Der Traum von Rückkehr – Horacio Castellanos Moya

  • Verlag: S.Fischer
    Hardcover, 2015
    176 Seiten


    OT: El sueño del retorno
    Aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold


    Kurzbeschreibung:
    Castellanos Moya ist der bedeutendste und engagierteste Schriftsteller El Salvadors. Zweimal aus dem Heimatland vertrieben, ist ›Der Traum von Rückkehr‹ ein persönlicher. Mit trockenem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie enthüllt sein Protagonist Erasmo Aragón eine ebenso spannende wie verworrene Geschichte. Der Bürgerkrieg hat wüste Spuren in ihm hinterlassen, die der betagte Arzt Don Chente mit einer Hypnosebehandlung offenlegen will. Doch Aragón beginnt, dem Arzt und bald auch der eigenen Erinnerung zu misstrauen. Das politische wird zum existentiellen Exil.


    Über den Autor:
    Horacio Castellanos Moya, 1957 in Honduras geboren, lebte und studierte in El Salvador und Kanada, arbeitete zehn Jahre als Journalist in Costa Rica und Mexiko. Von 1981 bis 1984 engagierte er sich im salvadorianischen Bürgerkrieg auf Seiten der Guerilleros. Für sein Werk erhielt er u.a. den renommierten Premio de Narrativa Manuel Rojas (2014). Auf die Veröffentlichung von >El asco. Thomas Bernhard in San Salvador< (1997) folgten Morddrohungen; seither lebte er in Mexiko, Europa (u.a. in Frankfurt am Main im Rahmen des Programms >Städte der Zuflucht<) und derzeit in den USA.


    Über die Übersetzerin:
    Stefanie Gerhold, geboren 1967 in München, lebt in Berlin. Sie übersetzt Literatur aus dem Spanischen, u. a. Manuel Vázquez Montalbán sowie die Werkausgabe von Max Aub. 1999 erhielt sie den Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft in der Kategorie junge Übersetzer.


    Mein Eindruck:
    Vor kurzen habe ich eine bemerkenswerte Veranstaltung im Chile-Haus mit dem salvadorianischen Schriftsteller Horacio Castellanos Moya gesehen, in der sein neuer Roman „Der Traum von Rückkehr“ vorgestellt wurde.
    Natürlich habe ich es mir gleich gekauft und signieren lassen, umgehend gelesen und stelle es jetzt hier im Forum vor.


    Der Roman ist zwar in Mexiko angesiedelt, in dem sich der Protagonist und Ich-Erzähler Erasmo Aragón aufgrund des Bürgerkriegs in El Salvador im Exil befindet, doch seine Gedanken kreisen durchgängig um seine Heimat.
    Als kritischer Journalist hat er das Land vor Jahren verlassen. Als sich 1991 das Ende des Bürgerkriegs in El Salvador ankündigt, plant er zurück zu gehen und an einer Zeitung dort mitzuarbeiten.


    Doch ihn plagen Zweifel. Er ist krank, trinkt zu viel und hat eine problematische Beziehung mit seiner Lebensgefährtin. So gesehen ist die Rückkehr vielleicht auch eine Flucht. Nicht umsonst hat der Autor einst einen Roman angelehnt an Thomas Bernhard geschrieben. Durch diese Art des Erzählens nimmt er den „Ernst“ vieler typischer Exilromane raus, die Tragik dieses Zustands aber bleibt.


    Das Buch wird konsequent durch die Gedankengänge und inneren Reflektionen des Protagonisten getragen. Dabei gefällt mir sehr, wie selbstironisch der Autor die Figur angelegt hat. Erasmo Aragon ist durch die Jahre im Exil zu einer psychisch labilen Persönlichkeit geworden, der einige emotionale Probleme hat.


    Das Lesen des Romans ist witzig und qualvoll zugleich. Das ist sicher nicht für jeden Leser geeignet, doch ich schätze die Qualität des Buches sowohl inhaltlich als auch sprachlich hoch ein.