Titel: Sommernovelle
Autorin: Christiane Neudecker
Verlag: Luchterhand
Erschienen: Juni 2015
Seitenzahl: 186
ISBN-10: 3630874592
ISBN-13: 978-3630874593
Preis: 16.99 EUR
Das sagt der Klappentext:
Ein Sommer, wie es ihn nur in der Kindheit oder Jugend gibt. Es ist der Sommer, den sie nie vergessen werden. In ihren Ferien arbeiten zwei 15-jährige Schülerinnen auf einer Vogelstation direkt am Meer. Bei flirrender Hitze streifen sie über die Nordsee-Insel und lauschen den Trillergesängen der Austernfischer, sie trinken eisgekühlte Limonade, zählen Silbermöwen am Himmel und führen Kurgäste durch das schillernde Watt. Doch dann holt eine Realität sie ein, mit der sie nicht gerechnet hatten. Denn was geschieht, wenn man sich mitten in der Lebenslüge eines anderen Menschen befindet? Pfingsten 1989: Lotte und Panda wollen die Welt verändern. Es ist die Zeit kurz vor der Wende, in der es für Jugendliche in der BRD vor allem Nord und Süd gab, nicht aber Ost und West. Deutschland liegt noch im Schatten der Wolke von Tschernobyl und jedes Gewitter bringt sauren Regen. Die beiden Freundinnen sind sich einig: Sie wollen handeln. Gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe aus Rentnern und Studenten leisten sie ökologischen Dienst in einer skurrilen Vogelstation.
Die Autorin:
Christiane Neudecker, geb. 1974, studierte Theaterregie an der "Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch" in Berlin. Sie ist Regisseurin beim Berliner Künstlernetzwerk phase7 performing.arts ((...)). 2005 erschien ihr Erzähldebüt, 2008 ihr erster Roman, für den sie den August-Graf-von-Platen-Förderpreis und den Förderpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Nürnberg erhielt. Neudecker hat für ihr Schreiben zahlreiche weitere Auszeichnungen erhalten, u.a. den Wolfram-von-Eschenbach-Förderpreis, den Alfred-Gesswein-Preis und das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds 2009. 2010 wurde sie mit dem Bayern 2-Wortspiele-Preis und dem "Phantastikpreis der Stadt Wetzlar" ausgezeichnet.
Meine Meinung:
Eine Novelle, deren atmosphärische Dichte beeindruckt. Eine intensive, wenn auch eher ruhige Erzählung. Es geht um den Niedergang des Einklangs von Mensch und Natur. Und so ganz nebenbei erfährt der Leser einige interessante Dinge über Möwen. Es geht auch um das Erwachsenwerden junger Mädchen, um Zuneigung die nur aus sexuellen Motiven erwidert wird – es geht um Enttäuschungen, weil jugendlicher Enthusiasmus ausgebremst wird. Diese Novelle ist ohne Frage ein sehr lesenswertes Stück deutscher zeitgenössischer Literatur. Eine Erzählung die den Leser ggf. sogar selbst in die eigene Jugend zurückführt. Eine Erzählung die einlädt mitzudenken, die einlädt sich unter Umständen auch einzumischen. Vielleicht ändert sich ja der Blick nach der Lektüre dieser Erzählung auf unsere Welt ein klein wenig. Das wäre schon ein Erfolg. 8 Eulenpunkte für eine sehr beeindruckende Erzählung.