Englischer Originaltitel: The Memoirs of a Survivor
Erschien erstmals 1974, im S. Fischer Verlag 1979
Taschenbuchausgabe 978-3596252022 mit 256 Seiten(oder die ältere Ausgabe 3596252024 mit 221 Seiten)
Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein
Über die Autorin:
Doris Lessing, geboren 1919 in Persien, wuchs als Tochter eines Offiziers und einer Krankenschwester auf einer Farm in der britischen Kolonie Rhodesien (heutiges Simbabwe) auf.
Im Alter von dreißig Jahren kam sie nach England, wo sie 1950 ihren ersten Roman »Afrikanische Tragödie« publizierte.
In Deutschland erlangte sie erst durch die Veröffentlichung ihres Hauptwerks »Das goldene Notizbuch« im Jahre 1978 Berühmtheit.
Doris Lessing zählt zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen unserer Zeit. Sie wurde für ihr Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Prinz-von-Asturien-Preis.
2007 erhielt sie endlich die wohlverdiente, höchste Auszeichnung für Literatur – den Nobelpreis.
Sie starb 2013 in London.
Das Buch:
In diesem Roman beschwört Doris Lessing eine unbestimmte Zukunft, ausgehend von ihrem damaligen Zeit-Standpunkt (1974): Das Leben in den Großstädten ist zusammengebrochen, die Menschen werden aus der Not heraus wieder zu Nomaden und sind ständig auf der Suche nach Überlebensmöglichkeiten.
Jugendliche und Erwachsene besetzen leerstehende Häuser, plündern wo es nur geht, und sich immer wieder neu bildende sogenannte „Horden“ machen die Straßen unsicher.
Behörden existieren zwar noch, und höher gestellte Beamte haben sogar noch gewisse Rechte, wie z. B. zuverlässige Versorgung mit Lebensmitteln, Strom und Wasser, Ausreisen mit Flugzeugen etc. Jedoch werden allgemein eher die Augen verschlossen vor dem Niedergang von Kultur und Sitte, es wird nur geredet, nicht gehandelt.
Das Chaos der Straße und die neuen moralischen Regeln beobachtet die Hauptfigur, aus deren Sicht auch erzählt wird: eine ältere alleinstehende, für uns namenlos bleibende Frau, vom Fenster ihrer Wohnung aus. Eines Tages sieht sie sich gezwungen, ein 12-jähriges Mädchen, Emily, samt ihrem Haustier Hugo bei sich aufzunehmen. Hugo, ein merkwürdig hässliches, gelbes Zwischending aus Hund und Katze, ständig davon bedroht, auf irgendeinem Grill zu landen, mit gut zu beobachtenden, teilweise fast schon menschlichen Regungen und Reaktionen.
Während draußen alle Formen öffentlicher Ordnung aufgehört haben zu existieren, richten sich die drei in ihrem neuen Leben ein.
Meine Meinung:
Ein nicht ganz leicht zu lesendes Buch.
Während die bekannte Welt im Chaos versinkt und immer mehr Menschen die Stadt verlassen, tut die Jugend das, was sie schon immer getan hat: sich neu erfinden.
Und die Hauptfigur, lethargisch und irgendwie unbeteiligt, versinkt oft in einer Parallel-Welt, anderen Dimensionen, die direkt hinter ihrer Wohnzimmerwand auf sie lauern und sie in sich hineinziehen.
Das war nicht immer leicht zu verstehen und manches Mal habe ich die gemeinten Aussagen wohl eher instinktiv erfasst, als dass ich sie gedanklich wirklich hätte in Worte fassen können. So etwas finde ich immer ein bisschen anstrengend, weil ich mir nie sicher bin, ob ich alles richtig verstanden habe.
Wer nach einer Action-geladenen Weltuntergangs-Geschichte sucht, der ist hier falsch: es geht eher um Entwicklungen und Metamorphosen, vor allem bei Emily, um Beobachtungen einer älteren Frau von einer stillen Warte aus, die weiß, dass sie dem Ende nicht entgehen kann.
Trotzdem schaffte es Doris Lessing auch hier wieder, so ein gewisses Grauen in mir zu erzeugen; dafür reichte ab und zu eine Winzigkeit zwischen den Zeilen, eine Andeutung hier und da, und zum Ende hin holte sie auch schon mal den Holzhammer heraus.
Ich denke, wer Doris Lessing mag, wird auch mit diesem Buch einige spannende Lesestunden finden.
7,5 Punkte von mir.
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ASIN/ISBN: 3596252024 |