'Die Stadt der schweigenden Berge' - Seiten 001 - 080

  • Zitat

    Original von Saiya
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    Das ist mir auch sofort aufgefallen. Mich erinnert diese Art zu schreiben etwas mehr an Charlotte Roth


    Ha!
    Sag ich doch!
    Fuer mich gehoeren die alle fuenf zusammen.
    Das sind meine.
    Au ja, ich nenn' die jetzt meinen Pentateuch.


    Au weia ...
    (Falls jemand sich von solchen Witzlein verletzt fuehlt, bitte sagen. Das moecht ich nicht. Ich loesch das dann.)


    Leider muss ich jetzt Deinen schoenen Beitrag kleckerweise beantworten, da ich zu doof zum blockweise zitieren bin ...


    ... bin gleich wieder da ...

  • Eigendlich wollte ich gestern abend nur noch kurz ins Buch reinlesen und, sobald meine Jungs sicher schlafen noch auf die Fastnacht gehen, hat nicht geklappt, Fastnacht ist ausgefallen, ich musste den ersten Abschnitt in einem Rutsch durch lesen. :-]


    Ich bin mit Amarna noch nicht so ganz warm, die Albträume und ihre vielen Ängste sind mir noch etwas suspekt, ich denke aber das wird sich noch klären und mit weiblichen Hauptfiguren habe ich meistens Probleme.
    Paul dagegen hat es mir direkt angetan, sehr eindrucksvoll beschrieben fand ich seinen Besuch bei seiner Familie und den Zwiespalt in dem er ihnen gegenüber steckt.


    Über den geheimnisvollen jungen Mann im Museum habe ich mir weiter noch keine Gedanken gemacht, außer wie er wohl da rein kam, genauso das Bettlermädchen, das war für mich nur da, um Paul vor Augen zu führen, wie wenig er doch über dieses Land weiß.

  • Zitat

    Original von Saiya
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    Amarna (wunderbarer Name, den ich sofort "googlen" musste - so viel herumgegoogelt habe ich schon lange bei keinem Roman mehr auf den ersten 80 Seiten) habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie wirkt einerseits sehr stark, was man in ihrer Situation als studierende Frau zu dieser Zeit ja auch sein muss, andererseits aber auch sehr verletzlich.


    Ihre Angst "nicht normal" zu sein, ihre Alpträume und auch ihre Panik in geschlossenen dunklen Orten, finde ich sehr greifbar geschildert. Sie nimmt mich hier richtig mit. Dass sie nicht weiß, woher diese Träume und Ängste kommen, die fehlenden Erinnerungslücken und Ahnungen, die langsam immer mächtiger werden,


    Ich fuerchte, Du musst auch den Lotti-Verdienstorden bekommen ...


    Eine sehr grandiose Testleserin, die ihr alle kennt, glaub ich (Jennifer Benkau, protz, protz, protz) hatte mich gewarnt: Pass auf, die finden die Leser alle zickig.
    Die Befuerchtung schien mir leider sofort einleuchtend - aber ich mag die so gern. (Obwohl ich fuer gewoehnlich Probleme mit meinen Frauenfiguren habe und an die nicht so dicht rankomme.)
    Diese Angst, irgendeine Macke zu haben, die immer schlimmer wird und das ganze Leben auffrisst, die habe ich mir sehr schlimm vorgestellt, vor allem fuer jemanden, der sich fuer einen rationalen, wissenschaftlich denkenden Menschen haelt.


    Sehr schoen zusammengefasst, das freut mich von Herzen.


    Und das mit Paul auch. Da spar ich mir jetzt das Zitat.
    Der hat mir auch so leidgetan. Er moechte so gern der total zivilisierte Mann sein, der nicht das geringste mit seinem Haudrauf-Vater zu tun hat. Aber er hat dieses Wueten in sich und schreckliche Angst davor, dass das losbricht.
    Und das waere doof, wenn der ausfiele, gell? Gilgamesch ohne Enkidu, das waere sehr sehr traurig.


