Verlag: Luchterhand Literaturverlag
2015
Gebundene Ausgabe, 448 Seiten
Kurzbeschreibung:
Vom ersten Moment an hatte Richard Warlo seinen Ziehvater Pawel Król geliebt, diesen wie durch eine versteckte Seitentür in sein Leben eingetretenen Beschützer. Fasziniert von dessen Stärke und Verwegenheit genoss er es, wenn in der Hanauer Ankergasse die Polen zu Besuch kamen und geredet, gesungen und getrunken wurde. Jahre nach Pawels Tod stößt Richard auf alte Fotos, die Pawel als jungen Mann in SS-Uniform zeigen. Sein polnischer Ziehvater ein Nazi? Wer war der Mann, der ihn wie einen Sohn erzog, mit ihm auf der Suche nach seltenen Schmetterlingen durch ganz Europa reiste und ihn die Poesie des Wagnisses lehrte?
Über den Autor:
Peter Henning studierte Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und war seit 1985 als freier Journalist für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten tätig, später wurde er Leiter des Literatur-Ressorts bei der Schweizer Weltwoche. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Köln. Zuletzt erschienen seine Romane "Die Ängstlichen" (2009), "Leichtes Beben" (2011) und "Ein deutscher Sommer" (2013).
Mein Eindruck:
Die Chronik des verpassten Glücks ist ein bemerkenswertes Buch und im Grunde eine Art Familienroman.
Es gibt hauptsächlich zwei Handlungsstränge. Zum einen den von dem Deutschen Richard Warlo, dessen Frau Mariam vor kurzen verstorben ist und der zufällig auf Fotos seines vor 10 Jahren gestorbenen, geliebten Ziehvaters Pawle Krol stösst. Diese Fotos legen nahe, dass Pawel Krol ein anderer Mensch war als gedacht.
Dabei hat Richard ihn so verehrt. Dessen Tod riss eine Lücke in sein Leben.
Zum anderen gibt es noch die polnische Familie Krol. Pawels Frau Oliwia, sein Sohn Marcin und seine Tochter Lucyna. Vor vielen Jahren hat Pawels seine Familie verlassen.
Vor allen Marcin, der ein mäßig erfolgreicher Schriftsteller ist, ragt heraus. Aber er ist eine traurige Figur, der an seinem fehlenden Vater leidet und zu viel trinkt.
Sowohl Richard Warlo als auch Marcin Krol sind auf der Suche nach dem verlorenen Vater und der Vergangenheit.
Die Chronik des verpassten Glücks ist übrigens nicht nur der Name dieses Romans sondern auch der Titel eines Romanprojekts, das Marcin im Roman versucht zu schreiben und doch scheitert.
Richard reist nach Polen und sucht die ehemalige Familie Pawels auf.
Dieser Suche nach dem geheimen Leben des Vaters zu folgen, hätte ziemlich interessant werden können, doch alle Protagonisten haben auch genug damit zu tun, ihre alltäglichen Problemen zu beackern.
Natürlich muss man auch erwähnen, dass ähnliche Themen in anderen Romanen schon häufig verarbeitet wurde und viele gingen dabei mehr in die Tiefe als Peter Henning, der kaum die Oberfläche verlässt.
Sprachlich verwöhnte Leser könnten den Stil von Peter Henning schlicht finden, aber dafür lässt er sich trotz fehlender literarischer Herausforderung gut lesen.