ZitatOriginal von maikaefer
*) Sympathisch, dass Carla Federico den Begriff "Hauptprotagonisten" verwendet hat. Wenn man das als Leser mal tut, bekommt man von anderen Autoren schon mal einen "Rüffel"
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Warum das denn?
ZitatOriginal von maikaefer
*) Sympathisch, dass Carla Federico den Begriff "Hauptprotagonisten" verwendet hat. Wenn man das als Leser mal tut, bekommt man von anderen Autoren schon mal einen "Rüffel"
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Warum das denn?
ZitatOriginal von SiCollier
Was ich vergessen habe: das Buch ist wunderbar aufgemacht. Vorne die Karte, hinten ausklappbar der Reiseplan. Sehr gediegenes Papier und Schrift. Fehlt zum bibliophilen Glück eigentlich nur, daß es ein HC wäre. Aber alles geht eben nicht.
Diese Überlegung stand von Seiten des Verlags mal im Raum - aber man ging dann doch davon aus, mit einem Quality Paperback mehr Leser erreichen zu können
Zur Trauerkleidung: Wenn man relativ jung Witwe wurde, konnte man diese irgendwann wieder ablegen, wobei fröhliche, jugendliche Farben auch dann nicht so gern getragen wurden. Wurde man eher älter Witwe und hat für sich beschlossen, nicht wieder zu heiraten, war es üblich, die Trauerkleidung beizubehalten (das hat z.B. auch Queen Victoria so gehalten).
Übrigens: Acht Unterröcke übereinander waren noch nicht einmal das Extremste. Offenbar wurden manchmal bis zu einem Dutzend getragen. Ich möchte nicht wissen, wie es an heißen Sommertagen darunter gerochen hat...
Hallo zusammen,
vor dem Start der Leserunde möchte ich mich als Autorin des Buchs auch noch einmal kurz melden.
Ich freue mich sehr, diese Leserunde zu begleiten und eure Meinungen zu dem Roman zu hören.
Eine Sache noch: Ich bin vom 6.-19. Mai auf Recherchereise. Falls immer mir dort WLAN zur Verfügung steht, werde ich mich trotzdem melden und auf eure Beiträge eingehen. Es kann natürlich vorkommen, dass das für einige Tage nicht möglich ist. Das soll aber kein Zeichen für fehlendes Interesse sein - bei Gelegenheit werde ich selbstverständlich jede Frage beantworten.
Aber zunächst bin ich ja auch noch hier in Deutschland.
Liebe Grüße,
Carla Federico (alias Julia Kröhn)
Es war tatsächlich üblich, dass viele deutsche Einwanderer sich relativ schnell spanische Vornamen gegeben haben. Aus dem berühmten Karl Anwandter wurde so z.B. ein Carlos Anwandter.
In Gebieten, wo diese Auswanderer stärken Kontakt zu den Chilenen hatten, war das weiter verbreitet, als in abgeschiedenen Orten.
Die nachfolgende Generation bekam ebenso häufig spanische Vornamen verpasst (siehe Elisas Riccardo).
Die deutschen Familiennamen haben sich teilweise bis heute gehalten - nur wenn sie zu schwer auszusprechen sind, hat man dem Spanischen angepasst.
ZitatOriginal von frau_raupe
Mir gefällt, dass sich aus der Notlage heraus die Charaktere der einzelnen noch mehr abzeichen - so verliert auch die unnahbare Jule Tränen, der stolze Richard seine Stimme und Zacharias noch mehr Mut. Annelie hingegen zeigt sich seit Schiffbruch stärker als zuvor.
Darin lag für mich übrigens der besondere Reiz dieses Themas: Seine Heimat zurückzulassen, den Aufbruch in ein neues Land zu wagen und sich dort unter widrigen Umständen ein neues Leben aufzubauen, führt wohl jeden Menschen immer wieder in Grenzsituationen. Und erst diese zeigen, wer man in Wahrheit ist, was alles in einem steckt. Da gibt es dann quasi kein Verstellen mehr, auch kein Verstecken. Die Not legt den Charakter bloß.
Manche erweisen sich als stärker, andere als schwächer als man glaubt. Diesen Prozess zu verfolgten war für mich als Autorin mit das Faszinierendste.
