Andreas Gruber las am 26.10.2016 in Herzogenrath

  • Anlässlich der Verleihung der 11. Herzogenrather Handschelle, ein Krimipreis des Fördervereins „Pro Stadtbücherei e.V.“ der Herzogenrather Stadtbücherei, las Andreas Gruber aus seinem Krimi „Racheherbst“. Natürlich haben es sich einige Eulen nicht nehmen lassen, dem beizuwohnen. So veranstalteten wir unser eigenes, kleines Eulentreffen, dass den größeren Treffen in nichts nachstand.


    Los ging es für uns schon um 17 Uhr. In einem nahegelegenen Restaurant begann der Abend in gemütlicher Atmosphäre mit hochliterarischen kaum buchrelevanten Gesprächen und viel Gelächter. Die einzige hinzugeflogene Nichteule erwies sich schon zu diesem Zeitpunkt als durchaus eulenwürdig.


    Die Veranstaltung in der Stadtbücherei startete um 19:30 Uhr. Wir Eulen waren auf den letzten Drücker pünktlich und ergatterten die restlichen freien Plätze, von denen wir den Autor wenig bis gar nicht sehen konnten. Das tat der guten Stimmung natürlich keinen Abbruch, war doch das Zuhören das Wichtigste.


    Zunächst sprach der Vorsitzende des Fördervereins einige einleitende Worte, bevor der Bürgermeister der Stadt Herzogenrath den Preisträger in einer kurzen Laudatio ehrte. Danach kam Andreas Gruber selbst zu Wort, ehe ihm feierlich die Handschellen angelegt wurden. Die Praktikabilität des Preises wurde sogleich getestet, denn die Handschellen wurden erst einige Zeit, nachdem das Programm bereits begonnen hatte, wieder entfernt (zum Glück wurde der Schlüssel gleich mitgeliefert).


    Ich schreibe bewusst „Programm“, denn eine klassische Lesung, wie man sie erwartet, wenn man schon einmal eine solche besucht hat, war es nicht. Tatsächlich wurden exakt zwei Szenen vorgelesen: Zum einen der Prolog in gekürzter Fassung, der insbesondere den anwesenden Damen im Publikum einen Schauer über den Rücken gejagt haben dürfte; kurz war ein leises Raunen zu vernehmen. Wir erfuhren, dass diese Sequenz auf einer wahren Begebenheit beruht, die seine ehemalige Kollegin erlebt hatte (zum Glück ist ihr – im Gegensatz zur Romanfigur – dabei kein Schaden zugefügt worden). Auch auf die Gefahren von Internetbekanntschaften wurde dabei verwiesen. Wir Eulen haben allerdings einstimmig beschlossen, dass dies für Eulenbekanntschaften wohl nicht gilt…


    Der zweite vorgelesene Auszug betraf eine Bordellszene. Diese kannte ich natürlich bereits, da ich das Buch schon gelesen habe. Nachdem jedoch die im Vorfeld betriebene, in jeder Hinsicht schwierige Recherchearbeit genauer beleuchtet worden war, sah ich diese nun mit ganz anderen Augen. Nicht nur, weil alles so humorig vorgetragen wurde, dass wir wirklich aus dem Lachen nicht mehr herauskamen, sondern auch weil deutlich wurde, wie schwer es sein kann, scheinbar banale Dinge lebensnah zu Papier zu bringen.


    Rund um die vorgelesenen Szenen füllte Andreas Gruber den Abend mit etlichen Anekdoten und Geschichten aus seinem Leben als Autor und gewährte Einblicke in die Entstehung seiner Bücher. Besonders gut kam dabei die Episode über die Thriller-Nacht eines großen US-amerikanischen Smartphone-Herstellers an, bei der die Notwendigkeit der Präsentation des firmeneigenen Produktes die eigentliche Lesung fast unmöglich gemacht hätte.


    Er nahm uns auch auf Lesereise mit. So erzählte er von der Einladung zur Buchvorstellung nach Japan, die er zunächst nicht antreten wollte. Zum Glück war seine Frau da anderer Meinung, sonst hätte der gestrige Abend wahrscheinlich nicht in dieser Form stattgefunden: In Japan liest der Autor bei Lesungen nämlich nicht aus seinem Buch vor, sondern erzählt viel mehr über sich selbst als Person. Dies hat Andres Gruber auch für seine Lesungen in Europa übernommen. Zugegeben, nicht jeder Autor ist auch mit abendfüllenden Entertainer-Qualitäten gesegnet. Wir erlebten Andreas Gruber aber als wortgewandten und ausgesprochen witzigen Vortragenden. Ich glaube, es wurde bei einer Krimilesung selten so gelacht! (Von Krimilesungen bei Hannoveraner Eulentreffen mal abgesehen…)


    Der einen Dame vor uns hatte es wohl nicht so gefallen, sie ging zusammen mit ihrer Begleitung bereits während der Fragerunde. Nun ja, hätte sie während der Lesung etwas aufmerksamer zugehört, wäre die ein oder andere Pointe sicher nicht an ihr vorbeigegangen. Die übrigen Gäste waren wie wir Eulen begeistert, was die lange Schlange beim Signieren belegte. Die Eulen reihten sich dabei als letzte ein, die Wartezeit wurde mit viel Geschnatter überbrückt.


    Andreas Gruber nahm sich bis zum Schluss viel Zeit für seine Leser und signierte ausnahmslos alle Bücher (auch die Stapel, die die Eulen auf den Tisch legten). Es wurde sogar der Wunsch einer einzelnen Bald-Eule nach einem gezeichneten Skorpion entsprochen (die Todesmärchen wurden schließlich auch mit kleinen Fliegenpilzen verschönert), wobei ein wenig Uneinigkeit über die anzuzeichnende Anzahl Beine bestand.


    Alles in allem war es ein großartiger Abend, der uns (hier kann ich, denke ich, für alle anwesenden Eulen sprechen) noch lange in Erinnerung bleiben wird. Vielen Dank an Andreas Gruber für die unterhaltsamen Einblicke und tollen Geschichten! :anbet

  • ...liebe LeseBär, toller Bericht, dem ich nur in allem zustimmen kann - hatte ich doch das Vergnügen, dabei sein zu dürfen :-]
    Danke, dass Du alles sooo toll zusammengefasst hast!


    Auch ich hab mir - natürlich, grins - Bücher signieren lassen und war begeistert, wie viel Mühe sich Andreas Gruber bei jeder einzelnen Signatur gab!
    Eine davon mag auch ich Euch hier zeigen, ich ließ mir ein Buch für meinen Schwager signieren, welches dieser zu Weihnachten bekommen soll (nein, weder mein Schwager, noch meine Schwester, noch sonst wer aus der Familie liest hier mit :lache).
    Der Autor fragte mich extra, ob das Buch auch wirklich direkt am Heiligabend verschenkt werden soll, weil er dann den 24.12. als Datum reinschreiben würde...
    Aber schaut selbst.... -Klasse, oder?:


    "I have lived a thousand lives and I've loved a thousand loves. I've walked on distant worlds and seen the end of time."


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