Klara Nordin - Totenleuchten: Ein Lappland-Krimi

  • Klappentext
    Jokkmokk am Polarkreis, die Zweige der Kiefern biegen sich unter dem Neuschnee, auf dem zugefrorenen Talvatis-See finden Husky-Rennen statt, und die Einheimischen bereiten den alljährlichen samischen Wintermarkt vor, als ein junger Mann aus ihren Reihen ermordet wird. Grausam geschlachtet wie ein Rentier. Linda Lundin hat gerade ihren neuen Job als Hauptkommissarin in Nordschweden angetreten, einen solch schrecklichen Mord hat auch sie selten gesehen. Wer tötet einen Jungen, der im Dorf rundum beliebt war? Gemeinsam mit ihren Kollegen Bengt und Margareta nimmt sie die Ermittlungen auf und stößt im kleinen Jokkmokk auf kuriose Bewohner, samische Geschichten und alte Geheimnisse. War der tragische Unfall des besten Freundes des Mordopfers, der vor einigen Monaten im See ertrank, etwa gar kein Unfall? Und müssen sie mit weiteren Morden rechnen? Bislang erzählen nur die Nordlichter von den Toten …



    Die Autorin
    Klara Nordin ist ein Pseudonym. Die Autorin wurde 1960 in Heilbronn geboren. Nach ihrer Buchhändlerlehre studierte sie Germanistik und Pädagogik in Tübingen und arbeitete viele Jahre in verschiedenen Verlagen. 2001 wanderte sie nach Schweden aus und lebt seit einigen Jahren im schwedischen Lappland, genauer: in Jokkmokk, dem Schauplatz ihres Romans. Von dort aus ist sie als Studienleiterin für die »Schule des Schreibens« in Hamburg tätig und leitet in Deutschland regelmäßig Schreibkurse





    In dem kleinen Ort Jokkmokk in Lappland wird ein junger Mann ermordet. Kommissarin Linda hat sich gerade in diese Gegend versetzen lassen und wird sogleich mit der Lösung des Falles betraut. Verbrechen dieser Art sind selten in diesem Teil der Welt. Julla, ein junge Frau mit journalistischen Ambitionen hält sich auch gerade in Jokkmokk auf und wohnt bei der alten Samin Satu, um für einen Atikel zu recherchieren. Julla ist das Alter Ego für uns Leser, durch sie kann die Autorin uns über die Kultur der Samen informieren. Denn die liegt der Autorin besonders am Herzen.


    Die Handlung ist recht komplex aufgebaut. Durch den Umweg über Julla und Satu erfahren wir viel über das Leben in Jokkmokk und lernen viele Bewohner des Ortes kennen. Schon vor einer Weile kam es zu ungewöhnlichen Todesfällen. Satus ehemalige Schwiegertochter starb bei einem Autounfall. Mit im Auto waren ihr Sohn und sein Freund, Emil, der seitdem gelähmt war. Emil verunglückte einige Zeit später mit seinem Motorschlitten tödlich. Er brach auf einem zugefrorenen See ein, nachdem die Warnhinweisschilder verschwunden waren. Und nun ein eindeutiger Mord an einem anderen Freund von Satus Enkel.


    Zuerst bekommt man von dem beschaulichen Ort in Nordschweden ein harmonisches Bild. Die Samen leben immer noch sehr naturverbunden und in dem kleinen Ort kennt sich jeder. Nach und nach aber zeigt sich, das auch hier Neid, Hass und Betrug herrschen wie überall sonst auch.


    Das Buch beginnt recht betulich und wenig krimiartig. Wir lernen zuerst viel über die Kultur der Samen. Das ist zwar interessant, aber wie wir es erfahren, ist ein kleiner Kritikpunkt für mich. Durch Julla, die ja so viel darüber erfahren möchte, werden diese Infos dauernd in Gespäche eingebaut. Das klingt oft etwas unnatürlich. Ich kann mir nicht denken, das die Samen ständig den Hintergrund für Handlungen aufgrund ihrer Kultur erklären. Es dauert eine Weile, bis die Geschichte sich zu einem Krimi entwickelt. Aber nach und nach steigt dann tatsächlich die Spannung, es gibt einige Verdächtige und das ein oder andere Geheimnis wird aufgedeckt.


