Gebundene Ausgabe: 268 Seiten
Verlag: Insel
Originaltitel: Mies kuin mies, tyttö kuin tyttö
Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat
Kurzbeschreibung:
Ich hätte gar nicht erst herkommen dürfen“, sagt die 18-jährige Leena. Aber da sitzt sie schon auf seinem Bett. Sie ist verliebt. „Ich hätte es nicht tun dürfen“, sagt er, ein verheirateter Straßenarbeiter, „die Verantwortung liegt bei mir“. Leena hätte so gern etwas gelernt, studiert, aber der Vater ließ sie nicht. Jetzt erwartet sie ein „Hurenbalg“. Aber während etwas innen wächst, wird sie nach außen stärker. Leena rebelliert, verlässt Dorf und Familie, sucht sich in der Stadt eine Stelle. Das macht sie nicht glücklich, aber doch freier und selbstbestimmter. Eine tausendmal erzählte Geschichte, aber wie Marja-Liisa Vartio diese Geschichte erzählt, ist unerhört. Mit Feingefühl und lyrischer Intensität beschreibt sie die Gefühlswelt einer jungen Frau, die sich selbst erst kennenlernen muss, um etwas aus ihrem Leben zu machen.
Über die Autorin:
Marja-Liisa Vartio, geboren 1924, gilt in Finnland als die große moderne Klassikerin der Prosa. Sie war verheiratet mit dem Autor Paavo Haavikko. 1966 starb sie mit 41 Jahren an den Folgen einer Fieberkrankheit. Vartio war und blieb eine Bestsellerautorin in Finnland, im Zentrum ihrer Bücher stehen Frauen, die sich gegen ihre Grenzen zur Wehr setzen. Männer wie Männer, Frauen wie Frauen erschien in Finnland erstmals 1959.
Über die Übersetzerin:
Elina Kritzokat, geboren 1971, ist eine der gefragtesten Übersetzerinnen aus dem Finnischen.
Nach mehreren Stationen in der Verlagsbranche übersetzt sie seit 12 Jahren die unterschiedlichsten Genres von Roman bis Comic aus dem Finnischen.
Mein Eindruck:
Laut Klappentext soll die schon 1966 verstorben finnische Autorin in ihrer Heimat ein Klassiker sein.
Nach Lektüre des Romans kann ich das verstehen, denn der Stil ist überwiegend zeitlos, mit Ausnahme der Details, der eine frühere Ausdrucksweise oder zeitgemäßer Aspekte des Lebens beschreiben.
Marja-Liisa Vartio schreibt auf eine zurückhaltende Art und arbeitet trotzdem die Details ihrer Hauptfigur Leena heraus.
Die 18jährige Leena ist keine, die wirklich mit beiden Beinen fest im Leben steht, aber als Leser mag man sie trotzdem. Vielleicht sogar deswegen!
Sie ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Verliebt in einen verheirateten Mann, bekommt sie bald ein Kind von ihm. Sie trennen sich. Als sie in der zweiten Hälfte des Buches hochschwanger in die Stadt geht und dort eine Stellung annimmt, ist ihr vieles fremd. Sie schafft es auch nicht weit vorauszuplanen. Bemerkenswert, dass die dortige Gesellschaft ihr zu Hilfe kommt, sie bekommt zum Beispiel Unterstützung durch ihre neue Arbeitgeberin oder Nachbarinnen.
Der Roman ist nicht handlungsreich, aber er beschäftigt sich mit einem wichtiges Thema, mit der Fragestellung, was Leena aus sich machen wird, wofür sie sich im Leben entscheiden wird.
Ein lesenswertes Buch!