Walliser Totentanz - Werner Ryser

  • Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
    Verlag: Verlag Nagel & Kimche AG; Auflage: 3 (2. Februar 2015)
    ISBN-13: 978-3312006458
    Preis Gebundene Ausgabe: Euro 26.00
    Preis Kindle E-Book: Euro 19.99


    Autor


    Werner Ryser, geboren 1947, lebt in Basel. Er arbeitete in verschiedenen Nonprofit-Organisationen und ist heute Redaktionsleiter der Zeitschrift Akzent Magazin. Er veröffentlichte den Roman "Klosterzelg" (2012) und zwei Bücher über Basel.


    Kurzbeschreibung/Klappentext


    Im 16. Jahrhundert ist das Wallis Schauplatz im Kampf um die Vorherrschaft in Europa. Inmitten von Krieg, Pest und der Jagd auf Hexen hat die Kräuterfrau Magdalena Capelani einen riskanten Beruf. Zwar wird ihr Wissen gebraucht, aber man traut ihr nicht: Wer sich mit den Kräften der Natur auskennt, steht mit dem Teufel im Bund. Und tatsächlich verfügt Magdalena über ein zweites Gesicht. Sie sieht den Tod ihres Bruders voraus, der in einer der Schlachten stirbt, in denen sich Kardinal Matthäus Schiner mit dem mächtigen Volkstribun Georg Supersaxo befehdet. Erst durch die Schlacht bei Marignano beginnt der unaufhaltsame Abstieg der Papsttreuen. Ein atemberaubendes Drama über die Geschichte der Schweiz, ein Sittengemälde der Renaissance und ein Epos über Intrige, Macht, Liebe und Überleben.


    Meine Meinung


    Die Blütezeit der Historischen Romane in der deutschsprachigen Literatur ist vorbei und der Markt ist in diesem Segment drastisch geschrumpft. Dann taucht aus dem Nichts ein unbekannter schweizer Schriftsteller namens Werner Ryser auf und weckt mit einem dicken Buch das fast 600 Seiten lang ist mein Interesse. Der Verlag Nagel & Kimche veranschlagt für dieses voluminöse Werk einen stattlichen Preis und da hab ich sicherheitshalber im Internet erstmal die Leseprobe gelesen. Diese hat mich überzeugt und die Entscheidung ist gefallen, dieses Buch muss ich käuflich zu erwerben und lesen. Als Schweizer freut es mich natürlich, dass endlich einmal ein Stück schweizer Geschichte in einem deutschsprachigen Historischen Roman erzählt wird.


    Zeitgeschichtlich ist die Handlung in der Übergangszeit vom späten Mittelalter zur Renaissance in der Zeit rund um das Jahr 1500 abgesiedelt. Örtlich spielt sich das Meiste in der ländlichen Region Goms ab die zum heutigen Kanton Wallis gehört. In den abgelegen Bergtälern dauert es immer etwas länger bis der Fortschritt, der von den Städten ausgeht, ankommt. Zudem bildet sich in den entlegenen Gebieten eine widersprüchlich Machthierarchie von irdischen Gesetzesbevollmächtigten und kirchlichen Würdenträgern. Diese Machtfülle, die von Wenigen ausgeht und nur den Wenigsten nützt, ist für die normale Bevölkerung, die zwischen christlichem Glauben und Aberglauben hin und her pendelt, eine gefährliche Entwicklung. Aber auch diese bäuerlich geprägten Regionen können sich den grösseren europäischen Ereignissen wie Kriege nicht entziehen und sind mal minder mal schwerer davon betroffen.


    Der Rote Handlungsfaden durch diese Geschichte(n) und die Jahrzehnte ist die erfundene Kräuerfrau Magdalena Capelani. Sie agiert zwischen den vielen historisch verbürgten Personen und dem zeitgeschichtlichen Geschehen und ist ein wichtiges Bindeglied zum Leser. Die Authentizität scheint dem Autor wichtig zu sein. Hart und direkt erzählt er von brutalen Vorgängen die uns in der heutigen Zeit barbarisch erscheinen die aber zu dieser Zeit die Normalität waren. Auf eine künstliche Romanze, wie sie vielen historischen Romanen eigen ist, verzichtet er und hält die Erzählung so eine sachliche Ebene. Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln, besonders nicht für mich als Schweizer. Ab und zu tauchen mundart Worte oder Ausdrücke auf, die es so in reinen hochdeutschen Sprache wohl nicht gibt. Für mich verstärkt das, nebst den lokalen walliser Familiennamen, das regionale Flair das von diesem Buch ausgeht.


    Dieser Roman hat mich die letzten zwei Wochen begleitet. Für mich als Vielleser ist das eine ungewöhnlich lange Zeit für ein Buch aber dieses monumentale Werk braucht und verlangt viele Lesestunden und Lesepausen. Selbst an einem verregneten Wochenende ist es kaum zu lesen. Dem Geschichte ist anzumerken, dass der Autor enorm viel Zeit in Recherchearbeit investiert hat. Für mich als Leser zahlt sich diese intensive Arbeit aus und ich erfahre über die ganzen 590 Seiten viel über Land und Leute. Wie Glauben und Brauchtum einen enormen Einfluss auf das Leben anno dazumal hatten. Wobei es Werner Ryser gelingt, nebst dem Wissenstransport auch den Spannungsbogen stets hoch zu halten.


    Folgender Satz steht in der Kurzbeschreibung "Ein Epos von urtümlicher Erzählkraft: über die Geschichte der Schweiz, über Intrige, Macht, Liebe und Überleben." Das kann ich so voll und ganz unterschreiben und dieses tolle Buch zur Lektüre empfehlen. Wertung: 9 Eulenpunkte

  • Diese Rezi sehe ich ja erst jetzt... :schaem


    Als Walliserin bin ich natürlich bereits im Besitz dieses Buches, das im Moment noch in meinem SuB schlummert. Aber das muss ich nach dieser tollen Rezi bald ändern. ;-)


    Danke, sapperlot! :wave

  • Walliser Totentanz
    Werner Ryser


    Sapperlots begeisterte Beschreibung hat mich neugierig gemacht auf diesen Roman. Ich habe länger gebraucht, fast drei Wochen habe ich im Wallis verbracht, in einer Zeit, in der jeder verdächtig war, der sich von der Masse abhob, ganz besonders, wenn es sich um eine heilkundige Frau handelte.


    Schwer getan habe ich mich mit der Sprache, die mir zwar die Umgebung bildhaft vor Augen führte, mich aber mit ungewohnten Ausdrücken und Namen vor große Probleme stellte und mehr als einmal war ich dankbar für die Möglichkeit, mal eben im Internet nachzuschauen.
    Ein Glossar wäre für alle "auswärtigen" Leser eindeutig hilfreich.
    Außerdem ist es um meine Kenntnisse der Geschichte dieser Weltgegend doch sehr dünn bestellt und ich kann nur allen anderen Lesern empfehlen, sich erst einmal einen groben Überblick zu verschaffen.


    In diesem Buch wird Geschichte wirklich lebendig - ganz besonders gut gelungen ist dem Autor, uns heutigen Leserinnen den Alltag und die häufig so fremden Denkweisen des 15. Jahrhunderts nahezubringen.
    Neben den politischen Verwicklungen und dem Kampf um die Vorherrschaft von kirchlicher oder weltlicher Macht geht es besonders um das harte Leben der einfachen Menschen, die Willkür und Manipulationen der Mächtigen ausgeliefert sind.


    Allen Freunden von historischen Romanen möchte ich das Buch sehr ans Herz legen - nur Zeit muss man sich dafür lassen.