    "Totenleuchten" ist kein Pageturner. Es ist ein netter Krimi, betulich erzählt. Die Sprache der Autorin ist schlicht und bildlich, aber ohne besondere Finesse. Man kann das Buch leicht wegschmökern. Trotz des etwas angestrengten Erklärens der Samenkultur ist gerade das doch für mich der Punkt, der das Buch abhebt von anderen Krimis. Jokkmokk, die Samen, die Art in dieser kalten Gegend zu Leben werden von der Autorin insgesamt gut dargestellt. "Totenleuchten" (der Sinn des Titels erschließt sich mir nicht) ist ein netter Krimi, zum Ende hin nicht ohne Spannung, der vor allem dadurch besticht, das er dem Leser die Kultur der Samen nahe bringt. Sprachlich hätte er etwas ausgefeilter und anspruchsvoller sein können. Da im Privatleben einiger Personen nicht alle Dinge restlos geklärt werden (und leider auch das ein oder andere, was den Mordfall betrifft), denke ich, das Kommissarin Linda evtl in Serie gehen könnte.


    Ich hätte noch einiges mehr zu bekritteln, an der Art der Ermittlung, an der Interaktion einiger Figuren untereinander usw, aber irgendwie ist es ein nettes, sympathisches Buch, das ich heute in fast einem Rutsch, auf dem Balkon in der Sonne sitzend, weggeschmökert habe. Nebenbei habe ich ein bisschen Mari Boine gehört, eine mir schon lange bekannte samische Sängerin. Dieser harmloser kleiner Krimi mit einem etwas anderen Setting hat mich heute gut unterhalten, deswegen solide 7 Punkte von mir.

  • Ich mag skandinavische Krimis und besonders gefallen mir die Lappland-Krimis von Asa Larsson. Kein Wunder also, daß mich ein neuer Lappland-Krimi sofort aufhorchen liess. Zwar ist die Autorin keine Schwedin, lebt jedoch seit Jahren dort und kennt Land und Leute, was sich auch daran zeigt, wie sehr sie in diesem Roman auf die samischen Traditionen eingeht.
    Tatsächlich liest sich "Totenleuchten" von Anfang bis Ende flüssig und spannend und die Hauptcharaktere gefallen mir, ich würde gerne mehr Krimis mit diesen Ermittlern lesen. Es gibt zwar sehr viele Personen in diesem Roman, trotzdem hat der Leser keine Mühe, diese zuzuordnen; und der Winter wird so gut beschrieben, daß ich ab und an trotz Augusthitze sogar fröstelte.
    Trotzdem: das Ende war nicht richtig "rund", es wirkte überhastet und hatte mir zu wenig Erklärung. Schade, daß die derart behutsam aufgebaute Handlung so abrupt endete, das passte einfach nicht.

    liebe Grüße
    Nell


    Ich bin zu alt um nur zu spielen, zu jung um ohne Wunsch zu sein (Goethe)

  • Was für ein Jammer, dass dieses Buch bislang nur als Taschenbuch erschienen ist! Für mich ist es als reiner Roman genauso gut wie als Krimi, und hat von daher auf jeden Fall ein Hardcover verdient.


    Wir befinden uns in Jokkmokk in Nordschweden, knapp oberhalb des Polarkreises. Hier hat sich zuerst ein verdächtiger Todesfall ereignet, danach ein handfester Mord: ein 19jähriger wurde wie ein Rentier abgestochen. In der 2000-Seelen-Stadt tummeln sich diverse Menschen, die irgendwie mit der Aufklärung der Angelegenheit befasst sind. So zum Beispiel die junge Julla, eine Journalistin, die ihre alte Freundin Satu besucht und eine Reihe von Zeitungsartikeln über die Samen schreiben will. Ferner die frisch nach Lappland versetzte Kommissarin Linda Lundin, sowie ihre ortsansässigen Kollegen Bengt und Margareta, sowie diverse liebevoll erdachte Nebenfiguren.


