Details:
Seitenzahl: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
Erschienen: 18. Dezember 2015
Inhalt:
«Der Spiegel sagte, ich sei fett. Die Waage sagte: Bitte nicht in Gruppen aufsteigen! Mein Umfeld sagte schon lange nichts mehr. Die ungeschönte Wahrheit: Ich war Mitte 20, sah unmöglich aus und fühlte mich schrecklich. Ich konnte vor Rückenschmerzen kaum laufen und war so beweglich wie eine Wanderdüne. Im Krankenhaus sagte man mir, mein Gewicht läge bei weit über 340 Kilogramm. DreihundertWAS? Das konnte einfach nicht sein. Ich kaufte mir also Waagen. Zwei. Denn eine allein, selbst wenn sie bis 250 Kilo ging, zeigte mein Gewicht nicht an. Einen Heulkrampf später stellte ich mich darauf, einen Fuß auf jeder Waage. Es reichte nicht. Also begann ich, Kleinigkeiten zu verändern. Gute acht Monate später gab es endlich eine Zahl. Und was für eine: 315 Kilogramm! Seit diesem Tag habe ich über 160 Kilo abgenommen und bin noch lange nicht am Ziel – und erst recht nicht am Ende. Es geht eben doch! Und das will ich zeigen: ohne Operationen, ohne zu hungern, ohne dauerhaften Verzicht, ohne Pillen, dafür aber mit Sport, Ernährung, Wissen, Aufklärung, viel, viel Ehrlichkeit und vor allem einem Augenzwinkern. Ich bin die Fettlöserin. Und wenn ich es kann, dann kann es jeder.»
Autorin:
Nicole Jäger bezeichnet sich selbst als fette Frau – sie weiß, was es heißt, übergewichtig zu sein und abnehmen zu wollen. Über 160 Kilo hat sie schon geschafft, ohne Operation und absurde Diäten, und sie hat aus ihren Erfahrungen und ihrer Expertise als ausgebildete Heilpraktikerin ein Coaching für all jene entwickelt, denen es ähnlich geht. Der Erfolg gibt ihr Recht, denn nicht jede/r Übergewichtige hat Lust darauf, sich von einer durchtrainierten Size-Zero-Beauty erklären zu lassen, wie man Gewicht verliert. Nun erzählt Nicole Jäger ihre ungewöhnliche Geschichte – witzig, frech, inspirierend und sehr unterhaltsam.
Meine Meinung:
Erst einmal möchte ich meinen allerhöchsten Respekt für Nicole Jäger aussprechen, die es geschafft hat, ihr Leben so krass zu verändern. Sie hat sich halbiert, hat - wenn man dem Buch Glauben schenken darf - ein enormes Selbstbewusstsein entwickelt und gibt nicht viel auf die Meinung anderer Leute. Dafür, für das Weitermachen auch nach Rückschlägen und für das Durchziehen ihres Traums kann ich wirklich nur Bewunderung empfinden.
Ich fand gerade den Anfang des Buches sehr gelungen. Sie beschreibt den Punkt, an dem ihr klar wurde, dass es so nicht mehr weitergehen kann, und sie anfing ihr Leben zu ändern. Das fand ich sehr berührend und ich habe mehr als einmal den Mut bewundert, den die Autorin da zeigt. Dass sie beispielsweise ihre Magen-Operation abgesagt hat, weil es eine 2%ige Chance gibt, auch allein dauerhaft Gewicht zu verlieren. Wow!
Andere Geschichten waren unterhaltsam und witzig, wiederum andere Passagen lehrreich und wirklich interessant. Die Erklärung, wie der Stoffwechsel denn nun eigentlich genau funktioniert, fand ich beispielsweise schön anschaulich dargestellt und gut gelungen.
Allerdings war mir der Schreibstil etwas zu viel. Ich hatte ständig das Gefühl, das Buch soll möglichst cool, lässig und witzig wirken - was meiner Meinung nach leider etwas ins Gegenteil geschlagen ist. Die lapsigen Formulierungen waren etwas fehl am Platz, übertrieben oder - für mein Empfinden zumindest - eher unteres Niveau.
Auch sich selbst zu beleidigen und als fette Kuh zu beschimpfen oder andere, wenn auch nicht freundliche Menschen, mit gemeinen Sachen zu bedenken, fand ich nicht sehr passend. An einer Stelle erläutert die Autorin, dass viele derjenigen, die sich über Menschen mit mehr Gewicht lustig machen, selbst "hässlich" wären usw. Das fand ich einfach gemein und daneben.
Auch hätte ich es interessant gefunden, wenn noch mehr Details über ihren Weg erzählt werden. Nicht nur der grobe Verlauf, sondern wirkliche Fakten. Was hat sie gegessen, wie oft hat sie Sport gemacht usw. Einmal wird gesagt, dass jeder individuell seinen eigenen Weg finden muss und das finde ich richtig und sehr gut so, aber es wäre trotzdem sehr interessant gewesen, nicht nur Anekdoten über Flugzeuge, Eiscafés und diverse Diätmythen zu hören, sondern auch handfeste Fakten vorgesetzt zu bekommen. Wen das nicht interessiert, der hätte diesen Teil ja einfach überspringen können.
Fazit:
Mir hat "Die Fettlöserin" alles in allem gut gefallen, auch wenn ich mit dem Erzählstil nicht viel anfangen konnte. Ich wünsche Nicole Jäger weiterhin viel Glück und Erfolg auf ihrem Weg und hoffe, sie erreicht das, was sie sich als Ziel gesteckt hat. Ein gesundes, schmerzfreies Leben.
Von mir gibt es 6 Punkte.