Wolfram Huke: Love Alien. Warum ich erst mit 31 Sex hatte … und das mit der Liebe so verdammt kompliziert ist
FISCHER Taschenbuch 2016. 224 Seiten
ISBN-13: 978-3596034864. 9,99€
Verlagstext
Das erste schonungslos offene Buch von einem Spätzünder, der doch noch sein Glück findet.
30, männlich, ungeküsst: Wolfram Huke ist eigentlich ein ganz normaler Typ. Er ist Ende zwanzig, hat Filmregie und Philosophie studiert, arbeitet als Filmemacher und Journalist, hat einen großen Freundeskreis. Aber eins hatte er noch nie: Sex. Über sowas spricht man eigentlich nicht. Das merkt man schon daran, dass es dafür nicht mal ein anständiges Wort gibt. Erwachsene männliche Jungfrau ist vielleicht noch die beste Umschreibung, die das Deutsche hergibt. Da weiß wenigstens jeder, was Sache ist. Wenn Wolfram knutschende Paare auf der Straße sieht, fühlt sich das für ihn so weit weg von seinem eigenen Leben an, dass er sich vorkommt, als sei er von einem anderen Stern. Ein Love Alien.
Die Fragen und guten Ratschläge kennt er mittlerweile alle. Sie reichen von "Und, haste endlich?" über "Die Richtige findest du dann, wenn du aufhörst zu suchen" bis zu "Meld dich doch mal zu einem Tanzkurs an." Wolfram Huke testet Speeddating, wird Mitglied in Online-Partnerbörsen und Foren für Absolute Beginners -- und findet schließlich seinen ganz eigenen Weg aus der Einsamkeit. Er fängt an, über sich und sein Problem zu sprechen. Mehr noch: Er filmt sich ein Jahr lang selbst, beim Ausgehen, beim Daten, eigentlich bei allem. Aus diesen Aufnahmen entsteht der preisgekrönte Dokumentarfilm "Love Alien", der in Kino und Fernsehen läuft und im Frühjahr 2013 viel Aufmerksamkeit in der Presse erregt. Das Buch geht weit über den Film hinaus: Inzwischen hat sich Wolframs Leben komplett verändert. Wie er das geschafft hat, verrät er in diesem Buch.
"Meine Mutter sagte, ich sei zu egoistisch, die Therapeutin glaubte, ich wolle eigentlich gar keine Beziehung, die Stilberaterin meinte, ich müsste mich besser verkaufen. Und ich? Wollte abends endlich nicht mehr eine dunkle Wohnung aufschließen, am Valentinstag vor Rosen und Herzballons flüchten und Sex nur mit mir selbst haben."
Ein Buch für alle, die das mit der Liebe manchmal auch ganz schön kompliziert finden.
Der Autor
Wolfram Huke, Jahrgang 1981, ist Journalist und Filmemacher. Sein preisgekrönter Dokumentarfilm Love Alien lief in Kino und Fernsehen. Wolfram Huke hat in München Philosophie und Filmregie studiert, lebt in Leipzig und ist dem Swingtanzen verfallen.
Inhalt
Früher nannte man einen nicht mehr ganz jungen unverheirateten Mann einen Hagestolz. Dass heute niemand mehr heiraten muss, um eine Beziehung zu haben, macht es nicht leichter für die, die noch nie eine Beziehung hatten. Anstatt als 30-jähriger „ohne“ den Marktplatz zu fegen und seinen Freunden eine Runde auszugeben, dreht Wolfram Huke mit 29 den autobiographischen Dokumentarfilm „Love Alien“ (2012).
Jeder kennt jemanden, der unfreiwillig Single ist. Der endgültige Schritt vom guten Kumpel zum Liebhaber klappt einfach nicht. Und fast jeder lässt sich zu Ratschlägen hinreißen, um die die Betroffenen nicht gebeten haben. „Du darfst nicht so verkrampft nach einer Frau suchen“, heißt es, „Wie willst du jemanden kennenlernen, wenn du immer nur vor dem Computer hockst?“ oder „Du hast keine Ahnung, wie anstrengend eine Beziehung ist, sei froh, dass du Single bist!“ Ratschläge haben Wolfram Huke nicht weitergebracht. Auch Online-Dating, Speed-Dating und ein Besuch beim Therapeuten waren nicht der Bringer. Dezentere Andeutungen dagegen lauteten, sein Interesse an einer Frau deutlicher zu zeigen oder mal etwas anderes zu tragen als Cargohose und Hoody. Durch Hukes Umzug zurück nach Ostdeutschland erhält sein Single-Desaster dann doch noch eine interessante Wendung. Sprachlich zeigt der Text eine Unentschlossenheit, die für Hukes Generation charakteristisch zu sein scheint. Wer sich nicht festlegen will, kann am Ende allein dastehen, während andere längst Familie und Firma gegründet haben. Wer als Leser selbst Ziele verfolgt, wird Hukes sprachliches Geeiere zwischen Füllwörtern und banalen Details eines unspektakulären Lebens jedoch nur schwer ertragen können.
Fazit
Ein Ratgeber ist das Buch nicht, dazu bleibt es zu ichbezogen, sprachlich zu vage und zu weitschweifig; aber ein interessanter Einblick in die Gefühlswelt der nach 1980 geborenen "Generation Y".
6 von 10 Punkte