    In der Tat sind es vor allem die Charaktere und die atmosphärischen Beschreibungen, die mir dieses Buch haben ans Herz wachsen lassen. Der Krimi kam für mich erst an zweiter Stelle! Man merkt auf jeder Seite, dass die Autorin selbst in dieser Region lebt. Ihr Herz schlägt für Lappland, und das Volk der Samen. Man lernt als Leser unglaublich viel, und fühlt sich förmlich in diese Gegend versetzt. Die unglaubliche Kälte und der Schnee scheinen zwischen den Buchseiten hervorzuquellen. Man besucht Märkte und Feste, lernt landestypische Gesänge kennen, isst Rentier-Eintöpfe, und nimmt an Husky-Rennen teil. Wirklich großartig, und mit viel Herzblut beschrieben.


    Zweitens waren es die Figuren, die ich so sympathisch fand. Die Ermittler sind keine Übermenschen, aber auch nicht mit Problemen überladen wie beispielsweise ein Wallander. Ganz normale Leute eben, die man so auch irgendwie kennt. Die Samen sind starrköpfig und direkt. Der Bürgermeister ist geradezu herrlich von sich selbst eingenommen. Julla und Satu sind so liebevoll gezeichnet, dass man mit ihnen am Feuer sitzen und Kaffee trinken möchte! Der absolute Knaller waren aber sicherlich die zwei alten Damen, die sich ständig streiten, und sozusagen als "running gag" im ganzen Buch auftauchen. Ich habe wirklich selten so gelacht!


    Besonders gut hat mir diesmal auch gefallen, dass die Erzählperspektive ständig wechselt. Linda Lundin ist nicht (!) die Hauptfigur, wie man es aus einem klassischen Krimi erwarten würde. Immer mal wieder wechselt man von Margareta über Bengt und Linda zu Julla. Aber jede Perspektive wirkt absolut authentisch, und vermittelt dem Leser das Gefühl, dass in Lappland die Uhren eben ein wenig anders laufen. Geruhsamer. Hier kennt jeder jeden.


    Der eigentliche Krimi hat bei mir keine Wünsche offen gelassen. Es gab von der Autorin sparsam dosierte Hinweise, man hatte eine echte Chance, mitzuraten. Dennoch wartet das Ende mit einem spannenden Showdown und einem Knalleffekt auf der letzten Seite auf, der mir wirklich den Atem geraubt hat... Man hat das Gefühl, an diesem Ort sind noch lange nicht alle losen Fäden aufgerollt worden. Von daher hege ich die feste Vermutung, dass es weitere Fälle aus Jokkmokk geben wird! Das wäre wirklich wunderbar. Selten habe ich einen Krimi als so erfrischend anders, und dennoch spannend empfunden. Ganz große Klasse.

  • Ich lese Krimis aus dem Norden sehr gerne, deshalb war ich sehr gespannt auf den neuen Schauplatz: Lappland – Jokkmokk am Polarkreis


    Zur Story:
    Zuerst verunglückt Emil an seinem 19. Geburtstag tödlich. Er war nach einem Autounfall, bei dem seine Mutter verunglückte, querschnittsgelähmt und hatte deshalb eine Spezialanfertigung eines Motorschlittens. Mit diesem stürzt er in ein Loch im Talvatis-See. Einige Wochen später wird sein Freund Lucas ebenfalls an seinem 19. Geburtstag umgebracht. Er wird geschlachtet wie ein Rentier. Der Dritte in ihrer Clique, Per-Ante, bekommt es mit der Angst zu tun.


    Linda Lundin, die neue Kommissarin ist soeben angekommen und muß gleich ermitteln. Ihr zur Seite stehen die Polizeiinspektoren Margareta Mattson und Bengt Karlsson. Das Privatleben der Drei bekommt genügend Raum, um sie etwas näher kennenzulernen und zu beschnuppern. Ihre dienstlichen Nachforschungen gehen zuerst einmal in das private Umfeld von Lucas. Welche weiblichen Bekanntschaften hatte er und vor allem woher stammt sein erstaunliches Geldvermögen?


    Die Journalistin Julla hält sich derzeit im Dorf auf. Durch sie und ihre Recherchen zu ihrem neuen Buch über samische Medizin erfährt der Leser so ganz nebenbei viel Interessantes aus dem Leben der Samen, ihre Gebräuche, alles rund um das Thema Rentier und die Natur. Bei diesen Passagen merkt man die Liebe der Autorin zu ihrer neuen Wahlheimat Lappland, sie nimmt den Leser förmlich mit auf eine Entdeckungsreise.


