Das Monster von Neuhausen - Ernst Augustin

  • Ein Protokoll


    Verlag: C.H.Beck
    2015


    Kurzbeschreibung:
    Tobias Knopp unterzieht sich einer Operation, die tragischerweise missglückt. Der zur Rechenschaft gezogene Chirurg streitet alles ab und belastet seinerseits den Patienten, bloß zu simulieren. In seinem neuen Buch spielt Ernst Augustin den anschließenden Gerichtsprozess mit der ihm eigenen Komik und Kunstfertigkeit durch. Es ist das Protokoll der Verteidigung eines monströsen Bluttäters, der aus Gründen verletzten Ehrgefühls auf das Schrecklichste überreagiert. Die Verteidigungsschrift. Die allerdings in einigermaßen verbohrter Gerechtsamkeit sich selbst im Wege steht und für den Fall wenig förderlich ist. Hier scheint ein Verteidiger seine eigene Verteidigung zu verteidigen. Er vollbringt das Kunststück, das vermeintliche Monster überhaupt erst zum „Monster“ zu machen. Es ist eine Idylle, eine Gerichtsprozessidylle.


    Über den Autor:
    Ernst Augustin, geboren 1927, war in seinem Beruf als Arzt und Psychiater an damals entlegensten, exotischen Orten tätig, unter anderem in Kandahar, Afghanistan, das sich in biblischem Zustand befand. Heute lebt und schreibt er in noch verbliebenen Innenwelten. In München.


    Mein Eindruck:
    Dass dieses interessante Buch mit nur 117 Seiten bei großer Schrift so kurz geworden ist, hat einen Grund. Ernst Augustin ist vor ca. 5 Jahren fast vollständig erblindet. Das passierte bei einer Operation von gutartigen Gehirntumoren, als der Chirurg versehentlich dabei den Sehnerv durchschnitt.
    Mit der geringen Restsehkraft kann der heute 87jährige Autor nur mit Hilfenahme technischer Unterstützung mühsam schreiben.


    Umso erstaunlicher, dass dieser Roman trotzdem ein vollwertiges Buch geworden ist.
    Das liegt vor allen an dem gewählten Stil: Ernst Augustin schreibt üblicherweise in Form des Schelmenromans mit Blick auf tragikkomischer Figuren. Hier ist es auch so. Ein Verteidiger monologisiert vor Gericht über diesen Fall. Tobias Knopp heißt hier der Betroffene, Prof. Dr.Dr. Simmering der Chirurg, mit dem er sich auseinandersetzt.
    Es wird letztlich ein Kampf um die Ehre und die Frage, was dieser Begriff heutzutage noch Wert ist.


    So verarbeitet Ernst Augustin mit grotesker Übersteigerung auf originelle Art und sprachlich mit viel Wortwitz das Geschehen.