Ken Mogi: Ikigai. Die japanische Lebenskunst
DuMont Buchverlag 2018. 176 Seiten
ISBN-10: 3832198997
ISBN-13: 978-3832198992. 20€
Originaltitel: The Little Book of Ikigai. The Essential Japanese Way to Finding your Purpose in Life
Übersetzerin: Sofia Blind
Verlagstext
Ikigai ist »das, wofür es sich zu leben lohnt«
Ob die Obstbauern von Sembikiya, der Keramiker Sokichi Nagae oder der 92-jährige Jiro Ono, der älteste mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Koch: Sie alle haben ihr ikigai gefunden und damit Sinn und Freude im Leben. Anhand dieser und anderer inspirierender Lebensgeschichten und fundiert durch wissenschaftliche Erkenntnisse erklärt der japanische Neurowissenschaftler Ken Mogi die japanische Philosophie, die hilft, Erfüllung, Zufriedenheit und Achtsamkeit im Leben zu finden.
Er gewährt zudem tiefe Einblicke in die japanische Kultur, in der das Verständnis von ikigai allgegenwärtig ist. Japaner trachten danach, ihr ikigai zu finden und zu leben – egal, ob in der Karriere, in den Beziehungen zu Freunden und der Familie oder in ihren akribisch gepflegten Hobbys.
Dabei ist entscheidend, dass man sein Ziel mit Hingabe verfolgt und das, was man tut, um seiner selbst willen tut.
Die Fünf Säulen des ikigai:
1. Klein anfangen
2. Loslassen lernen
3. Harmonie und Nachhaltigkeit leben
4. Die Freude an kleinen Dingen entdecken
5. Im Hier und Jetzt sein
Inhalt
Ikigai ist ein Wertesystem der japanischen Kultur, das jenen Lebenssinn definiert, für den es sich zu leben lohnt. Es handelt sich dabei um kein Erfolgsrezept, sondern um den Weg zu innerer Zufriedenheit, der Erfolg und Anerkennung von außen allerdings nicht ausschließt. Um Ikigai zu erklären, taucht Mogi tief in japanische Traditionen ein und analysiert zeitgenössische Sitten.
Ikigai besteht aus den fünf Säulen: klein anfangen, Loslassen lernen, Harmonie und Nachhaltigkeit leben und im Hier und Jetzt sein. Sie erkennen sicher, dass unsere Sprache bei der Beschreibung von Ikigai an ihre Grenzen gerät, denn die fünf Bereiche agieren und harmonieren miteinander; ich kann sie mir eher als überlappende Flächen vorstellen, denn als gleich starke und gleich hohe Säulen.
Am Beispiel eines betagten Sternekochs beschreibt Ken Mogi dessen Kodawari, eine Kombination aus Talent, Entschlossenheit, Hartnäckigkeit und Fleiß, die in der Hingabe an sein Handwerk und damit in Zufriedenheit münden. Als Beispiel für erfolgreiches Kodawari-Denken führt Mogi Steve Jobs an, den er in seinem Denken für japanisch hält.
Ikigai wird von Ken Mogi in Zusammenhang gebracht mit bekannten Orten, in denen Menschen sehr alt werden, u. a. auf der Insel Okinawa. Auch dort ist Ikigai kein Patentrezept, sondern die Zufriedenheit der Menschen resultiert aus einem gesunden, bescheidenen Lebenswandel mit körperlicher Arbeit, Pflichterfüllung für den eigenen Garten, die eigenen Tiere und die Gemeinschaft. Lebensinn und das Motiv, um auch in hohem Alter jeden Morgen aufzustehen, sind in diesen Gemeinschaften Pflanzen, Tiere und die Nachbarn, für die man sorgt und die sich um einen sorgen.
Typisch für Ikigai zeigt sich, dass dieses Ethos in idealer Weise zur Bewahrung und Weitergabe von Handwerkskunst geeignet ist, aber auch die Grundlage von asiatischen Kampfkünsten liefert. Beeindruckend finde ich Mogis Verbindung zwischen Ikigai und Nachhaltigkeit; denn welcher Betrieb, Garten oder Wald würde ohne Ikigai für die kommenden Generationen erhalten und entwickelt werden? Die Umsetzung von Ikigai in der modernen, globalen Welt hält Mogi dann auch für ein ungelöstes Problem, da globale Konkurrenz und jegliches System, das sich auf Eliten konzentriert, nicht nachhaltig sein können – und die Menschen in ihm nicht zufrieden sein.
Fazit
Ken Mogi idealisiert hier meiner Ansicht nach die japanische Kultur, die sichtbar zu einer überalterten, unflexiblen, kaum erneuerungsfähigen Gesellschaft geführt hat, weil sie ihre Traditionen eben nicht dem Hier und Jetzt anpassen konnte. Dennoch finde ich seine Verknüpfung von Nachhaltigkeit und Zufriedenheit sehr bedenkenswert, wie auch seine überzeugende Kritik am Selbsterhalt von Eliten.
8 von 10 Punkten