Suhrkamp, 161 Seiteb
Originaltitel: Rue des Boutiques Obscures
Übersetzt von Gerhard Heller
Kurzbeschreibung:
Paris nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Mann erinnert sich nicht mehr. Die einzigen Anhaltspunkte für seine Suche: ein altes Foto, eine Todesanzeige. Er trifft auf eine kleine Gruppe von Emigranten, die in dunkle Geschäfte verwickelt sind. Darunter ein Barpianist, ein Gärtner, ein Fotograf. Eine russische Tänzerin taucht auf – und verschwindet wieder. Ein englischer Jockey kreuzt seinen Weg – und ein griechischer Nachtbummler, der von einer Zufallsbekanntschaft ermordet wird. Wer ist dieser Suchende? War er tatsächlich mit dem Mannequin Denise verheiratet, das auf geheimnisvolle Weise verschwand? Und was geschah nach Kriegsende an der Grenze zur Schweiz?
Über den Autor:
Patrick Jean Modiano wurde am 30.7.1945 in Boulogne-Billancourt als Sohn einer flämischen Schauspielerin und eines jüdischen Emigranten orientalischer Abstammung geboren. Sein Vater lebte während der deutschen Besatzungszeit im Untergrund und schlug sich mit Schwarzmarktgeschäften durch. Modiano erlebte eine chaotische Nachkriegskindheit: häufige Abwesenheit der Mutter, früher Tod des Bruders und Trennung der Eltern. Modiano widmete sich schon früh dem Schreiben und bereits mit 21 Jahren beendete er seinen ersten Roman. Seitdem publizierte er zahlreiche Romane, Kinderbücher sowie Theaterstücke und Drehbücher. Mit seinem Roman "Eine Jugend" wurde er in Deutschland bekannt. 2014 ist Modiano mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden. Der Autor lebt in Paris.
Über den Übersetzer:
Gerhard Heller, geboren, 8. November 1909 in Potsdam; † 29. August 1982 in Baden-Baden) war ein deutscher Verleger und Übersetzer. Während des Zweiten Weltkriegs war er im besetzten Frankreich mit dem Dienstgrad eines Sonderführers (entspricht dem Leutnantsrang) für die Literaturpolitik der Besatzungsbehörden zuständig.
Mein Eindruck:
Die Gasse der dunklen Läden ist ein schon älteres Buch von Modiano, von 1978, doch Modianos Stil ist wie immer zeitlos. Das Buch war sehr erfolgreich, Modiano bekam den Prix Goncourt dafür,
Patrick Modianos Literatur beschäftigt sich immer mit dem Themen Identität und erinnern. In diesem Roman st er besonders konsequent und lässt seine Hauptfigur jemand sein, der einerseits das Gedächtnis verloren hat und damit seine Identität, und andererseits hat er für einen Detektiv gearbeitet. Er wusste nicht einmal seinen Namen, der Detektiv besorgt ihm einen neuen Pass auf den Namen Guy Roland.
Jetzt (1965) ermittelt Guy selbst und sich zu finden. Er steigert sich ziemlich hinein, als der verschiedene Menschen befragt, glaubt sich auf der Sour zu sein und nimmt verschiedene Rollen ein. Mit Hilfe einiger alter Fotos tastet er sich voran. Vieles, was er über die Vergangenheit erfährt, bleibt Mysteriös. Es gibt verschwundene Personen und auch einen Mord, bei dem der Mörder nie identifiziert wurde.
Aus dem was Guy erfährt, imaginiert er eigene Erlebnisse aus der Vergangenheit, z.B. auch seine Beziehung zu dem Modell Denise, mit dem er (vielleicht) damals zusammengelebt hat. Aber weder er noch der Leser kann sagen, welche von diesen Gedanken wirklich passiert sind,
Das Buch hat eine dichte Atmosphäre, natürlich, ganz so, wie man es von Modiano erwartet.
Für Modianio-Verhältnisse ist der Roman nahezu geradlinig. Er ist konzentriert erzählt, alles Überflüssige wird ausgespart. Das passt gut zum Buch und gefällt mir. Wieder eine gute Wiederveröffentlichung eines wichtigen Buches. Die Gasse der dunklen Läden ist einer der besten Patrick Modiano-Romane!
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ASIN/ISBN: 3518466178 |