Die Autorin (Quelle: Amazon)
Bregje Hofstede wurde 1988 in den Niederlanden geboren. Sie studierte Kunstgeschichte und Romanistik in Utrecht, Paris und Berlin. Hofstede erhielt das Förderstipendium des Hollands Maandblad für ihre Kurzerzählungen und Essays. Sie lebt und arbeitet als Kunsthistorikerin und Schriftstellerin in Brüssel. „Himmel über Paris“ steht in den Niederlanden auf der Longlist der renommierten Literaturpreise Libris Literatuurprijs 2015 sowie De Gouden Boekenuil 2015.
Die Übersetzerin Heike Baryga, geboren 1966, übersetzte u. a. Werke von Herman Koch, Annelies Verbeke und Margriet de Moor.
Das Buch (Quelle: Amazon)
„Der Himmel über Paris“ erzählt davon, wie wir uns selbst belügen, damit wir nicht das tun, wonach wir uns am meisten sehnen – und wie wir es dann vielleicht doch tun.
Das gut eingerichtete Leben von Olivier, Professor für Kunstgeschichte an der Sorbonne in Paris, gerät ins Wanken, als sein Chef ihn bittet, sich um die Austauschstudentin Sofie zu kümmern. Die junge Niederländerin ruft bei Olivier kostbare Erinnerungen an seine große Liebe zu Mathilde wach, die er eigentlich hatte vergessen wollen. Obwohl sein Verstand ihn warnt, macht er einen Annäherungsversuch und rät der Studentin zu etwas, wozu er selbst nie den Mut gehabt hat. Sofie ringt mit einer schwierigen Wahl: nach dem Größten zu streben und daran zugrunde zu gehen – oder gar nicht erst zu beginnen, aus Angst vor dem Scheitern. Entschlossen stellt sie sich ihrer Lebensangst und fordert Olivier dazu auf, dasselbe zu tun. Das bezaubernde und kluge Debüt einer jungen niederländischen Autorin.
Meinung
Die Autorin ist keine Entdeckung des Himmels, sondern ein Geschenk desselben. Die Idee ist genial, die Schreibe ausgereift und harmonisch, der Spannungsbogen stimmig und die Botschaft kommt auch gut rüber. Wo wird sie enden, wenn eine Autorin mit Mitte Zwanzig so ein Buch schreibt? Im Literatur-Olymp?
Mutig skizziert sie Figuren, die durchgängig nicht sympathisch sind, zumindest nicht besonders. Wer macht das schon? Schließlich brauchen die Leser mindestens einen Sympathiebolzen, zumindest in einem Liebesschmöker. Und genau das ist das Buch nicht. Es ist ein kurzer Roman über die verpassten Gelegenheiten unseres Lebens, die uns nicht loslassen, weil wir sie nicht verarbeitet, sondern verdrängt haben.
Bregje Hofstede deckt alte Fehler auf, die einen nicht loslassen, und verwebt die Vergangenheit mit der Zukunft. Dabei erscheint uns die Zeit als Raum, dem wir nicht entrinnen können, solange der Stachel der verpatzten Chance noch in uns steckt und nicht herausgezogen werden kann.
Auch wenn Marc ein wenig zu blass erscheint, Silvie am Schluss überreagiert, der Mob vor dem Haus nicht zeitgemäß ist und das Verhalten Oliviers nicht immer nachvollziehbar ist, so hat die Autorin einen sehr guten Erstling vorgelegt. Ich bin gespannt auf weitere Werke.