Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Kiepenheuer&Witsch, 2016
Kurzbeschreibung:
Schon als kind hatte Johanna eine Vorliebe für Landkarten, die die Welt überschaubar machten und zugleich die Fantasie anregten. Nach dem Abitur ist sie aus der Uckermark nach Berlin gezogen, wo sie zum Ärger ihrer Mutter eine Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin macht, anstatt zu studieren. Mit Reiner, ihrem Ausbilder, bewegt sie sich durch das wohlgeordnete Liniennetz der Großstadt und lacht über alte DDR-Witze, ohne sie zu verstehen. Mit Karl, dem elternlosen Weltenbummler, beginnt sie eine Affäre. Ihr Vater Jens hat die Familie kurz vor dem Mauerfall verlassen, da war Johanna zwei. Außer einer Postkarte an der Wand erinnert nichts an ihn.
Doch dann ruft Jens an, und Johannas Lebenskonstrukt gerät ins Wanken. Plötzlich gibt es zahlreiche widersprüchliche Versionen seines Verschwindens. Ist er geflohen? Wurde er verhaftet? Hatte Johannas Mutter etwas damit zu tun oder gar Honeckers Krankengymnastin?
Über die Autorin:
Paula Fürstenberg, Jahrgang 1987, wuchs in Potsdam auf. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Frankreich studierte sie von 2008 bis 2011 am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Seither lebt, schreibt und studiert sie in Berlin. Ausgezeichnet wurde sie u.a. mit dem Hattinger Förderpreis für Junge Literatur und dem Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg; 2014 war sie Stipendiatin der Autorenwerkstatt am Literarischen Colloquium Berlin. »Familie der geflügelten Tiger« ist ihr erster Roman.
Mein Eindruck:
Überraschenderweise sind positive Bemerkungen von Sasa Stanicic und Jenny Erpenbeck über Paula Fürstenberg auf dem Buch abgedruckt. Viel zu tun hat sie nicht mit diesen sprachlich raffinierten Schriftstellern, selbst schreibt sie eher geradlinig. Ein passender Vergleich wäre vielleicht Angelika Klüssendorf.
Es ist ein Roman über eine Vatersuche. Johanna forscht über ihren Vater, der die Familie in der DDR verlassen hatte und den sie nach 1989 nicht wieder gesehen hatte. Bis jetzt, wo er mit Krebs im Endstand im Sterben liegt.
War er 1989 in den Westen geflohen oder verhaftet worden? Schließlich galt er als subversiver Musiker. War Johanns Mutter eine IM? Diese und weitere Fragen stellt Johanna sich.
Johanna war 1989 erst 2 Jahre alt und sie hält sich wie ihre Mutter für eine Wendeverliererin.
Ein Element des Buches sind fiktive Stasi-Notizen über den Vater, die Johanna verfasst, um sich über die damalige Situation klarere zu werden. Ein ungewöhnliches Stilmittel.
Momentan gibt es viele Debütromane. Obwohl mich Paula Fürstenbergs Debüt nicht komplett überzeugt hat, gibt es doch einige besondere Momente im Buch.
Was der Roman z.B. gut herausarbeitet, ist der Fakt, dass das Leben in der DDR und die Wende auch für die jüngere Generation noch Auswirkungen hatte.
Für die Longlist des Deutschen Buchpreises könnte es reichen!
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ASIN/ISBN: 3462048759 |