Über Frankreich - E.M.Cioran

  • Essay


    Verlag: Suhrkamp
    Gebunden, 104 Seiten, 17,80 EUR


    Aus dem Rumänischen von Ferdinand Leopold


    Kurzbeschreibung:
    Mit seinen Aphorismen und Essays gehört E. M. Cioran, geboren 1911 in Rumänien, gestorben 1995 in Paris, zu den größten Stilisten und bedeutendsten Autoren der modernen französischen Literatur. Überraschend tauchte kürzlich in seinem Nachlaß ein Essay auf, den er 1941 in Frankreich schrieb – noch in rumänischer Sprache: Über Frankreich. (Ab 1947 schreibt Cioran nur noch Französisch.)


    »Ich glaube nicht, daß ich die Franzosen lieben würde, wenn sie im Verlauf ihrer Geschichte nicht einen derartigen ennui entwickelt hätten. Es ist aber kein unabsehbarer ennui, sondern ein ennui der Klarheit. Es ist die Mattigkeit, die sich einstellt, wenn man einmal kapiert hat, wie es läuft. Während bei den Deutschen Banalitäten als ordentlicher Stoff für Unterhaltungen durchgehen, ziehen Franzosen eine ansehnliche Lüge jeder dürftig formulierten Wahrheit vor.«


    Damit beginnt Über Frankreich. Indem der Rumäne über Frankreich, Frankreichs Kultur, Geschichte und Dekadenz schreibt, entwirft er zugleich ein ganz persönliches Programm, nämlich das der eigenen förmlichen Domestizierung. Über Frankreich, noch gespickt mit Ausbrüchen vitalistischen Elans, gesuchten Reflexionen, falschem Tiefsinn in Nietzsches Manier, ist auch ein raffinierter Essay über Dekadenz und die Bedingungen einer Renaissance – seiner, derjenigen Ciorans.


    Über den Autor:
    E. M. Cioran wurde 1911 in Rasinari bei Hermannstadt in Siebenbürgen als Sohn eines griechisch-orthodoxen Priesters geboren. 1928 bis 1931 Studium der Philosophie an der Universität Bukarest. Bis 1939 erschienen fünf Bücher in rumänischer Sprache. 1937 kam Cioran als Stipendiat nach Paris, wo er als freier Schriftsteller lebte. Er starb am 20.6.1995 in Paris.


    Mein Eindruck:
    In diesem Text von 1941 interessiert mich weniger Ciorans Philosophie, vielmehr möchte ich erfahren, warum der Rumäne sich damals für Frankreich entschieden hatte. Es hätte auch Deutschland werden können, schließlich hatte der Rumäne als junger Mann viele Sympathien für Hitler.
    Doch schnell wird klar, was Frankreich für ihn alles an Kultur und Lebensart zu bieten hatte. Dort wird er einer der größten Philosophen der französischen Sprache.
    Doch bei “Über Frankreich” schrieb er noch in rumänischer Sprache.
    Mit vielen zugespitzten Superlativen und nicht ohne Übertreibungen beschreibt Cioran das Wesen des französischen Volkes, grenzt ab von Deutschland, England und überhaupt dem Rest der Welt. Mir gefällt in dem Zusammenhang der Teil über Musik.


    Dabei wird es nicht direkt bewundernd, z.B. schreibt er:
    “Ich verstehe Frankreich gut - durch alles was faul in mir ist!”


    Es geht auch viel um Niedergang und Zerfall, der Sturz Frankreichs! Frankreich ist zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Textes besetzt.


    Das ist schon ausgezeichnet formuliert von Cioran. Solche Sätze liest man nicht jeden Tag! Kein Wunder, dass Cioran für seine Aphorismen berühmt wurde.


    ASIN/ISBN: 3518421468