Anonyma - Das Inzest Tagebuch

  • Titel: Das Inzest Tagebuch
    Autorin: Anonyma
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von: Christa Schuenke
    Verlag: Klett-Cotta
    Erschienen: August 2017
    Seitenzahl: 142
    ISBN-10: 3608961887
    ISBN-13: 978-3608961881
    Preis: 17.00 EUR


    Es fällt nicht leicht etwas zu diesem Buch zu sagen.
    Es war beklemmend, verwirrend, erschreckend, alles doch vielleicht nicht so schlimm (?), Sichtweisen die erstaunen, abstoßen und überraschen.


    In ihrer Vorbemerkung sagt die Autorin:
    „In bin überzeugt, dass jeder Mensch das Recht hat, seine Geschichte zu erzählen. Aus verschiedenen Gründen habe ich beschlossen, meine Geschichte anonym zu erzählen. Ich habe zahlreiche Einzelheiten modifiziert, um meine Anonymität zu wahren. Aber die wesentlichen Dinge sind allesamt wahr.“


    Ist das, was dort aufgeschrieben wurde wirklich so passiert – oder ist es dann doch letztendlich „nur“ ein Buch für Voyeure? Ich bin mir nicht sicher.
    Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch durch einen Bericht in der WELT.


    Dort wird das Buch so beschrieben:
    „Das „Inzest-Tagebuch“ bombardiert einen von der ersten Seite an mit Fragen: Wer ist die Autorin? Wozu wird ihre Geschichte veröffentlicht? Und wer soll das Buch eigentlich lesen – Betroffene, Voyeure, abgebrühte Intellektuelle, die auf den nächsten postmodern pornografisierten Bataille warten oder eine Kreuzung aus Jonathan Littell, Catherine Millet und Marquis de Sade?“


    Lorin Stein, Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Paris Review“ und einer der Entdecker der Autorin, sagt, es gäbe keinerlei Zweifel daran, dass ihre Schilderungen wahr seien, das Buch sei ein „Kunstwerk“.


    Naja – ob dieses Buch wirklich ein Kunstwerk ist, das mag mal dahingestellt bleiben. Es dürfte in jedem Falle aber eine gewisse Grenzüberschreitung sein.


    Das Ungewöhnliche, das Besondere an diesem Buch ist, dass es sich nicht um eine weinerliche Leidensgeschichte handelt – Leidensprosa findet sich nicht in diesem Buch – vielmehr scheint die Autorin die sexuelle Beziehung zu ihrem Vater mit fast schon masochistischer Erregung genossen haben. Die geäußerten Gefühle und Gedanken sind von einer teilweise erschreckenden Härte und zeigen eben auch was Sexualität alles sein kann und was oftmals wirklich so unter der Bettdecke passiert. Der Leser darf an diesen Erfahrungen hautnah partizipieren.


    Und man muss sich wohl auch die Frage stellen, ob mit diesem Buch nicht der Versuch unternommen wird, Pädophilie, Inzest und Vergewaltigung salonfähig zu machen – frei nach dem Motto: Alles was der Lust dient ist erlaubt.


    Und dann kommt es eben auch zu solchen abgefahrenen idiotischen Kommentaren wie:
    „Also was das Thema Inzest selbst angeht, da hat sich niemand einzumischen. Wer sich liebt, liebt sich. Fertig.“


    Das die Seele eines Kindes Schaden nehmen kann, das ein lebenslanges Trauma bleiben kann – das scheint diesem Vollidioten wohl nicht gewiss zu sein – oder es ist ihm egal. „Schwanz ab“ möchte man da nur ausrufen.


    Zu bemängeln ist, dass dieses Buch immer die Sexualität in den Vordergrund stellt – das kaum oder nur sehr wenig auf das Seelenleben eines Kindes eingegangen wird. Gerade auch dann, wenn das Mädchen darüber berichtet, das sie von ihrem Vater missbraucht wurde und ihre Umwelt (Verwandte und Freunde) dieses Bekenntnis mehr oder weniger ignorieren oder die Schuld gar bei dem Mädchen selbst suchen. Das wird lakonisch und eher als Nebensächlichkeit geschildert.


    Vielleicht aber doch ein Buch für Voyeure – denen wohl nur bei solchen Dingen einer abgeht. Sind halt arme Schweine. Ein Buch, das sich zudem aber ganz sicher gut verkauft. Und wenn der finanzielle Erfolg stimmt, dann ist das worüber geschrieben wird eh egal, dann macht man eben auch einfach mal in pädophil.


    Ein interessantes Buch – aber ob es nun gut oder schlecht ist, darüber sollte sich jede/jeder ein eigenes Urteil bilden. Daher vergebe ich zwischen 1 und 10 Punkten.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.