Titel: Shakespeare in 60 Minuten
Autor: Charlotte Lyne
Produktinformation
Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
Verlag: Thiele Verlag GmbH (1. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3851790618
ISBN-13: 978-3851790610
Größe und/oder Gewicht: 10,6 x 1,7 x 15,7 cm (AMAZON)
Preis: 8,00 Euro
Inhaltsangabe lt. AMAZON
Shakespeare ist der meistgespielte Bühnenautor der Welt. Keinen anderen Dichter zitieren wir so häufig – oft ohne es zu wissen. In äußerst unterhaltsamer Weise spürt Charlotte Lyne dem »Geheimnis« dieses genialen Mannes nach, der sich stets mit den zentralen Fragen des menschlichen Seins beschäftigt hat: Liebe, Eifersucht, Rache, Intrigen, Betrug und Selbstzweifel. Seine Gestalten haben längst die Bühne verlassen und geistern durch die Welt, durch unsere Köpfe und Herzen: Romeo und Julia, Hamlet, Othello, Lady Macbeth, König Lear, die zarte Ophelia und die widerspenstige Kate. Obwohl ein kleines Buch – es zeigt William Shakespeare in seiner ganzen Fülle und Aktualität.
Über den Autor:
Charlotte Lyne (geboren 1965 in Berlin), studierte Germanistik, Latein und Italienische Literatur in Neapel und Berlin sowie Anglistik in Berlin und London. Als Übersetzerin, Lektorin und Autorin lebt sie in London. Sie ist Spezialistin für englische Kultur und Geschichte, was sich auch in ihren mit großem Erfolg veröffentlichten historischen Romanen niedergeschlagen hat. (AMAZON)
Meine Meinung:
Also, in 60 Minuten habe ich das nicht geschafft!
Allerdings habe ich nicht nur gelesen, sondern genossen.
Mein Wissen über Shakespeare war im Wesentlichen begrenzt auf vage Erinnerungen aus dem Englischunterricht: Stratford/Avon, Globethreatre, Männer in Frauen-Rollen, Gerüchte um tatsächliche Urheberschaft, einige Titel und Zitate und das wars dann auch schon.
In diesem Buch wird der Leser... naja, nicht gerade an der Hand genommen, dazu war die Anrede zu sehr auf Augenhöhe, nie "belehrend" (im negativen Sinne zu verstehen, ich lasse mich nämlich gern belehren, aber eben nicht von oben herab, sondern so wie hier!), aber vielleicht kameradschaftlich untergehakt und man kann den Eindruck gewinnen, von einer engagierten Fremdenführerin sowohl an einige heute noch vorhandene und mit Shakespeare verbundene Stätten geführt zu werden und gleichzeitig auch einige Anekdötchen vertraulich ins Ohr geflüstert zu bekommen, wie beispielsweise Shakespeares "Vermächtnis" an die Mutter seiner Kinder.
Als neu für mich erwies sich beispielsweise auch, dass der US-Schauspieler Sam Wannamaker das abgebrannte Globetheatre wieder aufbauen ließ, irgendwie ging das vollkommen an mir vorbei, obwohl ich die Neueröffnung des "Teatro La Fenice" (man verzeihe den Vergleich) mitbekommen hatte.
Interessant war ebenfalls der Wechsel von Elizabeth I. zum katholikenhassenden Sohn der kopflosen Maria Stuart oder vielmehr, was das für Shakespeare und die "Lord Chamberlain´s Men" an befürchteten und tatsächlichen Folgen hatte.
Sogar der "Guy Fawkes" - Fall kam zur Sprache, dessen Tag mir bekannt, die Hintergründe aber entfallen waren.
Einzelne Stücke wurden skizziert, eine "Einsteige-Empfehlung"abgegeben, erzählt, wie knapp Shakespeares Werke nur dem Schicksal entgangen sind, dem Vergessen anheim zu fallen, und wem das zu verdanken ist.
Verfilmungen sowie musikalische Umsetzungen fanden ebenso Erwähnung wie Hinweise zu weiterführender Literatur.
Besonders positiv aufgefallen sind mir auch die viel Empathie zeigenden Stellen wie:
"Natürlich ist es gefährlich, zuviel Persönliches in das Werk eines Dichters hineinzulesen....Dennoch liegt der Schluss nahe, der Mann, der sich weder seiner Herkunftsfamilie noch der, die er gegründet hatte, je verbunden fühlte, habe seiner Isolation eine Stimme verliehen."
oder
"...die Geschichte zweier reifer Erwachsener, die den inneren Kampf zwischen weltlichen Pflichten und "himmlischer" (himmlischen?) Gefühlen nicht gewinnen können, ist ohne Zweifel ein Drama voller Menschenliebe. Keine Figur wird abgeurteilt, es gibt keinen "Bösewicht", keinen, der nicht unser Mitleid verdiente."
Noch eine Anmerkung: Dostojewskijs "Raskolnikow"-Roman war mir bisher nur als "Schuld und Sühne" bekannt, aber "Verbrechen und Strafe" bedeutet ja Ähnliches.
Fazit: Leseempfehlung sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene und satte 10 von 10 möglichen Eulenpunkten.