Titel: Ein Sonntagskind
Autor: Jan Koneffke
Verlag: Galiani Berlin
Erschienen: August 2015
Seitenzahl: 579
ISBN-10: 3869711078
ISBN-13: 978-3869711072
Preis: 24.99 EUR
Das sagt der Klappentext:
Nach dem Tod eines linksliberalen Philosophieprofessors finden sich dessen Landser-Briefe aus der Kriegszeit. Sein Sohn begegnet darin einem Menschen, den er nicht kennt, der Schock ist groß.
Winter 1944/45: Um seinen unreifen Sohn Konrad vor den Werbern der SS zu retten, drängt dessen Nazi-skeptischer Vater ihn, freiwillig Reserveoffizier bei der Wehrmacht zu werden; kurz darauf rät er ihm sogar zur Fahnenflucht - Hitlerjunge Konrad graut es zwar vor Kampfeinsätzen, zugleich ist er aber über den mangelnden Patriotismus des Vaters entsetzt und überlegt ernsthaft, ihn anzuzeigen. Der Krieg macht durch Zufälle aus dem Feigling einen Helden, er bekommt sogar das Eiserne Kreuz Erster Klasse. Prahlend berichtet er darüber in Briefen an ferne Kameraden. Nach dem Kriegsende jedoch sieht die Welt anders aus. Der vorher verachtete Vater wird zum Leitstern. Konrad schämt sich zutiefst für seine Kriegstaten und verschweigt sie hartnäckig - erst recht, als er (gefordert von einem ehemaligen Widerständler) Philosophiedozent wird, Schwerpunkt Ethik.
Konrad gerät in Frankfurt, inzwischen Professor, ins linke Milieu - und mitten in die Wirren der Studentenbewegung. Als die Staatssicherheit der DDR über einen ehemaligen Kriegskameraden an kompromittierende Informationen über ihn gelangt, wird es brenzlig, aber es gelingt dem Sonntagskind Konrad, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Kein Wunder, dass er - Jahre später - die Nachricht vom Fall der Mauer nicht nur mit Freude hört. Erst sein Sohn wird die prahlenden Jugendbriefe seines Vaters finden - und darin einen Menschen, den er nicht kennt und dessen wahre Identität er rekonstruieren will.
Der Autor:
Jan Koneffke, geb. 1960 in Darmstadt, studierte Philosophie und Germanistik in Berlin und lebt als Schriftsteller und Publizist seit seinem Villa-Massimo-Stipendium (1995) in Rom. Er erhielt u.a. den Leonce- und Lena-Preis für Lyrik und den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis.
Meine Meinung:
Ein lesenswerter Roman, durchaus. Auch wenn man das eine oder andere Mal das Gefühl hat, alles schon mal so ähnlich irgendwo anders gelesen zu haben. Denn dieses Familienepos geht in den Fußstapfen so vieler andere Familienromane, was jetzt aber keine Herabsetzung bedeutet. Manchmal etwas mühsam zu lesen, allein schon wegen der Fülle der auftretenden Personen.
Der Autor schafft es aber, das seine handelnden Personen authentisch rüberkommen. Es sind Menschen so wie Menschen eben sind. Und so wird dieser Roman zu einer interessanten Zeitreise von 1945 bis 2007. Jan Koneffke lässt Zeitgeschichte lebendig werden. Man ahnt als Leser, wenn man denn nicht selbst dabei gewesen war, wie es seinerzeit war, man erfährt wie die Menschen lebten, wie sie dachten und wie sie handelten.
Ein lesenswerter Roman der allerdings von seinen Lesern etwas Geduld und Durchhaltevermögen verlangt. Koneffke kommt nicht immer sofort zur Sache, er kann nämlich auch ganz gut umständlich.
Im Gesamtergebnis ein lesenswerter Roman, eine authentisch wirkende Zeitreise. 6 Eulenpunkte. Auch wenn dieser Roman an manchen Stellen überfrachtet ist – weniger wäre manchmal wohl mehr gewesen. Ein sehr ordentlicher Baustein der deutschen zeitgenössischen Literatur.