OT: Yo maté a Kennedy
1. Band der Pepe Carvalho-Reihe
Kurzbeschreibung:
Pepe Carvalho ist ein Gourmet höchsten Grades, ein bewunderungswürdiger Privatdetektiv und leidenschaftlicher Liebhaber, der das Geld zu schätzen weiß und manchmal die Literatur den Flammen übergibt. Aber bevor Pepe Carvalho sich in seinem geliebten Barcelona niederlassen kann, muss er noch die Intrigen am Hofstaat J. F. Kennedys ertragen, der in dem imaginären "Palast der Sieben Galaxien" residiert. Carvalho gehört zum Dienstpersonal, als Leibwächter galicischer Abstammung zur besonderen Bewachung J. F. Kennedys abgestellt.
Über den Autor:
Manuel Vázquez Montalbán, geboren 1939 in Barcelona, war ein spanischer Schriftsteller und Journalist. Zeit seines Lebens schrieb er über 100 Bücher, darunter auch die Krimi-Reihe um den spanischen Privatdetektiv Pepe Carvalho, sowie Tausende von Artikeln. Montalbán starb 2003 auf dem Flughafen Bangkok an einem Herzinfarkt.
Meine Meinung:
Hm. Hm, hm, hm. Nur selten hat mich ein Buch - und schon gar nicht ein Thriller, wie es ausdrücklich auf dem Titel vermerkt ist - so ratlos zurückgelassen wie dieser erste Band der Pepe Carvalho-Reihe von Manuel Vázquez Montalbán. In Unkenntnis der anderen Bände kann ich nicht einschätzen, inwiefern sich dieser sehr eigenwillige Schreibstil von den späteren Teilen der Reihe abhebt, für einen Thriller ist er aber so oder so sehr ungewöhnlich. Fast schon surreal sind Setting, Handlung und Stil und so ist es nicht ganz einfach dem Erzählten zu folgen. Insbesondere der häufige und nicht auf Anhieb ersichtliche Wechsel von Zeitebenen, Situationen und Sprechern ist eine echte Herausforderung, die sich - je nach Geduld des Lesers - nachteilig auf das Lesevergnügen auswirken kann.
Vergnüglich, ja teilweise sogar ziemlich frech, erscheint die Geschichte zwischenzeitlich allemal, Montalban zeigt sich hier unbeeindruckt von den vermeintlichen Idealen der USA in der Kennedy-Ära und auch die Politgrößen selbst bekommen hier ihr Fett weg. Viele der Anspielungen sind nur mit einem mehr oder weniger umfangreichem Vorwissen zu verstehen, ohne dieses Vorwissen bleibt so manch seltsam anmutende Szene unverständlich. Um die gesamte Groteske zu verstehen, kann es deshalb vor der Lektüre von "Ich tötete Kennedy" nicht schaden, sich einen Überblick über die politische und gesellschaftliche Situation in Kennedys Präsidentenzeit zu verschaffen und sich dabei gleich auch über die wichtigsten Menschen in seinem Umfeld zu informieren. Leider war mir dies nicht bekannt und so sind mir ganz sicher viele Seitenhiebe und spitze Bemerkungen entgangen, was mich (erstaunlicherweise!) aber nicht dazu gebracht hat, die Lektüre abzubrechen, sondern vielmehr dazu ermutigt hat, es demnächst mal mit einem anderen Pepe Carvalho-Band zu probieren, um zu erfahren, was es denn nun mit diesem ominösen ehemaligen Leibwächter auf sich hat, der irgendwann zu dem berühmtesten Detektiv der spanischen Literatur wurde. Und sollte diese Erfahrung weniger irritierend und dafür vergnüglicher und/oder im Sinne eines Krimi oder Thrillers spannender sein, lohnt es sich ganz sicher, mit diesem (und dem bis dahin angeeigneten (gesellschafts)politischen) Wissen die Lektüre von "Ich tötete Kennedy" noch einmal zu wiederholen.
Bis dahin sehe ich mich allerdings außerstande, eine Bewertung abzugeben...