    Einzelne Bewohner werden befragt und vor allem auch ihre Beziehungen untereinander werden beschrieben. Dabei wird klar, daß auch im hohen Norden nicht nur Harmonie herrscht, sondern es Eifersucht, Seitensprünge, Haß, Rache und Geldgier gibt. Der Leser hat nun genügend Zeit, mitzurätseln. Zum Finale haben das Tempo und die Spannung zugelegt und auf der letzten Seite gibt es tatsächlich noch eine Überraschung.


    Es war kein Krimi bei dem einem der Atem stockt, sondern es war eine ruhige Geschichte, bei der die Atmosphäre und die Natur eine große Rolle gespielt haben. Das Buch lässt sich flüssig wegschmökern und ich fühlte mich gut unterhalten. Richtig gepackt und überzeugt hat es mich nicht, dafür war es mir zu betulich.


    Edit: von mir 7 Eulenpunkte

  • Ich habe das Buch eben beendet und bin ein klein wenig zwiegespalten.


    Einerseits ist es ein solider Krimi, der in ruhiger Art seine Protagonisten zu Wort kommen läßt.
    Die Gegend in Lappland wird hervorragend beschrieben, so daß man teilweise wirklich das Gefühl bekommt, sich wärmer anziehen zu wollen - da im Buch gerade Temperaturen um -30° herrschen - und das hier im Hochsommer :grin


    Auch sind die Figuren sehr gut und auch interessant, vor allem mehrdimensional dargestellt.
    Die sehr ruhige Art der Samen kommt gut herüber und läßt auch die Ermittler manchmal verzweifeln.
    Dadurch erfährt man allerdings auch sehr viel über die samische Kultur.


    Auf der anderen Seite war es mir persönlich manchmal aber eben doch zu viel des Guten.
    Ein wenig hat es für mich den Spannungsbogen unterbrochen. Manchmal hatte ich für mich das Gefühl, nicht weiterzukommen.
    Auch hatte ich für mein Gefühl den Täter zu schnell erkannt. Weniger an der Handlung als solches, als eher an "taktischen" Überlegungen. Mag kryptisch klingen, mehr kann ich aber nicht sagen, um nicht zuviel zu veraten. :grin


    Trotz alledem sind mir die meisten der Figuren doch sehr sympathisch, teilweise ans Herz gewachsen.
    So daß ich mich doch über weitere Fälle, vor allem in der Gegend Jokkmokks, freuen würde und auch die Ermittler samt Journalistín sehr gern wiederlesen würde.


    Fazit
    Ein solider Krimi der in einer wunderbar atmosphärischen Gegend spielt, die spürbar wird. Wenn auch ein wenig behäbig und teilweise langatmig.
    Die Figuren aber wiederum sehr intressant und machmal direkt erfrischend dargestellt sind.
    Für einen gemütlichen Lesenachmittag sehr gut geeignet. Wenn auch besser im Winter, wenn man sich einmummeln und mitfrieren kann. Obwohl.... bei den momentanen Temperaturen auch nicht so verkehrt :grin

  • Der 1. Fall für Hauptkommissarin Linda Lundin

    Meine Meinung:
    Das harte, aber beschauliche Leben in Jokkmokk wird durch den Mord an dem 19-jährigen Lucas empfindlich gestört. Hauptkommissarin Linda Lundin und ihre beiden Kollegen benötigen viel Geduld, um aus den Dorfbewohnern die Informationen herauszubekommen, die sie in ihren Ermittlungen weiterbringen.


    Jokkmokk? Nie gehört. Es gibt zum Glück eine Karte auf der Titelinnenseite, so dass man sich ein Bild davon machen kann, wo der Ort in etwa liegt.
    Die Autorin gibt sehr detaillierte Einblicke in die samische Lebensweise und Kultur, die einen großen Raum in der Geschichte einnehmen und die Krimihandlung ein ums andere mal in den Hintergrund treten lassen. Schließlich findet Linda heraus, dass die Bewohner Jokkmokks keinesfalls frei von Hass und Missgunst sind und langsam wird die Geschichte spannend. Die für mich überraschende Auflösung passt zur Geschichte, ich fand sie ganz gelungen.

    Ein netter, leiser und ruhiger Krimi aus dem hohen Norden, anschaulich geschrieben in einfacher Sprache. Ich vergebe 7 Punkte.