Saskia Hennig von Lange: Zurück zum Feuer

  • Saskia Hennig von Lange: Zurück zum Feuer
    Jung u. Jung 2014. 216 Seiten
    ISBN-13: 978-3990270585, 19,90€


    Verlagstext
    Max Schmeling stirbt. Es gibt nichts mehr, woran er festhalten könnte: Sein Leben als Box-Legende, die Menschen, die ihn begleitet haben, seine Frau Anny Ondra, alles ist längst verloren. Nur eine Krankenschwester ist bei ihm in diesen letzten Tagen in seinem Haus im Wald. Jahre später steht dieses Haus immer noch leer, verwahrlost und zugewachsen. Ein Sachverständiger soll entscheiden, was damit nun geschieht, deshalb macht er sich eines Tages auf den Weg zu diesem Haus im Wald. Aber was als Besichtigung beginnt, gerät außer Kontrolle. Während er sich dort verkriecht, nimmt seine Frau zuhause einen ganz anderen Kampf auf und trennt sich von einem Leben, das es schon lange nicht mehr gibt. Jeder für sich kämpfen in diesem atemlos und mit erschreckender Komik erzählten Roman drei Menschen um ihr Leben, um das Unwiederbringliche. Es ist ein Kampf ohne Gegner, in dem es nichts zu gewinnen gibt und der doch ein Feuer entfacht.


    Die Autorin
    Saskia Hennig von Lange, geboren 1976, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt. Sie studierte Angewandte Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte und forscht und arbeitet an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Für ihr Debüt "Alles, was draußen ist" erhielt sie 2013 den Wortspiele Literaturpreis und den Rauriser Literaturpreis 2014.


    Inhalt
    Der Keiler auf dem Buchcover steht für den absoluten Starrsinn einer der Hauptfiguren, eine verrückte Idee ohne Rücksicht auf das eigene Leben durchzuziehen, das Jagdgewehr findet sich im Laufe der Geschichte an und die Boxhandschuhe symbolisieren den sterbenden Max Schmeling in seinen letzten Lebenstagen.


    In der Gegend von Hamburg soll ein Sachverständiger das seit 10 Jahren verlassene Haus des verstorbenen Boxers Max Schmeling begutachten. Der Routinefall eines wertvollen Grundstückes mit bröckelnder Bausubstanz, das verkauft werden soll, steuert auf eine groteske Situation zu, weil dieser Max als Icherzähler sich hilflos in seinen Schachtelsätzen verstrickt. Max wirkt gnadenlos umständlich, wenn er Alltäglichkeiten so beschreibt als seien seine Zuhörer blind. Man lernt als Leser für sein weiteres Leben, wie sich zum Beispiel eine Taschenlampe in der Hand anfühlt. Noch beunruhigender fand ich, dass der Sachverständige und der verstorbene Hausbesitzer beide Max heißen und fürchtete, Max, der Sachverständige, würde sein Abenteuer nicht lebend überstehen. Er wird in eine ungesicherte Öffnung stürzen, irgendwo stecken bleiben und schließlich von der Feuerwehr gerettet werden, falls ihn inzwischen jemand als vermisst meldet, stellte ich mir vor. Parallel zu Max‘ Kampf mit dem von außen völlig überwachsenen Haus erfährt man von den letzten Tagen im Leben des sterbenden Max Schmeling. Eine Beschreibung, die im Vergleich zu den Gedanken des jüngeren Max klar und gelöst klingt. Endgültige Klarheit über Max‘ sonderbares Verhalten bringt der Blick auf seine Frau Inge, die ähnlich gnadenlos entschlossen wie Max dabei ist, alle Erinnerungen an ein Leben mit ihrem kürzlich verstorbenen Sohn zu tilgen.


    Fazit
    Die groteske Schilderung einer Ausnahmesituation, die auf mich besonders durch die Befreiung aus Max‘ anfänglicher sprachlicher Verknotung gewirkt hat.


    7 von 10 Punkten