    An mir ist ja auch (wg Klaustrophobie) ein Archaeologe verlorengegangen! Mein Mann und ich haben unserem juengsten Sohn das ja schon aufs Auge gedrueckt: Wohin auch immer der auf Expedition geht, muss er dem Auftraggeber vorher sagen: Ich muss aber meine alten Eltern mitnehmen ...
    Ich moechte uebrigens mit der Hatti offiziell die Gruendung eines neuen Genres einlaeuten: Den ARCHAEOLOGENROMAN!!!
    Hab schon ganz viele tolle Kollegen aufdringlich besabbelt, bitte bitte auch einen zu schreiben.


    Und ich schreib auch noch einen. Auf alle Faelle!


    Das war jetzt schon ganz schoen viel. Aber ich bin trotzdem gleich nochmal da, ja?

  • Zitat

    Original von Saiya
    Den habe ich seltsamerweise sofort ins Herz geschlossen. Alleine der Blick auf ihn von Amarna und Paul reichte dafür aus.


    Tut mir leid, aber das ist jetzt der endgueltige Fall fuer den Lotti-Verdienstorden. Mit ZWEI Octopussen!


    Und bleibt ansonsten unkommentiert ...

  • Also ich habe wirklich hervorragend in die Geschichte gefunden und ich bin total begeistert. Bin auch fast mit dem 2. Abschnitt durch, daher hoffe ich hier nicht zu viel zu verraten.


    Ich mag Amarna, auch wenn sie doch ein wenig von sich eingenommen daher kommt. Der Name ist toll, aber ab und zu stolpere ich drüber und lese Amara, aber das gibt sich sicher noch.


    Paul ist ja mal total in sie verschossen. Ihn mag ich bisher etwas mehr als sie. Es ist schade, dass es ihm immer wieder unangenehm ist woher er kommt, denn er hat ja nun wirklich etwas aus sich gemacht.


    Ich habe die schreckliche Befürchtung, dass sein Bruder noch den Nazis betreten wird.


    Der ominöse Mann im Museum, auf den Amarna da trifft, da geht sicher was. Auf ihn bin ich schon gespannt, die sind sich sicher nicht zum letzten Mal begegnet.


    Der Ohnmachtsanfall von ihr war schon sehr gruselig. Ich war mal in einer ähnlichen Situation und konnte nachvollziehen wie unangenehm ihr das war.


    Bisher ein wirklich zauberhaftes Buch. :-]

  • Zitat

    Original von Zwergin
    und mit weiblichen Hauptfiguren habe ich meistens Probleme.
    .


    Da haben wir etwas gemeinsam!


    Ich stoehne schon immer ueber mich selbst, wenn's nach drei Seiten Lesen in meinem Kopf zu haemmern anfaengt: Ich-mag-die-nicht-die-nervt-mich-kann-die-jetzt-bitte-mal-zur-Seite-treten usw. ... Ich finde mich manchmal total frauenfeindlich deswegen. Aber aendern kann ich's trotzdem nicht.


    Meine eigenen schliesst das leider ein
    Amarna mag ich aber. (Paula auch, aber die zaehlt nicht, weil die ein lebendes Vorbild hat, das man einfach moegen musste.) Und die hat mich nicht einmal genervt. Dafuer haette eine der Testleserinnen sie fast geschlachtet ... und mich mit.


    Dass wir dir die Fastnacht verdorben haben, tut uns - mir und Hatti - leid, Zwergin! Aber nur'n bisschen ...

  • Zitat

    Original von nicigirl85


    Ich mag Amarna, auch wenn sie doch ein wenig von sich eingenommen daher kommt. Der Name ist toll, aber ab und zu stolpere ich drüber und lese Amara, aber das gibt sich sicher noch.


    Nicigirl, darf ich das bitte bitte klauen! (Ich erwaehne es in den Danksagungen.)


    Das ist ja hinreissend - eine dieser Situationen, wo man sich fragt: Wieso kommt da eigentlich der beknackte Autor nicht drauf?


    Amara heisst bitter.
    Das passt total.


    Darf ich das bitte bitte in Teil Zwei bauen? Dass einer sie aus Versehen Amara nennt? Das wuerde mir passen wie die Faust ins Fenster!


    Bitte ...

  • P.S.: Ich bemerke gerade, dass das fuer mich eine Weltpremiere ist (die sich auch nicht wiederholen wird). Ich schreib zum allerersten Mal waehrend einer laufenden Leserunde das Ende von einem zweiten Teil.
    Da werde ich mal gleich meine ganz scharfe Brille aufsetzen und argusaeugig glotzen, was ich da noch so Schoenes von Euch klauen kann ...


