Klappentext
"Hallo, Ihr Arschlöcher!" So begrüßt Véronique Poulain eines Tages ihre Eltern, als sie aus der Schule heimkehrt. Die Reaktion: eine zärtliche Umarmung. Véroniques Eltern sind gehörlos. Das hat seine guten Seiten, kann aber auch ganz schön nerven. Als Kind ist Véronique mächtig stolz, wenn sie sich vor aller Augen in Gebärdensprache unterhält. Doch möchte sie nach ihrer Mutter rufen, muss sie sich etwas einfallen lassen. Und anders als man denkt, sind Gehörlose nicht unbedingt leise Menschen. Véroniques Eltern schmatzen genüsslich, pupsen geräuschvoll in der Öffentlichkeit und haben lauthals Sex. Ganz still ist es bei ihr zu Hause nie. Und richtig wild wird es, wenn ihre Mutter hinterm Steuer eine Diskussion beginnt. Humorvoll, unsentimental und anrührend erzählt Poulain von ihrer Kindheit – und gewährt dem Leser einen eindrucksvollen Blick in die Welt der Gehörlosen.
Über die Autorin
Véronique Poulain wurde 1965 in Paris geboren. Sie begann ihre Karriere als Werbeleiterin beim Fernsehen. Später wechselte sie zum Film und war viele Jahre lang persönliche Assistentin des berühmten französischen Schauspielers Guy Bedos. Véronique Poulain wohnt mit ihrem Lebensgefährten und ihren zwei Kindern in der französischen Hauptstadt.
(Quelle: Ullstein-Verlag)
Meine Meinung
Die Eltern von Véronique Poulain sind gehörlos, der Vater seit dem Säuglingsalter, die Mutter und der Onkel von Geburt an. Da die Großeltern im selben Mietshaus ein Stockwerk höher leben, wächst die kleine Véronique in zwei Welten auf: der stummen (aber keinesfalls leisen) Welt ihrer Eltern und der wortreichen Umgebung ihrer Großeltern. Hier kann sie ihrem Drang zu sprechen ungebremst nachgeben.
In kurzen Episoden erzählt die Autorin vom Leben ihrer Eltern und ihrem eigenen Aufwachsen zwischen Gehörlosigkeit und Normalität. Sie beschönigt dabei nichts, erzählt auch offen von den Phasen, in denen sie sich ihrer Eltern schämte und von ihrer Angst, ihre eigenen Kinder könnten die Gehörlosigkeit geerbt haben. Die Sprache ist einfach, direkt und authentisch und die vielen Episoden gut gewählt, weil sie vor allem eines bieten: einen ungeschminkten Blick in den Alltag Gehörloser. Dabei sind es vor allem die vielen kleinen Details, im Grunde Banalitäten, die das Bild dabei so lebendig machen. Ich habe zum Beispiel nie darüber nachgedacht, dass das Zusammenleben mit Gehörlosen eines gamz bestimmt nicht ist: leise. Wer nicht hört, dass er beim Essen schmatzt, wird es auch nicht leiser machen. Die Mischung aus humorvollen und ernstern Geschichten ist gut gewählt, und als ersten Einblick kann das Buch bestimmt mit dem einen oder anderen Vorurteil aufräumen. Die Autorin inspirierte mit ihrem Buch übrigens zum Film "Verstehen Sie die Béliers?". Leseempfehlung!