Virginie Despentes erhält den WELT-Literaturpreis 2018

  • Virginie Despentes erhält den WELT-Literaturpreis 2018.

    Eine gute Wahl.

    Dabei wurde die Autorin von vielen oftmals nur als "Punk- oder Popautorin" geringschätzig angesehen - wahrscheinlich von denen, die nie etwas von ihr gelesen haben. Aber so scheint es ja nun in der Literaturwelt Usos zu sein, über Dingen zu reden/zu schreiben, die man aus dem eigenen Erleben nicht kennt.

    Da wird abgeschrieben - auch wenn es Blödsinn ist - und so ein Bild hergestellt, das völlig konträr zu Wirklichkeit ist.


    Virginie Despentes bevorzugt eine klare, teilweise auch radikale Sprache. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt das, von dem sie meint es müsse gesagt werden.


    Das sind meine Leseeindrücke über das Buch "Das Leben des Vernon Subutex"



    Titel: Das Leben des Vernon Subutex
    Autorin: Virginie Despentes
    Übersetzt aus dem Französischen von: Claudia Steinitz
    Verlag: Kiepenheuer und Witsch
    Erschienen: August 2017
    Seitenzahl: 398
    ISBN-10: 3462048821
    ISBN-13: 978-3462048827
    Preis: 22.00 EUR


    Das sagt der Klappentext:

    Erzählt wird die Geschichte von Vernon Subutex und seinem rasanten sozialen Abstieg. Mit seinem Plattenladen hat er Pleite gemacht, und als einer seiner besten Freunde, der ihn finanziell unterstützt hat, stirbt, steht er plötzlich auf der Straße. Weil er sich und der Welt sein Scheitern nicht eingestehen will, benutzt Vernon eine Notlüge, um sich reihum bei seinen alten Freunden und Weggefährten einzuquartieren, die er zum Teil seit Jahren nicht gesehen hat.

    Man begegnet ihnen allen: den Gescheiterten, den scheinbar Erfolgreichen, den Schrillen und den Durchgeknallten. Despentes erspart ihren Figuren nichts, lässt kein gesellschaftliches Thema unberührt. Digitalisierung, die Ängste einer verunsicherten Mittelschicht, Islamismus, der Aufstieg der Rechten - alles hat seinen Platz in diesem beeindruckenden literarischen Rundumschlag, in dem jedes Wort sitzt, jeder Satz nachhallt.


    Die Autorin:

    Virginie Despentes, 1969 in Nancy Geboren, betrieb einen Plattenladen und trat als Rap-Sängerin auf, bevor sie zu schreiben begann. Ihr erster Roman »Baise moi - Fick mich« von 1993 machte sie auf Anhieb berühmt. Der von ihr 2000 realisierte gleichnamige Film wurde weltweit zum Skandalereignis, in Frankreich quasi verboten. Weiter Romane auf Deutsch: »Die Unberührte« (1999), »Pauline und Claudine« (2001) und »Teen Spirit« (2003).


    Meine Meinung:

    Ganz so wild und kompromisslos wie bei ihren ersten Büchern ist die Autorin nicht mehr. Aber immer noch eine Realistin, knallhart am Geschehen. Aber auch Virginie Despentes wird eben älter und dadurch (wahrscheinlich?) auch etwas ruhiger.

    Natürlich wird auch in diesem Roman gevögelt, da spritzen die Körpersäfte aus den Buchseiten – aber eben nicht mehr so pornographisch vulgär wie bei ihren Erstlingen. Schade eigentlich. In diesem Roman finden wir eher eine etwas verhaltene literarische Pornographie – ganz nett, aber auch geeignet zum Einschlafen.

    Nichtsdestotrotz ist dieser Roman sehr lesenswert. Beschreibt er doch die Jetzt-Zeit real ohne zu beschönigen. Und auch in diesem Roman lügen sich die Facebook-Sklaven munter durch die Handlung. Unaufrichtigkeiten, Lügen und das Bescheißen bekommt quasi Volkssportcharakter. Die Welt will eben belogen sein und man lügt eifrig mit – und irgendwann glaubt man dann sogar die eigenen Lügen. Und dazwischen immer mal wieder eingestreut der Quickie – auch Minuten- oder Sekundenfick genannt.

    Hervorzuheben ist, dass die Autorin sich nicht zurücknimmt – auch wenn ihre Sprache sicher etwas verbindlicher geworden ist. Das mag wohl auch am Alter liegen.

    Sehr lesenswert – 8 Punkte.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

  • Danke für die Einschätzung, ich finde, dass klingt sehr interessant. Setze ich mir doch gleich mal auf meine Leseliste.
    Oder noch besser, bin eh heute in der Stadt, dann kann ich gleich mal im örtlichen Buchhandel reinschauen :-)

    Viele Grüße
    Thomas


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    wyrd bid ful aræd - Das Schicksal ist unausweichlich