  • Ich bin auch schon wieder hin und weg, Amarna, ja mir gehts wie dir ich sag in Gedanken auch immer Armana ;-) irgendwie erinnert es mich am amaretto, wobei ich den garnicht mag.


    Ich vermute, bei ihr findet sowas wie eine Seelenwanderung statt oder wie immer es man nennt. Der geheimnisvolle Fremde im Museum ist für mich auch ihr zukünftiger Schatz, dem sie verfällt. Paul, wird sehr enttäuscht sein und ich hoffe, dass er es gut wegsteckt und nichts Böses ausheckt.


    Irene Schewe weiß mit Sicherheit mehr als sie sagt.
    Und dann dieser Satz vom Professor Schobert, Ich rate ihnen auf dem andern nicht zu erblinden. Solche Sätze finde ich nur bei Charlie.


    Dass Pauls Bruder bei den Nazis nun ist, klar, folgerichtig aber vielleicht ein bisschen Klischee??? Sicher waren die meisten der Braunen Bande dumm und dreist und machten für ihr Elend andere verantwortlich, aber es gab auch andere die ganz bewusst ihr Süppchen mit denen kochten um gut Kohle zu machen.
    War das Talat Pascha, der damals in Berlin erschossen wurde oder einer der anderen drei Jungtürken?? Muss das nochmal nachlesen, aber die Verbindung zu den Armeniern wird geschickt verknüpft, auch das Mädchen das herein kommt und bettelt.



    Ich komme ja im Sommer nach Berlin und werde mir das Museum mal wieder reinziehn. Ist schon ne Weile her dass ich durch das Ishtartor gegangen bin. komisch das hat mich auch als junges Mädchen schon fasziniert, diese Altertümer ja und Landkarten. Mir ist Amarna sehr sympathisch, Paul, naja, er ist etwas naiv und eben total verliebt und merkt nicht, dass es für Amarna noch etwas anderes geben könnte außer mit ihm zusammen zu sein. Das merkt man ja auch im Gespräch als er garnicht darauf eingeht, dass sie nach Hattusa (ich find den Haken nicht für das s) will und nicht nach London.


  • Hach Charlie, du bist so süß, wie kann ich dir diesen Wunsch nur abschlagen? Kannst du natürlich gerne machen. Ansonsten weißt du ja schon, dass ich von diesem Buch bisher sehr begeistert bin und ich noch nix gefunden habe, was es zu meckern gäbe.


    Und die Erwähnung eines zweiten Teils macht mich glücklich, denn wenn die Geschichte so toll weiter geht, dann mag ich auch gar nicht, dass sie aufhört.

  • Zitat

    Original von Charlie
    Fuer mich gehoeren die alle fuenf zusammen.


    Auch mit einigen Stunden nachgeholten Schlafs... ich stehe offenbar wieder einmal auf einem Schlauch :cry


    Als wir unsterblich waren
    Als der Himmel uns gehörte
    Die Stadt der schweigenden Berge
    Fortsetzung davon
    ________________________________
    Macht 4! Was ist Nr. 5?
    :gruebel
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Irgendwie ruft das Buch bei mir Erinnerungen wach. Als Merten auf Amarnas Fragen antwortet"Es ist schon mal jemand beim Warum-fragen verhungert," erinnerte ich mich an eine Erzählung meiner Mutter wonach ich als Kind anscheinend auch immer mit Warum Fragen genervt hatte, meine Antwort war: Warum darf ich nicht warum fragen.


    Ach ja Pauls Mutter, er schämt sich für sie will nicht mal das Gelee, das sie für ihn gekocht hat und tritt damit bei Amarna ins Fettnäpfchen, die gerne jemand hätte, der für sie etwas kocht ohne dafür bezahlt zu werden.
    Irgendwie passen die beiden doch garnicht zusammen.

  • Zitat

    Original von Findus
    Es ist schon mal jemand beim Warum-fragen verhungert," erinnerte ich mich an eine Erzählung meiner Mutter wonach ich als Kind anscheinend auch immer mit Warum Fragen genervt hatte, meine Antwort war: Warum darf ich nicht warum fragen.


    Darueber habe ich gerade meinen Screen bespuckt.

  • So, jetzt komm' ich auch endlich mal dazu, meinen Senf zum 1. Abschnitt dazuzugeben....


