Nur interessehalber, welche Biographie ist das, bzw. ist diese überhaupt im Buchhandel gelandet oder nur im Krupp-Familienarchiv hinterlegt.
"Darf" man ruhig das Nachwort jetzt schon lesen oder soll ich mich besser gedulden? Was rätst Du?
Die Biografie der Urenkelin ist bei dtv erschienen, aber inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich: https://www.amazon.de/Margarethe-Krupp-Leben-meiner-Urgro%C3%9Fmutter/dp/3423247037 (incl. Amazon Affiliate-ID from this website)
Warte mit dem Nachwort lieber noch, es spoilert.
Hast Du die Romanidee schon länger in Dir getragen? Gab es einen Anlass oder hat jemand Dich auf die Idee gebracht? Wenn Du nicht darauf antworten möchtest/ darfst, dann schweige. 😉
Der Piper Verlag ist mit der Idee an mich herangetreten, ob ich es mir vorstellen könnte. Meine dortige Lektorin war von der Person fasziniert. Ich wurde schon 2020 gefragt und habe den Vertrag abgeschlossen, aber ich hatte zu der Zeit noch diverse andere Romanverträge zu erfüllen, sodass ich dieses Buch erst 2023 fertigstellen konnte. Meine Lektorin wünschte sich eigentlich mehr über die Margarethenhöhe, das kommt im letzten Viertel auch vor, aber ich fand das Leben von Margarethe viel zu spannend, um es auf diese kurze Zeit zu begrenzen. Auch der Capri-Skandal kommt noch. Da der Verlag unbedingt wollte, dass ich das Buch schreibe, war man damit einverstanden, dass ich so lange brauche. Dann kam im November 2023 ein anderes Buch über Margarethe Krupp raus. Aber - Gott sei Dank - eben nur über ihre Witwenschaft und die Margarethenhöhe. Da war meine Lektorin froh, dass mein Buch völlig anders war. Und deshalb nannten wir es auch nicht Margarethe Krupp, sondern "Unsere kurze Ewigkeit", weil es zwar aus Margarethes Sicht geschrieben ist, aber auch ihre Ehe mit Fritz eine große Rolle einnimmt (als er endlich mal zu Potte kam
) . Mir war es wichtig, die ganze Geschichte dieser Frau zu erzählen, denn sie nur auf die Margarethenhöhe zu reduzieren, wäre ihr in meinen Augen nicht gerecht geworden. Welche Frau war damals schon so mutig, gegen den Willen der Mutter nach England zu gehen und dort zu arbeiten, wenn sie es nicht nötig gehabt hätte? Viele Gouvernanten mussten Geld verdienen um zu leben, aber Margarethe hat sich freiwillig entschieden, ein selbstständiges Leben zu führen. Und gerade das finde ich faszinierend. Auch, wie diese Entwicklung sich auf ihre Ehe und spätere Lebensgestaltung auswirkt.
Du hast in den letzten Jahren Mehrteiler geschrieben und das Lesevergnügen Deine in einander verzweigte Geschichten-und Personenwelt zu entdecken, habe ich ja noch vor mir. Ist das Abschiednehmen vom fertigen Manuskript des aktuellen Buches Dir leichter gefallen oder rattert es in Dir weiter, dass Du noch nicht so richtig von der Krupp-Familie Abschied nimmst? Denn ggfs. sind auch von Frauen aus weiteren Generationen deren Geschichte erzählenswert. 😉
Die Geschichte von Margarethe ist für mich abgeschlossen. Es ist etwas anderes, ob man eine fiktive Familie erfindet, um Zeitgeschichte lebendig darzustellen und menschliche Entwicklungen, oder ob man sich eng an ein echtes Leben halten muss. Ich habe bei Margarethe natürlich auch Kürzungen vorgenommen, weil man sehr gut abwägen muss, welche Episoden spannend sind und welche eher langweilen könnten. Oder wie man den Kontext sieht. Es gab z.B. auch einen Verwandten, der immer mal wieder kam, weil er Geld wollte. Aber das war letztlich keine wirklich spannende Episode, also habe ich das weggelassen, denn jeder kann sich denken, dass man als reicher Mensch immer mal wieder Schnorrer abweisen muss. Ich habe lange überlegt, welche Episoden die Geschichte und Entwicklung vorantreiben und welche nur Seitenschinderei wären. Ich will mich beim Schreiben nicht langweilen, ich will mich selbst auch unterhalten und Spaß daran haben.
Eine Romanbiografie ist wesentlich anstrengender zu schreiben als ein fiktiver Roman, wenn man es ernst nimmt und den Personen, über die man schreibt, Wertschätzung entgegenbringt. Man hat weniger Raum, eigene Fantasien auszuleben, wenn man es ernst nimmt. Mir ist es wichtig, dass die Leserinnen und Leser am Ende das Gefühl haben, schon viel über Margarethes Leben zu wissen, also ein solides Grundwissen, aber wenn sie mehr wissen wollen, sollten sie tiefer in die Materie eindringen.
Die Freiheit des Romans besteht darin, dass ich mir überlegen kann, wie sie wohl gedacht und gefühlt hat und dass ich an manchen Punkten psychologisch deuten kann. Wenn wir auf den Capri-Skandal kommen, werde ich dazu mehr sagen, denn den deute ich etwas anders als viele herkömmliche Biografen. Ich kann das aber auch gut begründen.
Hast Du zu Essen/Villa Hügel/Krupp einen Bezug?
Nein, ich muss gestehen, ich war noch nicht einmal dort, denn als ich den Vertrag unterschrieb, begann Corona, und das hielt sich ja leider auch, bis das Buch dann fertiggestellt war. Ich habe mich also mit Bildbänden und der zahlreichen Literatur, die auch von der Krupp-Stiftung selbst herausgegeben wird, begnügt.