ZitatOriginal von Nachtgedanken
Was ich nicht verstanden habe, ist, warum Cornelius und Elisa jetzt nicht einfach heiraten? Die ganze Siedlung muss doch eigentlich mitbekommen haben, dass die beiden sich lieben. Sie müssen ja nicht dort wohnen bleiben, aber warum diese Heimlichtuerei? Würde tatsächlich jemand schlussfolgern, dass Manuel Cornelius' Sohn ist? Halte ich für eher unwahrscheinlich.
Die Älteren der Siedlung ahnen natürlich von den Gefühlen der beiden - aber man muss bedenken: Emilia und Manuel tun das nicht. Seit ihrer Geburt haben sie nur mitbekommen, dass sich die beiden distanziert, wenn nicht gar feindselig gegenüberstanden. Dass das plötzlich umschlägt, würde sie erstaunen, und wenn es dann noch Getuschel der anderen gibt, würden sie vielleicht herausfinden, wie nahe sich Elisa und Cornelius standen und dass es just wenige Monate vor ihrer Geburt zum großen Streit kam. Da ist dann schon die eine oder andere prekäre Schlussfolgerung möglich.
Was das ganze so vertrackt macht: Es geht in erster Linie nicht darum, Manuel die Wahrheit zu verschweigen. Er würde sie notfalls verkraften. Es geht vielmehr darum, Emilia zu schützen. Denn wenn zumindest ein Teil der Wahrheit vermutet würde, blieben ja nur zwei Möglichkeiten: Sie könnte Manuel nicht heiraten, weil sie ihn für ihren Halbbruder hält. Oder sie müsste erfahren, dass sie aus Inzest und Vergewaltigung hervorgegangen ist.
Beides wäre eine Katastrophe. Das macht es für mich logisch, warum Elisa und Cornelius nicht auch nur das geringste Risiko eingehen wollen.
Liebe Grüße,
Julia
ZitatOriginal von frau_raupe
nach kurzfristig verlängertem Urlaub bin ich nun auch am Start ...
Das freut mich!
ZitatOriginal von urlaubsbille
Ich verstehe das Verhältnis Greta-Viktor nicht. Führen die eine Geschwister-Ehe? Verbindet die beiden nur die gleiche schlechte Kindheit? Irgendwie ist Viktor Greta ja völlig hörig.
Das Verhältnis der beiden ist sehr ambivalent: Einerseits sind sie als Kinder Leidensgenossen gewesen, was sie sicher etwas zusammengeschweißt hat - allerdings war der eine immer froh, wenn der andere die Schläge des Vaters abbekommen hat. Der Mord an ihrem Vater, die Isolation gegenüber den anderen Siedlern eint sie in gewisser Weise - aber beide sind nicht fähig, weil viel zu kaputt zur echten Liebe.
Beide sind zwar auf der Suche danach (weswegen sich Viktor kurzfristig an Christl "hängt" und Greta an Cornelius), aber sie haben zu wenig zu geben, damit daraus eine fruchtbare Beziehung oder Freundschaft entstehen könnte.
Dazu kommt, dass Viktor sehr sensibel und aufgrund der Umstände folglich sehr labil ist. Die vermeintliche Härte und Kälte von Greta gibt ihm vermeintlich Halt - aber dahinter lauert letztlich ähnliche Labilität, sodass sich die beiden unmöglich gegenseitig aus dem Sumpf ziehen können.
Sie reiben sich aneinander auf anstatt sich zu unterstützen.
In der Tat. Das zweite Buch ist schon fertig - weitere Verlagsverträge sind abgeschlossen worden, mit dem dritten fange ich gerade an. Bei den ersten drei wird immer das Schicksal der jeweils nachkommenden Generation im Mittelpunkt stehen, beim vierten fange ich dann sozusagen wieder neu bei einer "Seitenlinie" an.
Liebe Grüße,
Julia
ZitatOriginal von urlaubsbille
In diesem Abschnitt ist ja eine Menge passiert. Am schochierendsten fand ich die Tat von Greta und Viktor, wobei mir Greta immer unheimlicher wird. Und dann die schöne Beschreibung beim Entdecken des Sees.