    Dat liest sich ja wech wie nüscht..... Sehr sympathische Figuren hast Du da geschaffen, Charlie. Amarna finde ich bewundernswert, kaum vorstellbar, dass Frauen nicht gern an der Uni gesehen waren und man ihnen vor allem auch nichts zutraute :rolleyes Ihre Alpträume u. Ängste irritieren mich etwas, bin wirklich gespannt, was da dahintersteckt :gruebel Übrigens empfinde ich sie nicht als zickig, sondern eher von Kindesbeinen an verwöhnt. Paul finde ich, wie alle anderen auch :lache , ziemlich toll. Für ihn ist das Leben aufgrund seiner Herkunft halt nicht einfach. Dadurch steht er weit mehr im Leben, als Amarna selbst.


    Ehrlich gesagt habe ich jetzt, nachdem ich in das Buch reingefunden habe, unbändige Lust auf Sekundarliteratur. Ich möchte bitte sofort in eine Uni-Bibliothek und bergeweise Bücher über Keilschrift, Hethiter u. Hattusa usw. nach Hause schleppen. :grin

  • Ach, das ist ja schoen schoen schoen, christabel!
    "wech wie nuescht" ist fuer mich als "Exil-Berliner" sozusagen Honig in den Ohren (nicht sehr appetitlich, gebe ich zu - aber jedenfalls schmelz ich bei sowas immer), und dass Du eine Uni-Bibliothek durchforsten moechte ist ueberhaupt das schoenste, was mir passieren kann.


    Das aktuelle Standardwerk, "Hattuscha" von Andreas Schachner, dem derzeitigen Grabungsleiter vom deutschen archaeologischen Institut, ist sehr empfehlenswert. Schachner schreibt ohne jede Romantisierung, ganz matter of fact, klar lesbar und sinnvoll gegliedert, laesst Luecken, wo Luecken sind und versucht sich nicht an Spekulationen. Eine sehr gute Grundlage!


    Das am schoensten, erregendsten, unmittelbarsten lesbare ist jedoch Silvia Alauras Sammlung "Nach Boghaskoi". In dieser leider nur noch vereinzelt erhaeltlichen Dokumentation finden sich die Originaldokumente zu den Winckler-Expeditionen, die wirklich fuehl- und greifbar machen, was eine archaeologische Expedition im Anatolien des beginnenden Zwanzigsten Jahrhunderts bedeutete. Es gibt viele, viele andere lesenswerte Publikationen, und ich freue mich immer, auf spezielle Fragen hin spezielle Texte zu empfehlen, aber ich gebe freimuetig zu, dass das mein liebstes in der ganzen Riesensammlung war und bleibt. Weil man da so mitten drinsteckt, das einmal miterleben darf, dieses zitternde, fassungslose Entdecken eines Atlantis mitten in reglosem Bergland. Dieses Heureka-Gefuehl! Unbeschreiblich.
    Wenn Du dieses Buch bekommen kannst, wuensche ich Dir ganz ganz viel Spass damit! (Hugo Winckler ist auch ein Typ ... ich liebe seine halb knoechern-preussische, halb vor Begeisterung flippende Art zu schreiben und habe mich mehrmals sehr zaertlich totgelacht.)


    Alles Liebe von Charlie

  • P.S.:
    Und wenn ich Dir bitte bitte noch ein Buch empfehlen darf und Du gern etwas zu Keilschrift im Allgemeinen lesen moechtest, dann bitte bitte nimm "The Ark before Noah" von Irving Finkel.
    Irving ist einzig, zum Niederknien! Bitte - keiner, der hierherkommt (biete gerne ein Bett!) und sich dafuer interessiert, darf sich einen seiner Vortraege entgehen lassen. Da zittern Tontafeln vor Leben.
    Zu seinem Buch "Ark before Noah", das ohne Zweifel sein schoenster, reifster Text ist, wurde er befragt: "Das ist doch gar kein Buch ueber die Sintflut, das ist eine Liebeserklaerung an die Keilschrift."
    Er hat dazu sein Irving-Finkel-Laecheln aufgesetzt.


    Und das ist so, so zutreffend!


    Bitte lies es, wenn's Dich interessiert.
    Mich macht's besoffen, auch noch beim Immer-wieder-Lesen.


    Alles Liebe von Charlie