Buchmeinung zu Michael Kuhn – Sextus Valerius I: Varusgold
„Sextus Valerius I: Varusgold“ ist ein historischer Roman von Michael Kuhn, der 2015 als gebundene Ausgabe im Ammianus-Verlag erschienen ist. Ich habe das im gleichen Jahr erschienene E-Book gelesen.
Klappentext:
9 n. Chr. Varus ist tot, seine Legionen sind vernichtet. Nur Wenige entgehen dem Tod auf dem Schlachtfeld. Einer von ihnen ist der junge Optio Sextus Valerius. Es gelingt ihm, auf die andere Rheinseite zurückzukehren, um einen Neuanfang zu wagen. Doch die Vergangenheit lässt ihn nicht los: Er verstrickt sich in die Machenschaften seines Freundes Lucius Poblicius, der als Kriegsgewinnler und Waffenschieber von der Niederlage profitiert. Selbst findet er sich inmitten der Parteigänger des von den Truppen geliebten Feldherrn Germanicus wieder, der das verlorene Prestige und die rechtrheinischen Gebiete zurückgewinnen will. Tiberius, der Nachfolger des Augustus, will das aus politischer Selbstbehauptung unter allen Umständen verhindern ...
Meine Meinung:
Die Geschichte wird wechselnd aus zwei Perspektiven erzählt, zum einen als Ich-Erzähler Sextus Valerius und zum anderen von einem Erzähler in der dritten Person. Konsequent werden die Orte in ihrer römischen Bezeichnung erwähnt. Der heutige Name wird als Fußnote angeführt. Da diese nur bei erstmaligem Auftreten und dann am Ende des jeweiligen Kapitels aufgeführt werden, ist das Wiederfinden mühsam. Ein Anhang ist hier sicher die bessere Lösung.
Inhaltlich hat mich dieses Buch voll überzeugt. Ich hatte das Gefühl direkt vor Ort zu sein und habe vieles über römische und germanische Kultur erfahren. Die beiden Hauptakteure Sextus und Lucius sind vielschichtig gezeichnet. Dabei verfügen beide über gute und auch über schlechte Eigenschaften. Natürlich lagen meine Sympathien bei Sextus, der zu Beginn schwer leiden mußte, und sich dann Stück für Stück nach oben arbeitet. Eine weitere sehr interessante Figur ist Lucilla, Tavernenbesitzerin und zeitweilige Partnerin von Sextus. Sie ist eine mit allen Wassern gewaschene Person, die ihre Ziele mit vollem Körpereinsatz und auch ohne große Hemmungen verfolgt. Hilfe erfährt Sextus auch von Quintus und von einem Vorgesetzten, der ihn immer wieder vor zu ungeduldigem Vorgehen warnt. Dabei erfährt man so nebenbei einiges über die Situation der Legionen und die politischen Machtverhältnisse. Auch die Figur des Marsers Gernot, der sein Leben einst Sextus verdankte, wird geschickt genutzt, um Einblicke in das gar nicht so barbarische Leben der Germanen zu gewähren.
Da wir Soldaten während einer kriegerischen Zeit begleiten gibt es reichlich Kampfszenen, die meist moderat beschrieben werden, auch wenn es durchaus zur Schilderung grausamer Szenen kommt. Die Spannung ist jederzeit gegeben, auch wenn sie einige Aufs und Abs verzeichnet. Sie ist geprägt von der Rivalität zwischen Lucius und Sextus, die sich einen interessanten Zweikampf über meist größere Entfernung liefern.
Positiv überrascht hat mich der Anhang Spurensuche, der Verweise auf noch heute zugängliche Spuren aus dieser Zeit enthält.
Fazit:
Dieses Buch erzählt eine interessante Geschichte mit vielschichtigen Charakteren zu einer interessanten Zeit. Die Beschreibung des römischen und des germanischen Lebens zu dieser Zeit ist sehr faszinierend und mit vielen, für mich neuen, Informationen gespickt. Es hat mir viel Spaß gemacht, alle Figuren zu begleiten. Die Masse an glaubwürdigen und interessanten Figuren ist eine große Stärke des Romans. Meine Wertung lautet vier von fünf Sternen (85 / 100 Punkten). Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen und freue mich auf die bereits angekündigte Fortsetzung.