Schönen Dank für die Fotos. Jetzt habe ich noch mehr Fernweh und würde gern neu beginnen.
Chile liegt ja leider nicht gleich um die Ecke, sonst wäre ich noch viel öfter dort...aber wen es in die Ferne zieht, dem kann ich dieses Land wirklich wärmstens empfehlen, weil die Natureindrücke sehr stark und die Landschaften so vielfältig sind.
Letzteres hat den Vorteil, dass ich noch ganz viele Chile-Romane schreiben kann, ohne beim Setting eintönig zu werden. Im Band 2 geht es nach Patagonien, in Band 3 nach Santiago und die Atacama-Wüste und im Band 4 auf die Osterinsel. Jedes für sich eine andere Welt...
ZitatOriginal von Waldmeisterin
Überhaupt ist die Gemeinschaft doch durch Tod und Abwanderung so stark geschrumpft, dass ich mich wirklich frage, wie es im nächsten Band für die "Jungen" weitergehen wird...
Hierzu will ich noch sagen, dass der 2. Band ganz sicher keine Fortsetzung mit ausschließlich bekanntem Personal ist - dann wäre es in der Tat dürftig.
Band 2 soll ja auch unabhängig von Band 1 zu lesen sein: Es nimmt zwar seinen Anfang an der Siedlung, man erfährt, wie es mit den anderen weitergegangen ist, und manche Protagonisten wie Emilia spielen eine bedeutende Rolle - aber es gibt auch jede Menge neuer Protagonisten (z.B. eine Tochter von Quidel), und vor allem neue Schauplätze.
Liebe Grüße,
Julia
Das "Familiengeheimnis" wird im nächsten Band natürlich eine Rolle spielen. Ich will nicht "spoilern" - aber ich glaube, man kann sich denken, dass so etwas in Romanen nicht verborgen bleibt und dass das für Emilia natürlich einschneidende Konsequenzen hat.
Elisa und Cornelius werden im zweiten Band, der im übrigen in einer ganz anderen Gegend Chiles spielt, in einem Kapitel auftauchen, sodass der Leser erfährt, wie es mit ihnen weitergeht. Aber man kann beruhigt sein: Sie haben in Band 1 genug Dramen ausgestanden - zu mindest für die beiden folgen keine weiteren.
Liebe Grüße,
Julia
ZitatOriginal von Herr Palomar
Die Auseinandersetzung mit Greta ist heftig, sie hat sich nicht geändert in all den Jahren.
Aber doch, so eine düstere Figur braucht ein Roman, nur so werden die üblichen Verlogenheiten aufgedeckt und festgefahrene Situationen aufgebrochen.
Von all den Büchern, die ich geschrieben habe, gehört Greta zu den mir liebsten Antagonistinnen.
Sie ist oft gemein, eiskalt, durchgeknallt, bösartig, herzlos - das will ich gar nicht schön reden - aber verglichen mit schlichten "Fieslingen" wie Konrad Weber oder ihr Vater Lambert, ist sie doch facettenreich: Da ist diese Sehnsucht nach einer heilen Familie, da ist die Verzweiflung, weil die ihr verwehrt bleibt, da ist die Gefahr, die von ihr und ihrer Unberechenbarkeit ausgeht.
Greta dreht zwar manchmal durch - aber zugleich hat sie doch auch ein hohes Maß an Beherrschung (weshalb sie Poldis und Barbaras Geheimnis so lange gehütet hat), und das macht sie in meinen Augen faszinierend - ähnlich einer gleichzeitig schillernden und giftigen Schlange.
Mein Blick auf sie war immer auch ein wenig von Mitleid geprägt, weil sie von Kindheit an kaputt gemacht wurde - das war auch der grund, warum ich Emilia positiv gezeichnet habe und nicht als gestörtes, physisch und psychisch krankens Inzestprodukt (wobei es eben gewiss nicht Greta, sondern Cornelius, Manuel und Annelie - und nicht zuletzt einem genetischen Glücksfall - zu verdanken ist, dass sie sich normal entwickeln konnte).
