Nun gut

'Narziß und Goldmund' - Kapitel 13 - 15
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Das schrieb ich ja auch schon, für ihn ist jede Frau individuell schön, daher war das mit Agnes auch nicht unbedingt was besonderes. Das Individuelle zu sehen war wohl auch sein Geheimnis als Frauenversteher.
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Ich habe gerade in wikipedia gestöbert und bin über den Suchbegriff "Urmutter" auf den Artikel
Mutterarchetyp gestoßen.
Da steht unter "Pathologische Folgen":
ZitatNach Jung projiziert das Kind häufig den im kollektiven Unbewussten der Menschen angelegten Mutter-Archetyp auf seine persönliche Mutter bzw. deren Vertreterin und schreibt ihr dadurch Eigenschaften zu, die ihr selbst gar nicht anhaften. Dies könne zur Entwicklung kindlicher Neurosen führen und insbesondere die Entstehung eines Mutterkomplexes begünstigen. Ähnliche Wirkungen seien zu erwarten, wenn die entwicklungspsychologisch erforderliche Herauslösung der Anima aus dem Mutterarchetyp nicht gelingt.
Der so entstandene Mutterkomplex wiederum könne nach Jung bei Jungen unter anderem zu Homosexualität, Donjuanismus und Impotenz führen, bei Mädchen zu einer Hypertrophie des Mütterlichen („Bemutterung“ der eigenen Kinder), zu einer Übersteigerung des Eros, zu einer übertrieben engen Bindung an die eigene Mutter, aber auch zu deren völliger Ablehnung.
Was soll man dazu sagen?
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Ich habe gerade in wikipedia gestöbert und bin über den Suchbegriff "Urmutter" auf den Artikel
Mutterarchetyp gestoßen.
Da steht unter "Pathologische Folgen": . . .
Was soll man dazu sagen?
Nicht viel! Das klingt für mich doch ziemlich nach allen Seiten hin auslegbar, z.B. der Halbsatz "zu einer übertrieben engen Bindung an die eigene Mutter, aber auch zu deren völliger Ablehnung" - das ist doch eine Wischiwaschi-Aussage.
Ich glaube nicht, dass Hesse eine pathologische Betrachtung im Sinn hatte.
Interessant finde ich den Begriff "Donjuanismus" - war mir bisher nicht bekannt, aber scheint schon auf Goldmund anwendbar zu sein.
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Ich finde, da passt schon einiges. Goldmund als Don Juan, und die Vermutung, dass Narziß eventuell homosexuelle Neigungen haben könnte, die er allerdings als vorbildlicher Mönch nicht auslebt, habe ich ja schon zu Beginn geäußert.
Und Goldmund vermischt sein Bild von seiner Mutter mit der Urmutter.
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Ja, schon, aber von Narziß erfahren wir ja gar nicht, aus welchem Elternhaus er kommt oder ob er irgendwelche Probleme mit seiner Mutter hatte.
Allerdings gehe ich schon davon aus, dass er schwul war - das aber schon früh als Wollust (=Sünde) bewertet hat und deshalb für sich alles Körperliche ablehnt, um nicht in Versuchung zu kommen.
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Hallo.
Hier bin ich jetzt durch und habe mir eure Beiträge durchgelesen. Selber weiß ich gar nicht so, was ich noch hier schreiben könnte.
Ich warte jetzt gespannt, wie dieses Buch enden wird.
Die Zeit der Pest hat sich auch ziemlich traurig gelese. Im 15. Kapitel war es dann wieder wie ein Märchen. Eine Prinzessin + Bub, der sich ihr zu Verfügung stellt. Ich schreibe Bub. Dabei fällt mir ein, dass ich im Laufe dieses Abschnittes den Eindruck hatte, dass man merkt, wie er älter geworden ist. Vielleicht nicht unbedingt reifer; oder vielleicht doch? Aber irgendwie mehr ein Mann. Ich kann nicht sagen, wieso.
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Vielleicht kommt Goldmund einem etwas reifer vor, weil man inzwischen weiß, was er alles erlebt hat und welche Gedanken er sich über das Leben macht.
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Und, dass er mir mehr wie ein Mann vorkommt, weil ich weiß, dass er auch ein paar Jahre älter geworden ist.
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Dabei fällt mir ein, dass ich im Laufe dieses Abschnittes den Eindruck hatte, dass man merkt, wie er älter geworden ist. Vielleicht nicht unbedingt reifer; oder vielleicht doch? Aber irgendwie mehr ein Mann. Ich kann nicht sagen, wieso.
Auf mich wirkt Goldmunds Benehmen auch über lange Zeit pubertär: das Leben genießen als gäbe es kein Morgen, ohne sich über die Folgen Gedanken zu machen, sich für unverwundbar halten.
Aber das ändert sich. Er macht sich Gedanken über den Sinn seines Lebens, hat ein Ziel, fragt sich, wieso Gott die Welt so unvollkommen (in seinen Augen) gemacht hat. Und es ist ihm auch klar, dass er die Konsequenzen für seinen Lebensstil tragen muss, dass man nicht alles haben kann.