Kurzbeschreibung:
Die Schrift enthält zwei kleine Aufsätze des 'späten' Heidegger: "Der Satz der Identität" und "Die onto-theo-logische Verfassung der Metaphysik". Der erste ist ein anläßlich des 500jährigen Jubiläums der Universität Freiburg gehaltener Vortrag, der zweite die überarbeitete Fassung zu einer Seminarübung über Hegels Wissenschaft der Logik.
Über den Autor:
Martin Heidegger (26.9.1889 - 26.5.1976) gilt neben Ludwig Wittgenstein als der einflußreichste und bedeutendste Philosoph des 20. Jahrhunderts.
Mein Eindruck:
Während die anderen Bücher von Martin Heidegger, die ich bisher gelesen haben, einen literarischen Bezug haben, geht es in diesem Buch um Philosophie pur. Philosophische Erkenntnisse, die sich aus einem Universitätsvortrag (wenn auch im Rahmen eines Festaktes) und aus einem Seminar ergeben.
Im ersten Vortrag geht es um die Identität. Genauer: Der Satz der Identität.
A = A (eine geläufige Formel)
Über diesen Satz beginnt Heidegger nachzudenken, um zu erfahren, was Identität ist.
Heidegger befiehlt: Zu achten ist auf den Weg, weniger auf den Inhalt.
A ist A
Der griechische Philosoph Parmenides wird herangezogen.
Parmenides sagt: Das Sein gehört in eine Identität.
Schon bald bezieht Heidegger den Satz der Identität auf den Menschen.
Er betont das Zusammengehören von Mensch und Sein
Der Begriff Ge-Stell wird eingeführt, ebenso wie das Ereignis. Und das streift schließlich auch die Sprache.
ZitatDenn die Sprache ist die zarteste, aber auch die anfälligste, alles verhaltende Schwingung im schwebenden Bau des Ereignisses. Insofern unser Wesen in die Sprache vereignet ist, wohnen wir im Ereignis.
Erstaunlich, was schließlich aus dem anfänglich Satz der Identität bei Heidegger wird.
Überrascht bin ich dennoch nicht, denn auch in der Mathematik ist zu erkennen, was hinter der einfachsten Formel alles stecken kann.
Für mich ist die Identitätsfrage damit noch lange nicht geklärt, denn Heidegger hat sie nur auf eine wenig geerdete philosophische Ebene gehoben.
Übrigens kann man den Original-Vortrag von 1957 von Heidegger selbst gesprochen auch auf einer Audio-CD nachhören. Dabei fiel mir seine Sprechweise auf, die den Text deutlich mitbestimmt.
Der zweite Text „Die Onto-Theo-logische Verfassung der Metaphysik“, ebenfalls von 1957, bezieht sich auf ein Seminar. Das Seminar versucht, ein Gespräch mit Hegel zu beginnen. Die Sache den Denkens Hegels wird betrachtet und vertieft. Ebenso die Maßgabe für das Gespräch mit der Geschichte des Denkens und der Charakter dieses Gesprächs. Es gilt, einen Blick in das Ganze der Hegelschen Metaphysik zu gewinnen. Das führt zur Frage, was Metaphysik ist. Und wenn man die von Kant geprägte Ontotheologie dazu nimmt, lautet die Frage nach Heidegger: wie kommt der Gott in die Philosophie?
Begriffsdefinition lt. Wikipedia:
ZitatDer Begriff Ontotheologie wurde durch Kant geprägt, welcher darunter eine Form der transzendentalen Theologie versteht, die Gott nicht auf Erfahrungen zugreifend versteht, sondern diesen mit Hilfe transzendentaler Begriffe zu denken versucht. Martin Heidegger benutzt diesen Begriff, um die traditionelle Metaphysik hinsichtlich ihrer Frage zu bezeichnen, wie sie das höchste Seiende denkt. Der Gedanke, dass ein allgemein höheres Sein oder Wesen - sei es Gott, die Substanz bei Spinoza, das Absolute bei Hegel bzw Schelling oder die Monade bei Leibniz - als Garant für die Ordnung der Welt notwendig sei, wird als ontotheologische Form der Metaphysik bezeichnet.
Heidegger diskutiert die verschiedenen Begriffe und ursächlichen Zusammenhänge und findet die Selbstursache, causa sui.
Trotz des naturgemäßen dominierenden philosophischen Ansatzes haben Heideggers Ausführungen auch in manchen Passagen einen sprachlichen Reichtum, vor allem wenn man sich den Text mit seiner Stimme gelesen vorstellt.
Insgesamt mäandert Martin Heidegger mit seinen Denkansätzen in Tiefen, denen zu folgen nicht leicht ist.
Es ist ganz spannend, sich aus Spaß mit diesen Überlegungen zu beschäftigen, selbst wenn man absoluter Laie ist und früh am Verstehen der Theorien scheitert.
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ASIN/ISBN: B001PPXVHI |