Titel: Die Toten
Autor: Christian Kracht
Verlag: Kiepenheuer und Witsch
Erschienen: September 2016
Seitenzahl: 212
ISBN-10: 3462045547
ISBN-13: 978-3462045543
Preis: 20.00 EUR
Das sagt der Klappentext:
Christian Krachts Roman "Die Toten" führt uns mitten hinein in die gleißenden, fiebrigen Jahre der Weimarer Republik, als die Kultur der Moderne, besonders die Filmkultur, eine frühe Blüte erlebte.
Hier, in Berlin, "dem Spleen einer unsicheren, verkrampften, labilen Nation", versucht ein Schweizer Filmregisseur, angestachelt von einem gewissen Siegfried Kracauer und einer gewissen Lotte Eisner, den UFA-Tycoon Hugenberg zur Finanzierung eines Film zu überreden, genauer gesagt: eines Gruselfilms, genauer gesagt: in Japan. Das überschneidet sich mit ebensolchen Plänen im dortigen Kaiserreich, mit denen man dem entstehenden Hollywood-Imperium Paroli bieten will …
Der Autor:
Christian Kracht, 1966 geboren, ist Schweizer. Nach 'Faserland' (1995) schrieb er den Asien-Klassiker 'Der gelbe Bleistift' (2000). Seine Bücher sind in 14 Sprachen übersetzt. 2012 ausgezeichnet mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis
Meine Meinung:
Vorausgeschickt sei dies: Christian Kracht kann es besser. Vergeblich sucht man den Autor des großartigen Romans „Faserland“ - Von diesem Können ist in diesem neuen Roman von Christian Kracht leider nicht viel geblieben.
In sprachlicher Hinsicht ist dem Autor nichts vorzuwerfen, hier hat er seinen Standard gehalten. Inhaltlich aber ist das Buch eher mit „dünnem Bleistift“ geschrieben. Die Handlung vermag nicht unbedingt zu überzeugen und vieles wirkt dazu einfach nur lustlos.
Dazu passt auch der hastig hingeworfene Schluß dieses Romans. Da schießt der Roman sich selbst ins Knie. Wollte der Autor nur schnell fertig werden? Hatte er keine Lust mehr?
Irgendwie drängen sich solche Gedanken beim Lesen des Schlusses schon auf.
Mir wurde auch nicht so ganz klar, was der Autor mit diesem Roman eigentlich sagen wollte. Karl Ove Knausgard versteigt sich sogar zu der Annahme, es würde sich „.....um eine großartige Mephisto-Faust-Fabel....“ handeln. Wie er allerdings zu dieser Ansicht kommt, ist mir wirklich schleierhaft.
Oder hat Kracht einfach nur Globalisierungs-Gleichnis abgeliefert?
Und so bleibt dann nach großer Erwartung und großer Vorfreude auf dieses Buch eine ordentliche Portion Enttäuschung zurück.
Peinlich übrigens die auf dem Buchrücken zu lesende fast orgiastisch anmutende Stiefelleckerei des Denis Scheck. Kann dieses Würstchen auch mal normal und sachlich seine Meinung ausdrücken? Offenbar nicht. Eine sehr peinliche Nummer.
Ist dieser Roman nun lesenswert – oder eher nicht? Sprachlich in jedem Falle lesenswert, allerdings sollte man Abstriche beim Inhaltlichen machen, denn das ist eher enttäuschend.
Trotzdem gibt es noch wohlwollende 6 Eulenpunkte – dank der sich nun durchsetzenden Altersmilde.
Positiv anzumerken ist allerdings, das Christian Kracht keinerlei Respekt vor den Größen des deutschen und internationalen Filmgeschäftes hat - bezogen jetzt auf die Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Heinz Rühmann und Charlie Chaplin kommen eher nicht so gut weg.