Wolfgang Leonhard gestorben

  • Irgendwie häufen sich dieses Jahr die Todesmeldungen. Ob ich eines seiner Bücher gelesen habe, weiß ich offen gesagt nicht mehr. Aber in meiner Jugend, als ich noch politisch aktiv war, war mir sein Name durchaus ein Begriff und er wurde oft zitiert. Wenn seine Bücher aus den Umzugskisten auftauchen, sollte ich wieder mal einen Blick hinein werfen.


    Möge er in Frieden ruhen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Ich erinnere mich noch an eine Sendereihe, die immer kurz vor Silvester lief. Verschiedene Experten gaben Prognosen für politische Entwicklungen im Neuen Jahr ab. Die Experten, die mir noch im Gedächtnis sind, waren Hans Ulrich Kempski (Süddeutsche), Theo Sommer (Zeit), Wolfgang Leonhard und Carola Stern. Theo Sommer ist jetzt wohl der "Übriggebliebene" ...

    „Streite niemals mit dummen Leuten. Sie werden dich auf ihr Level runterziehen und dich dort mit Erfahrung schlagen.“ (Mark Twain)

  • Als ich begann, mich für Politik zu interessieren, so ungefähr mit 16, 17 Jahren, gab mir mein Vater WL´s Buch "Die Revolution entlässt ihre Kinder" zum Lesen. Er hätte hinsichtlich meiner Positionierung zum Kommunismus damaliger Prägung nichts Besseres tun können. Diese Lektüre hat mich gefeit gegen die wohlfeilen Sprüche der gut situierten Protagonisten der 68er. Und tut das bis heute.

  • Das Buch "Die Revolution entlässt ihre Kinder" kann ich wirklich nur sehr empfehlen. Wolfgang Leonhard schildert dort seine Zeit in Moskau während der dreißiger Jahre in der UdSSR, zur Zeit der stalinistischen "Säuberungsaktionen" und dann seine Rückkehr mit der Gruppe Ulbricht in das Nachkriegsdeutschland.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

  • Zitat

    Original von Voltaire
    Das Buch "Die Revolution entlässt ihre Kinder" kann ich wirklich nur sehr empfehlen. Wolfgang Leonhard schildert dort seine Zeit in Moskau während der dreißiger Jahre in der UdSSR, zur Zeit der stalinistischen "Säuberungsaktionen" und dann seine Rückkehr mit der Gruppe Ulbricht in das Nachkriegsdeutschland.


    Und das große Plus dieses Buches ist es eben, dass ein überzeugter, glühender, bis in die Wolle gefärbter Kommunist minutiös und nachvollziehbar darlegt, wie er am eigenen Leibe erfahren musste, was sich hinter dem Kommunismus, vor allem dem Stalinismus, in Wirklichkeit verbirgt: Brutale Unmenschlichkeit. WL hat als hochintelligenter und äußerst empathischer Mensch unter größter persönlicher Gefahr seine bewundernswerte Konsequenz daraus gezogen. Das alles ist authentisch und daher glaubhaft. Beeindruckend.