfliche Zerstörung der Umwelt geschildert hat, für mich waren das die erschreckendsten und aufrüttelndsten Teile des Buches. Der Prolog war wirklich gewaltig, ein mitreißender Strom, ein Baden in Sprache. Dann die ersten Kapitel. Was mich am stärksten störte, war die lückenlose Benennung der Marken für Gebrauchsgegenstände bis hin zum Namen der Fabriken, wo diese hergestellt wurden, als wäre diese Benennung ein Zeichen dafür, wie gut der Autor recherchiert habe oder ein Beweis für sein Dort-gelebt-haben. Als ob sich damit Atmosphäre oder Authentizität erzeugen ließe. Als ob er das nötig hätte. Hier wäre weniger sicher mehr gewesen. Dies ging bis hin zu groben Entstellungen, denn niemals hätte ein DDR-Bürger im Gespräch, im Buch also in wörtlicher Rede, ein Produkt mit dem Zusatz "VEB" oder die Partei "SED" benannt. Weiterhin ist es einfach nicht wahr, wenn er schreibt, dass der in München gebliebene Mann von Regine auf eine "Freigabe" für ein Telefongespräch warten müsse, dass er von dort nach Dresden führen will. Selbstverständlich konnte man von der BRD in die DDR mittels Direktwahl anrufen. Nur umgekehrt musste man ein Gespräch beim Fernamt anmelden und dann stundenlang, oft ohne Erfolg, warten. Weiters scheint es mir sehr fragwürdig, ob man wirklich, wie im Fall von Muriel, allein wegen der Äußerung von kritischen Gedanken in den Jugendwerkhof gesperrt werden konnte. Ich selbst hatte eine Freudin, die dort hinein musste, jedoch wegen verschiedener anderer Auffälligkeiten auch noch, die in Richtung Kriminalität gingen. Ich kann nur von mir sagen, dass ich überall, selbst gegenüber der Stasi meine ehrliche Meinung ohne Konsequenzen gesagt habe. Deshalb scheint mir an manchen Stellen auch diese Angst vor Denunzianten und Mithörern etwas übertrieben geschildert. Ich habe da andere Erfahrungen gemacht. Manche aufgeworfenen Geschehnisse hat der Autor für mich nicht konsequent genug weiterverfolgt, sondern wie Fäden eines Teppichs einfach hängengelassen. Z.B. hätte mich interessiert, wie die Stasi auf die Dekonspiration von Richard im Familienkreis reagiert hat, ob er - wie in manchen Rezensionen zu lesen war - tatsächlich gespitzelt hat (von der "Jugendsünde" mal abgesehen) oder ob er damit - was mich wundern würde, da ja der viel stärkere Erpressungsgrund - seine Geliebte - gar nicht zur Sprache gekommen war, durchgekommen ist. Selbst wenn er die Geliebte nicht mehr getroffen hat, wäre es immer noch ein Grund gewesen, ihn zu erpressen, weil er ja das Kind mit ihr zusammen hatte und seine Frau sicher nicht begeistert davon gewesen wäre. (Sie erfährt zum Schluss trotzdem alles - von wem?) Auch die Aufarbeitung des Unfalltodes von Burre hätte mich interessiert. Was für Diskussionen wurden darüber bei den Verantwortlichen der Armee geführt. Wurde jemand überhaupt zur Verantwortung gezogen? Diese "Unfälle" passierten durchaus recht häufig, wie ich weiß. Ach ja, Armee. Da ich selbst viele 3-jährige kannte, weiß ich auch, dass es nicht möglich gewesen wäre, solche Briefe von der Armee nach Hause zu schreiben. Weder durften die Soldaten Einzelheiten über ihre Einsätze und Aufgaben (hier sehr detailliert geschildert) noch über den Alltag usw. schreiben. Das erscheint mir doch sehr unrealistisch, zumal die Post ja gelesen wurde, bevor sie raus ging. Was mich in dem Zusammenhang auch interessiert hätte, ist eine Beobachtung, die ich gemacht habe, dass nämlich die Gequälten, sobald sie in der Hierarchie aufgestiegen waren, die Neuen selbst wieder quälten. Auch das hätte ich interessant gefunden als Thema. (Ich weiß, nicht ich entscheide, worüber der Autor schreibt.)
    Am Anfang schon stolperte ich über eine Stelle, als Meno seinen Neffen abholt und über die Schule ausfragt. Lehrer z.B. Es ist Winter, d.h. Christian ist schon mindestens ein Vierteljahr auf der Schule und kommt alle 14 Tage nach Hause. Der Dialog läuft aber so, als hätte er die Schule gerade begonnen. Das ist ebenfalls unrealistisch.
    Die an einer Stelle behauptete Affäre, die Richard mit der Freundin seines Sohnes, Reina, hat, wurde ebenfalls nicht thematisiert, obwohl das ein m.E. nach wichtiger Punkt gewesen wäre.
    Was mich an dem Buch sehr amüsiert hat, war der Erfindungsreichtum der Menschen, um mit den Versorgungsengpässen leben zu können, das ging schon in Richtung Tauschwirtschaft. Eine der besten Szenen auch die Beschreibung der Folgen des Stromausfalls. Endzeitlich surrealistisch. In jedem Fall: großes Thema mit großer Sprache gemeistert. Hut ab und ich wünsche dem Buch viele Leser.


    LG Cornelia