Liebe Grüße,
Julia
Ich würde mich Annelie nicht zu hart ins Gericht gehen - nicht nur wegen ihrer Fehlgeburten.
Dass Cornelius am Tag von Elisas Hochzeit auftaucht, ist in der Tat eine Tragödie - und kommt auch für Annelie entsprechend überraschend und erschreckend. Wenn sie sich hätte sicher sein können, dass er so bald eintreffen würde, hätte sie Elisa den Brief sicher gezeigt. Aber in einem Land ohne Telefone, mit unzulänglicher Post, keinen Straßen, sprich: keiner funktionierenden Infrastruktur hätte es theoretisch Jahre dauern können, bis Cornelius die Siedlung findet und dort eintrifft. Er hätte auf dem Weg dorthin auch umkommen können.
Annelie hat sicher in erster Linie für sich gehandelt - aber zugleich hat sie erlebt, dass Lukas Elisa durchaus guttut (er ist ja kein Widerling, sondern ein fürsorglicher Freund). Da war sicher auch die Überlegung dabei, ihr ein endlos langes Warten, eine Hoffnung, die sich vielleicht nie erfüllt, zu ersparen.
Das Überleben war hart, das Leben rau - da schienen "geordnete Verhältnisse" nunmal hilfreicher als irgendwelche Romanzen - zumal der Roman in einer Zeit spielt, in der praktische und wirtschaftliche Überlegungen bei einer Eheschließung viel mehr zählten als wahre Liebe.
Liebe Grüße,
Julia
Hallo,
ich habe kurz überlegt, ob ich mit den bekannten und dokumentierten ersten Siedlerfamilien arbeite, das aber rasch verworfen - weil es zu wenig Quellen gibt, um solche Schicksale wirklich authentisch nachzeichnen zu können. Ich habe aber Details aus Lebensschilderungen, Tagebüchern und Briefen bei meinen fiktiven Protagonisten verwendet.
Auf Politiker wie Montt habe ich ganz verzichtet, weil die vor Ort nie auftauchen.
Andere belegte Persönlichkeiten wie Aquinas Ried, Carlos Anwandter, Franz Geisse etc. werden namentlich erwähnt - allerdings weiß man über sie alle zu wenig Persönliches, um sie stärker in einen Roman zu integrieren.
Liebe Grüße,
Julia
Keine nennenswerten.
Den Ureinwohnern im Süden Chiles (Patagonien und Feuerland) erging es nicht viel besser - da war mehr oder weniger eine systematische Ausrottung im Gang.
Im zweiten Band wird das übrigens ein großes Thema sein.
Jule ist halt ein extrem nüchterner und pragmatischer Mensch.
Das ist manchmal wohltuend. Und manchmal schwer erträglich.
ZitatOriginal von Herr Palomar
Mich würde interessieren, ob die Auseinandersetzungen Siedler und Mapuche kontinuierlich stattfanden, oder ob es in der überwiegenden Zeit friedlich abging!
Da muss man differenzieren.
Bei der ersten Welle der deutschen Einwanderer war es so, dass sie großteils menschenleere Gebiete besiedelten, es also nur selten um eine echte Konkurrenzsituation um Grund und Boden kam. Es gab nur vereinzelt Zusammenstöße.
In den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts war es dann so, dass sich der Staat Chile das Gebiet der Mapuche, Araukanien, gewaltsam einverleibte: Tausende Mapuche wurden damals getötet und vertrieben. Deutsche Einwanderer wirkten daran insofern unheilvoll mit, als dass sie davon profitierten und oft die ersten waren, die hinterher das eroberte Gebiet besiedelten - und das meist ohne moralisches Bedenken.
Was man allerdings auch nicht vergessen darf: Oft waren es wiederum deutsche Missionare, die bei den mapuche lebten und sich für ihre Rechte einsetzten.
Die Hauptkonflikte, die die Siedler der ersten Jahre erlebten, waren weniger die mit der Urbevölkerung, als vielmehr die, die zwischen ihnen hochkochten: nämlich die Animositäten zwischen protestantischen und katholischen Einwanderern. In meinem Roman klingt das ein paar Mal an, ist aber kein großes Thema.
Liebe Grüße,
Julia
Man lernt ja immer noch was dazu...