Das Verschwinden des Jim Sullivan - Tanguy Viel

  • Ein amerikanischer Roman


    Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
    Verlag: Wagenbach, 2014


    Originaltitel: La disparition de Jim Sullivan
    Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel


    Kurzbeschreibung:
    Das Leben war schon mal netter zu Dwayne Koster, und so besieht er sich die Welt nun vorzugsweise von seinem Wagen aus, einem Dodge Coronet aus den sechziger Jahren, und hört dabei Musik von Jim Sullivan. Das neue Buch von Tanguy Viel ist ein Roman hinter dem Roman. Eine hochkomische, sehr unterhaltsame Parodie ebenso wie eine große Hommage an den amerikanischen Roman.


    Dwayne Koster ist ein amerikanischer Literaturprofessor um die fünfzig. Er lebt in der verrottenden Autostadt Detroit (der passend depressiven Kulisse für seine große Krise),er ist geschieden, hat ein Techtelmechtel mit einer unglaublich jungen Studentin, und seine Exfrau Susan hat sich ausgerechnet mit seinem größten Widersacher eingelassen. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Gewiss kein Zufall, denn der Erzähler ist ein französischer Autor, der einen Roman nach amerikanischem Vorbild schreiben will, um endlich berühmt zu werden. Was fehlt ihm also noch, diesem Dwayne in der Midlifecrisis, zum amerikanischen Romanhelden? Eine klare zeitgenössische Verankerung (der Tod Kennedys, der 11. September,der Irakkrieg), ein Hang zum Alkohol und zum Glücksspiel, endlose Highways, die passende Filmmusik und maskuline Selbsterfahrung in freier Natur. Doch während der Erzähler sich selbst beim Erfinden eines Romans zuschaut, muss er erleben, wie seine Figuren lebendig werden und sich auf und davon machen.
    Wie in einem gekrümmten Spiegel reflektiert dieser intelligente und sehrkomische Roman sich selbst, er dehnt und verzerrt, quetscht und überzeichnet.
    Virtuos und höchst unterhaltsam bespielt Tanguy Viel seine parodistische
    Klaviatur.


    Über den Autor:
    Tanguy Viel, geboren 1973, gehört zu den interessantesten französischen Gegenwartsautoren. Er lebt in Meung-sur-Loire und spielt gerne Tischfußball. In Detroit war er noch nie. Bei Wagenbach lieferbar sind: Ein absolut perfektes Verbrechen, Unverdächtig und Paris- Brest.


    Über den Übersetzer:
    Hinrich Schmidt-Henkel
    geboren 1959 in Berlin. Als einer der renommiertesten deutschen Übersetzer übertrug er zahlreiche namhafte literarische Werke aus dem Französischen, Norwegischen und Italienischen, u.~a. von Louis-Ferdinand Céline, Yasmina Reza, Michel Houellebecq, Jean Echenoz, Marie Darrieussecq, Jon Fosse, Camus, Ibsen und Diderot. Zudem ist er Vorsitzender des Verbands deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke. Er wurde u.~a. mit dem Jane-Scatcherd-Preis und dem Paul-Celan-Preis geehrt. Schmidt-Henkel lebt in Berlin.


    Mein Eindruck:
    Aufgrund seiner Erzählstruktur ist “Das Verschwinden des Tim Sullivan” ein ungewöhnliches und originelles Buch.


    Von Anfang an betont der Autor, dass er als französischer Schriftsteller hiermit einen typisch amerikanischen Roman schreiben will, mit den aus der amerikanischen Literatur bekannten Stilmittel und Versatzstücken.


    Die Regeln des US-amerikanischen Roman bricht Tanguy Viel jedoch von Anfang an, den kein typischer Autor würde durchgängig kommentieren.
    So begleitet der Autor uns durch das ganze Buch.
    Tatsächlich gelingt es ihm auf faszinierende Weise, einen Mann zu porträtieren und seine Geschichte zu erzählen.


    Dwayne Koster, ehemaliger Hochschulprofessor, geschieden. Mit seiner neuen Freudnin erlebt er eine Enttäuschung, er verfällt dem Alkohol.
    Sein Idol ist der Musiker Jim Sullivan, der 1975 auf dem Weg nach Nashville in der Wüste spurlos verschwand. Nachdem Dwayne in krumme Sachen verwickelt wird, flieht auch er in die Wüste.


    Tanguy Viels einfallsreich erzeugte Szenen und Passagen sind wirklich großartig dargestellte amerikanische Momente Andererseits bleibt auch viel nur Experiment. Solide 8 Punkte!